Österreich wird Italien

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid, 6. September 2011, 19:36

Konsequenz aus den Affären: Nicht Neuwahlen, sondern Transparenz und Aufklärung

Die Wortwahl ist bezeichnend: Wolfgang Schüssel sei ein "Ehrenmann", tönten die ÖVP-Granden nach dem Rückzug des Ex-Kanzlers. Seniorenbund-Chef Andreas Khol legt Wert auf die Unterscheidung, damit sei nicht "ehrenwert" gemeint - um nur ja keine Mafia-Assoziationen aufkommen zu lassen. Ehrenmann erinnert an Helmut Kohls Ehrenwort, mit dem der deutsche Alt-Kanzler sein bis heute andauerndes Schweigen über die illegalen Parteispenden an die CDU rechtfertigt.

Der Auftritt des österreichischen Schweigekanzlers Schüssel zeigt: Es ist ein Rückzug ohne Einsicht. Er ist sich keiner Fehler bewusst, auch nicht bei der Auswahl des Personals. Die Behauptung, dass die Herren Gorbach, Strasser, Grasser und Reichhold erst nach ihrem Ausscheiden aus seiner Regierung auf Abwege geraten seien und er daher nicht dafür verantwortlich sei, entspricht nicht dem bisherigen Ermittlungsstand. Wie viel Schüssel gewusst hat, ob er weggeschaut und geschwiegen hat, um seine Kanzlerschaft nicht zu gefährden, soll ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären, der hoffentlich bald eingerichtet wird.

Klubobmann Karlheinz Kopfs Wortwahl zeugt auch nicht gerade von Selbstkritik und Aufklärungswillen: Er spricht von "Vernaderungen" und einer "inakzeptablen Schmutzkübelkampagne". Was bisher bekannt wurde, basiert vor allem auf einem Kronzeugen, der über die Praxis bei der Telekom auspackt. Sukzessive kommen ähnliche Praktiken bei anderen Unternehmen ans Tageslicht.

Die ÖVP fühlt sich angegriffen - mehrfach: von Vorwürfen, die in den Medien beinahe im Tagesrhythmus veröffentlicht werden; von Ermittlungen der Justiz, die inzwischen eine aktive Rolle einzunehmen scheint und unparteiisch agiert; und nicht zuletzt vom Koalitionspartner SPÖ.

Der Zeitpunkt für Neuwahlen scheint aus SPÖ-Sicht günstig: Es ist ein Moment der relativen Stärke. ÖVP, FPÖ und BZÖ sind mit Skandalen konfrontiert, Michael Spindelegger hat als ÖVP-Parteiobmann noch nicht Tritt gefasst. Dass er vom Mitleidsbonus an den Urnen profitieren könnte, davon gehen nicht einmal Parteifunktionäre aus. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist durch die parteiinternen Turbulenzen noch angeschlagen.

Die Erfahrungen von Wilhelm Molterer 2008 sollten für die SPÖ eine Warnung sein. Inhaltlich ist sie nicht viel besser als die ÖVP aufgestellt. Die Reichensteuer reicht als Wahlkampfschlager allein nicht aus. Offen ist auch die Koalitionsfrage. Zumindest in einem Punkt hat sich Werner Faymann festgelegt: Nicht mit der FPÖ. Die Grünen sind laut allen vorliegenden Umfragen nicht so stark, dass es für Rot-Grün reichen würde.

Das Blatt könnte sich wenden, wenn sich Vorwürfe erhärten, dass die SPÖ beim Eurofighter-Kauf ebenfalls profitiert habe. Die SPÖ hat sich - wie auch die ÖVP - gegen die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses gewehrt, der das Skylink-Debakel aufklärt. Der Verdacht auf illegale Parteienfinanzierung, Untreue und Betrug rund um den Erweiterungsbau des Flughafens Wien, dessen Gesellschaft von SPÖ und ÖVP dominiert wird, steht im Raum.

