Rot-grüne Einigung, von der die Roten nichts wissen

8. September 2011, 18:45

Erstmals gehen die Koalitionspartner in Wien auf Konfrontation: Die Grünen wollen, so wie die SP-Basis, das Landesgesetz für das kleine Glücksspiel auslaufen lassen und bringen damit die rote Regierungsriege in Rage

Wien - Ein Grüner als Erfüllungsgehilfe für die Wünsche der roten Basis? David Ellensohn, Klubobmann der Grünen im Wiener Rathaus, hat genau das vor: Er werde der SPÖ helfen, das vom Landesparteitag gegen den Willen der Parteispitze beschlossene Verbot des kleinen Glücksspiels durchzusetzen, sagte er am Donnerstag - und skizzierte eine Lösung für den schwelenden Konflikt: Der Landtag beschließt kein Verbot, sondern lässt das Gesetz mit Dezember 2014 einfach auslaufen.

Am 1. Jänner 2015 tritt dann das neue Bundesgesetz in Kraft, das maximal 500 Automaten pro Kasino erlaubt. Darüber hinaus könnte Wien per Landesgesetz bis zu drei Lizenzen für maximal 2800 Automaten vergeben, die laut einem Gesetzesentwurf, der kürzlich durch die Medien geisterte, in Spielhallen mit 50 Geräten stehen würden - mit den kleinen Automaten-Kabäuschen wäre dann Schluss. Zusätzlich darf der Lotteriebetreiber Video-Lotterie-Terminals (VLT) aufstellen; darauf würde man auf Wunsch der Stadt aber verzichten, kündigte Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler an.

Ellensohn will verstärkte Prävention und ein Gesetz zum Spielerschutz - zusätzliche Automaten auf Basis eines Landesgesetzes werde es mit den Grünen aber nicht geben. Bei der SP reagierte man verärgert: Von einem "Rückfall in frühere Zeiten" sprach SP-Klubobmann Rudolf Schicker, der von den Plänen seines grünen Pendants nichts wusste. Inhaltlich "werden Sie nichts aus mir herausbekommen", ließ Schicker den STANDARD wissen. Die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SP) wollte sich gar nicht zu dem Thema äußern und verweist auf Schicker, der wiederum auf eine vom Gemeinderat eingesetzte Kommission verweist, die einen Entwurf vorlegen soll. Bis wann? "Wenn es nach mir geht, bis Ende August 2011", sagt Schicker, der sich darüber ärgert, dass diese Diskussion - nicht zuletzt wegen der aufmüpfigen roten Basis - öffentlich geführt wird: "Zurück in die Verhandlungsstube und Tür zu."

Ebendiese Basis will auch die Bundes-SP mit einem Totalverbot des kleinen Glücksspiels befassen. Das ist ganz im Sinne des grünen Nationalrates Peter Pilz, der Bürgermeister Michael Häupl (SP) und Stadträtin Sima als "natürliche Verbündete" in der Sache sieht. Ziehe man die aus Kasinos zu erwartenden Einnahmen und die sozialen Folgekosten des kleinen Glücksspiels von den derzeit 60 Millionen ab, die jährlich auf diesem Wege in die Stadtkassa kommen, dann würden Wien pro Jahr bloß 20 Millionen Euro entgehen, rechnete Pilz vor. "Es kann nicht sein, dass die SPÖ deswegen eine Zerreißprobe riskiert", meint Ellensohn. (Andrea Heigl, STANDARD-Printausgabe, 9.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 139
1 2 3 4
Laus im Pelz
01
10.9.2011, 08:43
Unsere Volksvertreter wollen doch nur unser Bestes

Und unser Bestes ist für die alle unser Geld.
Wenn bei der Durchsetzung von Gesetzen noch die eine oder andere Spesenverschiebung ins eigene Börsel möglich ist, hat ja auch keiner was dagegen.
Wie wir uns den ganzen Schmarren überhaupt eingebrockt haben ? Der Lebenslauf von unserem Gio Hahn könnte da aufklärend wirken.

Das Idealbild der "Solidarischen Gesellschaft" stellt einen Lösungsansatz für die diversen oben angesprochenen Problembereiche dar. Einzeln herausgepickt führt die Diskussion leicht ins Absurde.

Christen wie Kommunisten müssten eigentlich geschlossen um so ein Modell der solidarischen Gesellschaft ringen. Lassen unsere indoktrinierten Gehirne wirklich nurmehr Diskussionen über Budgetpostenverschiebungen zu ?

Rodrigo Higgings
01
Wie wäre es mit einer Volksabstimmung zum Thema:

Glücksspiel?????

Das Ergebnis kann ich mir schon im Vornherein ausmalen. Und genau aus diesem Grund wird das Volk
für zu dumm erklärt, darüber eine Entscheidung zu treffen.

