Chronisch obstruktive Lungenerkrankung auf dem Vormarsch - In der Prävention hat die Raucherentwöhnung oberste Priorität
London/Toronto/Wien - Kanadische Lungenspezialisten schlagen Alarm: Jeder vierte Mensch leidet bis zum Alter von 80 Jahren an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Eine riesige Studie, die Daten aus dem gesamten Bundesstaat Ontario umfasst, wird in der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" publiziert. Derzeit läuft in Wien die Jahrestagung der Österreichischen Pneumologischen Gesellschaft (ÖPG/8. bis 10. September), bei der die COPD ebenfalls thematisiert.
"Die WHO hat die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) weltweit zur vierthäufigsten Todesursache erklärt. Acht bis 22 Prozent der Erwachsenen über 40 Jahre leiden an der Erkrankung, die eine Hauptursache für Spitalsaufnahmen und hohe Betreuungskosten ist", schreiben Andrea Gershon und ihre Co-Autoren vom Institute for Clinical Evaluation Sciences in Toronto. Die klassische Raucherkrankheit ist vor allem durch eine Entzündung der Bronchien mit nicht reversibler, schnell abnehmender Lungenfunktion charakterisiert.
Strategien zur Prävention
Die Wissenschafter analysierten die Daten aller Einwohner, die in der kanadischen Provinz 1996 nicht an der Erkrankung litten und verglichen sie über einen Zeitraum von 14 Jahren hinweg. Bei 579.466 Menschen wurde im Verlauf der Studie eine COPD durch einen Arzt diagnostiziert. Damit betrug das Lebenszeit-Risiko für diese Diagnose bis zum Alter von 80 Jahren 27,6 Prozent. Bei Männern lag das Risiko mit 29,7 Prozent deutlich höher, als bei Frauen (25,6 Prozent). Ein höherer sozialer Status ging mit einer 23-prozentigen Gefährdung einher, Personen aus ärmeren Schichten waren dagegen mit 32,1 Prozent überrepräsentiert.
Die Forscher: "Wissenschaftlich basierte Vorgangsweisen, Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens und mehr Forschung sind notwendig, um effektive Strategien zur Prävention der COPD zu garantieren und den Betroffenen eine möglichst hohe Lebensqualität zu gewährleisten." In der Prävention hat die Raucherentwöhnung die oberste Priorität.
Eine Studie aus Salzburg hat vor einigen Jahren auch für Österreich bedenkliche Ergebnisse gezeigt. Dabei wurde untersucht, wie hoch der aktuelle Anteil der COPD-Betroffenen in der Bevölkerung ist: 26,1 Prozent der Österreicher leiden demnach an der Erkrankung. 10,7 Prozent haben eine auf jeden Fall behandlungsbedürftige COPD, ein Prozent sind schwer krank. Während 20 Prozent der Niemals-Raucher Anzeichen einer COPD aufweisen, sind es fast 40 Prozent der Menschen, die 20 Jahre oder länger eine Packung Zigaretten pro Tag konsumiert haben. (APA)