Schuldenkrise

Die Schulden, der Staat und die Roten

Kommentar der anderen | 8. September 2011, 18:08

Warum solide Staatsfinanzen gerade für Befürworter eines starken, aktiven Staates unverzichtbar sind - und man sich in Sachen Vermögenssteuer keinen falschen Illusionen hingeben sollte: Ein sozialdemokratisches Plädoyer für strikte Budgetdisziplin und Reformen - Von Gerhard Steger

Ende 2011 wird Österreich Staatsschulden von annähernd 220 Milliarden Euro haben, täglich werden es im Schnitt 31 Millionen mehr. Die Schulden erreichen schon über 73% des BIP, Tendenz noch immer steigend. Der Bund zahlt pro Stunde fast eine Million Euro an Zinsen. Das Bundesbudget 2011 sieht für den Zinsaufwand rund 7,8 Mrd. Euro vor, deutlich mehr als die Bundesausgaben für Wissenschaft und Forschung, oder für den Arbeitsmarkt oder für Jugend und Familie. Diese Zinsen zahlt die breite Masse der SteuerzahlerInnen: Die ergiebigsten Einnahmequellen des Staates sind die Lohn- und die Umsatzsteuer mit je deutlich über 20 Mrd. Euro pro Jahr. Diese Massensteuern finanzieren überwiegend die Staatsausgaben, auch die Zinsen. Wer aber erhält die Zinszahlungen, wer borgt uns Geld? Es sind vor allem Banken, große Vermögensverwalter, Versicherungen. In der traditionellen Sprache der Linken: Wir mästen das Finanzkapital mit den sauer verdienten Steuereuros der arbeitenden Massen.

Auch volkswirtschaftlich sind die Zinsen ein Problem: Nicht zuletzt aufgrund der begrenzten Aufnahmefähigkeit des heimischen Kapitalmarkts machen wir unsere Schulden vor allem im Ausland, in den letzten Jahren waren es über 80 Prozent. Daher gehen auch die Zinsen dorthin.

Ineffiziente Strukturen

Man hört immer wieder, dass Schulden für sinnvolle Investitionen eine gute Sache sind. Geschenkt. Aber die Struktur österreichischer Budgets zeigt: Wir haben nicht Defizite, weil wir so viel investieren. Wir haben Defizite, weil wir in ineffizienten Strukturen Geld verbrennen. Fünf Beispiele:

Q Föderalismus: Doppel- und Mehrgleisigkeiten; wer zahlt, schafft nicht immer an.

Q Bildung: hohe Ausgaben pro Schüler/-in, bescheidene Pisa-Ergebnisse.

Q Gesundheit: zu viele Spitalsbetten, fehlende Pflegekapazitäten.

Q Pensionen: zu niedriges tatsächliches Pensionsantrittsalter.

Q Förderungen: Liegen pro Jahr deutlich über unserem Defizit.

Gewöhnen wir uns also den gängigen Reflex ab, bei Problemen als Erstes nach mehr Geld zu rufen. Stecken wir keine zusätzlichen Mittel mehr in dringend reformbedürftige Strukturen: Frische Ressourcen nur Zug um Zug gegen Reformen, um Steuergeld bessern zu hebeln.

Hören wir damit auf, den Einsatz einer bestimmten Summe Geldes als politische Zielsetzung zu formulieren: X Prozent des BIP für dieses, Y Prozent des BIP für jenes. Es kommt vielmehr darauf an, was tatsächlich an Wirkungen erreicht wird. Das neue Haushaltsrecht des Bundes setzt dies um: Ab 2013 müssen alle Ministerien im jährlichen Budget auf den Tisch legen, welche fachlichen Ziele sie mit ihren Mitteln realisieren. Wir brauchen nicht a priori mehr Budgetausgaben, sondern mehr Hirnschmalz und die Courage, das, was wir ohnedies seit längerem an Reformnotwendigkeiten erkennen, endlich gegen die Kräfte der Beharrung durchzusetzen.

