Vermögenssteuer

Reiche zur Kasse bitten, aber ohne Steuerkeule

Kommentar der anderen | 6. September 2011, 19:43
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    Gerhard Kratky.

Der jüngste Appell des Bundespräsidenten zur Vermögenssteuer, kreativ gedeutet: Plädoyer für "höhere Beitrage" Wohlhabender auf freiwilliger Basis - Von Gerhard Kratky

Bundespräsident Heinz Fischer hat im ZIB-Interview wortwörtlich von einem "höheren Beitrag" gesprochen, der "von den obersten Einkommen und Vermögen" einzufordern wäre. Reflexartig hat er für diese Aussage vehemente Ablehnung vom einschlägigen Eck der Politik als Antwort bekommen. Aber genau diese Wortwahl des Bundespräsidenten sollte Anlass für eine kreativere Interpretation sein. Ich weiß freilich nicht, was er mit dem Wort "Beitrag" intendierte: vielleicht hat er tatsächlich Steuern gemeint. Aber zum Wohle der Gesellschaft beitragen, kann man ja auf verschiedene Arten.

Bereits heute gibt es ausreichende Beispiele dafür. Vom Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner weiß man, dass er neben dem Sponsering der Erler Festspiele die Sozialprojekte von Pater Sporschill (Concordia) und das Engagement der Ute Bock unterstützt. Ein Peter Bertalanffy hat der Forschung am Institute of Science and Technology in Maria Gugging eine Spende in der Höhe von 10 Millionen Euro zukommen lassen. Für Forschung spendeten auch Hannes Androsch, Dieter Mateschitz, Karl Wlaschek und viele andere. Der österreichische Kulturbetrieb wäre ohne "Beiträge" reicher Einzelpersonen und Unternehmen nicht mehr aufrecht zu erhalten, eine Aufzählung der Spender würde Seiten füllen.

Individuelle Kriterien

Sie tun es freiwillig. Oft, um das Unternehmensimage aufzubessern, oft mit einem Seitenblick auf die Seitenblicke-Gesellschaft, oft auch, um die Steuerbemessungsgrundlage zu verringern, oft aber schlicht und einfach aus philantropischen Gründen. Aber für die Gesellschaft zählt der Effekt, das Motiv einer freiwilligen Schenkung ist Angelegenheit des Spenders. Laut Spendenbericht des Fundraisingverbandes betrug das Spendenaufkommen im Jahre 2010 in Österreich stolze 420 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Der springende Punkt besteht darin, dort einen Beitrag zu leisten, wo man es für sinnvoll hält. Und hier ist die Brücke zum Appell des Bundespräsidenten zu schlagen. Was muss die Politik tun, um die Beitragsleistung der "Reichen" für gesellschaftliche Anliegen zu steigern ohne die ungeliebte und in Österreich ausgereizte Steuerkeule neuerlich zu schwingen?

Es macht eben einen großen Unterschied, ob die bösen Reichen noch stärker in den molochartigen und reformresistenten Steuertopf einzuzahlen haben oder ob sie gezielt und nach individuellen Kriterien gesellschaftliche Anliegen unterstützen sollen.

Die Politik wäre gut beraten, in diesem Punkt ausländische Steuersystem und ihre philantropischen Effekte anzusehen. Pro Einwohner werden in den USA - dem Spendenweltmeister - 617 Euro pro Jahr gespendet, in Österreich sind es 46 Euro! Das mag vor allem in einem anderen kulturellen Verständnis begründet sein, aber es ist auch einem anderen Steuersystem geschuldet. Dass wegen eines steuertechnischen Fehlers (Inkompatibilität der Zwischensteuer mit den Absetzmöglichkeiten bei der Kapitalertragssteuer) in Österreich Spenden bei Privatstiftungen nicht abzugsfähig sind, ist eigentlich ein Skandal, ist aber nur die Spitze des Eisbergs.

Es gäbe viele Möglichkeiten, die Beitragsleistungen von Einzelpersonen zu erhöhen. Freilich sind dabei auch Modelle zu diskutieren, wo die Beitragsleistung in Relation zum Einkommen verpflichtend ist, aber die Begünstigten - nach gewissen Kriterien - frei wählbar sind.

