Initiative türkischstämmiger Unternehmer sucht Ort für gemischtsprachige Schule
Innsbruck - Die Marktgemeinde Rum sei grundsätzlich gegen Privatschulen, nicht im Speziellen gegen eine türkisch-/deutschsprachige Schule, ließ Bürgermeister Edgar Kopp (SP) verlauten: Eine Umwidmung des geplanten Schulgebäudes werde es daher nicht geben, nach einstimmigem Beschluss aller Gemeinderatsfraktionen.
Dieser Tage war der Plan einer Gruppe türkischstämmiger Unternehmer bekanntgeworden, eine Privatschule gründen zu wollen: Migrantenkindern müsste die Integration erleichtert werden. Es werde versucht, einen Standort für das Schulprojekt zu finden. Wenn ein Schulstandort gefunden sei, werde ein Verein gegründet und das Schulprojekt bei Landesschulrat und Unterrichtsministerium eingereicht. "Wenn alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden und das Projekt unter staatlicher Kontrolle steht, dürfen der gemischtsprachigen Schule keine politischen Steine in den Weg gelegt werden", fordert die Grüne Christine Baur. Sie sieht in der Initiative eine Chance, "von außen auf den verfahrenen staatlichen Bildungskarren Druck auszuüben".
Gegen das Schulprojekt sprechen sich Landesschulratspräsident Hans Lintner (VP) und Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) aus: "Isolation" bzw. eine "Errichtung von Parallelgesellschaften" seien nicht förderlich für eine funktionierende Integration. Auch für den Freiheitlichen Richard Heis ist ein gemischtsprachiges Privatgymnasium keine Option. Für SP-Bildungssprecherin Elisabeth Blanik zeigen Initiativen wie diese, dass es erhebliche Mängel im Bildungssystem gebe, Schüler müssten mehr gefördert werden. Blanik will keine eigene Schule mit türkischsprachigem Unterricht, sondern die Einführung von Türkisch als lebender Fremdsprache, wie etwa Spanisch.
Unterdessen betont der Verein "Multikulturell", dass die sprachliche Integration von Migrantenkindern in Schulen und Kindergärten zu spärlich ausfalle. Um, wie im Fall von Migrantenkindern, Deutsch erlernen zu können, müsste zuvor die Muttersprache beherrscht werden. (ver, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2011)