Schuldenpolitik stößt derzeit für alle sichtbar brutal an ihre Grenzen. Die globalen Finanzmärkte strafen Staaten, die im Ruf stehen, keine geordneten Staatsfinanzen zu haben, gnadenlos ab. Das geht blitzschnell und stützt sich auf Ratings. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Rating-agenturen recht haben oder fair sind oder nicht. Solange sich die Märkte nach ihnen richten, gilt ihr Urteil. Da hilft kein Lamentieren: Wir borgen Geld von anderen. Und die geben uns nur Geld, wenn sie uns vertrauen. Und der Maßstab für das Vertrauen sind eben Ratings - ob uns das nun passt oder nicht, es wird so gemacht. Punkt. Daher ist es ein Akt der ökonomischen Landesverteidigung, die eigenen Staatsfinanzen in Ordnung zu haben und so wenig Geld wie möglich zu borgen. Wenn wir in dieser heutigen Situation die Schuldenquote nicht zurückfahren, und zwar pronto, spielen wir mit dem Feuer.

Natürlich ist Wachstum bei der Reduzierung der Schulden hilfreich. Aber bei allem, was wir derzeit sehen, ist in den nächsten Jahren nicht mit brüllenden Wachstumsraten zu rechnen. Fazit: Wir werden aus den Schulden nicht rauswachsen, wir müssen weiter konsolidieren.

Die Sozialdemokratie steht im Ruf, im Zweifel Schulden in Kauf zu nehmen, um politische Ziele umzusetzen. Und das nicht nur in schlechten Zeiten (das ist keynesianisch ja vernünftig), sondern auch in guten.

Die wirklichen budgetpolitischen Fehler passieren - auch in Österreich- in guten Zeiten: Statt dann satte Budgetüberschüsse zu erwirtschaften, regiert weiter die Schuldenpolitik. Da kann es leicht passieren, dass man in schlechten Zeiten keinen Spielraum mehr zum Gegensteuern hat. Es gibt daher vier gute sozialdemokratische Gründe für strikte Budgetdisziplin und Reformen:

1. Wer einen starken, aktiven, umverteilenden Staat will, der braucht sehr solide Staatsfinanzen. Denn sonst kann der Staat seine Rolle nicht auf Dauer spielen.

2. Staatsschulden wirken durch die Zinsausgaben verteilungspolitisch von unten nach oben, also in die falsche Richtung.

3. Zu hohe Staatsschulden machen uns zum Spielball der Rating-Agenturen und des Finanzmarktes.

4. Ein starker, aktiver, umverteilender Staat ist auf Dauer nur finanzierbar, wenn er sehr effizient organisiert ist. Die Modernisierung ineffizienter staatlicher Strukturen muss daher ein Kernstück sozialdemokratischer Politik sein.

Natürlich kommt es darauf an, wie man konsolidiert. Auch das hat massive verteilungspolitische Implikationen. Weil wir ineffiziente Ausgabenstrukturen haben, müssen wir ausgabenseitig ansetzen. Internationale Beispiele zeigen, dass der Schwerpunkt erfolgreicher Konsolidierungen auf der Ausgabenseite liegt: Es gilt stark steigende Ausgabendynamiken zu brechen und Ineffizienzen zu reduzieren. Eine sozial ausgewogene Konsolidierung ist aber über die Ausgabenseite alleine nicht zu machen. Gutsituierte (z. B. beginnend beim Sektionschef und aufwärts) erwischt man ausgabenseitig nur unzureichend. Aber bitte keine Illusionen: Auf eine Schuldenquote von 60 % des BIP (die "Maastricht" -Marke) fehlen uns heuer nahezu 40 Milliarden Euro. Soviel liegen wir drüber. NUR mit zusätzlichen Konsolidierungsbeiträgen der Reichen (wie immer definiert) werden wir die Schuldenquote in absehbarer Zeit nicht auf verträgliche Niveaus absenken.

Daher werden alle beitragen müssen: Die Reichen (wie immer definiert) pro Nase entsprechend mehr, die Kleinen (wie immer definiert) pro Nase entsprechend weniger.

