SPÖ-Präsidium

Deeskalation in Sachen Vermögenssteuer, Absage an Neuwahlen

8. September 2011, 09:23
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    foto: derstandard.at/lis

    Das SPÖ- Familienfoto scheiterte am Wetter.

Faymann verweist auf gemeinsame Arbeitsgruppe mit ÖVP, die bis 2013 Ergebnisse bringen soll

Wien - Bei der SPÖ ist in Sachen Vermögenssteuer Deeskalation angesagt. Parteichef Werner Faymann erklärte bei der SPÖ-Präsidiumsklausur am Kahlenberg, er sei überzeugt, dass man das Thema in der Koalition nun auf einer sachlichen Ebene in einer dazu eingerichteten Arbeitsgruppe behandeln werde. Für die Verhandlungen will sich der Kanzler Zeit nehmen. Spätestens 2013 sollte es dann aber zu einer Umsetzung kommen. Wiens Bürgermeister Michael Häupl zeigte sich erfreut, dass auch die ÖVP bereit sei, sich einer Diskussion zu stellen, weshalb er "kein besonderer Freund" von einem Volksbegehren zu dieser Frage sei. Auch die Gesprächsbereitschaft von Faymann zur ÖVP-Forderung nach einer Schuldenbremse im Verfassungsrang deutete auf ein koalitionsfreundliches Klima hin. Alle SPÖ-Vertreter sprachen sich am Kahlenberg gegen Neuwahlen aus.

Millionärssteuer

Primär ihren Fokus legt die SPÖ unverändert auf die so genannte Millionärssteuer. Diese habe den Vorteil, dass sie direkt auf das Vermögen abstelle und nicht auf die Arbeitseinkommen, erklärte Finanzstaatssekretär Andreas Schieder, weshalb er diese Maßnahme auch deutlich gegenüber einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes bevorzugt.

Faymann verwies darauf, dass in Europa die Kluft zwischen Reich und Arm immer weiter auseinanderklaffe. Dies sei kein Naturgesetz. Deshalb müsse man eben das von der SPÖ vorgelegte Fünf-Punkte-Paket in einer Arbeitsgruppe mit dem Koalitionspartner unter Einbeziehung von Experten diskutieren. Neben der Millionärssteuer, die ab dem Vermögen eben von einer Million ansetzen soll und den Hausrat nicht umfassen dürfe, zählte die SPÖ eine Reform der steuerlichen Absetzbarkeit von Managergehältern und Boni, eine Eindämmung der Gruppenbesteuerung sowie auf europäischer Ebene eine Finanztransaktionssteuer auf. Die Einnahmen daraus sollten in eine Entlastung des Mittelstands gehen.

Was die Einsparungen in der Verwaltung betrifft, setzt der Kanzler interessanterweise gerade auf das Prestigeprojekt der ÖVP, dem man bisher nachsagte, von der SPÖ nicht gerade forciert zu werden. Er vertraue hier sehr auf die Transparenzdatenbank, was den Abbau von Bürokratie und Doppelgleisigkeiten angehe, tat Faymann kund.

Steuerreform

Als Volumen kann sich Faymann hier wie bei der letzten Steuerreform etwa drei Milliarden vorstellen, dies sei jedoch abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Dass die ÖVP die roten Pläne blockieren wird, ist für den Kanzler noch keine ausgemachte Sache. Zuversichtlich stimmt Faymann, dass die Volkspartei zugestimmt habe, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe aktiv zu werden - und er habe auch bei der Volkspartei nicht das Gefühl, dass sie hier ein Thema einfach in einen Arbeitskreis wegschieben wolle. Was die Einsparungen in der Verwaltung betrifft, setzt der Kanzler interessanterweise gerade auf das Prestigeprojekt der ÖVP, dem man bisher nachsagte, von der SPÖ nicht gerade forciert zu werden. Er vertraue hier sehr auf die Transparenzdatenbank, was den Abbau von Bürokratie und Doppelgleisigkeiten angehe, tat Faymann kund.

