ÖVP in der Krise

Die sieben Sünden der Volkspartei

7. September 2011, 18:29
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    foto: hopi media/holzner

    Die ÖVP erschüttern Skandale, sie hat keine Themen, dafür ein Programm mit überholten Inhalten - da braucht es Beistand von ganz oben: ÖVP-Chef Spindelegger am Mittwoch beim Papst in Rom.

Habgier, Hochmut, Neid - und von Reue keine Spur - Die ÖVP steckt nicht erst seit Auffliegen der Causa Telekom in der Krise

Die schlimmsten Fehltritte der ÖVP und wie sie wieder auf den rechten Weg finden könnte

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  • Der Obmann Michael Spindelegger ist der Mann ohne Eigenschaften. Freundlich, aber unverbindlich. Er selbst versucht, seine Seriosität in den Vordergrund zu rücken, setzt auf Ernsthaftigkeit und Stabilität, letztendlich fehlen ihm aber die Ecken und Kanten, um als interessante Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, der man folgen und zuhören möchte. Spindelegger täte sich in der Außenwirkung vielleicht etwas leichter, wenn er sich und die Partei öffnen und ein paar originelle Akzente setzen würde. Der Politikwissenschafter Fritz Plasser empfiehlt Spindelegger, von seinem - manchmal auch etwas langweilig wirkenden - Naturell die Vorzüge immer wieder zu akzentuieren: Die Rolle des verlässlichen Vermittlers, des besonnenen Mediators in den turbulenten Zeiten stünde ihm dabei gut an.
  • Das Programm Das Parteiprogramm der ÖVP stammt aus dem Jahr 1995 - und ist überholt. Die Erarbeitung und Verabschiedung eines neuen Programms wurde kurzfristig abgesagt, als Josef Pröll von Spindelegger abgelöst wurde. Beim Parteitag im Mai musste eine "programmatische Rede" des neuen Obmannes als Ersatz für ein Programm herhalten, eine Übung, die nicht ganz aufging. Die inhaltliche Klammer, die Spindelegger zu setzen versucht, lautet Leistung, ein Begriff, der noch nicht mit Inhalten angefüllt wurde.
  • Die Themen Dem Leistungsmotiv, das Spindelegger der Partei als Gegenentwurf zum Gerechtigkeitsthema der SPÖ vorgibt, fehlt die konkrete Anwendung. Inhaltlich erscheint die ÖVP derzeit komplett orientierungslos. Als große Themen werden Familie und Umwelt genannt, tatsächlich versäumt es die Parteispitze aber, diese Begriffe mit einer nachvollziehbaren Anwendung zu besetzen. Mit Maria Fekter sind immerhin die Themen Steuern und Finanzpolitik prominent besetzt. Bei der Klubklausur in der nächsten Woche stehen wieder die Schlagworte im Raum: Leistung in der Gesellschaft, Leistung in der Politik, Leistung in der Wirtschaft.
  • Die Skandale Buwog, Eurofighter, Telekom: Aus der Zeit von Schwarz-Blau wird eine Affäre nach der anderen publik. Politologe Plasser rät der ÖVP, es nun mit einem "Aufklärungsschlag" zu versuchen. Heißt: aktiv an der Einrichtung eines U-Ausschusses mitwirken, am besten gleich einen Fahrplan vorlegen, um aus der Defensive zu kommen - und das Ganze auch zur Chefsache erklären. Plasser: "Es ist nicht die Aufgabe von Spindelegger, Wolfgang Schüssels Erbe wie ein Torwächter zu verteidigen."
  • Die Länder Die Macht der ÖVP liegt nach wie vor am Land und in den Ländern, ist dort aber sehr unterschiedlich aufgeteilt. Niederösterreichs Parteichef Erwin Pröll sieht sich eher als Konkurrenten zu Parteichef Spindelegger und weniger als dessen Unterstützer. Im Großen und Ganzen kochen die Landesgruppen ihr eigenes Süppchen, ohne auf die Zutaten des Bundes zu achten. Eine Katastrophe ist nach wie vor Wien, wo die Volkspartei politisch keinen Fuß auf den Boden bekommt und Parteichefin Christine Marek hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihre Ablöse zu hintertreiben.
  • Die Bünde Die großen Bünde in der ÖVP - Bauern, Wirtschaft, Arbeitnehmer, Senioren - stehen nach wie vor in einem wenig konstruktiven Konkurrenzverhältnis zueinander. Den Bünden geht es um die Befriedigung ihrer Partikularinteressen, es fehlt der Blick auf das Wesentliche. Und zumindest einer ihrer Präsidenten, Christoph Leitl, der Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund vorsteht, tut sich durch ständiges Hineinkeppeln hervor, was von Parteichef und Klubobmann als wenig hilfreich empfunden wird.
  • Die Optionen Wegen der aktuellen Korruptionsvorwürfe gegen ehemalige Regierungsmitglieder ist der ÖVP ein altes Einschüchterungsinstrument für die SPÖ abhanden gekommen: Das Drohen mit Schwarz-Blau ist wenig glaubwürdig und schrecklich unattraktiv. Plasser: "Eine Koalition mit der FPÖ wäre nur mehr eine pure Verzweiflungstat." Außerdem wäre die Spindelegger-ÖVP nicht annähernd so gefestigt wie die Schüssel-ÖVP im Jahr 2000, um einem sprunghaften Partner beizukommen: "Die Partei ist deutlich instabiler geworden." Immer wieder stünden sogar Abspaltungen oder die Neugründung einer anderen Partei im Raum, und die treue Gefolgschaft der Länder ist sowieso längst Geschichte. (Michael Völker, Nina Weißensteiner, DER STANDARD; Printausgabe, 8.9.2011)
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Feuergeist
 