Österreich gleicht immer mehr Italien. Auch das als Warnung: In Italien sind die traditionellen Volksparteien nach Affären implodiert. Um in Österreich das Vertrauen in die Parteiendemokratie wiederherzustellen, sind Aufklärung und Transparenz - auch bei Parteispenden - notwendig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2011)

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Karl Kater
00
15.9.2011, 08:03
Italien darf nicht Österreich werden!

cpt blunt
00
14.9.2011, 11:28

was uns fehlt sind gscheite parteiengesetze.
ein politiker sollte keinem anderen beruf nachgehen dürfen, da sonst ein interessenskonflikt betsteht.
desweiteren sollte die politische immunität aufgehoben werden.
bezahlung auf provissionsbasis.wer nur dasitzt bekommt seine 800€.
wer dem bürger nicht passt (umfrage/wahl über"-50%") - tschüss, probieren sies am freien arbeitsmarkt.
wahlversprechen die nicht eingehalten werden bzw wenn man kein resultat sieht, beeinflussen die staatlichen parteifinanzzuschüsse für das nächste jahr.
offene parteikonten, für jeden einsehbar.
ein beruf halt.
mir kommt vor da kennt jeder die karten vom anderen und dieselben werden sich bewusst zugespielt.
Marek: für wien zu inkompetent, für den nr reichts

henry p
00
Die gehören alle an die Wand gestellt....

.......und ihnen der Popo versohlt^^

dermartino
00

Lieber Grinsekanzler und lieber Vizekanzler,

nehmen sie sich diesen Artikel bitte, bitte, bitte zu Herzen!

WFL1
03
mutig, Skylink zu erwähnen

Sehr mutig von Ihnen, Skylink zu erwähnen. Denn dafür sind in erster Linie die Medienlieblinge Häupl und Erwin Pröll verantwortlich, die über einen "Aufsichtsrat" einen völlig überforderten Vorstand installieren ließen: einen AK-Mann (natürlich rot), einen Gewerkschafter (natürlich rot) und einen Wirtschaftskämmerer (natürlich schwarz). Keiner dieser Herren war je im Flughafenmanagement tätig. Und das angesichts eines 400 mio Bauvorhabens (Skylink) in Schwechat.
Und dann verpufft sehr viel Geld - "Kostenüberziehungen" etc. Also warum setzte man dort 3 Parteisoldaten hin? Die Antwort kann sich jeder denken. Sie haben völlig recht: Aufklärung tut Not. Nicht immer nur bei schwarz-blau.

EricderRote
01
späte einsicht

seit Jahren - von allen Medien beklagt - herrschen mafiose Zustände, in der Perosnalpolitik sowieso immer deister, inder Vergabepolitik, auch längts kein Geheimnis - sieh unser Abrutschen beim Korruptionsindex - und jetzt beim plumpen und dummdreisten Geldveschieben bei Waffen und Telekom, Was ist da neu? Bestenfalls dass wir am Weg sind, Italien hinter uns zu lassen...

Meklon von Andromeda
 
02

Herrjeh, in einem Land, in dem so viele kluge Köpfe leben, welche so treffende Analysen formulieren, wie Frau Schmid hier wieder: da muss doch auch ein Potenzial da sein, aus diesem in allen Parteienfarben schillernden Sumpf wieder rauszukommen!

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
00
Naja, das gibt es einen großen Unterschied zwischen Italien und Österreich

Berlusconi hat wenigstens dafür gesorgt, dass im Staatsfernsehen schöne Frauen mit großen Möpsen sinnlose Sendungen moderieren.

Bei uns machen das Ingrid Turnher und Doris Golpashin. Wir können also noch was lernen von Italien ;-)

der elch mit dem kelch
08
Sehr schöner Artikel.

so schauts aus in Österreich.

Korruption und Vorteilnahmen sind seit jeher die Begleiterscheinung des Proporzes, der Sozialpartnerschaft und der NICHT-Trennung zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Justiz und Politik.

Jeder kennt das und jeder ist daran gewöhnt dass sich die kleineren und grösseren Entscheidungsträger es sich richten können und die wenigsten ÖsterreicherInnen verstehen nicht den Schaden der dadurch entsteht.

Gerhard Kreuzer1
80
Keine Frage, dass die SPÖ und ihre grüne Vorfeldorganisation nun die schwarz-blaue Regierungsphase endgültig zertrümmern wollen, und dass sie die Indizien für Verfehlungen von Gorbach oder Strasser nun Schüssel anhängen wollen.

