WikiLeaks

Microsoft unterstützte tunesisches Regime mit IT-Schulungen

Zsolt Wilhelm, 6. September 2011, 10:28

Für den Verkauf von Software-Lizenzen soll der Konzern zu "Sicherheitsprogramm" eingewilligt haben

Einer von WikiLeaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Tunis, war der Softwarekonzern Microsoft im Jahr 2006 an einer engen Zusammenarbeit mit dem tunesischen Regime interessiert. Um die mittlerweile gestürzte Regierung vom Umstieg von Open-Source-Software auf Microsoft-Produkte zu überzeugen, erklärte man sich dazu bereit, die Machthaber zum Thema Cyber-Kriminalität zu schulen.

Source-Code überlassen

Der Deal mit Präsident Zine El-Abidine Ben Ali sah auch vor, dass Microsoft den Soucre-Code zu Produkten überließ (was die Funktionsänderung von Programmen ermöglicht). In dem Schreiben warnte die Botschaft die US-Regierung wonach das Risiko bestehe, dass das speziell vorgesehene Training auch zur weiteren Unterdrückung der tunesischen Bevölkerung genutzt werden könnte. "In einem Programm gegen Cyber-Kriminalität wird Microsoft Regierungsmitglieder des Justiz- und Innenministeriums in der Nutzung von Computern zur Bekämpfung von Kriminalität schule. Wenngleich die Ausbildung der Gesetzeshüter mittels eines IT-Trainings positiv ist, wirft der strikte Einfluss der Regierung auf das Internet die Frage auf, ob dieses Programm die Regierungsmaßnahmen zur Überwachung der eigenen Bevölkerung stärken wird", so die Depesche.

Profit-Deal

Das Schreiben endet mit dem Schluss, dass unter dem Strich "für Microsoft die Vorzüge die Kosten überwiegen". (zw)

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Posting 1 bis 25 von 39
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Deserteur
01
Dann haben dann aber auch die Djerba-Touristen das Regime unterstützt!

Um die europäischen Touristen vor potentiellen Attentaten von Islamisten (wie in Algerien) zu schützen, war wohl ein gewisse Überwachung angemessen...
Speziell in solch einem wirtschaftlich unterentwickelten und - wie man sieht - zum Pulverfass neigenden Gebiet.

godwin
01

Na bumm, was für ein Skandal ...
Fürs 9/11-Jubiläum schlage ich dem websubstandard eine wilde Aufdeckerstory zum Thema "Al Kaida plante Attentate auf Windows-PCs" vor.

maruh
00

"Um die mittlerweile gestürzte Regierung vom Umstieg von Open-Source-Software auf Microsoft-Produkte zu überzeugen, erklärte man sich dazu bereit, die Machthaber zum Thema Cyber-Kriminalität zu schulen."

diesen satz versteh ich nicht…
wo ist da der zusammenhang?
Open-Source - Cyber-Kriminalität ?

NoName!
30
Typisch Micro$oft

M$ hat schon dutzende Male Firmen, Organisationen, Schulen oder Regierungen "geschmiert", wenn diese auf OpenSource/Linux umsteigen wollten. Leider verzerrt das den freien Markt und Linux-Distributoren haben einfach nicht die Möglichkeiten(€), um hier mit M$ zu konkurrieren! In diesem Fall hat M$ der tunesischen Regierung unterschiedliche Dinge angeboten, um eben weiterhin Kunde bei M$ zu bleiben .... Sollte verboten werden ...

VaterJanus
12
Uuuuuuuuuh

und Apple ist unschuldig, Google natürlich auch aber wie war das mit Siemens und Intel? Naja egal

IncontinentIceweasel
10
So viel subversive Energie...

...hätt ich MS gar nicht zugetraut...

trollpower
00

Ich hoffe jeder WIFI/BIT/Schul/Uni/fh etc. Unterrichter der einen Straftäter ausgebildet hat, stellt sich freiwillig und fleht um Gnade!

Aber hey für Linux User ist dieses Thema sicher interessant :)

E.Stampfl
00
nur dann, wenn auch Sorce-Code mit der Schulung geliefert wird,

das ist wohl bei keinem WIFI/BIT/.. Schulungskurs über MS Produkte der Fall. Ein Glück nur, dass die EDV-Leute im Dienst der unterdrückerischen Regimes nicht die hellsten Köpfe sind. Denen bringt auch die MS Schulung nicht den gewünschten Durchbruch, die sind einfach zu blöd, effektiv zu beschnüffeln und zu zensurieren und die Freiheitsbewegungen abzustellen. Das begrenzt zumindest den Schaden.