Konservative Hardliner etwa bei den US-Republikanern (gegen die viele unserer Konservativen ausgesprochen moderat sind) haben längst erkannt, dass zu hohe Staatsverschuldung ein wunderbarer Hebel dafür ist, die Rolle des Staates in anschließenden Sparpaketen massiv zurückzudrängen. Die hohen Defizite unter Reagan und Bush etwa sind wohl kein Zufall. Der neoliberale Schlachtruf "Starve the beast!" (Hungert die Bestie = Staat aus!) spricht Bände.

Schuldenpolitik macht also den starken, aktiven, umverteilenden Staat extrem verwundbar. Genau jenen Staat, der in der sozialdemokratischen Politikkonzeption eine zentrale Rolle einnimmt. Die Sozialdemokratie hat somit allen Grund, Vorreiter nachhaltig konsolidierter Staatsfinanzen und effizienter Staatsstrukturen zu sein.

Postscriptum: Bei sozialer Gleichheit liegt Österreich hinter Skandinavien (auch wenn wir das Ölland Norwegen weglassen). Die Schuldenquoten dieser Staaten sind aber dramatisch niedriger als unsere. Dies kann nicht nur an der Steuerquote liegen, denn da sind die Finnen mit uns gleichauf. Man kann den Wohlfahrtsstaat eben erheblich effizienter und effektiver organisieren, als wir das tun. Budgetüberschüsse waren in Skandinavien in der jüngeren Vergangenheit eher die Regel, Defizite eher die Ausnahme - auch unter sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung. Die Roten im Norden wissen, warum. (Gerhard Steger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9.9.2011)

Autor

Gerhard Steger, Chef der Budgetsektion im Bundesministerium für Finanzen, gibt in diesem Beitrag ausschließlich seine persönliche Meinung wieder.

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Der Wutbürger1
 
00
27.2.2012, 19:46
Seine Funktion gibt ihm die Möglichkeit der negativen Entwicklung entgegen zu wirken, jetzt sofort und nicht erst in seiner Pension, meine volle Unterstützung hätte er

Ggg14
00
12.9.2011, 23:13

Endlich erkennt das einmal jemand!!!

Ob der Werner auf ihn hören wird?

Gerhard Friedrich
01
10.9.2011, 13:18
Auch Unizugang ohne Studiengebühren ...

... sind eine Umverteilung von unten nach oben. Das als Ergänzung zu diesem großartigen, weil präzise formulierten und in der Sache fundierten Kommentar.

Andreas Prucha
00
Schuldenpolitik stößt derzeit für alle sichtbar brutal an ihre Grenzen. Die globalen Finanzmärkte strafen Staaten, die im Ruf stehen, keine geordneten Staatsfinanzen zu haben, gnadenlos ab. Das geht blitzschnell und stützt sich auf Ratings.

Der Fehler ist doch, die Abhängigkeit von den Finanzmärkten. Ein Staat kann aber nicht als "gewinnbringendes Unternehmen" geführt werden. Die Finanzmärkte versuchen aber genau das zu erzwingen. Eigentlich pervers: Der kleine Maxl steckt sein Geld via Fonds in Staatsanleihen und freut sich über die Zinsen, die er via Steuern selbst bezahlt. Gleichzeitig ruft er aber nach niedrigeren Steuern. Der bissl grössere Maxl haut ein bissl Geld in irgendwelche spekulativen Fonds, und freut sich als "Spekulant" darüber, dass die Mehlpreise nach oben gegangen sind, ärgert sich aber beim Einkaufen gleichzeitig über die gestiegenen Preisen und gibt die Schuld dafür der EZB und der Politik.

noldman
00
Der Artikel suggeriert, dass wir alle mehr Steuern

bezahlen müssen, sonst gehen wir unter.

Das ist falsch.

Weg mit den Bundesländern, Umwandlung der Bezirke in EU-Nuts Regionen. Also ein Österreich der Regionen. Halbierung der ganzen Förderungen (nachdem die Bundesländer dann nicht mehr existieren fällt hier schon mal extrem viel weg), Schließung von Spitalsstationen nach medizinischen Gesichtspunkten. Damit ein Arzt Mindestfallzahlen und damit Qualität zusammenbringt. Dafür die Reha die länger dauert als die kurze OP näher zu den Menschen, statt wie bisher umgekehrt. Erhöhung des durchschn. Pensionsalters auf das Niveau von vor 30 Jahren.

