Türkisches Gymnasium in Rum

Parteien fürchten zu starke Konzentration auf Religion

Lisa Aigner, 8. September 2011, 10:34
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    foto: standard/cremer

    Ein bis zwei profilierte türkische Gymnasien können ein gutes Zeichen sein, sagt Integrationsexperte Kenan Güngör. Für Kinder aus bildungsfernen Schichten sei es aber problematisch, wenn sie in so homogenen Gruppen aufwachsen.

In Rum wurde ein privates türkisches Gymnasium verhindert - Selbst die Grünen halten die Pläne für "keine gute Idee"

"Der Bürgermeister gibt dazu keine Interviews mehr und er versteht auch gar nicht, warum jetzt so viele Medien anrufen." Im Büro des Bürgermeisters von Rum ist man hörbar verärgert über die Aufregung rund um den verwehrten Antrag für ein privates türkisches Gymnasium. Bürgermeister Edgar Kopp (SPÖ) habe schon ausführlich erklärt, dass sich der zuständige Ausschuss gegen die Umwidmung eines Gebäudes entschieden hat, weil alle Mitglieder gegen ein Privatgymnasium im Ort sind.

So einfach ist es dann aber doch nicht. Dass es bei der Entscheidung nicht nur darum ging, dass die Schule privat organisiert sein soll, zeigt schon die Aussendung des Bürgermeisters, in der betont wird, dass Integration grundsätzlich dann gelinge, wenn "alle Schüler in einem Schulbereich untergebracht" sind. Die Tatsache, dass es sich um eine türkische Schule handelt, spielte bei der Entscheidung also anscheinend doch eine Rolle.

Grüne: "Keine gute Idee"

"Das Thema ist sehr komplex", sagt Gebi Mair, Grüner Landtagsabgeordneter in Tirol. Er sei zwar selbst für türkischen Muttersprachenunterricht und Türkisch als Fremdsprache an Schulen, aber die geplante türkische Privatschule hält auch er für "keine gute Idee". Es gäbe Gerüchte, dass die Schule von der "Gülen-Bewegung", den Anhänger des islamischen Geistlichen Fethullah Gülen, betrieben werden soll. Mair befürchtet daher "religiöse Erziehung per Videokassette" und eine zu starke Konzentration auf die Religion. Man brauche daher noch genauere Informationen darüber, wer die Schule betreiben will und was genau in der Schule unterrichtet werden soll, bevor man einer solchen Schule zustimmt oder sie ablehnt. Außerdem sei klarzustellen, ob die Schule ein Öffentlichkeitsrecht will und damit die staatlichen Lehrpläne übernehmen muss.

Bildungsaffin, aber konservativ

"Die Gülen-Bewegung ist im Bauen von Schulen, Kindergärten etc. sehr aktiv", sagt Integrationsexperte Kenan Güngör. Er selbst weiß aber nicht, welche Gruppe hinter der geplanten Schule steht. Der Idee eines türkisch- oder auch anderssprachigen Gymnasiums kann Güngör unter bestimmten Voraussetzungen durchaus etwas abgewinnen. "Grundsätzlich wäre es ein gutes Zeichen, wenn es ein bis zwei profilierte Gymnasien geben würde, die im Zeichen der Verständigung, Liberalität und Internationalität stehen und weltoffenen Nachwuchseliten ausbilden", so der kurdischstämmige Soziologe. Das Risiko sieht er eher darin, dass solche Modelle weit verbreitet sind oder starke religiöse, traditionelle oder nationalistische Färbungen bekommen.

"Während eine solche Schule bei bildungsaffinen Schichten durchaus funktionieren könnte, ist es bei bildungsschwachen Gruppen und Milieus eher problematisch, wenn sie in einer so homogenen Gruppe aufwachsen", sagt Güngör. Die Kinder seien dann sehr früh in nur einer ethnischen Gruppe und würden nicht mit anderen Kindern gemeinsam sozialisiert, sondern exkludiert. "Doch gerade multikulturelle Gesellschaften brauchen viele Orte gemeinsamer Sozialisation und des Miteinandervertrautwerdens." Die Gefahr sei auch, dass die Religion im gesamten Unterricht dominant wird und die Schüler zu stark "imprägniert". Es sei wichtig, dass sich die Kinder frei entwickeln können.

