Alice im Wunderland als Kopfschmerz-Ankünder

Katrin Burgstaller
8. September 2011, 14:49
  • Im Traum sieht Alice ein kleines weißes Kaninchen, das auf eine Uhr starrt und meint es komme zu spät.
Foto: www.pixelio.de
    foto: hexe110/www.pixelio.de

    Im Traum sieht Alice ein kleines weißes Kaninchen, das auf eine Uhr starrt und meint es komme zu spät.

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Riesengroß oder klein geschrumpft - Migräne mit Aura kann zu einer verändertem Körperwahrnehmung führen

Ein wichtiges Forschungsgebiet der Neurologie, nämlich die Migräneforschung, lag im Jahr 1865 noch in ferner Zukunft. 1865 war das Jahr als der Schriftsteller und Mathematiker Lewis Carroll die fantastische Erzählung von Alice im Wunderland veröffentlichte. Sie handelt von einem kleinen Mädchen, Alice, das in eine Fantasiewelt gerät, in der Katzen plötzlich unsichtbar werden, Blumen sprechen können, Uhren rückwärts gehen, weiße Hasen riesengroß werden und es selbst schrumpfen kann. 

Fast 100 Jahre nach Carolls Veröffentlichung beschäftigten sich auch Neurologen mit seinen Erzählungen. Caroll soll seine Migräne-Aura Erfahrungen in „Alice im Wunderland" und in der Nachfolgegeschichte „Alice hinter den Spiegeln" verarbeitet haben, lautet eine These, die zwar umstritten ist, jedoch von vielen Medizinern vertreten wird. 1955 wurde die Bezeichnung „Alice im Wunderland-Syndrom" für diese Form der Migräne-Aura -Erfahrungen geprägt. Unter "Aura" werden neurologische Erscheinungen verstanden, die eine Migräne ankündigen. 

"Mikropsie" und "Makropsie"

Dinge wirken kleiner oder größer als sie tatsächlich sind. Auch man selbst oder bestimmte Körperteile können größer oder kleiner erscheinen. Diese "Mikropsie" oder "Makropsie" kann zudem im Zuge epileptischer Anfälle auftreten. Und jüngst wurde ein Fall bekannt, in dem ein mit dem H1N1-Virus infiziertes Mädchen ihren Körper wie beschrieben verändert wahr nahm, sagt Christian Wöber, Leiter der Kopfschmerzambulanz am Wiener AKH .

"Tatsächlich leiden jedoch wenige Menschen am Alice im Wunderland-Syndrom", betont der Migräne-Experte. Von etwa 800.000 bis einer Million Menschen die hierzulande von Migräne betroffen sind, haben zehn bis fünfzehn Prozent Aura-Symptome. Neurologische Phänomene wie Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle, Blitze, schillernde bunte Farben, Sprechstörungen oder Taubheit an einer Körperseite kündigen bei etwa 100.000 Menschen in Österreich eine Migräne-Attacke an. Wie viele von ihnen am Alice im Wunderland-Syndrom leiden, ist nicht bekannt.

"Es fühlt sich an, als stünde ich in einer sehr großen Halle. Ich fühle mich ganz klein und jedes Geräusch höre ich sehr laut. Mich selbst höre ich verzögert reden. Außerdem sehe ich Blitze, die immer intensiver werden", beschreibt Sonja Günther ihre persönlichen Aura-Erlebnisse. „Es gibt ein sehr breites Spektrum an möglichen Erscheinungen", so Wöber. 

Keine Behandlungsmöglichkeit

Das Alice im Wunderland-Syndrom ist wenig erforscht. Vermutlich kommt es, wie bei anderen neurologischen Aura-Erscheinungen auch, vorübergehend zu einer Funktionsveränderung jener Nervenzellen, die im Sehzentrum des Gehirns lokalisiert sind. Die Störung breitet sich wellenartig im Gehirn aus.

"Aura-Erscheinungen kündigen sich meist langsam an und dauern durchschnittlich 20 bis 30 Minuten an", erklärt Wöber. Sehr oft sind diese Erscheinungen mit Angst verbunden, gerade dann wenn sie erstmalig auftreten. Oft wird befürchtet, dass das Phänomen zum dauerhaften Lebensbegleiter wird. Die gute Nachricht ist jedoch: „Es geht praktisch immer weg", so Wöber. 