Das reicht für Überschüsse + Steuersenkungen.
Investitionen in die Zukunft (Bildung + Forschung -> Patente)

Wer für Öst. ist, ist für Reformen!

nie wieder
00
meine Meinung...

...es ist schon echt mühsam solche Aetiekl zu lesen. Der Artikel ist ja gut und richtig, aber seid 1970 erscheinen immer wieder irgendwo Artikel die Reformen fordern. Es ist einfach schon so mühsam, weil nichts passiert, sondern Seite um seite mit tollen richtigen Artikeln gefüllt wird - und aus.

andreas wreiser
 
00
Der Treppenwitz der Geschichte ist,

dass in vielen Ländern die Linken,
die Neoliberalen Reformen eingeleitet haben.
Rot-Grün hat Deutschland zu dem Neoliberalsten Land in Europa gemacht.
Voller Stolz hat dann Schröder vor den Managen und Bankern in Davos,
denn Vollzug zur Schaffung des größten Niedriglohnsektors Europas verkündet.
(Niedriglohn von Heute
ist die Altersarmut und
Ende des Sozialstaates von Morgen)
Die "Linken" waren auch so erfolgreich,
weil sie die Gewerkschaften in Schach gehalten haben.
Die Konservativen hätten kein so leichtes Spiel gehabt.

Andreas Prucha
00
Stimmt leider. Das Problem ist meiner Ansicht nach, dass Menschen nach Regeln und Sicherheit rufen,

wenns schlecht läuft oder gecrahst hat - aber, sobald sich die Lage wieder stabilisiert hat die Regeln als Einschränkung empfinden. Dann glaubt jeder, mit weniger Regeln würde er besser leben.

Ich denke eben *weil* die Mehrheit damals sich eher eingeschränkt gefühlt hat, hat die Linke sich den Forderungen angepasst. Es ist halt immer ein Blanceakt zwischen Sicherheitsbedürfnis und Glücksrittertum. Damals haben sich alle irgendwie sicher gefühlt und wollten Wagnisse eingehen (alle im sicheren Gefühl zu gewinnen).

tho_mi
00

Im Prinzip wird nur das gesagt, was vielen eh schon längst klar ist, es müssen Reformen her...

Mathias Kobl
01
ein sehr erfreulicher beitrag

da werden die dinge beim namen genannt. die aussagen sind auch logisch und nachvollziehbar. schuldenpolitik ist letztendlich reichenförderung. weil nur wohlhabende anleihen kaufen können.
leider gaukeln die luxus-linken den menschen etwas vor, das letztendlich zum nachteil der gesamten bevölkerung führt. jemand der es gut meint mit den menschen, nimmt kein geld für zum teil gar nicht notwendige ausgaben auf, um es dann vielfach zurückzuzahlen. wir finanzieren mittlerweile die zinsen für unsere schulden mit kredit
der herr sektions chef und prof hat wieder einmal einen sehr guten beitrag geliefert.

Bogo09
00
Das ist zu einseitig - Ohne Idee ka Zukunft!

Jeder "Kramer lobt sei War"! Das Sparen in schlechten Zeiten als sozialdemokratische Idee zu verkaufen, ähnelt volkswirtschaftlich einem "Computerabsturz ohne Reboot". Zudem sollten die Sozialdemokraten die beschleunigten Kapitalakkumulationen nicht so einfach hinwegargumentieren.
Das Grundproblem ist, dass es zu viel Geld (Derivate) gibt, das sich der sozialen Kontrolle entzieht. Die Globalökonomie leidet an zu viel Geld, nicht an zu wenig. Wir, d.h. der Staat - die Staatengemeinschaften müssen diese Kapitalien schleunigst in den Griff bekommen, und große Teile davon verwenden, um in Bildung, Forschung, nachhaltige Projekte, Recycling ... zu investieren. Nur mit nachhaltigen "grünen" und solidarischen Ideen kann man die Zukunft gewinnen.