Leon Kowalski
00

"... wonach das Risiko bestehe, dass das speziell vorgesehene Training auch zur weiteren Unterdrückung der tunesischen Bevölkerung genutzt werden könnte."

Wo in Deiner verunglückten Analogie wird das schulende Institut von einem zu erwartendem Risiko gewarnt? Richtig: Nirgends.

trollpower
00

ich bringe jemanden rechnungswesen bei, somit gebe ich ihm auch die Fähigkeiten Betrug durchzuführen, genasuso isses beim Informatikstudium und co...
Hier werden genauso angriffe auf simulierte systeme ausgeführt...

Leon Kowalski
00

Muss mich gerade an die Microsoft/Nigeria/Mandriva Geschichte zurückerinnern: http://www.linux.com/archive/f... /topic/405

sainty1
00
kotz

obs das mit Bill Gates gegeben hätte?

irata
01

Ziemlich sicher.
Bill hat ja schon für eines seiner ersten Projekte (MS-BASIC) einen illegalen Zugang zum Uni-Großrechner benutzt.
Die "kriminelle Energie" war schon immer da ;-)

opryde
114

es ist echt super, wie plötzlich alle zu bösewichten erklärt werden, weil sie geschäftliche beziehungen mit einer regierung unterhalten haben, die jahre später (zurecht) in ungnade fallen. gott bewahre, dass china einmal in diese position kommt, da kann der rest der welt moralisch endgültig einpacken!

NoName!
01
Microsoft - Evil!?

Sie müssten sich wohl etwas genauer mit der M$-Historie und Firmenphilosophie beschäftigen. Micro$oft setzt immer wieder solche zweifelhaften Methoden ein, um die Konkurrenz auszustechen. Ist leider ein Fact, also bitte nicht ignorieren sondern informieren!!

silverfinger
00
12.9.2011, 12:21

macht ja jede firma in monompolposition oder?

opryde
00

ich bin mit der geschichte microsofts durchaus vertraut und weiss, dass sie auch nicht immer die feine klinge führen, aber artikel wie dieser sind schlicht und einfach der versucht, einen skandal zu erzeugen, wo keiner ist.

ich bin kein großer freund ihrer politik oder produkte (wobei ich bing ganz ordentlich finde), sowas ist dann aber doch unnötig.

LostinSpacetime
00
Bing in China?

Endgültig ist relativ.. was die Zensur in China betrifft, ist die öffentliche Meinung ziemlich fest dagegen. Das hat Microsoft trotzdem nicht davon abgehalten, nachdem Google sich aus China zurückgezogen hat, für ein paar Prozente Marktanteil Themen wie Tibet, Taiwan, Demokratie und Menschenrechte aus ihre Suchergebnisse zu filtern.

opryde
00

was ich damit meinte, ist, dass es kaum eine firma auf dieser welt gibt, die etwas herstellt, die nicht (indirekt) mit china zu tun hat. sollte es dort einen umsturz ala tunesien geben, dann müssten die zeitungen voll solcher berichte sein. monate lang.

LostinSpacetime
00

Ich glaube ich habe das schon verstanden, es macht (wenigstens für mich) aber einen Unterschied, ob man die üblichen wirtschaftlichen Beziehungen pflegt, oder ob zum Deal dazu gehört, DIREKT Zensur und Unterdrückung zu unterstützen. Mir ist ebenfalls klar, dass auch andere Firmen einiges für Geld und Marktanteile bereit sind zu tun, aber Microsoft hat ganz lange Zeit nicht einmal behauptet ethisch oder fair zu handeln, geschweige denn es wirklich getan. Das finde ich ziemlich arrogant, besonders wenn man bedenkt wie viel Geld sie mit dem Verkauf ihrer Produkte an Privatpersonen verdienen. Solche Nachrichten sind einfach die Folge dieser Arroganz und auch wenn sie etwas überzogen sind, werden sie hoffentlich zum Umdenken beitrage.

Lrrr
 
117

ist doch eh schon länger bekannt, wie microsoft zu ihrem marktanteil kommt...
sicher ned durch ein tolles produkt...

Hectic
35
Win7 ist ein tolles Produkt.

SuperGnu
12
...aber auch nur für Leute, die keine Alternativen kennen...

rolin
12

Fuer ein Windows OS ja. Fuer ein OS ist es ok.

E.Stampfl
02
um Win7 geht es aber nicht, sondern

um Methoden der Korrumption, Bestechung und Mafiamethoden, um autoritäre Systeme zu unterstützen, die eigene Bevölkerung zu unterdrücken und zu beschnüffeln, zum eigenen Vorteil.
Jedes Unternehmen, das so etwas macht, muss an den Pranger. Wie gut oder schlecht die Produkte sind, hat damit nichts zu tun.

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