Urteil in Den Haag

Ein Schreibtischtäter in Uniform muss hinter Gitter

Florian Niederndorfer, 6. September 2011, 21:05
  • Das Urteil in der Zusammenfassung als PDF.

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    Momcilo Perisic wurde zu 27 Jahren Haft verurteilt.

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    Perisic (2.v.l.) neben seinem Herrn Slobodan Milosevic.

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    Perisic (l.) bei einem Dinner 1998 mit Milosevic.

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    2000 war Perisic Kandidat der Anti-Milosevic-Gruppierung DOS, Demokratische Opposition Serbiens. Der Slogan: "We Serve the Nation"

Momcilo Perisic hat klassische jugoslawische Armeekarriere hinter sich - In Kroatien und Bosnien mischte er bei Völkermord und Kriegsverbrechen mit

Der Schuldspruch gegen Momcilo Perisic klärt die Frage, wieviel Schuld die Jugoslawische Bundesarmee in den Sezessionskriegen der Neunziger auf sich geladen hat. Fünfzehn Jahre nach Ende der Belagerung von Sarajewo wurde mit dem heute 67-Jährigen ein Schreibtischtäter in Uniform als Kriegsverbrecher entlarvt. Einer, der sich immer mit den Mächtigen arrangiert hat, ist schuldig im Sinne der Anklage und muss hinter Scheveninger Gitter, für 27 Jahre.

***

Als Momcilo Perisic am 22. Mai 1944 in der zentralserbischen Kleinstadt Gornji Milanovac, etwa 120 Kilometer südwestlich von Belgrad, geboren wurde, tobte um ihn herum ein blutiger Krieg zwischen den deutschen Besatzern, nationalistischen Tschetniks und kommunistischen Partisanen. Drei Jahre zuvor hatten Partisanen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee unweit von seinem Geburtsort den Miniaturstaat Republik Uzice ausgerufen und ihn 73 Tage lang gegen Hitlers Truppen verteidigt. Nach der Machtübernahme der Tito-Partisanen in Belgrad 1944 und der Gründung Jugoslawiens 1945 gingen die antifaschistischen Widerstandskämpfer in der Jugoslawischen Volksarmee (JVA) auf.

Prototypische Karriere

Und Momcilo Perisic, mittlerweile studierter Psychologe, folgte dem prototypischen Karriereweg eines jugoslawischen Kadersoldaten. Erst Matura in Cacak, dann Militärakademie bei der Artillerie in Belgrad, später folgte noch der Abschluss an der Akademie des Generalstabs. Fast 700.000 Soldaten standen in den Siebzigerjahren unter Waffen, die JVA zählte zu den größten Streitkräften Europas. Der rasche Aufstieg ging mit insgesamt fünfzehn Mal Umziehen einher. Nach und nach bekam Perisic im Auftrag der Armee damals fast alle Regionen des damals größten Landes am Balkan zu Gesicht. Und war im Sommer 1991, als der Krieg in Kroatien nach der so genannten "Baumstammrevolution" begann, zur Stelle.

Es begann in Kroatien

Im August vor zwanzig Jahren blockierten militante Serben nach dem Wahlsieg der kroatischen Separatisten die strategisch und wirtschaftlich bedeutenden Stichstraßen an die norddalmatinische Küste. Perisic ließ seine Soldaten von der Artillerieschule aus Zadar ausrücken, um den von kroatischer Polizei bedrängten Serben in der einseitig ausgerufenen Serbischen Republik Krajina beizustehen. In der Küstenstadt Zadar kreuzte sich sein Weg mit jenem des im Mai verhafteten bosnischen Serbenführers Ratko Mladic. Mladic war 1991 Chef des so genannten Knin-Corps der JVA, einer Einheit, die - letztlich erfolglos - den Süden Kroatiens vom Kernland abspalten wollte.