Hans Hosendonner<<3
00
der herr steger hat schon recht wie er die syptome beklagt, das kernproblem der vershculdung trifft er jedoch leider nicht: mehr effizienz bei den staatsausgaben , mag zu einr verbesserung der staatlichen services für die bürger führen, es ändert ab

es ändert aber nichts daran dass in summe zu wenig geld da ist,die schulden zu bedienen.
was der staat nicht an seine bürger ausgibt, fehlt diesen für konsum und steuerleistung.
und warum fehlt in summe geld?
weil neues geld immer nur durch schuld erzeugt wird.

die zentralbanken (welche sich zum großteil in besitz von privatbanken befinden) drucken das geld einfach und verleihen es gegen niedrigen leitzins an die geschäftsbanken. die geschäftsbanken verleihen es zu wesentlich höheren zinsen and den staat.
die bank hat aber keinen produktiven beitrag für die entstehung dieses geldes geleistet.
warum also zahlt der staat der bank tilgung und zinsen für ein luftgeld für das die bank nichts geleistet hat?
wir werden von den banken beraubt!

Garfield2
01
Einer der besten Kommentare seit langem!

Ich glaube, die halbwegs intelligenten unter den Sozis sind sich den Argumenten Stegers auch bewusst.

Unser Staat ist nicht unsozial, weil wir zu wenig umverteilen, sondern weil wir es ineffizient machen und Prioritäten falsch setzen. Schulden liefern uns nur der Willkür des Marktes aus.

Das Problem ist, dass man bei uns politisch nicht in der Lage ist, grosse Strukturreformen anzugehn und umzusetzen. Wir brauchen also nicht nur Leute, die wie Steger in der Lage sind, Probleme richtig zu analysieren, sondern auch deren Lösungen umzusetzen.

Politiker wollen keinem ihrer Spezies wehtun. Da unterscheiden sich die roten nicht von den schwarzen. Das Problem ist nur, dass man damit einen ganzen Staat mittelfristig gegen die Wand fährt.

you are not alone
05
Parteiausschluß - sofort

nein, im Ernst, es ist wohltuend, realistisch die Probleme aufgezeigt zu bekommen und dazu auch noch mögliche Lösungsansätze gesagt zu bekommen.

Ich krieg schon Bauchschmerzen, wenn andauernd irreale Lösungsansätze in den Medien diskutiert werden: neue Ratingagenturen, Eurobonds, Finanztransaktionssteuern, die paar 80.000 sollen alles zahlen, usw.

Die unsoziale Komponente des Schuldenmachens, die Hr. Steger aufzeigt, kann nicht oft genug betont werden. Vielleicht wäre noch die unsoziale Seite der Inflation hervorzuheben, die ja auch als Lösungsansatz gehandelt wird.

amused8
32
Alles gut und schoen. Aber mehr Effizienz loest das Problem nicht! Es mildert nur kurzfristig.

Auch wenn nur noch 20tausend Beamte oesterreichweit 16 Stunden pro Tag arbeiten wuerden, das Staatschuldenproblem wuerde wiederkommen. Es ist systemimmanent. Denn der Guthabenakkumulation (in Geld) der reichen Privaten muessen Schuldtitel gegenueberstehen. Und diese Schuldtitel haelt der Staat, er muss sie halten. Ergibt sich aus der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik. Denn im Geldsystem gilt: Soll = Haben. Die einzige Besserung kann nur die Aufloesung der Guthaben durch Besteuerung sein. Oder zunindest durch den Zwang, das Geld in irgendeiner Form realwirtschaftlich auszugeben, sprich zu investieren. Weil das nicht durchsetzbar scheint, wird sich das Problem weiter verschlimmern, mit oder ohne Effizienz.

Kontra
10

80% der Staatsschulden sind im Ausland platziert. So viel zur 'Saldenmechanik' die, Pardon, ein Unfug ist. Kein Mensch zwingt einen Privaten, eine Firma oder einen Staat sSchulden zu machen. Und wenn jemand für sein Geld keinen Gläubiger findet, der ihm Zinsen bezahlt, bringt das auch niemanden um.

