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Im 88-Millionen-Einwohner-Staat Äthiopien leiden rund zehn Millionen Menschen am Trachom.
Wien/Addis Abeba - "Trachom" ist die medizinische Bezeichnung für eine in den ärmsten Ländern Afrikas verbreitete Augenerkrankung, die mit Erblindung enden kann.
Die Medizinische Universität Wien stattet bis Ende Oktober ein Forschungszentrum an der Augenklinik der Universität Jimma in Äthiopien mit Geräten und Know-how aus. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Augenerkrankung, an der Millionen Menschen in Afrika leiden. Das Trachom wird durch Chlamydien-Infektionen des Auges verursacht.
Stichwort "Hilfe zur Selbsthilfe"
Jimma hat mit 37.000 Studierenden die zweitgrößte Universität Äthiopiens, im Februar 2011 wurde der Kooperationsvertrag mit der MedUni Wien unterzeichnet. Die Kooperation resultiert aus dem Projekt OCUVAC (aus dem österreichischen Laura Bassi-Programm zur Förderung von Frauen in der Spitzenforschung) unter der Leitung von der Wiener Augen- und Augeninfektiologie-Spezialistin Talin Barisani.
"Helfen, damit sich die Menschen dort selbst helfen können", ist die Intention des Forschungszentrums, das verbesserte Therapien und Diagnostik ermöglichen soll: "Der erste Schritt ist, eine Infektion, die zum Trachom führt, diagnostisch von einer anderen unterscheiden zu können."
Mangelnde Hygiene und verschmutztes Wasser
Das Trachom ist eine infektiöse, entzündliche Augenkrankheit, die durch Vernarbungen sogar zur Erblindung führen kann. Im 88-Millionen-Einwohner-Staat Äthiopien leiden rund zehn Millionen Menschen daran, 24,5 Prozent aller Fälle treten in der Region Jimma auf. Die Ursachen sind vor allem mangelnde Hygiene und schlechtes Wasser.
Brunnen nicht erschwinglich
In vielen Dörfern gibt es überhaupt keinen Brunnen und damit auch kein Wasser. Die Frauen müssen kilometerlange Fußmärsche auf sich nehmen, um zur nächsten Wasserstelle zu gelangen.
Talin Barisani: "Ein Brunnen kostet etwa sieben Ochsen. Das ist für den Einzelnen viel zu viel. Aber die Menschen kommen nicht auf die Idee, dass es vielleicht machbar wäre, wenn jeder einen Ochsen gibt, da das Konzept einer gemeinsamen Verantwortung in der traditionellen Gesellschaft nicht verankert ist. Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern und NGOs versuchen wir, die Menschen dazu zu bringen, kleinere Bereiche anzustoßen und nachhaltig zu verändern."
Chlamydien-Impfstoff aus Bakterienhüllen
Auf Wissenschaftsebene will die MedUni Wien helfen, an dem Zentrum in Jimma Forschungsaktivitäten zu etablieren. Das Team unter dem Wiener Experten Werner Lubitz hat dort eine Technologie entwickelt, mit der man bis zum Jahr 2017 aus leeren, nicht infektiösen Bakterienhüllen ("bacterial ghosts") einen wirksamen Chlamydien-Impfstoff entwickeln will, der ohne Nadeln verabreicht, kostengünstig hergestellt werden kann und keine Kühlkette benötigt. (APA/red)
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