Pfarrer-Initiative

"Grund zum Seufzen, aber nicht zum Jammern"

Interview | 7. September 2011, 18:31
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    Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari sieht die Kirchenleitung in der Debatte um die Pfarrerinitiative nicht mit dem Rücken an der Wand.

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    "Die globale Kirche ist nicht im Stillstand."

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    "Es wird viel zu oft das Hohelied der Unzufriedenheit gesungen. Man möchte auf die Bischöfe Druck ausüben, damit diese in Rom Druck ausüben."

In seiner Diözese bekommen auch wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion - Helmut Schüller lädt er zum Gespräch, sagt Bischof Egon Kapellari

Standard: Bereuen Sie es angesichts der jüngsten Turbulenzen in der katholischen Kirche, dass Ihre Amtszeit vom Papst um zwei Jahre verlängert wurde?

Kapellari: Vor Problemen bin ich noch nie davongelaufen. Ich versuche, auf aktuelle Herausforderungen entsprechend zu reagieren und bestmöglich zu antworten. Wir haben nichts zu verstecken, und ich würde jeden einladen, mich eine Woche bei meinem vielfältigen Dienst zu begleiten. Man würde dann auch im Fragment erfahren, dass unsere Kirche überaus lebendig und bunt ist und sehr segensreich wirkt.

Standard: Auch Helmut Schüller?

Kapellari: Sicher, wenn er sich dafür Zeit nimmt.

Standard: Sie betonen auch jetzt wieder die Dialogbereitschaft der Bischöfe. Auf der anderen Seite sind die Fronten im Konflikt mit der Pfarrerinitiative verhärtet. Man appelliert an das Gewissen der "ungehorsamen" Pfarrer, über konkrete Forderungen ist man aber nicht bereit zu diskutieren, oder?

Kapellari: Über einzelne Forderungen der Pfarrerinitiative wird ja diskutiert, das Kampfwort "Ungehorsam" lehne ich ab. Ich appelliere, das Ganze der Kirche zu sehen. Die globale Kirche ist alles andere als im Stillstand. Sie ist es auch in Österreich nicht. Wir decken Fehler nicht zu, das haben wir auch im Umgang mit der Missbrauchsdebatte gezeigt. Wir hätten aber gerne - insbesondere von den Medien -, dass auch das Gelingende mehr Aufmerksamkeit bekommt. Eine Kirche, die schwächer dargestellt wird als sie ist, kann der Gesellschaft nicht besser helfen. Kirchliche Schulen, Kindergärten und Spitäler sind gefragter denn je. Es wird in Kirche und Gesellschaft viel zu oft das Hohelied der Unzufriedenheit gesungen. Es gibt genug Grund zum Seufzen, aber nicht so viel Grund zum Jammern.

Standard: Wissen Sie von Pfarrgemeinden in Ihrer Diözese, in denen wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion bekommen?

Kapellari: Die Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe steht für uns ausnahmslos außer Zweifel. Mit den sehr unterschiedlichen Biografien wiederverheirateter Geschiedener muss man sorgsam und einfühlend umgehen. Jedenfalls nicht so, dass man jemand überraschend von der Kommunionbank zurückweist, aber so, dass man im Einzelgespräch versucht, Wunden heilen zu helfen.

Standard: Aber wenn Sie wissen, dass auch wiederverheiratete Geschiedene in Ihrer Diözese die Kommunion bekommen, müssten Sie als Bischof doch einschreiten, oder?

Kapellari: Ich habe seit meiner Priesterweihe vor 50 Jahren und bis heute ungemein viele Gespräche mit davon Betroffenen geführt und immer versucht, ihnen zu helfen, mit Grenzen zu leben und trotzdem zu erfahren, dass sie in der Kirche keine Fremden sind.

Standard: Was unterscheidet Sie dann von Helmut Schüller. Sind Sie nicht auch "ungehorsam" , wenn Sie nichts unternehmen?

Kapellari: Es gibt kein Recht auf irgendeinen "Ungehorsam" , wenn man voraussetzt, dass die Kirche ja keinen blinden Gehorsam verlangt, sondern ein solidarisches Handeln inmitten des weiten Feldes seelsorglicher Möglichkeiten.

