Der Ausdruck mit dem persönlichen Kick
Wien - Irokese, Ohrpiercing, Lederjacke mit Nieten - so trifft man den 21-jährigen Stefan an einem Sommernachmittag auf der Mariahilfer Straße an. Er ist gerade auf dem Weg zu einem bekannten Punkladen. Der junge Wiener versteht sich selbst als Punk: Seinen Style richtet er nach der Punkmode der 70er- und 80er-Jahre. Und auch seine Vorliebe für Punk-Rock-Musik lebt der Hobbygitarrist aus.
Freiwillige Selbstbedienung
Um ein "echter Punk" zu werden, bedürfe es nicht so sehr gewisser Körpermerkmale oder eines entsprechenden Modestils, wie aus einer Studie zum Thema Lifestyle und Szenenzugehörigkeit des Instituts für Jugendkulturforschung hervorgeht. Vielmehr spiele das eigene Bewusstsein und das selbst empfundene Zugehörigkeitsgefühl eine Rolle. "Die Zugehörigkeit zu einer jugendkulturellen Szene basiert nicht auf einer offiziellen Mitgliedschaft, sondern funktioniert vielmehr nach dem Prinzip der freiwilligen Selbstbedienung und Identifikation", heißt es darin.
In der Nähe ist auch die 22-jährige Fatma anzutreffen, die weniger durch Körperkunst als vielmehr durch Kontaktfreudigkeit auf sich aufmerksam macht. Die junge Steirerin wirbt mit heiterer Laune vor dem Museumsquartier für Greenpeace. Sie ist nur stellenweise tätowiert, wobei das Tattoo auf ihrem linken Handgelenk besonders heraussticht. "Violinschlüsselbaum", so nennt sie selbst das Motiv, das einen Violinschlüssel als Stamm eines Laubbaumes darstellt. Eine kreative Verbindung von Musik, Kunst und Natur - ihren drei größten Interessen. Modisch orientiert sich die Greenpeace-Aktivistin an ihrem Gefühl: "Hauptsache, es passt zusammen", lächelt sie.
Jugendtrends wie Tattoos verbreiten sich alle auf ähnliche Weise: Ein Trendsetter macht es vor, andere tun es ihm dann gleich, erklärt die Leiterin der Instituts, Beate Grossegger. Ab diesem Zeitpunkt sei es im Wesentlichen ein ,,learning by doing". "Schritt für Schritt perfektioniert man sein jugendkulturelles Know-how." Wie sehr etwa Kleidung als Ausdruck für die eigene Jugendkultur dienen kann, demonstriert Franziska. Sie näht ihre Klamotten teilweise selbst, "so kann ich mich besser ausdrücken".
Unter den unzähligen Einkaufsbummlern auf der Mariahilfer Straße ist es nicht leicht, aufzufallen. Doch Nina und Stefan gelingt dies gut. Das junge Ehepaar hat eine Vorliebe für prachtvolle Tätowierungen. Die Hautstellen, die Ninas schwarzes Tanktop nicht bedeckt, sind fast zur Gänze mit Tattoos verziert. Dennoch schließt Nina (24) weitere Tattoos nicht aus. "Für mich ist es schon fast ein Hobby", schmunzelt sie. (Antonia Herics, Clemens Lung, Jessica Schmutzer, Lucas Schuster, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2011)