Andreas Prucha
00

Natürlich sind wir gezwungen Schulden zu machen. Geld kommt via Schulden in Umlauf. Geldvermögen stehen die gleichen Geld-Schulden gegenüber. Ohne Schulden wäre kein Geld im Umlauf.

amused8
12

Wo schreib ich irgendwo von Inland und Ausland. Im Euro Raum gibt es bezueglich des Geldes kein In- und Ausland. Deshalb muss man hier die Salden aller EMU-Staaten zusammenfuehren. In Staaten mit einer Nationalbank gilt aber uneingeschraenkt, was Randall Wray, ein US-Oekonom ersten Ranges (Schueler von Herman Minsky) titelt:

Government Deficits Translate into Surpluses for the Non-Government Sector

http://www.creditwritedowns.com/2011/02/g... ances.html

Mit anderen Worten, ohne Staatsdefizit keine privaten Guthaben.
Rot stricheln ist halt einfacher als sich zu informieren.

hope1976
02

Endlich einmal ein sehr guter Kommentar! Leider werden die Protagonisten aus der Politik diese sinnvollen Vorschläge ignorieren - wie immer.

Mike 23
18
Danke fuer den Kommentar

Stimme vollkommen zu.
Wer sich die Moeglichkeit fuer soziale Lenkeffekte nicht nehmen lassen will, der darf nicht durch das Rueckzahlen von Schulden daran gehindert werden.

Michael

Kleinhirn
00

Bezüglich Verwaltungsreform gibt es schon Studien aus den letzten 10 Jahren, etliche Arbeitsgruppen, sogar Konklaven wurden gemacht (letzten Nov, sitzen die noch immer eingesperrt in einem Zimmer?).
Rausgekommen sind immer hohe Kosten, 1000 Seiten Papier welche ignoriert werden, eine Erhöhung der Möst und eine Kürzung der Kinderbeihilfe.
Auch der nächste Versuch einer Verwaltungsreform wird so enden.

Moralapostel
 
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jetzt heisst's den Guertel enger schnallen, Herr Steger;-).

Ein Problem kleines gibt es doch noch: der Zeitpunkt der Budgetkonsolidierung ist entscheidend. Wir sind ein kleines Land, auf uns kommts nicht an, ok. Aber wenn alle Staaten gleichzeitig zu sparen beginnen, gibts kein Wachstum und dann wird Schuldenabbau wie der Lauf zwischen Hase und Igel: http://www.imf.org/external/... 11158.pdf.
Deshalb der Rat der OECD angesichts einer verschlechternen Weltkonjunktur: lasst erst mal die Problemlaender sparen (ob Oesterreich schon dazuzaehlt?): http://www.oecd.org/dataoecd/... 85038.pdf. Mittelfristig haben Sie freilich recht.

Kontra
00

Die gute Nachricht ist. Der Hebel den der Staat mit seinen Ausgaben hat, ist weit unter dem, den die sonstige Wirtschaft hat. Und da ist die Wettbewerbsfähigkeit der Standortbedingungen das Entscheidende. Leider fällt Österreich jetzt wieder merkbar zurück.

José Atento
13
Gut geschrieben Hr. Frey!

Die Schuldner müssten sich eigentlich glücklich schätzen, dass es noch Kapitalgeber gibt, die bei negativen realen Zinsen ihr Geld verborgen (die so genannten Wohlhabenden). Das ist bereits ein großer Beitrag, den diese Finanziers leisten.

Das Verwunderliche ist doch, dass TROTZ der latenten Gefahr einer Staatsinsolvenz diese Politiker nicht bereit sind Reformen anzugehen. DAS ist grob fahrlässig und gefährdet in Wahrheit den Sozialstaat.

Diese Politiker sollten einmal die Konsequenzen ihres (Nicht-)Tuns und ihrer Verantwortung tragen.
Mehr als Populismus ist derzeit nicht zu erkennen.

Bioberni31
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Ähm

eins wär schon noch hinzufügen von wegen der roten Schuldenpolitik,,,den Finanzminister in den letzten 11 Jahren hat aber schon die ÖVP gestellt, von 2000 bis 07 waren die Roten nicht mal in der Regierung...und da wurde auch nicht konsolidiert sondern an Freunderln verkauft ...es erinnert fast ein wenig an den Ausverkauf der ehemaligen sowjetischen Firmen

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