Standard: Liegt nicht genau hier das Problem - das Kirchenrecht schreibt etwas vor, in der Praxis gibt es aber in vielen Bereichen ein beachtlichen Handlungsspielraum?

Kapellari: In jeder Gemeinschaft gibt es schwerwiegende Normen, die man nicht einfach unterlaufen darf. Es gibt aber auch menschlich sehr begreifbare Spannungen, wenn es darum geht, diesen verbindlichen Horizont in die Praxis Betroffener zu übersetzen.

Standard: In Sachen Pfarrerinitiative stehen seit längerem Konsequenzen im Raum ...

Kapellari: Ich lasse mich da überhaupt nicht festlegen, ob sich jemand so kontraproduktiv aufgeführt hat, dass man ihn sozusagen aus der Gemeinschaft hinausschieben sollte. Noch einmal: Ich lasse mich nicht fixieren, wie weit ein Pfarrer Schüller gehen darf. Ich möchte alle im Boot behalten und auch dazu einladen, dass niemand von uns sich damit beschäftigt, am Boden des Schiffes Kirche zu bohren, sondern mehr auf den Wind in den Segeln zu achten.

Standard: Zig Priester haben den Aufruf bereits unterzeichnet, die Laieninitiativen sind auch dieser Meinung. Laut einer Umfrage haben 86 Prozent der Befragten kein Problem mit verheirateten Priestern. Entkoppelt sich da nicht die Kirchenleitung vom Rest?

Kapellari: Der Aufruf wurde nur vom Vorstand formuliert. Aber ich rede das nicht klein. Was Meinungsumfragen angeht, ist klar: Die Kirche lebt im öffentlichen Raum und muss das aushalten, auch wenn man nicht an die Verlässlichkeit dieser oder jener Antwortenserie glaubt.

Standard: Wie sieht man die "Ungehorsam" -Diskussion in Rom?

Kapellari: Rom kennt die Lage in Österreich genauso wie jene in Nicaragua. Das sind Spannungen, die uns bleiben, und mit denen wir vor Ort leben müssen. Ich möchte den Österreichern jetzt nicht sagen: Ihr habt keinRecht auf Probleme. Aber ich möchte es schon relativieren - aber nicht mit Tricks.

Standard: Kardinal Christoph Schönborn soll gesagt haben, dass er gewisse Streitpunkte, wie etwa den Pflichtzölibat, "nicht nach Rom tragen will" .

Kapellari: Man möchte auf die Bischöfe Druck ausüben, damit diese in Rom Druck ausüben. Auf dieses Schema kann ich mich nicht einlassen. Rom weiß ebenso wie wir über jede Region der Weltkirche gut Bescheid und muss versuchen, mit Spannungen realistisch und verantwortungsvoll umzugehen. (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, DER STANDARD; Printausgabe, 8.9.2011)

EGON KAPELLARI (75) studierte Jus und Theologie in Salzburg und Graz. Er war Hochschulseelsorger und ab Dezember 1981 Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt. Im März 2001 erfolgte die Ernennung zum Bischof von Graz-Seckau. Seine Amtszeit wurde vom Papst verlängert.

Kommentar posten
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http://zeichnemit.at/
00
11.4.2012, 13:24

das war wohl ein Interview eines diplomaten.

er will halt nicht der erste sein, der zur reform aufruft.

apostata1
 
02
11.9.2011, 10:16
Laien feiern Eucharistie ohne priester !

Heiliger Geist wird um Wandlung gebeten
Frau Heizer hatte schon 1995 das Kirchenvolksbegehren mitinitiiert. Nach wie vor zeigt sie sich unzufrieden mit einer fehlenden Mitbestimmung des Volkes in der Kirche und veranstaltet deshalb mit einer Gruppe von fünf anderen Gläubigen "Eucharistiefeiern" im Verborgenen.