00
6.10.2011, 16:22
Die "Volkspartei" represäntiert

mittlerweile nur mehr zwei sehr kleine Teile des Volkes: Zum Ersten: die oberen Parteimitglieder
Zum Zweiten: jene Leute die der zuerst genannten Gruppe Geld zuschiebt
Diese Interessen vertreten sie aber sehr Intensiv!
Fazit: Auflösen und ersatzlos streichen. Die Reichen werden ohnehin versuchen die Nachfolgerorganisation zu kaufen.

die windfrau
 
04
nur der sprachgenauigkeit wegen:

neid (invidia: eifersucht, missgunst), hochmut (superbia: hochmut, eitelkeit, stolz, übermut)
und habgier (avaritia, geiz) sind aber keine sünden, sondern laster, deren es übrigens noch mehr gibt:

Luxuria: Wollust (Ausschweifung, Genusssucht)
Ira: Zorn (Rachsucht, Vergeltung, Wut)
Gula: Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
Acedia: Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)
--> (wenn mans net aus der allgemeinbildenden schule erinnert, schlag nach bei wiki...)

manchmal wünsch ich mir, auch wenns um kleinigkeiten geht, weniger, dafür auch in feinheiten (sprach)fundiertere informationen und artikel...
ein bißl recherche, und das thema wär viel tiefer geworden...

Fraho
13
ein Wort ändert sich:

..aus Volkspartei ist eine Verhindererpartei geworden!

hans friedrich 2
13
nur 7 sünden?

bei der 7. hab ich zum zählen aufgehört. wie wärs mit ignoranz, naivität, dummheit, realitätsverweigerung, egoismus, selbstzufriedenheit, gutgläubigkeit, borniertheit, bodenlosigkeit, frechheit, mangel an einfühlungsvermögen, .. - und siehe da, es sind schon wieder elf. frage zum tag: was brauchen die schwarzen am dringendsten: einen neuen parteichef, einen dompteur oder einen psychiater?

Victoria Karl
 
00
6.10.2011, 16:09
das offene Hintertürl zur Realität,... und jemanden mit besonders schweren Stiefeln für den Tritt,... wahrscheinlich

gewissengewissen
 
01
je hierarchischer eine S, umso korruptionsfreundlicher ...

... nicht nur Parteien.

AntikorruptionsGESETZE sind deshalb eher sinnlos, in Politik und politiknahen Firmen genauso wie in "Wirtschaft" an sich. (dort heisst das zb "Untreue")

Wo "gewirtschaftet" wird und Geld zu holen ist, toben sich Gier und "Chemie" aus, (es kann nicht jede(r) mit jede(m)), und damit muss leben, wer die Vorteile von Unternehmertum (Privatkapitalismus aber auch Staatskapitalismus, oder welche Bezeichnungen immer dafür geschaffen werden) nutzen will.

(zb weniger Warteschlangen, "bessere" (?) Produkte etc.)

Abhilfe bietet nur EINIGKEIT, kritische STRUKTUREN NICHT zuzulassen oder so zu bremsen, dass Nutzen/Korruptivität brauchbar/erträglich sind.

Zivilgesellschaft: ein guter Weg dorthin

gewissengewissen
 
00
je hierarchischer eine STRUKTUR ...

... sollte das heissen

und: kritische Strukturen nicht zulassen sagt sich recht einfach, aber das ist noch ein langer Weg bis dorthin ("Utopie" wird sicher auch zu hören sein)

Was sind eigentlich die Verbesserungen zwischen zb 2000vChr, 500nChr, 1700/Feudalismus und heute?

(zb wer damals einen Häuptling oder sonstigen König attackierte oder gar am Telefon anrief, war entweder geköpft oder am Pranger gemobbt oder sonstwie eigentlich am Lebensende)

(ist entscheidungsbasiertes Leben überhaupt gut?)