Das ist eine übliche politische Taktik. Diese ist für die SPÖ umso wichtiger, als wir erstmals mit einer Regierung konfrontiert sind, deren massive Korruption und direkte Gesetzesverletzungen schon zu Amtszeiten offenkundig sind. Deren Sündenliste reicht von der gezielten Medienbestechung durch Werner Faymann über einen ÖBB-Aufsichtsratspräsident, gegen den in Sachen Buwog-Schmiergeld viel konkretere Beweise vorliegen als gegen den von der Staatsanwaltschaft ständig vorgeführten Karl-Heinz Grasser, bis zu einer Unterrichtsministerin, die nicht nur wegen der Kommunalkredit-Pleite in ganz schiefem Licht steht, die auch gesetzeswidrig den AHS und BHS nicht genügend Lehrerposten gibt, um die Klassenschülerhöchstzahlen einhalten zu können.

Gerhard Kreuzer1
62
Ganz wurscht. Denn was blieb zB von der Ära Kreisky?

Hier die Fakten: Rechtskräftige Strafurteile von Ministern bisher.

Blecha: Fälschung von Beweismitteln, Urkundenunterdrückung
Sinowatz (Bundeskanzler!!): falsche Zeugenaussage
Gratz Leopold: falsche Zeugenaussage
Androsch (BMF!!): Steuerhinterziehung

Und Herr Kreisky war in den 1970ern verbündet mit dem FP-Peter (ehemals Offizier der SS) gegen Wiesenthal. Wiesenthal hat sich dann auch erdreistet aufzudecken, dass 4 (!) der Minister der ersten Kreisky-Regierung Ex-Nazis waren. Davon 2 in führender Position im Dritten Reich. Sowas gab es in der ÖVP nicht einmal ansatzweise.

human ic
19

Nagut, das relativiert jetzt natuerlich alles was so bei schwarz und blau momentan so passiert und ueberhaupt werd ich den kreisky beim naechstenmal nichtmehr waehlen !

Gerhard Kreuzer1
52
Und sogar auch gegen BK Faymann wird jetzt bereits ermittelt.

Jüngst bestätigte die Staatsanwaltschaft offiziell, dass gegen den Bundeskanzler und seinen Staatssekretär „wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs und der Untreue“ ermittelt wird – und am nächsten Tag erwähnt fast keine Zeitung auch nur diese Tatsache. Korruptionsermittlungen gegen den amtierenden Regierungschef würden anderswo den Staat erschüttern und zu lautstarken Rücktrittsrufen führen. Aber nicht bei uns in Österreich. Denn bei uns sind Strafverfahren gegen einen Regierungschef – oder auch gegen die Unterrichtsministerin wegen ihrer seltsamen Rolle bei der Kommunalkredit-Pleite – nicht der Erwähnung wert. Zumindest, wenn die Verdächtigen rot sind.

human ic
04

Nagut, das relativiert jetzt natuerlich alles was bei schwarz und blau momentan so passiert und ueberhaupt werd ich den feymann beim naechstenmal nicht waehlen !

Wieviel Demokratie ist es bitte?
04
Österreichs Parteien

sind 5 x das gleiche Comic Book mit 5 unterschiedlich gefärbten Front Covers.

Wäre kein Problem, wenn es nicht zu viele Leute ständig wieder kaufen würden, weil sie die hanebüchene Story partout nicht durchschauen können wollen sollen dürfen.

Es wird in Schulen nicht vermittelt, daß die Republik aus nichts als Potemkin'schen Gebilden besteht.

Klientelwärmende Öfen, die konstant Geld verbrennen.

Ansonsten völlig funktionslos.

Alles was in anderen Demokratien eine Funktion hat, ist hier verbuggt oder Dummy/Fake.

D.h., es ist schon das Gerüst korrupt.

Kulisse.