Während Momcilo Perusic von den neuen Herren in Zagreb wegen der Bombardierung Zadars in Abwesenheit zu zwanzig Jahren Haft wurde, begann sich in der JVA das Postenkarussell für den Endvierziger schneller und schneller zu drehen. Im Jänner 1992 wurde Perisic zum Chef des Bileca-Corps der bosnisch-serbischen Armee nahe Mostar ernannt. Seine Rolle in der Belagerung der historischen Stadt an der Schnittstelle der Kulturen brachte ihm den Kampfnamen "Ritter" ein. Erwähnung in der Haager Anklageschrift fand sie nicht, ebenso wenig wie der Angriff auf Zadar.

Die Spur des Krieges

Doch Perisic, treuer Diener seiner Herrn, folgte auch diesmal der Spur des Krieges - und fand ihn in Sarajewo. Im August 1993 beförderte ihn der damalige Präsident Slobodan Milosevic zum Generalstabchef der Jugoslawischen Armee (JA), die immer offener Partei ergriff für die Belange der Serben. Die bosnische Hauptstadt wurde fast vier Jahre lang von bosnisch-serbischen Truppen mithilfe der JA belagert, tausende Menschen kamen im Feuer der Heckenschützen und durch Granaten ums Leben oder trugen Verletzungen davon.

Generalstabschef Perisic, so die Richter, hat sich schuldig gemacht, den Beschuss geplant und ausgeführt und seine Soldaten nicht von Kriegsverbrechen abgehalten zu haben. Als Oberbefehlshaber soll er die volle Kontrolle über jene Kommandozentren der jugoslawischen Streitkräfte gehabt haben, die für die bosnisch-serbischen und die kroatisch-serbischen Offiziere zuständig waren. Perisic sei für die Bestellung, Beförderung, aber auch Amtsenthebung dieser Offiziere zuständig gewesen, so die Richter.

Tote in Zagreb

Ähnlich die Lage an jenem 2. Mai 1995, als von serbisch besetztem Gebiet aus Splitterbomben auf das Zentrum der kroatischen Hauptstadt Zagreb geschossen wurden. Mindestens sieben Menschen kamen an diesem Tag sowie bei dem erneuten Bombardement am 3. Mai zu Tode, 194 wurden verletzt. Wieder war es Momcilo Perisic, der jeden Versuch unterließ, das Kriegsverbrechen zu unterbinden.

Das letzte und - für das Urteil - bedeutendste Kapitel in der Geschichte des Kriegsverbrechers Perisic wurde im Juli 1995 in der muslimischen Enklave Srebrenica, Bosnien-Herzegowina, geschrieben. Ratko Mladic und seine Soldaten machten sich des schlimmsten Massenmords in Europa nach 1945 schuldig, etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen wurden dabei getötet. Perisic hätte nach Ansicht der Richter die Macht gehabt, mäßigend auf die Serben einzuwirken - er unterließ es.

Arrangement mit den neuen Eliten

Nach der Wende in Belgrad 2000 arrangierte sich Momcilo Perisic auch mit den neuen Eliten. Von 2001 bis 2002 war der ehemalige Armeechef Vize-Premier unter dem 2003 ermordeten, pro-westlichen Regierungschef Zoran Djindjic. Im März 2002 wurde er von der serbischen Eliteeinheit "Kobra" verhaftet, er soll geheime Militärdokumente gegen Geld an einen CIA-Agenten geliefert haben. Ein entsprechendes Gerichtsverfahren wurde nie abgeschlossen. Drei Jahre später stellte Perisic sich schließlich freiwillig dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Ein Schuldeingeständnis war ihm bis zuletzt nicht zu entlocken. (flon/derStandard.at, 6.9.2011)

Kommentar posten
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Igor Gassner
00
20.3.2012, 10:10
Ich bin wirklich kein Verteidiger der Serben

aber in diesem Kommentar werden normale Kriegshandlungen mit Verbrechen vermischt

ich hoffe ds war im ICC anders sonst wird man einer Zukunft entgegensehen wo ein Gerichtshof für die Machtinteressen der USA mißbraucht wird, ohne dass diese an ihn gebunden wären.

boris b.
121
?