Für das Alice im Wunderland-Syndrom gibt es genauso wie für andere Aura-Erscheinungen keine Behandlungsmöglichkeit, erklärt der Schmerzspezialist. Patienten die sehr häufig unter Migräne leiden, können prophylaktisch Medikamente einnehmen. Manchen Patienten gelingt es im Laufe der Zeit, die Migräne auslösenden Faktoren auszumachen und diese zu meiden. Wie Migräne letztendlich aber entsteht, konnte bis dato noch nicht geklärt werden. Rund die Hälfte der Betroffenen hat mindestens ein ebenfalls erkranktes Familienmitglied. Insbesondere bei Migräne mit Aura wurde die genetische Anlage besonders häufig beobachtet. (derStandard.at, 10. September 2011)

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23 Postings
Meine Geschichte

ich habe vieles versucht, um meine Kopfschmerzen loszuwerden. Dann probierte ich ca. zwei Monate lang Akupunktur. Tja, und dann hatte ich zum ersten Mal einen Migräne Anfall mit Aura. Davor kannte ich das nicht. Seit 2 Jahren hatte ich nichts mehr. Und das mit der Akupunktur lass ich bleiben.

Hatte selber über einige Jahre auch Aurasymptome allerdings "nur" im Sinne von Gesichtsfeldausfällen. Die wurden ohne etwas bewusst zu machen immer weniger und jetzt bin ich seit ca 5 Jahren beschwerdefrei. *achselzuck*
Interessant zu lesen dass Alice im Wunderland eine der Auraformen aufgegriffen hat.

Als ich erstmals die Sprachstörungen hatte würde ich mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht. Dort waren dann alle ratlos. Leider kennen auch viele Ärzte die Symtome nicht.

da hast du ja nochmal glück gehabt dass du mit sprachstörungen nicht als angsoffener eingeliefert worden bist.

Symptome von was? Sprachstörungen sind ein unspezifisches Symptom, von daher ist es gerechtfertigt zunächst einmal nach einer häufigen und gefährlichen Ursache zu suchen.
Andererseits sind Sprachstörungen bei Migräne sehr untypisch.

Migräne

kann mit Atlasprofilax (googeln) vollkommen geheilt werden.

Mit chinesischer Bewegungslehre (med. Qigong, TaiChi) werden Kopfschmerzen und Migräne verschwinden, wenn man täglich übt: denn hier handelt es sich um "Energiemanagement", d.h. Energieblockaden lösen sich.
Nein, das ist keine "Esoterik", sondern uraltes Wissen. Viele 1000 Jahre älter, als es die Schulwissenschaft ist.

ROFL

Eso-Bullshitbingo reloaded!

Und wenn es 1.000.000 Jahre alt ist...

...dieses "Wissen", so ist es ohne Doppelblindstudie doch nur Glaube. Wie lange tanzte der Mensch ums Lagerfeuer in dem "Wissen", dass es dann zu regnen beginnen würde....ist das jetzt ein Beleg für die Wirksamkeit des Regentanzes?

Nur weil etwas nicht durch eine Doppelblindstudie belegt ist, heisst das noch lange nicht, dass es nicht wirkt!

Meine Migräne z.B. habe ich durch Neuraltherapie weggebracht, die wird vermutlich auch nicht durch eine Doppelblindstudie getestet sein (Neuraltherapie ist nämlich etwas, was nicht viel kostet, für die Pharmaindustrie daher wirtschaftlich keinen Wert hat und darum ist sie auch nicht daran interessiert, deren Wirkung zu beweisen). Die Tabletten, die ich vorher von meiner Ärztin bekam und deren Wirkung sicher durch alle möglichen Studien belegt ist haben mir übrigens nicht geholfen, obwohl da die Studie und mein Glauben an die Wirkung da gewesen wären!

Ihre Kritik an Doppelblindstudien läuft ins Nichts. Doppelblindstudien geben darüber Auskunft, ob eine Behandlung (ein Medikament) statistisch besser wirkt als ein Placebo. Dass Leute trotz einer unwirksamen Behandlung gesund werden ist nichts außergewöhnliches.

(Neuraltherapie ist nämlich etwas, was nicht viel kostet, für die Pharmaindustrie daher wirtschaftlich keinen Wert hat und darum ist sie auch nicht daran interessiert, deren Wirkung zu beweisen).

Gratulation! Sie haben sich grade als Depp geoutet!

1. Wenn es so billig ist, kann doch bitte mal ein Neuraltherapeut ne Studie machen. Der nimmt immerhin bis zu 100 Euro pro Stunde (SO billig ist das nämlich).

2. An Physiotherapie verdient die Pharmamafia auch nichts, trotzdem gibt es da Studien.

3. Was glauben Sie wozu Universitäten da sind?

4. Leute wie Sie beschweren sich gerne, dass die Pharma zu wenig forscht (Marketingkosten sind höher als Entwicklungskosten, Skandal!), akzeptieren Sie die Studien aber nicht.

5. Wenn die Alternativen nicht forschen sind auch die Pharmas schuld.

6. Es gibt genügend Studien zur Neuraltherapie, alle negativ. Die werden aber lieber ignoriert...

Der "Depp" ist jedenfalls seine Migräne losgeworden, eine Errungenschaft von der Sie noch um Welten entfernt sind.
Also was sind dann Sie?

Ich habe keine Migräne.

