Meeresspiegel steigt

Kiribati erwägt Umsiedlung der Bevölkerung auf schwimmende Inseln

8. September 2011, 12:47

Beim Forum der Pazifikinseln (PIF) kommen auch radikale Ideen zur Rettung bedrohter Inselstaaten zur Sprache

Auckland - Der ansteigende Meeresspiegel wird allmählich zur akuten Gefahr für die Bewohner zahlreicher Pazifikinseln. Das Forum der Pazifikinseln (PIF) hat auf seinem Gipfeltreffen im neuseeländischen Auckland die Klimaentwicklung  als "größte Bedrohung" der Region bezeichnet. In einer Erklärung des aus 16 Staaten bestehenden Forums hieß es am Donnerstag, in einigen Pazifikstaaten wie Kiribati hätten Bewohner wegen des steigenden Meeresspiegels infolge der Klimaerwärmung bereits umgesiedelt werden müssen. Sie forderten unter anderem finanzielle Unterstützung für die Menschen.

Während des Gipfels brachte Kiribatis Präsident Anote Tong auch radikale Lösungen für das Klimaproblem zur Sprache. Demnach könnte die gesamte, 100.000 Einwohner zählende Bevölkerung seines Landes, das aus 33 Atollen besteht, künftig auf künstlichen schwimmenden Inseln leben. Tong zufolge würde die Umsiedlung auf Bauten, die Ölplattformen ähneln könnten, insgesamt zwei Milliarden US-Dollar (1,42 Milliarden Euro) kosten.

Meeresspiegel steigt schneller als je zuvor

Zuletzt hatte ein Forscherteam rund um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine Studie veröffentlicht, die zu beängstigenden Schlüssen kommt. Demnach ist der Meeresspiegel infolge des Klimawandels seit Beginn der Industrialisierung schneller gestiegen als je zuvor in den vergangenen 2.000 Jahren. Anhand von fossilen Ablagerungen an der nordamerikanischen Atlantikküste erstellte die Gruppe die erste durchgehende Rekonstruktion der Meeresspiegelschwankungen über einen so langen Zeitraum.

Bisher sei der Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Anstieg des Meeresspiegels nur für die vergangenen 130 Jahre belegt worden, sagte Rahmstorf. Die neue Studie weise diesen Zusammenhang nun für 1.000 Jahre nach und erhärte die Annahme, dass der Meeresspiegel umso rascher steigt, je wärmer das globale Klima wird. "Der Mensch heizt mit seinen Treibhausgasen das Klima immer weiter auf, daher schmilzt das Landeis immer rascher und der Meeresspiegel steigt immer schneller."

Für ihre Studie, die in im Juni den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschafter fossile Kalkschalen von Einzellern, die sie in Bohrkernen aus Salzwiesen an der nordamerikanischen Atlantikküste fanden. Weil diese Einzeller jeweils in einer ganz bestimmten Höhe abhängig von Ebbe und Flut leben, zeigen Menge und Art der gefundenen Kalkschalen die Höhe des Meeresspiegels an. Zwar sei dies ein lokaler Befund, so die Forscher, weltweit liege die Höhe des Meeresspiegels aber ihren Annahmen zufolge höchstens zehn Zentimeter darüber oder darunter. Der Verlauf des globalen Meeresspiegelanstiegs sei daher wahrscheinlich ähnlich gewesen.

Vier Phasen

Die erhobenen Daten zeigen vier Phasen: Von 200 vor Christus bis 1000 nach Christus sei der Meeresspiegel stabil gewesen. In den nächsten vier Jahrhunderten stieg er aufgrund der mittelalterlichen Warmperiode jeweils um etwa fünf Zentimeter an. Anschließend blieb er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erneut stabil. Seitdem stieg der Meeresspiegel um 20 Zentimeter. "Damit ist dieser Anstieg um ein Mehrfaches schneller als alles, was es in den vorausgegangenen 2.000 Jahren gegeben hat", schreibt das PIK in einer Mitteilung.  (red/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 78
1 2 3
Chris Quast
00
20.9.2011, 00:22

"Demnach könnte die gesamte, 100.000 Einwohner zählende Bevölkerung seines Landes, das aus 33 Atollen besteht, künftig auf künstlichen schwimmenden Inseln leben. "

titel vergessen, aber da gabs ein gute doku bei servus tv (vor monaten) wo ein volk gezeigt wurde, dass fast ausschließlich im meer lebte. auf booten und pfahlbauten.

theres mallinger
04
12.9.2011, 04:02
Von den untergehenden Koralleninseln

reden immer nur die Politiker. Das alleine sollte zur Vorsicht mahnen.

http://www.spiegel.de/spiegel/0... 19,00.html

NickKnarrkarton
02
17.9.2011, 01:50
theres mallinger
00
17.9.2011, 06:55
Danke, köstlich!

Searles
 
30
13.9.2011, 15:38

"Ein Team von Geologen geht vor Ort einem faszinierenden Verdacht nach: Können die Strände mit dem Meeresspiegel ansteigen?"

Und daraus schliesst du, dass die Koralleninseln wachsen?

theres mallinger
04
14.9.2011, 03:13
Vor 18.000 Jahren war der Meeresspiegel um 130 m niedriger als jetzt

Der Meeresspiegel steigt also durchschnittlich um mehr als einen halben Millimeter/Jahr.