Das nenne ich eine wahre Demokratie! Man beschützt uns vor unseren eigenen Fehler präventiv.

Briefmarkenkleber
00
12.9.2011, 17:30

Hä? Demokratie (mit Freieheitsrechten) heißt in diesem Fall, dass Sie sich aussuchen, ob Sie in eine Automaten-Krachen gehen oder nicht.

Jan Sommer
02
Also ich kenn 2 Gruppen von Leuten, welche inbrünstigst darum beten,

dass alles Kleine Glücksspiel verboten wird:

Die einen, weil dann Handy- und Internetglücksspiel ein nicht regulierbares und steuerfreies Bombengeschäft wird
und die anderen, weil sie glauben, dass sie dann bei den "neuen" alten Konzessionären weiter abstauben können, wenn die Konkurrenz brav aus dem Weg geräumt ist.

Die einen nennt man Unternehmer und die anderen sind selbstverständlich nicht die österreichischen Beamten und Politiker.
js

jovanotti_for_president
01
10.9.2011, 01:10

Ersteres passiert so und so schon, da würde sich nicht viel grossartig ändern, ausser dass ein paar Existenzen weniger runiert würden. Denn Automat bedienen bedeutet nicht gleich ins Online-Casino einsteigen.
Und natürlich kann man das online auch regulieren, z.B. dass User (an Kreditkarte gebunden) nur bis zu einer gewissen Summe verspielen dürfen.

Zweitere, vor korrupte Politiker wissen immer, wo sie zu ihren "Zusatzverdiensten" kommen.
Ob das der Hersteller der Automaten oder ein Casino-Betreiber spielt da keine grosse Rolle.

Am Wichtigsten wäre, den Menschen bewusst zu machen, dass Glücksspiel ein guter Zeitvertreib aber so gut wie nie eine Verdienstmöglichkeit sein kann.

Jan Sommer
00
10.9.2011, 08:04
Natürlich kann man online gar nichts regulieren,

die Leute machen (anonym und verschlüsselt) was sie wollen und sich anbietet
und wer benützt schon Kreditkarten.

Träumens weiter ....
js

peter schmidt
 
01
14.9.2011, 11:05
Das online Glücksspiel ist auch gefährlich trifft aber eine völlig andere Gruppe von Interessenten.

Es wird durch eine Abschaffung der Automaten definitiv weniger ruinierte Existenzen geben.

Und glauben Sie wirklich Kevin, MUrat und Dragan sowie die Inge und die Gordana werden sich mit paysafe karten ruinieren?

jovanotti_for_president
00
10.9.2011, 16:07
Interessant

Wie meldet sich ein User an?
Wie bezahlt er das Online-Service? Bar?

Jan Sommer
00
12.9.2011, 15:56
Gehens ins nächste Postamt oder zum Spar legens

einen Hunderter oder einen Zehner hin und sagens "paysafe".

Auf dem daraufhin ausgefolgten Kassenzettel steht eine 16stellige Nummer, die tippens in Ihr Handy, Laptop oder PC ein und schon könnens weiter Roulette, Poker, Book of Ra etc. spielen.

Sonst nix! Anonym ? - selbstverständlich !

Gibts seit vielen Jahren, auch international im web und längst Konkurrenzanbieter dazu.

Irgendwie haben Sie die Realität des onlineGlücksspiels seit Jahren versäumt.

Hab mal nachgeschaut - ist seit 97 verboten, keiner kanns kontrollieren, niemand wird dafür bestraft und diese Zahlungsform wird auch für hunderte andere Sachen im web verwendet.
js

jovanotti_for_president
00
14.9.2011, 12:52
Danke für die Info

Natürlich habe ich die Realität des Glücksspiels versäumt, da ich kein Glücksspieler bin.

Da das eine Pre-paid Sache ist, ist man per se schon limitiert und man kann leicht aufhören, wenn man bei 0 ist. Nicht wirklich ideal aber immer noch besser als die Automatengeldvernichtungsmaschine. Ausserdem hat man auch wesentlich mehr Auswahl. Immerhin.

Ich denke auch, dass es sich da um eine andere Zielgruppe handelt.

jovanotti_for_president
00
14.9.2011, 12:52
Danke für die Info

Natürlich habe ich die Realität des Glücksspiels versäumt, da ich kein Glücksspieler bin.

Da das eine Pre-paid Sache ist, ist man per se schon limitiert und man kann leicht aufhören, wenn man bei 0 ist. Nicht wirklich ideal aber immer noch besser als die Automatengeldvernichtungsmaschine. Ausserdem hat man auch wesentlich mehr Auswahl. Immerhin.

Ich denke auch, dass es sich da um eine andere Zielgruppe handelt.

Resteverwerter
02
Wer hat eigentlich dieses neue Bundesgesetz gekauft?

Oder warum wurde es beschlossen?