Interessant, dass ein Richter (von drei) ihn für unschuldig in ALLEN Anklagepunkten hält.

Jefimija
11
nulla poena sine lege!

Knoot
42
Sorry, aber.....

Um ehrlich zu sein, auch als Serbe finde ich es gut, dass er das bekommen hat, was er sich verdient hat.

Wie lange hat er in Serbien andere großgoschert outen wollen, sie hätten was damit zu tun, hat gegen Milosevic große Parolen geschoben, staatseigene Dokumente verkauft, sich dem Lager Djindjic verschrien und wollte durch seine freiwillige Inhaftnahme den braven und schuldlosen spielen? FALSCH GEDACHT! Jeder verdient seine Strafe, egal ob Serbe, Kroate, Bosnier usw... Der Perisic umso mehr. Jetzt hat er nichts von seiner unnötigen Plapperei und Wichtigtuerei.

Sulic
36
Und womit

soll er diese absurd lange Haftstrafe verdient haben?

Schwabe5
00
13.9.2011, 21:03
Für das hier ! Terror nämlich.

http://www.tagesschau.de/multimedi... 73076.html

A la croate
61
Verzeihung,

aber das war wohl gerade eine geistige Ejakulation?

Th. Heil
05
Sie scheinen aber bei berechtigten Fragen

schnell aus der Fassung zu geraten.

A la croate
00
13.9.2011, 07:23
Absolut nicht

Die Frage ist nicht berechtigt, sie ist einfach absurd. Fragen Sie mal Ihren Kollegen Sulic ob er die 27 Jahre für Gotovina in Frage stellt?

Knoot
00

Das Strafausmaß habe ich nicht kommentiert und werde es auch nicht tun. Das bleibt jedem überlassen, wie er es sehen mag. Es denken viele genauso, dass er das Schwarze Schaf ist, mal ehrlich.. Sie nicht?

Th. Heil
14
Dieses absurde Strafmass

sollte man aber nicht unkommentiert lassen.

Politiker sind Gauner!!
00
haben AMS Beamte auch eine Uniform

wenn nicht auch egal, aber die meisten müßten hinter gitter... werden doch dort vorsätzlich, die meisten Gesetze mißachtet und gebeugt...

abrakadabra3
03
Ich bin Kroate und frage euch...wann hört das endlich auf, Leute? Habt ihr nichts besseres zu tun als im Internet zu streiten, nachdem das alles passiert ist? So wird nie was mit Versöhnung!

Ich habe in Wien genügend serbische Freunde, mit denen ich noch nie auf Grund von solchen Diskussionen Probleme hatte, aber schau ich ins Internet, zeigt sich das wahre Bild. Hört auf damit! Akzeptiert die Geschichte als Geschichte und spinnt nicht durchgehend irgendwelche Verschwörungstheorien. Es ist leider passiert, ja, aber das heißt nicht, dass ihr persönlich Schuld seid! Nur die Täter tragen Schuld, sonst keiner. Wieso man jemanden verteidigen muss, weil er zufällig dieselbe Nationalität hat, ist mir schleierhaft. Schlechte Menschen sind schlecht, gute Menschen gut, egal ob Serbe, Moslem oder Kroate. Konzentrieren wir uns nur auf das und reichen uns die Hände.

Th. Heil
14
Ihr könnt ja gerne alle befreundet sein,

doch es würde ja dennoch nicht stören wenn das absurde Haager Theater endlich aufhören würde.

quo_vadis_austria
100

"Schlechte Menschen sind schlecht, gute Menschen gut, egal ob Serbe, Moslem oder Kroate. Konzentrieren wir uns nur auf das und reichen uns die Hände"

Ich glaube nicht dass es hier irgendjemandem um nationalistische Beweggründe geht. Es ist die Liebe zur gesamten Menschheit die manche von uns dazu treibt auch unter Einsatz ihres Lebens stets für die Wahrheit einzutreten!