Heizer sagt, man nehme dazu Brot, Wein, das Evangelium und auch "unser Leben". Man könne sowieso nur den Heiligen Geist um die Wandlung der Gaben bitten, "ob er dann wandelt oder nicht ist seine Sache, das überlassen wir ihm".
Bravo für den Mut, so gehört es gemacht uznd die Bi und die glbs.kongregation soll bleiben ,wo sie ist:Los von Rom !

thinkonyourfeet
00
13.9.2011, 13:28
Ein gläubiger Christ

braucht keinen Kinderschänder als Kardinal,
keinen verlogenen Bischof,
keinen erkonservativen Bremser als Papst.
Wo in der Bibel steht, dass irgendjemand sowas braucht.
Liebe "Mächtigen in der Hierarchie der RKK", Euch braucht überhaupt niemand. NIEMAND. Verstanden?

Bon profit!
03
Ein großer Rückschritt ist er leider,

verglichen mit seinem Vorgänger Bischof Johann Weber.

Walter J. Ferstl
01
11.9.2011, 18:46
Stimmt. Bischof Weber hatte Format und Niveau.

thinkonyourfeet
01
Die katholische Kirche ist ein Zerrbild der Kirche Jesu Christi.

Kapellari ist aalglatt und schafft es, in einem ganzen Interview NICHTS zu sagen.
Oberflächliches Getue, Scheinheiligkeit,
Benachteiligung von Frauen und sogar der Missbrauch von Kindern. Das soll die Kirche Jesu Christi sein?
Der Bischof soll sich schämen für seinesgleichen...

wurm83
 
01
12.9.2011, 10:45
hehe

das liegt vielelicht daran, dass die kirche jesu keine kirche war, immerhin war ja jesus bekennender jude..

thinkonyourfeet
00
12.9.2011, 20:02
Na und?

Halten Sie das für wichtig?

Pia
00
.. somit wende ich mich wieder anderen Bereichen zu ..

Als Mitglied dieser Institution kannst du dir monate- und jahrelang regelrecht die Seele aus dem Leib kontemplieren .. bei den erstarrten, alten Herr-schaften bewegt sich absolut nichts. Wozu auch?
Am besten - so ihre Meinung - wir leben im 21. Jh. wie schon anno dazumal im Jahre 1544 und 1233 und 1755 etc. etc. Hat doch schon früher immer prima funktioniert - mit der Keule von oben, wenn nicht gespurt wird!

Aber das Beste kommt erst: Engagiert man sich in der RKK, braucht man sowieso keinen Dank zu erwarten - schlimmer noch: das Konkurrenzdenken der ach so gütigen Schäfchen untereinander führt zur Wadelbeißerei, die ihresgleichen sucht (nicht einmal in der Privatwirtschaft gibt es solche "Ego-Kämpfe" wie in kirchlichen Kreisen).

Pia
00

Konklusio daraus: Der göttliche Wille spiegelt sich in der RKK nicht wirklich wider.
Diese Institution ist in erster Linie ein Politikum und Machtinstrument. Dann kommt lange Zeit nichts. Und irgendwann - unter ferner liefen - geht es auch um den Glauben ..

Willi Puschmann1
04
Ungehorsam gibt es nur in direktiven Systemen

Das Schlagwort vom Ungehorsam geistert im Moment durch die Katholische Kirche.
Wenn ich die Botschaft Jesu richtig verstehe, dann hat er nie Gehorsam gegenüber anderen Menschen oder Institutionen gefordert.
Jesu war die Selbstverantwortung der Menschen wichtig. Der einzige Gehorsam, den Jesus gefordert hatte war der gegenüber dem EIGENEN Gewissen.
Mit Absicht hat Jesus jede Organisation innerhalb seiner Jüngerschar abgelehnt.
Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz, sagt Jesus.
Die, die sich so gerne auf die Schrift berufen, sollten diese einmal mit dem richtigen Geist und nicht mit der Suche nach Spitzfindigkeiten lesen.
Jesus wollte das Leben für seine Jünger und Jüngerinnen und nicht deren Gehorsam.

Frico
12
Es gibt kein Recht auf irgendeinen "Ungehorsam"

Was soll man dazu noch sagen? Da bleibt mir die Spucke weg!