Schieder präsentierte das "5-Punkte-Programm der SPÖ für mehr Verteilungsgerechtigkeit". Das Ziel dabei: Eine Entlastung des Faktors Arbeit und eine Belastung des Faktors Vermögen, so Schieder mit Verweis auf Studien, die zeigen, dass es in Österreich eine hohe steuerliche Belastung des Faktors Arbeit, aber nur eine niedrige Belastung des Faktors Vermögen gebe. Die fünf Punkte im Einzelnen: 1. Finanztransaktionssteuer, 2. Reform der steuerlichen Absetzbarkeit von Managergehältern und Boni, 3. Reform der Gruppenbesteuerung, 4. Millionärssteuer ab einer Million Euro und 5. steuerliche Entlastung der mittleren Einkommen.

"Niemand will Neuwahlen"

Aktuelle Neuwahl-Gerüchte wurden dementiert. Sozialminister Rudolf Hundstorfer dazu: "Wir dürfen uns damit gar nicht auseinandersetzen." Auch Verteidigungsminister Norbert Darabos übt sich in Zuversicht und zeigt sich durchaus angriffig gegenüber der ÖVP. Zu seinen Pilotversuchen für die Abschaffung der Wehrpflicht sagt er: "Ich kann keine Rücksicht darauf nehmen, ob es dem Koalitionspartner passt oder nicht". Er sieht die Koalition aber nicht in Gefahr, die unterschiedlichen Meinungen zum Thema Wehrpflicht seien kein Grund für einen Koalitionsbruch. Darabos: "Die Regierung funktioniert."

Verschiedene Parteien hätten eben verschiedene Standpunkte, das werde sich auch bei anderen Themen als der Steuerfrage zeigen, meinte Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Neuwahlen werde es deswegen nicht geben: "Diese Regierung wird bis 2013 halten." Auch Wiens Bürgermeister Häupl, dem medial unterstellt worden war, an Neuwahlen im Bund interessiert zu sein, dementierte entsprechende Ambitionen: "Unsinn. Niemand will Neuwahlen. Die Regierung soll arbeiten." Überhaupt solle man nicht aus jeder Diskussion gleich "so ein Theater machen". Wichtig sei jetzt, dass in der Regierung geredet werde, dann brauche man auch kein Volksbegehren.

Kein Familienfoto im Freien

Das Wetter am Kahlenberg erlaubte kein Familienbild im Freien. SPÖ-Bundesgschäftsführerin Laura Rudas forderte deshalb die Anwesenden mit einem gellenden Pfiff auf, sich innerhalb des Hotels an der Glaswand aufzustellen. (red, derStandard.at, 8.9.2011/APA)

Kommentar posten
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Vera Rschung
 
02
13.11.2011, 17:07
Das 5.-Punkteprogramm der SPÖ

ist der blanke Populismus. Die Finanztransaktionssteuer kann nur EU-weit, bzw sinnwoll weltweit eingeführt werden. Die steuerliche Behandlung von Managergehältern und Boni unterliegt dem allgemeinem Steuerrecht, zumal eine Berufsgruppe weder privilegiert noch diskriminiert werden darf. Die Millionärssteuer ab einer Million Euro (ohne Hausrat u. Betriebsvermögen) zu welchen Werten(?) könnte diffuser nicht mehr sein. Einzig bei der Reform der Gruppenbesteuerung ist wirklicher Handlungsbedarf gegeben. Zu diesem Punkt orte ich eine gewisse Ernsthaftigkeit. Betrugsbekämpfung ist der SPÖ widerum kein Thema, aber gerade dort liegen die Milliarden, die dem Staatssäckel entgehen. Ich kann diese Partei nicht ernst nehmen.

turquoise
00
13.11.2011, 22:06

Menschen ohne wirtschaftliche Kompetenzen haben diesen Durchblick beziehungsweise dieses Verständnis einfach nicht, und fühlen sich von der SPÖ deshalb so angesprochen. Wie wollen Sie dem durchschnittlichen SPÖ-Wähler erklären, dass eine Millionärssteuer de facto sinnfrei ist?

Kein U Ausschuß Geldretour Burscherln
20
9.10.2011, 14:25
Das Konzept wie die Vermögenssteuer

funktionieren soll, liegt schon ein Jahr in der Lade.
Leider kann die ÖVP nicht mit stimmen sonst beleidigt sie die Industrie und bei der FPÖ ist es das selbe.
Die beide haben doch nichts für Volk über, dass braucht doch niemand denken, ausserdem hat es bei den Mitregierungen der FPÖ immer ganz tadellos gesehen.
http://www.ots.at/presseaus... k-und-fpoe
Das ist ihnen lieber anscheinend und der Strachmann hat auch nichts zu reden, falls es jemand glauben sollte.
Er will gar nicht Bundeskanzler werden sondern Innemminister damit er besser die Ausländer sekkieren kann.
Qualifikation Null!