Der Balkankonflikt war ein Bürgerkrieg und solche Kriege sind IMMER äusserst brutal, aber vor allem gibt es in solchen Kriegen niemals nur einen Aggressor. Die "Schuld" ist bei allen Streitparteien zu suchen nur dass hier von den USA eine "Wahrheit" aufgezwungen wird die nur der Durchsetzung der geopolitischen Interessen der USA dient.

Jasmin Celler
 
610

Die böse USA hat die Serebn dazu getrieben Slo, Cro, Bih und das Kosovo anzugreifen?

Was haben den diese Länder für Rohstoffe, ich beantworte es Ihnen: KEINE!

Sulic
04
Sie haben recht:

Camp Bondsteel ist kein Rohstoff, aber ein Kriegsgrund.

Th. Heil
15
Wie können die Serben

Bosnien angreifen, sie leben ja seit 1300 Jahren dort. Das gleiche gilt für das Kosovo. Aber die "guten" Amerikaner haben Vietnam, Afghanistan, Irak usw. aus lauter Freundlichkeit angegriffen - nicht?

Jasmin Celler
 
410

Ganz unauffällig das Thema gewechselt, klappt nicht, sorry!
Sie sind gut informiert, wer hat den in Kroatien und Bosnien Krieg geführt?
Lebten nur Serben auf dem Balkan ist mir neu?

P.S. Wer war vor den Slawen auf dem Balkan?
Die Illyrer, wer kann als nachkommen dieser gesehen werden?
Die Albaner!
Die Kosovaren lebten demnach vor den Serben dort!

Aber nicht traurig sein, in Ihrer Welt können Sie den Krieg ignorieren aber außerhalb dieser Traumblase leider nicht!

Th. Heil
04
Der von ihnen verbreitete Verbal-Unsinn

kann mit EINER EINZIGEN (nichtserbischen Karte) widerlegt werden. Schauen Sie sich mal den Balkan im Jahre 814 an. Und schauen Sie mal vor das Kaspische Meer. Dort findet man einen Staat namens "Albania": http://www.emersonkent.com/map_archi... ne_814.htm

Sabitudo
00

Ich bitte Sie aufzuhören falsche Informationen zu verbreiten. Die Illyrer haben nichts mit den heutigen Albanern zu tun. Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis hierzu und jegliche Behauptung in diese Richtung ist wissenschaftlich untragbar und nur ein Versuch nationalistische Ideen und Gebietsansprüche zu legitimieren.

Igor Gassner
00
20.3.2012, 10:15
Entschuldigen aber die Struktur der Albanischen Sprache weist darrauf hin

dass es sich um eine Altindogermanische Sprache handelt möglicherweise mit em Armenischen verwandt das läßt den Schluss zu dass die schon immer am Balkan saßen wärend man von den Slawen weiß wann sie zugewandert sind. Allerdings sind die Südslawen stark mit Äromunen vermischt und haben ethisch genausoviel historisch Recht auf den Balkan.

Jasmin Celler
 
510

Untragbar für wen, für Sie?

Die Serben behaupten das Kosovo gehöre schon seit ewigen Zeiten ihnen!
Wie können diese das behaupten?
Die Albaner aber nicht?
Wer kann als Nachfolger der Illyrer gesehen werden die Slawen welche zugewandert sind?

Th. Heil
183
Internationale Dokumente beweisen,

dass vor der Osmanischen Besatzung Serbien keine Albaner im Kosovo lebten. Was gibt es da zu interpretieren?

Stani83
103
"Die Illyrer, wer kann als nachkommen dieser gesehen werden? "

ICh finds toll wenn Sie sich selbst demaskieren und sich vor lauter Verzweiflung in unbewiesene Theorien flüchten ;)

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