Besserer Religions- und Türkischunterricht

Der Obmann des Kulturverein der türkisch islamischen Gemeinschaft in Tirol teilt diese Bedenken nicht. Murat Kamiloglu befürwortet das Projekt einer türkischen Privatschule. "Der Islam ist die zweitgrößte Religion in Österreich. Ich verstehe nicht, warum es so ein Gymnasium nicht geben sollte", sagt er. Schließlich gebe es in der Türkei auch österreichische Schulen. Natürlich sei es wichtig, dass die Kinder deutsch sprechen, aber "unsere Kinder müssen auch türkisch lernen, damit sie deutsch sprechen können", erklärt Kamiloglu. Der Türkischunterricht an den öffentlichen Schulen sei "nicht gut" und auch mit dem islamischen Religionsunterricht ist Kamiloglu nicht zufrieden. "Für uns ist die türkische Sprache und die Religion sehr wichtig", sagt er. Kamiloglu stimmt aber zu, dass Reformen an der öffentlichen Schule, die einen besseren Religionsunterricht und mehr muttersprachlichen Unterricht bringen würden, auch ausreichen würden. 

Selbstbewusst statt Sonderling

Integrationsexperte Güngör kann verstehen, dass türkische Eltern ihre Kinder in ein Privatgymnasium geben wollen. "Ich habe schon öfter gehört, dass ihre Kinder im Gymnasium wie Sonderlinge behandelt werden", erzählt er. "Die Eltern wollen aber, dass ihre Kinder selbstbewusst, selbstverständlich und nicht als Sonderfälle aufwachsen."

Wer tatsächlich hinter der Initiative steckt, ist derzeit noch unklar. In mehreren Medienberichten hieß es, dass es sich um Unternehmer handelt. Der Sprecher der Initiatoren des Privatgymnasiums ist derzeit im Ausland und nicht erreichbar. Auch der Obmann des türkischen Kulturvereins kennt die Initiatoren nach eigenen Angaben nicht. Der Bürgermeister teilt derStandard.at auf Nachfrage mit, dass er weder Informationen über die Initiatoren, noch über die genaue Organisationsform der Schule bekommen hat.

Der FPÖ-Gemeinderat in Rum, Jürgen Mayer, ist gegen das türkische Privatgymnasium. Er sitze zwar selbst nicht im zuständigen Ausschuss, habe aber mit den anderen Gemeinderäten über das Thema gesprochen. Auch seine Kollegen von der SPÖ hätten gesagt, dass eine solche Schule "integrationsfeindlich" wäre. Er befürchtet, dass eine solche Schule ein "Hort aus dem türkischen Lager" werde und sich eine Parallelgesellschaft entwickelt. Zudem fehlten noch Informationen zu dem Projekt, dass noch nicht "ausgegoren" sei, so Mayer.

Nicht "blauäugig" sein

Güngör sieht in der Debatte rund um das türkische Privatgymnasium ein Zeichen dafür, dass in Österreich Türken zunehmend zu einer "stigmatisierten Gruppe" werden. Sobald diese Gruppe sichtbar werde - also entweder durch Moscheen, Vereine oder Schulen - gebe es massive Vorbehalte seitens großer Teile der Bevölkerung. Er hält den Umgang der Behörden mit islamischen Einrichtungen und sehr religiös-konservative Bewegungen für falsch und rät deshalb, dass die Behörden mit weniger Ressentiments behaftet agieren und aber trotzdem nicht "blauäugig" sind und sich türkische Schulen auch "genauer anschauen" sollen. (Lisa Aigner, derStandard.at, 8.9.2011)

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NANANANANANANANA BATMAN
01
13.9.2011, 14:15
naja dann lernen sie kein deutsch

und "die da draußen" sind dann die bösen österreichischen bauernkids...

ich denke darauf wirds hinauslaufen.

andererseits: selbst schuld, wer so oder so immer auf die ausländer zeigt der darf sich nicht wundern wenn sich diese abgrenzen wollen...
stichwort: "nasales schönbrunner deutsch" (zitat aus einem kommentar auf derstandard.at, grüße an denjenigen/diejenige!)

