Wiener Landesgericht

Personaldecke auch im Zivilrechtsbereich "löchrig"

7. September 2011, 12:35

Perschinka: Arbeitsanfall zwar insgesamt rückläufig, aber Zahl der streitigen Fälle steigt

Wien - Nicht nur die Strafrechtspflege leidet an Personalnot, auch im Zivilrechtsbereich fehlen Richter. Am Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen (ZRS Wien) ist der Arbeitsanfall zwar insgesamt rückläufig, aber die "streitigen" Fälle nehmen zu. Da diese es aber sind, die den Richtern Arbeit machen, steigt die Verfahrensdauer, warnte Präsidentin Marlene Perschinka am Mittwoch in einem Pressegespräch. Besonders stark zugenommen haben die Ärztehaftungs-Fälle.

Für die Recht suchenden Bürger sind die "Löcher" in der Personaldecke im Zivilrechtsbereich stark zu spüren - geht es am ZRS Wien (in erster Instanz bei Streitwerten über 10.000 Euro) und in den Bezirksgerichten (mit einem Streitwert unter 10.000 Euro) doch um Ehe-, Familien- und Erbschaftssachen, Mietrechtsstreitigkeiten, Konflikte mit Nachbarn, Klagen rund um Kredite, Kaufpreise und Handwerker-Löhne oder Schadenersatz nach Unfällen. Stark gestiegen - um geschätzte 20 bis 30 Prozent - sind in den vergangenen Jahren Klagen gegen Ärzte wegen Fehlern oder Verletzung ihrer Aufklärungspflichten. Dies wohl, weil die Patienten immer besser über ihre Rechte bescheid wissen.

Insgesamt ging der Anfall zwar zurück (von rund 3.600 Fällen 2009 auf rund 3.300 2011) - was Perschinka weiterhin auf die Wirtschaftskrise und die gestiegenen Gerichtsgebühren zurückführt. "Aber wenn sich die Leute zur Klage entschließen, streiten sie es durch, bis zum bitteren Ende", also einem richterlichen Urteil. Wenig angenommen wird die Möglichkeit der Mediation.

Längere Verfahrensdauer

Die Zahl der "streitigen Fälle" ist stark gestiegen: 871 fielen 2009 an, 880 wurden erledigt, 447 mit Urteil. Heuer fielen (nach den Zahlen vom Juli) 1.016 an, 979 wurden erledigt, 505 davon mit Urteil. Das schlägt sich in der Verfahrensdauer nieder: 2009 waren 37 Prozent der Akten der ersten Instanz mehr als ein halbes Jahr anhängig, heuer schon 42 Prozent.

Probleme macht der Gerichtspräsidentin, dass dies keinen Einfluss auf die Personalzuteilung hat. In der Justiz wird das Personal nach der Personalanforderungsrechnung (PAR) auf Basis der Anfallszahlen zugeteilt. Da der Gesamtanfall zurückging, verlor das ZRS Wien Planstellen: Im Juli 2009 waren dort noch 72 Richter tätig, derzeit sind es 66,75 - und nach der "Systemisierung" stehen für heuer nur mehr 65 Planstellen zu. Die Auslastung wird dann bei 107 bis 108 Prozent liegen. Perschinkas Wunsch wäre, auf 100 Prozent zu kommen. Dafür bräuchte man etwa 70 Richter am ZRS Wien. (APA)

Markus Freyberg
00
14.9.2011, 11:14
Das stimmt natürlich nicht.

Nachdem ich kurz vor meiner Pensionierung (2008) noch mein Gerichtsjahr nachgeholt habe kann ich qualifiziert sagen: Sowohl StaatsanwälteInnen als auch RichterInnen arbeiten viel zu wenig, zu inkompetent und zu ineffizient. Sie würden sich in der Wirtschaft kaum lange halten.

RZugDZug (ungebremst)
00

Das österreichische Justizsystem ist ohnedies schon längst in den Brunnen gefallen.
Nicht umsonst ist der Lieblingsspruch der Akteure Recht ist nicht Gerechtigkeit, das kommt nicht von Ungefähr.
Das teure aber dennoch niederqualitative System wurde meines Erachtens bewußt herbeigeführt und wird noch weiter verschlechtert um einer gewisse Gruppen in der Bevölkerung zu bevorteilen.
So dreht sich das Rechtssystem in seiner Wirkung sogar noch um, nicht nur dass es wenig für Gerechtigkeit sorgt, es wird von den gewissen Gruppen noch als Mittel gegen begründete Vorwürfe Gerechtigkeitsfordender eingesetzt.
Was bleibt ist der Weg außerhalb des sogenannten Rechtsstaates.

Erwin Wolfram
10
Uebersetzung

Wir lassen Kunden und Taeter und Opfer auflaufen um abzucashen.

?und
20
fehlt halt auch an der qualität, nicht nur an der quantität

trotzallem, bei 871 anfallenden 880 zu erledigen ist ziemlich cool

Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!
00

Sie wissen aber schon, dass es auch noch alte Akten aus den Vorjahren gibt?

KLAMB
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"871 fielen 2009 an, 880 wurden erledigt"

Das liegt ganz einfach daran, dass nicht jeder Fall in dem selben Jahr erledigt wird, in dem er anfällt.

?und
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stimmt eh, aber dann die offenen fälle bitte und im vergleich dazu die erledigten - macht vielleicht mehr sinn

Andreas W
31
Spitzenkleidern für Hungerlöhne?

Na klar tummelt sich auf den Gerichten nicht die Spitze der Fähigen!

Das bewusste Totsparen einer der wichtigsten Säulen einer Demokratie kommt ja nicht von ungefähr.

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