Mr. Creosote
 
00
13.11.2011, 19:38
In welcher Lade?

Ziemlich geheim, diese Lade.

Waxolunist
01
10.10.2011, 14:34

Welches Konzept? Bisher ist kein Konzept erkennbar, dass eine Umsetzung erlauben würde.

Veniceanin
 
15
10.9.2011, 09:34
Die Vermögenssteuer - ein roter Schmäh!

Die Einführung einer Vermögenssteuer würde ich begrüssen! Muss dazu aber anmerken, dass es sich um eine aufwendig zu administrierende Abgabe handelt, zu deren Abwicklung die Finanzverwaltung hunderte, wenn nicht sogar mehrere tausend zusätzliche Bedienstete benötigen würde. Und dazu sagt die SPÖ nichts!

In Wien werden in ein oder zwei Jahren alle Finanzämter in ein neues Zentralfinanzamt gequetscht, wo es kaum Platz für die aktuell vorhandenen Bediensteten gibt. Für die Vermögenssteuer würde man aber mehr Bedienstete und deswegen auch mehr Raum benötigen. Die SP-Finanzexperten im BMF wissen natürlich auch das und schweigen dazu.

Fazit: Es ist alles nicht ernst gemeint. Bei der Vermögenssteuer handelt es sich um einen roten Schmäh!

nachtflug71
12
19.9.2011, 04:12
endlich mal wer mit verstand

genau diese antwort blieb die spö (wie immer) schuldig.
da werden beim heurigen lustige ideen geboren und keiner denkt länger als ein achterl darüber nach.

ich frag mich schon seit wochen, wer "die nicht genutzten villen" (l. rudas) denn jährlich schätzt und den zustand bewertet. werden künftig alle konten für den finanzminister geöffnet? da braucht es ein ganz geringfügig modifiziertes bankgeheimnis. wer schätzt den die ganzen kunstgegenstände? von unternehmen mal ganz abgesehen. wird hier das wienerverfahren, die ertragswertmethode oder ein kilopreis festgelegt?

nicht nur an die schaumschläger aus der blödelstrasse: die v-steuer ist ein ausgemachter blödsinn. nicht zuletzt weil sie nicht umsetzbar ist.

Pauli Feuerstein
01
10.9.2011, 00:22
Grundsteuer ist auch eine Vermögenssteuer

und gehört abgeschafft! Wer sie erhöt wird ohnehin bei der nächsten Wahl abgestraft!

zuschön
02
Wenn man nicht mehr weiter weiß...

bilde man einen Arbeitskreis (hier Arbeitsgruppe). Und eben wie nicht anders zu erwarten in der von der SPÖ lancierten Vermögenssteuerdebatte: Einen Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. Und am Schluss (sprich nächste Wahl) wird ein Mäuschen geboren sein, für das man zwei Jahre lang Berge bewegt hat.

Karl Kloiböck
 
04
4. Millionärssteuer ab einer Million Euro

Gut gebrüllt Löwe! Schlagwörter! Nur nicht gesagt, wie festgestellt werden soll, wer ein Millionär ist. Einfach jeder, der ein Vermögen von mehr als einer Million hat. Nur muss man das Vermögen erst berechnen. Was soll dazu gehören? Hausrat nicht! (kein Krempel!) Was ist mit Edelmetal, Bilder, Sammlungen und Schmuck? Jedenfalls Immobilien!
Selbstbemessung! Jeder muss schätzen, was sein Besitz wert ist. Hoffentlich gibt es keine Angeber, die übertreiben.
Bei Aktien kenne ich mich nicht aus. Steht droben, wem sie gehören und wo ist das aufgeschrieben?
Beim Erben wird angegeben, wofür man Einantwortung braucht: Konten, Immobilien, Autos, Yachten u.a.
Wieviel wird wirklich zum Holen sein. Mehr Beamte wird es dann geben. (Gut bezahlt?)