Jan Sommer
00
Der größte Gläubiger ?

js

TrickkisteX
00
Wie wäre es mit einer Volksbefragung

;-)

Günther Seehofer
64

Am besten alles verbieten.

Die Grünen sind auf dem besten Weg, Vorreiter einer neuen Verbotsgesellschaft zu werden.

Rauchen, Glücksspiel etc etc.

Was ist nur aus der 68er-Generation geworden? Eine Schande

Gobi Todic
00
selbstmord

ist auch verboten. in der kirche.

donna corleona
42

Differenziertes Denken ist nicht ganz das Ihre, nicht wahr?
Die Grünen sind
PRO GRÜN, pro Umweltschutz, pro Nachhaltigkeit
das bedeutet natürlich auch GEGEN AKW,
Die Grünen sind
PRO GERECHTIGKEIT
das heißt für eine Umverteilung von oben nach unten
PRO BILDUNG
das heißt naturgemäß für das Modell der gemeinsamen Mittelschule und für einen freien Hochschulzugang
PRO GESUNDHEIT
kann konsequenterweise nur heißen: Nichtraucherschutz und Suchtprävention.

Majestix
 
02
Widerspruch zu nachstehenden Aussagen:

PRO GERECHTIGKEIT
das heißt für eine Umverteilung von oben nach unten
PRO BILDUNG
das heißt naturgemäß für das Modell der gemeinsamen Mittelschule und für einen freien Hochschulzugang

Umverteilen von oben nach unten hat mit Gerechtigkeit nahezu nichts zu tun sondern sind vorsichtig ausgedrückt marxistische Denkweisen

Freier Hochschulzugang ohne wenn und aber führt ins Chaos (siehe derzeitige Situation). Die gemeinsame Mittelschule verstehe ich als Verzweiflungstat mangels anderer Ideen.

donna corleona
10

Exkurs zu mehr Verteilungsgerechtigkeit:

Global Wealth Report der Boston Consulting Group: "Die österreichische Volkswirtschaft gehört nicht nur zu den reichsten der Welt, die Alpenrepublik beherbergt auch überproportional viele Superreiche - auf je hunderttausend österreichische Haushalte kommen statistisch gesehen acht Haushalte, die ein Vermögen von mehr als 100 Mio. Dollar besitzen. Dies entspricht umgerechnet 69,5 Mio. Euro.Damit befindet sich Österreich in Sachen Millionärsdichte an weltweit fünfter Stelle und wird dabei nur von ölreichen Staaten und Finanzzentren abgehängt (Saudi-Arabien, Schweiz, Hongkong, Kuwait)."

Sollten Sie bessere Ideen (als z.B. Grund- und Erbschaftssteuer) haben, please let us know!!!

Jan Sommer
01
Bundesländer abschaffen und Parteimitglieder

im öffentlichen Dienst entlassen !
js

Guy Fawkes 5/11
01
14.9.2011, 11:17

Wäre schon mal ein Anfang! Weg mit den widerlichen Parteigünstlingen.

Majestix
 
01
Widerspruch zu nachstehenden Aussagen:

PRO GERECHTIGKEIT
das heißt für eine Umverteilung von oben nach unten
PRO BILDUNG
das heißt naturgemäß für das Modell der gemeinsamen Mittelschule und für einen freien Hochschulzugang

Umverteilen von oben nach unten hat mit Gerechtigkeit nahezu nichts zu tun sondern sind vorsichtig ausgedrückt marxistische Denkweisen

Freier Hochschulzugang ohne wenn und aber führt ins Chaos (siehe derzeitige Situation). Die gemeinsame Mittelschule verstehe ich als Verzweiflungstat mangels anderer Ideen.

Günther Seehofer
02
Ja aber

Prävention muss nicht automatisch Verbot heißen. Oder sind Sie tatsächlich dieser Meinung?

Was ist das nächste? Alkohol? Haben sicher zehn mal so viele Alkoholkranke wie Spielsüchtige.

Was ist mit Diabetes etc.?

Wo hört das alles auf? Ich bleibe dabei: Vorreiter einer Verbotsgesellschaft zu sein, halte ich für nicht kompatibel mit Grünen Idealen.

donna corleona
30

Alkohol - gutes Beispiel, das zeigt, dass Aufklärung allein zu wenig ist!!
Es geht auch um eine Reduktion der Möglichkeiten/Versuchung/Verführung - und dies ist bei Spielautomaten möglich, indem man sie eben nicht an jeder Ecke anbietet.

Günther Seehofer
02

Genau. Und derjenige, der süchtig ist, wird dann gesund und weicht nicht etwa zum Online-Glücksspiel aus?

Das ist doch kurzsichtig!

Und, liebe Donna Corleona. Nachdem Sie sich bei Grünen Themen so gut auskennen: Droht nun auch die Forderung nach einem totalen Alkoholverbot?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 139
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.