Indem jetzt Koralleninseln kaum höher als 1.5 Meter über die Meeresoberfläche hinausragen, müsste alle Koralleninseln nach ein paar Tausend Jahren verschwunden sein.

Sie sind aber noch immer da!

Interessant, nicht wahr?

Searles
 
00
14.9.2011, 08:11

Wieviel ist er in den letzten 100 Jahren gestiegen und wieviel in den 17.900 Jahren davor?

Searles
 
00
15.9.2011, 12:13

... "und wieviel in den 17.900 Jahren davor?"

Machen wir es kurz: Hat sich der Meeresanstieg beschleunigt?

Dhimmi
24
"Sie forderten unter anderem finanzielle Unterstützung für die Menschen"

Das ist der Punkt
Ein Anstieg ist bislang nicht bekannt.

Was allerdings geschieht ist, dass durch den Bevölkerungszuwachs Küstenstreifen besiedelt werden, die man früher mied. Feste Bauten sind auf Korallenatollen prinzipiell problematisch. Schon eine Hafenmauer kann die Strömungen so ändern, dass diese die gesamte Insel abbauen (und an anderer Stelle wieder aufschwemmen...)

Man muß begreifen, dass gewisse Gebiete wie Atolle oder Wüsterandzonen nur eine ganz bestimmte Art von Zivilisation und eine ganz begrenzte Anzahl von Individuen verkraften.

Man sollte diesen selber verschuldeten Suizid, den die Leute betreiben, nicht auch noch unterstützen.

-blos so-
12
fertig lesen - da steht doch eh alles drin

Die erhobenen Daten zeigen vier Phasen: Von 200 vor Christus bis 1000 nach Christus sei der Meeresspiegel stabil gewesen. In den nächsten vier Jahrhunderten stieg er aufgrund der mittelalterlichen Warmperiode jeweils um etwa fünf Zentimeter an. Anschließend blieb er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erneut stabil. Seitdem stieg der Meeresspiegel um 20 Zentimeter. "Damit ist dieser Anstieg um ein Mehrfaches schneller als alles, was es in den vorausgegangenen 2.000 Jahren gegeben hat", schreibt das PIK in einer Mitteilung.

pr re
00

AbstractFree
http://geology.gsapubs.org/content/3... /145.short
P.S. Kench, R.F. McLean and S.L. Nichol
Accepted 21 October 2004.

aleph null
10
Da hamma wieder den berühmten Konsens

studiosa1
44
Recht unwahrscheinlich

Wieso soll auf Kiribati der Meeresspiegel steigen, wenn er anderswo nicht steigt?
Ich kenn die Geschäftsidee von den Malediven. Dort ist der Meeresspiegel nicht um einen Millimeter gestiegen - aber es wird damit Politik gemacht um Gelder zu ergaunern.
Unsere Gutmenschen fallen drauf herein.

-blos so-
32
so viel Blödheit ist ja wirklich unglaublich

reden sie sich nur ihre Welt schön... Personen wie sie (ich sage bewußt nicht Mensch) sind sowieso unbelehrbar...

DD1981
00

Waterworld wir kommen...yeah...

Snieftaps
38
Schnell, FS3

Flieg hin und erklaer ihnen, dass sie sich das alles nur einbilden!

presumption of innocence
10
Wer will auf einer Ölplattform leben?

Wasser, Lebensmittel, Müll...?
Um 1,4 Milliarden nimmt der Michi die 100.000 auch auf und siedelt sie auf der Donauinsel an.

Der Tod
02
Abwarten

da wird sich erst etwas Bewegen wenn
http://de.wikipedia.org/wiki/Thilafushi
zu schwimmen droht.

aleph null
73
Interessant!

Ich habe mir immer erklären lassen müssen, dass die mittelalterliche Warmperiode lediglich ein lokales Phänomen in Europa sei, global wären die Temperaturen in dieser Epoche gar nicht höher gewesen:

http://www.global-warming-and-the-climate.com/mann%27s-... -graph.htm

Jetzt hören wir, dass es *wegen* dieser Warmperiode einen Meeresspiegelanstieg gab.

Was stimmt jetzt?

studiosa1
11
"Was stimmt jetzt?"

Es gibt nachweisbar keinen Anstieg des Meeresspiegels.

Christoph Karl Steininger
14
Das Klimaoptimum betraf Mittel und Nordeuropa

Das ging so weit daß in Gotland, im bottnischen Meerbusen, Wein angebaut wurde.
In ganz Nordeuropa und Island und Grönland gingen Gletscher zurück. Das heißt daß sie abschmolzen was zu einer Mengenvergrößerung des Meeres führte. Von einem Meeresspiegel zu sprechen ist angesichts der neuen Erkenntnisse über die Schwerkraftverhältnisse vielleicht ohnehin obsolet!

aleph null
01
10.9.2011, 12:47
Ja, so in der Art habe ich das auch oft gehört

Ich frage mich nur, woher das Klima weiß, dass es in Mittel- und Nordeuropa wärmer werden soll und überall anders nicht. Um eine zufällige Schwankung wird es sich ja wohl nicht handeln, denn immerhin dauerte diese Warmperiode Jahrhunderte.

Bevor man so etwas behauptet, sollte man belegen können, dass es 1. überall anders kühler war und 2. vielleicht auch noch einen plausiblen Grund dafür angeben.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 78
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.