Ein Beispiel: Für viele Reiche wäre es durchaus einsichtig, sich als Mäzene für ganz konkrete Forschungsprojekte in speziellen Wissenschaftsgebieten zu betätigen. Nicht einsichtig ist es aber, wenn Vermögen aus bereits versteuertem Einkommen nochmals besteuert wird, um der Reformunwilligkeit der österreichischen Politik weiteren Vorschub zu leisten. Nicht eingesehen wird es, weitere Steuermillionen in ein offensichtlich nicht reformierbares Bildungssystem zu werfen bzw. in ein Pensionssystem mit durchschnittlichem Pensionsantrittsalter von 58 Jahren, wo viele Wohlhabende oft bis ins hohe Alter arbeiten.

Geben wir dem Wort des Bundespräsidenten eine kreative Interpretation. Ja zur Beitragsleistung für Anliegen der Gesellschaft, aber nach individuellen Kriterien und bei freier Wahlmöglichkeit des Wirkungsbereichs. Konkrete Modelle dafür gibt es! (Gerhard Kratky, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2011)

Autor

Gerhard Kratky, Jg. 1945, ehemals Mitgründer des Liberalen Forums, war bis Jänner 2011 Geschäftsführer des Wissenschaftsfonds FWF und ist heute als dessen Konsulent tätig.

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Posting 1 bis 25 von 59
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r3al
00
11.9.2011, 11:37

Ich hätt auch noch einen Vorschlag: Die "Lohnsteuerkeule" für unselbständig Erwerbstätige auf freiwilliger Basis :-))

r3al
00
11.9.2011, 11:28

"höhere Beitrage" Wohlhabender auf freiwilliger Basis. Muß ich jetzt lachen?

Bewährungshilfe für arme Sünder
00
G.Kratky: Auch einer, den´s treffen würde, gell?

rari
03
dann aber bitte für alle...

weg mit den Steuerkeulen für alle ! Ich hätte mir auch gewünscht, daß man mich vorher fragt, ob ich Steuern für die neuesten und feschesten Abfangjäger zahlen möchte. Oder daß man mich fragt ob ich für ein total veraltetes, realitätsfremdes und ineffizientes Unterrichtssystem zahlen möchte. Wenn schon Steuern, dann aber gerecht: daß 10% der Österreicher für ihre 60% Vermögensanteile steuerschonenst davonkommen, einmalig im freien Westen, oder daß Aktienspielereien liebevoller besteuert werden, als die Wurstsemmel für den Bauarbeiter, daß scheint mir nicht gerecht. Und Steuern als Keule zu bezeichnen zeigt von einem etwas verschrobenen Weltbild: der Staat als Gegner. Aufgepasst: wir alle sind der Staat !

Werkzeug
 
02
Ich denke nicht das unsere Reichen Almosen geben müssen, es genügt wenn sie Steuer zahlen

Heinrich wöber
 
02
Alles schon dagewesen...

Wir hatten nach dem 2.Weltkrieg schon eine Vermögensteuer, eine Vermögensabgabe und eine Vermögenszuwachsabgabe und zwar gleichzeitig. Wieso solche Abgaben heute (Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Welt), bei allgemeinem Wohlstand, nicht tragbar sein sollen ist ein Rätsel.

Nik M
03
Freiwillig werden nur Minibetraege gegeben,

und ausserdem fuer idiotische Projekte. Nur eine Frage der Zeit, bis der erste einen Nationalpark fuer den suessen Problembaer Bruno spendet, waehrend obdachlose Fruehpensionisten, die nach einem zu harten Erwerbsleben berufsunfaehig sind, denen man aber die verhasste Hacklerpension gestrichen hat, auf den Strassen Wiens erfrieren. Selbst schuld, wenn sie nicht kuschelig aussehen.

Nein - die Prioritaeten bei Sozialprojekten kann man nicht exzentrischen Einzelkaempfern ueberlassen. Die Steuerkeule muss her.

Martin Fuchs2
00

und Sie glauben tatsächlich, dass unser Staat mit Steuern nur qualitativ wertvolle Projekte finanziert?

Heinrich wöber
 
00
Alles schon dagewesen...

rubberduck
30

das gerechteste Steuersystem ist eindeutig eine flat tax, aber davon will die linke gesellschaft ja nichts hören.
verwaltungsreform sofort, abschaffung der bundesländer (max. 3 verwaltungstechnische großregionen reichen für österreich), zusammenlegung von bezirken (auch über derzeitige BL grenzen hinweg), abschaffung der landtage und regierungen, dafür stärkung der kommunalen regierungen (gemeinderat), bei gleichzeitigen zusammenlegungen der gemeinden auf min. 10.000er einheiten.
da kann man millionen sparen, sicher mehr, als mit immer mehr steuern, egal wen sie nun treffen sollen. faymanns "reichensteuer" ist nur dem linken "futterneid" geschuldet und den lesern der krone

Peter G
14
Beispiel .... Flat-Tax mit 15%

Fall 1:
Einkommen Euro 1.000,-, daher Steuer 150 Euro

Fall 2:
Einkommen Euro 5.000,- daher Steuer 750 Euro

Die 150 Euro tun dem, der 1.000,- bekommt, wesentlich mehr weh, als die 750,- dem weh tun, der 5.000 bekommt.