DuckFaymann und LOLRitter-Spindelegger werden den Käfern, für die sie uns halten, jetzt nicht das Licht anmachen und die brutale, nackte Wahrheit präsentieren.

viridisdens
11
immerhin sind die grünen bei all diesen vorkommnissen nicht involviert

N. N.
06
"Nicht involviert" ist etwas wenig, zu wenig für meinen Geschmack.

In Wahrheit sind die meisten grünen Funktionäre - Peter Pilz ausgenommen - längst im System angekommen und haben es sich häuslich in diesem eingerichtet.
Würden Sie es ernst meinen mit der Verwestlichung des österreichischen Politsystems, dann müssten sie Forderungen stellen, die den eigenen Funktionären die Ohren schlackern ließen. Strengere Regeln allein reichen nicht, es muss auch viel weniger Kohle geben. Kanada, Deutschland, Holland, kommen mit einem Zehntel dessen aus, was der vertrottelte österreichische Steuerzahler für dieses korrupte System berappt. Hier muss man radikal am Geldhahn ansetzen, sonst ändert sich nichts. Nur: Diese Forderung höre ich nicht von den Grünen, warum wohl?

Michael Wagner8
13
was aber nicht unbedingt eine grosse leistung ist wenn man noch nie in der bundesregierung war :)

insovern ist mein eisschützenverein auch nicht involviert.

viridisdens
33
guter vergleich, wie viele mandate hat denn ihr eisschützenverein im parlament?

sie haben alle in einen topf geworfen, alle POLITIKER, alle PARTEIEN, ich habe ihnen entgegnet, dass nicht alle politiker alle parteien dreck am stecken haben. so viel differenzierung müsste sich ausgehen.

schöne grüße an ihren eisschützenverein, ich werde überlegen ihn zu wählen!

Michael Wagner8
01
ha ha ha!

na wieviele ministären, ämter in unseren proporzsystem werden von der oppostition bekleitet?
wieviele entscheidungen im nationalrat der letzten 20 jahre fallen ihnen ein bei welche die stimme eines nr-abgeordneten einer oppostion das zünglein an der waage war?
ist ja lachhaft ihr posting. abgesehen von den paar ausnahmen in den diversen landtagen wo die grünen mitregieren sind sie praktisch nicht an der macht, also gibt es auch keine macht zum missbrauchen.

viridisdens
01
schön, wenn sie humor haben ;-)

jetzt geht's aber um's denken:
1) im ersten posting gings darum, dass ALLE fünf parteien gleich seien
2) dem hab' ich entgegnet, dass man dies von den grünen nicht behaupten kann (kann man ja auch nicht, aus verschiedenen gründen)
3) dem haben sie entgegnet, dass ihr eisschützenverein auch nix verbrochen hat
4) danach versuchte ich ihnen zu erläutern, dass ein unterschied zwischen einem eisschützen verein & einer partei ist
5) daran hatten sie sehr viel spass.

wogegen ich mich wehre ist die oberflächlichkeit, dass eh immer alle gleich schlecht sind. selbst innerhalb der övp könnt's leute geben, die nicht korrupt sind.

ihre + die vereinfachungen anderer poster fördern nicht gerade die differenzierung und sind demokratiepolitisch ungünstig.

Rot/Grün Farbsehschwächling
03
Die aktuellen Skandale sind schlimm genug, aber

das noch viel schlimmere ist, dass sich in den nächsten Monaten politisch nichts rein gar nichts tun wird. Und es gäbe soviel Reform- und Handlungsbedarf:

1. Universitäten (brauchen ganz dringend zusätzliche finanzielle Mittel)

2. Verwaltungsreform

3. Schulreform

4. Arbeitslosigkeit

...

Anton D.
01
Sie haben den schrecklichen Euroschutzschirm ESM vergessen,

der einen korrupten Privilegienstadel bewirken und unser STeuergeld an ebenso korrupte und unfähige Staaten weiterleiten wird.

Rose Bud
00
Arbeitslosigkeit?

da liegt Österreich im Spitzenfeld. Da ist natürlich immer eine weitere verbesserung möglich und wünschenswert, aber eine ganz dringende Baustelle, die man etwa mit massiven staatlichen Hilfsprogrammen bearbeiten müsste ist das derzeit nicht.

(°)(°)
02
Mit Leuten die 50% effektive Abgaben für jedermann (Lohnsteuer, Ust, Fernsehgebühr, etc.) widerstandslos ertragen

kann man eh alles machen...

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