D/E
14
11.9.2011, 14:44
Einmal im Ernst:

Wer sich dafür interessiert, wie die offizielle Türkei mit den Rechten der christlichen Minderheit umgeht, und zwar mit den grundlegendsten, nämlich dem Recht auf den eigenen (!!!) Besitz, sollte eventuell einmal "Mor Gabriel" googeln (oder yahoon oder bingen oder einfach hier nachlesen: http://www.politik.de/forum/nah... oster.html

D/E
11
11.9.2011, 14:17
Wieso wollen die muslimischen Türken ausgerechnet ein

Gymnasium in Rum? Ist das nicht schlechte PR?

Man stelle sich vor, wie ein Kind seinen muslimischen Eltern erklärt, es wolle "in Rum" in die Schule gehen. Wenn es wenigstens "in Raki" wäre.

MAXIMA
14
... wo gibts in der Türkei österr. Schulen??

... eine einzige in Istanbul, die hauptsächlich von Türken besucht wird, also in einer Metropole und nicht in einem Ort mit 9000 Einwohnern. Weniger Ressentiments gegenüber dem Land, das sich die Einwanderer selbst ausgewählt haben, wäre eher angebracht als diese den Behörden vorzuwerfen. Religionsunterricht findet in den Gebetshäusern statt, also wozu die Forderung einer Privatschule.

KTK
00
13.9.2011, 14:07
Wozu?

Weil man zur Tat schreiten
und türkisch-nationalistische Eliten
in Europa heranziehen will.

iglesius rezidokularakis
04

Ich finde, dass das Thema "Migration" in Österreich einfach zu stark zum politischen Instrument geworden ist und ganz stark polarisiert wird. Das lässt wenig Platz für echte Problemlösungen und realistischere Einschätzungen.Österreich hat eine Nationalsozialistische Vergangenheit.In der Schule wird das aufgearbeitet,engagierte Lehrer versuchen, Kinder und Jugendliche zum freien Denken zu erziehen.Überzogener Nationalstolz oder ein Definieren über die Religion ist, so hoffe ich, eher eine Randerscheinung. In Ländern wie etwa der Türkei ist das aber eher die Norm, was das Zusammenleben mit Österreichern erschwert.

chelene chirsch
00
13.9.2011, 13:53
wenn österreich eine NS-vergangenheit hat...

... so ist das leugnen der völkermorde in der türkei schon ein ganz anderes kaliber.

sie messen mit zweierlei maß.

Hans Müller1
 
17
"Assimilation ist ein Verbrechen"

so hat Hr. Erdogan seinen deutschen "Landsmännern" vorgegeben, und genau diesen Zweck sollen solche Schulen erfüllen, zu verhindern dass Türken zuviele Elemente der europäischen Kultur aufnehmen

Lalai Dama
12
"Für uns ist die türkische Sprache sehr wichtig.."

Auf Wiedersehen!

Sukram's Panopticum
 
14

"Für uns ist die türkische Sprache und die Religion sehr wichtig", sagt er.

Wie wärs, wenn die Prioritäten geändert werden würden?? Z.B. in Richtung politische Bildung, die eventuell auch die Demokratie näher bringt, ganz zu schweigen von den Werten und den Gesetzen in unserem Land, auch gern kritisch in Diskussion betrachtet... Etwas Geschichte würde auch gut tun, sodann die jungen türkischen Menschen eine Ahnung bekommen, wieso unser Land so ist, wie es ist, wieso wir uns von Religion versuchten abzuspalten, woher der Fortschritt kam und weshalb es wichtig ist Forschung zu betreiben und die Wissenschaft keine Gotteslästerung ist.

Man wird ja noch träumen dürfen....

Herr und Frau Österreicher
 
81

Ein Schelm, wer hier daran denkt, dass in katholischen Schulen weniger auf Religion, als auf andere "Werte" (Würg) wert gelegt wird...

http://www.katholisch.at/content/s... 13413.html

Ratten Heinzi
03
Oh Schreck!

Eine katholische Schule will religiöse Werte vermitteln! Wer hätte das gedacht?!

Verdammt Coole Schreckschrauwe
613
die Einleitung eines Volksbegehrens zur Trennung von Religion und Staat und

gegen das Konkordat kann noch bis 15. Oktober in den Bezirksämtern unterschrieben werden!
Nehmt die Gelegenheit wahr!