(haben "was du nicht willst dass man dir ..." und Goodwill e.gemeinsamen Nenner?)

Solche Überlegungen könnten (von allen überlegt) ein erster Schritt zu Einigkeit sein, wie sie notwendig sein wird, eben nicht nur in Parteien.

irgendein poster
 
00
ich glaub

die haben ordentlich danebenghaut. würde mich interessieren, wie die jetzt bei einer wahl abschneiden.

Der Mann in Orange
01

wos wor die leistung?

tomat o mat
06

bei den eurofightern krieg ich heute noch dicke kabeln.

diese verdammte bande.

Eisenstaedt
01

lauter beuteln halt. bäckerschupfen wieder einführen. da möcht ich dann sehen, ob sich noch einer eurofighter kaufen traut!

tomat o mat
01

und bei den Selbstbedienungs-Bünden - speziell bei den Agrargemeinschaften - da krieg ich auch einen dicken Hals!

Der Steixner mit seinem verschlagenen Lachen - diese Fratze.

Bernd Kinschner
14
Die Partei der Leisungsträger:

die Mandatare lukrieren die Leistungen der Bürger, um sie sich daran zu bereichern.
Zum kotzen!

Balduin
61
Mach dir nichts draus

dir kann man nichts wegnehmen, du Hungerleider. Und die Bürger, die Leistungen erbringen, brauchen kein kleines Kommunistchen als Fürsprecher.

Bernd Kinschner
12
@balduin

…kennen wir uns? Ich dachte, ich habe keine Gossenbekanntschaften. Außerdem - per Du bin ich nur mit Leuten mit mindestens einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten!

J_***
11
kein Problem ...

..., Balduin hat eh zwei durchschnittliche Intelligenzquotienten! Damit erfüllter IHRE Anforderungen locker.

Walther von der Vogelweide, der 1.
32
Nur einen Euro für jede WählerInn

der/die 2013 bei der Wahllurne buckelt und in vorauseilendem Gehorsam wieder sein Kreuzerl bei der ÖVP macht und ich wäre reich. Alle 6 Jahre wieder ein neuerlicher Freibrief für die weitere Ausbeutung. Danke.

JOSHIK
02
ich finde Spindelegger zumindest wieder erträglich

seitdem Schüssel weg ist. irgendwer muss den selbstverliebten Nostalgieverein doch weiterführen durch die Mühen der Ebene )))

nick delasoul
12
tja, jesus christus' hauptgedanke war auch LEISTUNG

mann, bitte, könnt ihr v*cking övp'ler religion aus dem spiel lassen? im namen jesu wurde schon genug beschandelt... und: CHRISTILICHE WERTE SIND SICHER, DAS REICHE REICHER WERDEN...

trollvottel
10

Es kommt dabei drauf an, welche Auslegung des Christentums man lebt ...
... der Katholizismus kennnt Beichte und Vergebung, ein Anliegen dabei ist die Wiedereingliederung des Sünders. Andere Auslegungen, vor allem die härteren Protestanten, kennen keine Vergebung: Sünde bedeutet Hölle, fertig.

... im Katholizismus ist man meist der Meinung, dass Sünden *nach* dem Tod geahndet werden.

Bei evangelikalen Sekten und Puritanern ist das anders: Gott liebt seine Schäfchen. Also: Reiche sind gottgefällig, Arme sündig. Ein Gutteil der USA denkt tendenziell so. Es gab auch mehrfach Prediger a la "Reichtum gut, Armut böse", vgl. "Reverend Ike"
http://www.rickross.com/reference... ers82.html

Marquis
16
Seltsame Leistungsillusion

Die ÖVP redet von der Leistungsgesellschaft, will aber das Vermögen aller beschützen, obwohl 80 % des österreichischen Vermögens vererbt wird. Auch sind Beamte nicht gerade leistungsträger, sondern Kosten viel und leisten (recht wenig) und bäuerliche Großbetriebe verdienen eher an üppige Agrarsubventionen.

Also wo ist die Leistungsgesellschaft, die sie vertreten? Oder sind es nur die, die es sich leisten können, auf Kosten der Allgemeinheit zu leben.

Der User ohne Namen
02
Die inhaltliche Klammer, die Spindelegger zu setzen versucht, lautet Leistung...

... und die Frage, wo sie sein soll.

ich glaub es nicht
12
Wer keine Visionen mehr hat gehört zum Papst...

hans friedrich 2
03
wenn der michi visionen braucht, ...

... sollte er seine audienz vielleicht beim schüller abhalten.

hans friedrich 2
00
ob der bessere visionen auf lager hat,..

.. bezweifle ich.

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