Mr. Creosote
 
00
13.11.2011, 19:45

Immobilien könnte man nach dem Liegenschaftsbewertungsgesetz bewerten. Wie auch sonst?

Ist aber die reinste Wissenschaft, erfordert absolute Fachexperten, von denen die Finanz bundesweit ein Dutzend hat, und kauft man externe Gutachter hinzu, dann kosten die ein Vermögen.

Ich habe in Gesprächen versucht diese Problematik sozialistischen Gewerkschaftern klar zu machen, aber die wollen einfach nichts hören, was sie in ihrem Pseudoklassenkrampf irritieren könnte. Es ist nur noch traurig.

hans friedrich 2
07
warum kann man nicht ....

... dummes grínsen oder politische unfähigkeit besteuern?

zuschön
01
...würde mit einem Schlag ein Nulldefizit bescheren.

MAXIMA
01
... ein schlichtes Gemüt will mit der Reichensteuer punkten, aber nur wenn die Wähler noch naiver sind...

... die rote "Reichensteuer" soll doch diese abartigen "G´stopften" zum Aderlaß bringen. Die Ausnahmen von der Gstopftensteuer wird es geben müssen, für: die Gemeinde Wien, denn die Gemeindebauten sind ein Milliardenvermögen, die Kirche im Besitz wertvollster Kirchen und Klöster, die österr. Gemeinden besitzen nicht nur das Gemeindeamt, die österr. Bundesforste zig Hektar an Vermögen, sogar der Alpenverein ist Großgrundbesitzer. Denn ohne Ausnahmen werden die Mieten in Wien steigen, in den Bundesländern die Gemeindeabgaben, das Holz wird teurer werden und der ÖAV wird seine Mitgliedsbeiträge erhöhen und um mehr Subvention beim Staat anfragen.

Herr und Frau Österreicher
 
10

naja, warum soll man der öffentlichen hand was wegnehmen, wenn ja was reinkommen soll? Komischer Gedankengang!
Die Kirchen sollten schon was zahlen, dort wo sie als Eigentümer auftreten!

lekmido amars
01
Für Schieder

hat die Millionärssteuer den Vorteil, dass sie auf Vermögen abzielt und nicht auf Einkommen. Das Problem dabei ist aber, dass nur ein paar Arten von Vermögen besteuert werden. Wer richtig reich ist, wird wohl Mittel und Wege finden, sein Geld entweder im Ausland oder einfach in anderer Form anzulegen.

Herr und Frau Österreicher
 
30

kein Problem, man könnte eine noch höhere Steuer für jenes Kapital einführen, welches dem Fiskus durch "Abwanderung" entzogen wird...

aber das geht nicht, weil...weil...zu...äh...kompliziert...und...äh...Leistung muss sich wieder lohnen...Macht...äh... braucht Kontrolle...wenn ich Dritter werde, gehe ich in Opposition...

nachtflug71
01
19.9.2011, 04:17
schlaumeier

und wer berechnet das vermögen?

hmmm? kilopreis?

aiuto
00
dieses Risiko muss man halt eingehen.

aber übere kurz oder lang wird es solche Steuern eh in ganz Europa geben (müssen).

meine spitze feder
03
"Niemand will Neuwahlen"... echt???

Mich hat aber keiner gefragt!!

Wahlkampf wird also von jetzt bis 2013 geführt?
Zum auswandern!!

playdude
02

was wollens denn wählen?
die ganze parteipolitik gehört abgeschafft

meine spitze feder
02
weiter unten können Sie von mir lesen,

dass mir ohnehin mein Gefühl für Verantwortung, Anstand und Moral irgendeine der zur Verfügung stehenden Parteien zu wählen verbietet!!!

thinkonyourfeet
01
Wie wär's mit einer unabhängigen Kommission?

Um die Entschlossenheit der SPÖ zu dokumentieren, könnte man die Termine für die Sitzungen schon für die nächsten sechs Jahre im Vorhinein festlegen.
Nur der 1. Mai geht nicht, denn da müssen die unabhängigen Experten ja beim Maiaufmarsch dabeisein...

AMS LER
 
13
oje

und "mein gott walter", jetzt geht euch schon wieder der reis!! wann bleibt ihr einmal konsequent!!

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