Scharfe Kritik an Neuvergabe der Glücksspiel-Lizenzen
Die heimische Glücksspielbranche befindet sich im
Wandel: Während die Nachfrage nach Glücksspielen insgesamt gesehen
zurückgeht, wird das Zocken im Internet
immer beliebter. 2010 sanken
die Spieleinsätze um 3,4 Prozent auf rund 13 Mrd. Euro. Die
Bruttospielerträge, sprich der Umsatz der Branche, gingen um 6,7
Prozent auf 1,3 Mrd. Euro zurück.
Umsatzrückgang bei
Automatenspielen
Besonders hoch war der Umsatzrückgang mit 9 Prozent bei
Automatenspielen (z.B. einarmige Banditen) und mit 11 Prozent bei
Spielbanken (Casinos). Aber auch Lotteriespiele waren mit minus 4,8
Prozent weit weniger gefragt als 2009. Ganz anders beim
Online-Gambling: Dort stiegen die Bruttospielerträge um rund 2
Prozent auf 93 Mio. Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von
Kreutzer Fischer & Partner, die am Dienstag vorgestellt wurde.
Internet-Spiele wachsen
Dem Internet-Zocken wird laut
Studie auch heuer und 2012 weiteres
Wachstum bescheinigt, während es bei Automaten-Glücksspielen und den
Casinos erneut zu Rückgängen kommen dürfte. In fast allen 12
Spielbanken der Casinos Austria sind die Erträge im Vorjahr
geschrumpft. Sportwetten zogen 2010 aufgrund der Fußball-WM in Südafrika an,
werden 2011 und 2012 aber wieder zurückgehen. Für die gesamte Glücksspiel-Branche wird für 2011 ein auf 12,9
Mrd. Euro gesunkener Spieleinsatz prognostiziert. Die
Ausschüttungsquote wird laut Studie weiter steigen. Je höher die
Quote ist, desto schlechter für die Branche, denn dieser Anteil wird
an die Spieler ausgeschüttert und schmälert somit das Ergebnis der
Betreiber.
Marktsättigung
Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Kreutzer Fischer &
Partner,
führt die insgesamt rückläufige Marktentwicklung auf die Verringerung
des Automatenangebots, den Wettbewerb und eine inzwischen
eingetretene Marktsättigung zurück. Vor allem bei Lotteriespielen sei
die Sättigung erreicht und ein Plus nur durch Preiserhöhungen oder
eine Steigerung der Spielintervalle zu erreichen. Kreutzer rechnet
deshalb mit weiteren Preissprüngen im Herbst.
Kriminalisierung
Das Automatenspiel indes werde kriminalisiert. Durch
"gesetzliche
Restriktionen" beim sogenannten "Kleinen Glücksspiel" tauchten immer
mehr Spieler ins Internet ab. Habe es
2010 noch 13.675
Glücksspiel-Automaten in Österreich gegeben, seien es heuer nur noch
11.790. In der Automaten-Zählung von Kreutzer Fischer & Partner sind
sowohl legale als auch illegale Spielautomaten miteinbezogen. Das
sogenannte "Kleine Glücksspiel" ist derzeit nämlich nur in Wien,
Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten erlaubt.
Soko Glücksspiel
Die "Soko Glücksspiel", die vom Finanzministerium ins Leben
gerufen wurde, um illegalen Geräte aus dem Verkehr zu ziehen, hat
bisher laut Kreutzer rund 1.100 Automaten eingezogen. Die "Soko" geht
von 10.000 illegalen Geräten aus, die Studienautoren gehen hingegen
von nur 3.000 bis 4.000 aus. Den stärksten Rückgang gab es in
Vorarlberg, dort verschwanden zwei Drittel aller illegalen Automaten
vom Markt. In Oberösterreich und Salzburg reduzierte sich die Zahl um
mehr als ein Fünftel, in der Steiermark um 12 Prozent.
Kritik an Neuvergabe der Glücksspiel-Lizenzen
Scharfe Kritik übte Kreutzer an der Neuvergabe der
Glücksspiel-Lizenzen: "Es ist deutlich der politische Wille zu
erkennen, den Status quo beizubehalten." Bei der Lotterie-Lizenz sei
ein Paket ausgeschrieben worden, das den Österreichischen Lotterien
in die Hände spiele, für neue Anbieter aber eine gewaltige
Eintrittsbarriere bedeute. Denn kein europäischer Anbieter verfüge
über Erfahrungen in allen drei Geschäftsbereichen, also
Lotterie-Glücksspiele, Online-Gambling und Automatenglücksspiel. Der
Staat ist durchgerechnet mit rund 30 Prozent an den Lotterien und 33
Prozent an den Casinos Austria beteiligt. (APA)