Hans Müller1
 
13

Ja, ja, zeigma wieder wie "aufklärerisch" wir sind, gegen Konkordat und pöse Kirche, supa, nur bei der Religion die Gewalt explizit erlaubt simma dann schmähstaht - denen is völlig blunzn ob der Staat jetzt offiziel ganz sauber trennt oder es vielleicht doch ein paar Berührungspunkte gibt, die Türkei ist offiziel strengst laizistisch, hat auch nichts daran geändert dass praktisch alle nicht-muslimischen Minderheiten im letzten Jahrhundert aus der Türkei vertrieben worden sind und es praktisch keine Religionsfreiheit gibt, aber kämpenS nur weiter gegen Windmühlen und machen die Augen zu wo die wirklichen Probleme bestehen.

D/E
01
11.9.2011, 14:15
Ein hübsches Detail:

In der streng laizistischen Türkei ist es de facto (nicht unbedingt de jure) unmöglich, dass ein orthodoxes Priesterseminar auf eigenem Grund eine Baugenehmigung bekommt.

Moscheen sind kein Problem, Kirchen halt schon.

Dabei wollten die lediglich ein bestehendes Gebäude adaptieren.

Wohlgemerkt, ich laste diese Schweinerei nicht dem Islam an, der im Grunde eine sehr tolerante Religion ist. Leider verstehen allerdings viele muslimischen Türken nicht, dass religiöser Chauvinismus ein Zeichen von Schwäche ist.

gebt den stevia frei
42

als grüner atheist unterschreibe ich absichtlich nicht.

ich möchte die gesichter mancher eltern sehen, wenn die ersten religionslehrer mit migrationshintergrund ihren dienst antreten.

teilweise müssen schon studenten unterrichten, haha:
http://noe.orf.at/stories/514463/

Pink Fanta
01
ich als

grüner christ auch nicht ...

Cynicism
28
Du bist das Land, dem ich die Treue halte... *sing*

Chapeau, gute Entscheidung!

Quargelbrot
15

Also das finde ich auch nicht gerade zielführend.
Das fördert das "mir san mir", auf beiden Seiten.

O5
3712

Warum gibts dann katholische Privatschulen? Ganz schön verlogen dieses Getue. Wieder einmal sieht man wie Türken systematisch ausgegrenzt werden. An Integration haben die Politiker dort ganz offentlichlich kein Interesse.

Helmut Hromadnik21
 
00
13.9.2011, 18:57
......."Wieder einmal sieht man wie Türken systematisch ausgegrenzt werden. "......

Wenn türkische frauen nach jahrelangem aufenthalt in österreich kaum ein wort deutsch sprechen können, wenn türkinnen durch demonstratives tragen eines kopftuches wahlwerbung für STRACHE machen, die grenzen sich und und ihre türkischen landsleute von selbst aus.

Timagoras
 
12
die entscheidung hat nichts mit "systematischem ausgrenzen" zu tun, sondern mit:

"Sprecher der Initiatoren derzeit nicht erreichbar. Obmann des türkischen Kulturvereins kennt die Initiatoren nicht. Bürgermeister hat weder Informationen über die Initiatoren, noch über die genaue Organisationsform der Schule bekommen"

mit anderen worten: man weiß weder wer die schule betreiben will, noch welches konzept dahintersteht, noch wer sie finanziert, noch wie sie organisiert werden wird.
und der "sprecher" der mysteriösen antragsteller ist mit unbekanntem aufenthalt verschwunden.

also?

error.
03
geh bitte, diese türkischen schulen sind von f.gülen

das ist nix gutes, die presse hat das genauer recherchiert, es soll eine gülen schule werden.

oder wollen sie "islamische scientology schule" in österreich ?

bringt nur ärger.

schön dass die grünen auch dagegen sind :-)

Hans Müller1
 
05

deswegen hab ich noch nie Türken beim Bergsteigen, im Museum, in einem klassischen Konzert oder bei der freiwilligen Feuerwehr gesehen, wieder was dazugelernt

King of Cowards
00
10.9.2011, 12:56

Doch, ich habe sie mal im islamischen Teil eines Musems neben der Pergamon-Ausstellung in Berlin gesehen.

Klingt nach Klischee - war es auch.

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