Wenn Sie in der Lage wären sinnerfassend zu lesen, hätten Sie verstanden, worauf ich ich mich bezogen habe.

Also was sind dann Sie?

Gratulation! Sie haben sich gerade als ausgesucht höflicher Mensch geoutet!

ad 1. Bei mir war die Behandlung noch zu Schillingzeiten, da hatten meine - für eine komplette Heilung ausreichenden - 2 Behandlungen je S 80,- gekostet, die Migränetabletten pro 3 Stück S 2.000,-, damit bin ich ungefähr einen Monat ausgekommen!

ad 2. Es gibt Doppelblindstudien über Physiotherapie?

ad 3. Wussten Sie, dass ca. 80 % aller Professoren an den medizinischen Hochschulen auch im Sold von Pharmaunternehmen stehen?

ad 4. Woraus schließen Sie, dass ich die Studien nicht akzeptiere?

ad 5. Ist das Ihre Meinung oder soll das meine sein?

ad 6. Das wage ich zu bezweifeln, sollte es stimmen ist es mir trotzdem komplett powidl - Hauptsache kein Kopfweh mehr!!!

Könnten Sie bitte mal ihren Punkt ad 6. mit ihrem Punkt ad 4. verknüpfen?

Versuchen Sie bitte mal eine "komplette Heilung" von Neuraltherapeuten heutzutage für 12 (?) Euro zu bekommen.

ad ad 3.: Und wenn jemand Geld bekommt ist er automatisch ein Fälscher? Welches Interesse sollten eigentlich die Pharmas daran haben schlechte Medikamente auf den Markt zu bringen? Das passiert ohne Frage, aber absichtlich und im großen Stil? Welchen Sinn hätte es für BMW ein Auto zu bauen, das nicht fährt?

Ich akzeptiere Studien im allgemeinen sehr wohl - wenn ich damals aber von meiner Migräne geheilt wurde und Sie mir jetzt sagen, dass Neuraltherapie gar nicht wirken kann, weil das in Studien belegt wurde, soll ich dann an meiner Heilung zweifeln und wieder mit der Migräne beginnen?

Es ist natürlich auch klar, dass eine neuraltherapeutische Behandlung (wird übrigens immer noch von vielen ganz normalen praktischen Ärzten gemacht) heute mehr kostet, es ging mir nur darum, die Relation aufzuzeigen!

Und ich habe auch nicht behauptet, dass alle Ärzte Fälscher sind - es gibt sicher auch die "Guten"; aber für die Pharmaindustrie ist halt jemand, der im Monat drei sauteure Tabletten schluckt schon lukrativer als jemand, der geheilt ist!

1. Placebo. Das erklärt die Verbesserung ihrer Symptome und steht in Einklang mit den wissenschaftlichen Untersuchungen dazu.

2.Vielleicht gehen wir besser von heutigen Preisen aus. Auf beiden Seiten. Und billiger heißt übrigens nicht zwangsläufig besser.

3. An den Unis forschen weniger Ärzte als Sie offenbar denken.

4. Die Pharmaindustrie besteht aus konkurrierenden Unternehmen. Da guckt Firma A nicht einfach zu wie Firma B mit einem unwirksamen Produkt das eigene verdrängt.

(Neuraltherapie ist nämlich etwas, was nicht viel kostet, für die Pharmaindustrie daher wirtschaftlich keinen Wert hat und darum ist sie auch nicht daran interessiert, deren Wirkung zu beweisen).

Stellen Sie sich vor, es gibt auch sehr viel Forschung, die nicht von Pharmafirmen in Auftrag gegeben oder bezahlt wird. Und trotzdem: Immer noch keine Beweise für die Wirksamkeit der Neuraltherapie. Man sollte meinen, dass gerade Neuraltherapeuten an Wirksamkeitsbeweisen interessiert wären, aber die scheinen sich im stillen Kämmerchen bedeckt zu halten...

In aller zu Gebote stehender Kürze und Freundlickkeit.

Sie schreiben Schwachsinn.

Kenne ich

Die Symptomatik kenne ich gut, jetzt wirds mal beschrieben. Gotte sei Dank hat sich das im Laufe der Jahre sehr verbessert. Litt ich in der Pubertät noch 2 - 3mal pro Woche fast ganztägig darunter, ist es jetzt (bin 50) 2 - 3x im Jahr, und mit rechtzeitiger Aspirin Einnahme nach einer Stunde eigentlich vorbei. Zurück bleibt für den Rest des Tages ein Schwächegefühl und erhöhte Sensibilität gegenüber Geräuschen und Helligkeit.

Ich hatte es auch in der Pubertät

Entweder ich fühlte mich groß und mein Zimmer war zu klein. Oder aber zu klein und das Kinderzimmer wurde zur Kathedrale. Sehr irritierend!

Migraene mit Aura

Es scheint wie ein LSD Trip, wie es beschreibt.

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