Warum:
Weil jeder zunächst seine Grundbedürfnisse (Wohnen, Essen, Kleidung, ....) bezahlen muss (der, der 1.000,- bekommt, braucht dafür jeden Euro).

Dass eine Flat-Tax gerecht sei, ist einfach Unsinn !

Chocoholic
00
sie würden sich wundern, wie dann auf einmal der Minderlohnsektor höhere Löhne zahlen wird.

homo_oeconomicus
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Beispiel Flat-Tax

Selbst ein Flat-Tax Modell kann stark progressiv ausgestaltet sein und zwar abhängig vom jeweiligen Freibetrag, der meines Wissens in nahezu jedem Steuersystem zur Anwendung kommt. Unterstellen wir von Ihrem Beispiel ausgehend einen Freibetrag von 800€ so beträgt die Steuerbelastung 200*0,15=30€ und entspricht damit einem effektiven Steuersatz von 3%. Erzielt eine Person hingegen ein Einkommen von 5000€ brutto so beläuft sich die zu zahlende Einkommensteuer auf (5000-800)*0,15=630€ oder 12,6%.

peter schlesinger
01
die flat-tax

könnte zB auch erst bei 2000 btto zum tragen kommen

Werner FROELICH
01
dann ist sie nicht mehr flat!

buena1vista1
02
Blanker Hohn!

Wenn Hr. Wlaschek einen Scheck für € 100.000 hochhält, kommt mir das bei seinen
€ 3,500.000.000,-- wie blanker Hohn vor.

Unglaubliche 0,003 %!!!!!!!!!!!!!!!
So, wie wenn ich 6 cent spenden würde!

Dr. Dieter Zakel MA
 
00
Lohn- und Einkommenssteuer sind

das Äquivalent für Sklavenarbeit und gehören abgeschafft.
Mittlerweile MUSS ja jeder Österreicher bis ca. Juli für den Staat arbeiten.

wurm83
 
01
was für ein schwachsinn

2 klassen gesellschaft? gleiches recht für alle und so?

also wenn ich reich bin darf ich mir aussuchen wem und wieviel ich bezahle wenn ich nicht so reich bin hab ich pech ghabt...

ja genau sowas verhindert, dass die jungen leute auf die straße gehen...

Martin Fuchs2
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Falsch verstanden

Alle zahlen Steuern +
Reiche - und hoffentlich auch weniger Reiche - spenden ihr Geld für verschiedenste Zwecke

wurm83
 
00
ach ist das so?

ich hab nämlich eher den eindruck, dass man mit wachsendem reichtum der stuer immer mehr entgeht...ein guer steuerberater eine stiftung hier und da dazu ein ordentliches bankengeheimnis,....

Gobi Todic
01
na gut

dann erfinde ich folgendes gesetz:

reiche mit einem vermögen über einer million müssen jährlich 1% ihres vermögens an eine soziale einrichtung ihrer wahl überweisen:

* öffentliche kinderhorte
* drogenberatung
* bildungssystem, nachhilfevereine
* pensionskassen
* universitäten
* öffentliche pflegebetriebe
* tierschutz
* seelsorge
* usw, nur keine Religionsgemeinschaften

die reichen können sich dann aussuchen wo sie spenden. aber sie müssen.

Nik M
01

Bekommt alles der Tierschutz. Gegen die suessen Mietzekatzis und Kampfhundis haben die lauten, frechen Baelger, die quaengeligen faulen Studenten oder die ungustioesen Obdachlosen keine Chance.

<O> <O>
11
Gesetzestext Vorschlag:

Bitteeeeee Bitteeeeeee Danke Bitteeeeeee Bitteeeeee....

the comedian
 
04
die allgemeinheit als almosenempfänger

so sicher nicht!

klein adlerauge
 
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warum nicht einfach eine luxussteuer etwa ein erhöhter mehrwertsteuersatz auf 100.000€ autos, 10.000€ juwelen, usw usf. da triffts keinen der sichs nicht leisten und nicht einmal einen ders nicht zahlen will.

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