Helmut Hromadnik21
 
00
Es gibt auch kein recht auf irgendeinen "gehorsam" !

Frico
00

Nein, aber ich nehme mir das Recht über diese Replik lauthals zu Lachen!

thinkonyourfeet
00
@Frico Zuerst bleibt Ihnen die Spucke weg,

und jetzt nehmen Sie sich auch noch das Recht zu lachen. Na so was...

apostata1
 
02
die rkK ist ein totalitäres system

wie der kommunismus, der vatikan ist das Zentralkommittee, die bischöfe sind die apparratschiks.solange sie im system bleiben und den apparat stützen, behalten sie die guten posten mit dienstwagen, mit palais, mit freier kost, mit chauffeur.ganz schön deppat wari, wenn i mi mit dem ZK anleegen würde.

V.Havel hat dagegen angeschrieben: "Mein versuch in der wahrheit zu leben!" -das möchte schüller &Co auch in der rk K. wir werden sehen !

ASVG Rentner 2
12
Zu wenig Pfarrer aus Österreich

Die Steiermark hat 61 österr. Pfarrer und ca 30 Pfarrer aus Polen. Diese sollen sehr geldgierig sein und teilweise im autoverschieben mitwirken. Ist es nicht besser, verheiratete Männer zum Pristerberuf zuzulassen und die Polen wieder nach Hause zu schicken.???????????? Ich verstehe den Aufruf zum Ungehorsam. Der Präsident der Kath. Aktion ist auch für die Aktion der Pfarrer.

Ahenobarbus
00
11.9.2011, 21:58

Gratulation, Kirchenfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit in einem Posting auf eine dermaßen elegante Weise verknüpft, sieht man selbst in diesem Forum nicht alle Tage.

Albert Wittwer
03
Hauptsünde:

Trägheit des Herzens.
begeht, wer im 21. Jahrhundert die Frauenordination verhindert oder, so er Einfluss hat, nicht aktiv fordert.

ebenso: blinder Gehorsam. Ein atavistischer "moral instinct" (Stefen Pinker).

SMaRT Himself
02
bla bla bla

Lauter warme Luft was dieser Darth Sidious Klon da von sich gibt!

Alex popelino
01
ja die Zeit des Seufzen beginnt,

gestöhnt wurde ohnehin genügend, gelle

thinkonyourfeet
02
Kapellari ist überheblich und arrogant.

In seiner Sprache heißt das "tief religiös".

Harry Y.
 
00
."....sondern mehr auf den Wind in den Segeln zu achten."

Da fällt mir was ein:

Windstille.

"Down dropt the breeze, the sails dropt down,
'Twas sad as sad could be;
And we did speak only to break
the silence of the sea!
..........

Day after day, day after day,
we stuck, nor breath nor motion,
as idle (!) as a painted ship
upon a painted ocean."

Colerige/The Ancient Mariner

ATHARAXIS
 
01

Ausstieg aus dem religiösen Glauben leicht gemacht, da wird geholfen

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/

Harry Y.
 
00
Das kommt davon, wenn man sich zum Sprecher machen läßt. Raunz nicht, kauf! Scons: unerreicht in Österrich! Ab hier ist Nichtraunzerzone! Don't cry, work! Verbeugen wir uns denn in Demuth dem päpstlichen/staatlichen Willen.

Wissen wir, dass gewisse Abteilungen der Kirche auch wichtige NGO-liche Arbeit machen. Umlängst gab es im Standard einen Artikel über einen sehr fortschrittlichen Kindergarten innerhalb der Diakonie, man las und staunte. Um vom Asyl (gewesen, dank dem Innenministerium), Caritas usw. gar nicht erst zu reden.

Aber: zuerst sagt Kapellari, "Ungehorsam" sei ein Kampfwort (na und?), dann aber: "Man soll nicht jammern."

Es geht aber um Leid und Not.

"nicht blinden Gehorsam verlangt, sondern ein solidarisches Handeln ...": sie verlangt beides.

Auch von der Regierung/vom Staat/insbesondere den Konservativen (auch der SPÖ) könnte ein solcher Satz stammen: "Der Staat verlangt nicht blinden Gehorsam, sondern ein solidarisches Handeln

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