Hintergrund

Schwarz-blau-orange Affären

5. September 2011, 18:17

Verdächtige Provisionen, Ermittlungen wegen Bestechungsgeldern

In der Zeit der Kanzlerschaft von Wolfgang Schüssel wurzeln eine ganze Reihe von Skandalen, die heute noch Justiz und Politik beschäftigen.

  • Eurofighter Rund um den Eurofighter-Ankauf sollen Bestechungsgelder geflossen sein, zuletzt war von mehr als hundert Millionen Euro die Rede. Die Entscheidung für die Anschaffung von ursprünglich 24 Eurofightern im Gesamtwert von fast zwei Milliarden Euro war praktisch über Nacht zwischen dem Verteidigungsministerium von Herbert Scheibner (FPÖ) und dem Finanzministerium von Karl-Heinz Grasser (damals ebenfalls noch FPÖ) gefallen. Eigentlich hatte Saab Gripen mit dem Auftrag gerechnet. Gleich mehrere prominente Lobbyisten des Rüstungskonzerns EADS wurden im Frühling 2011 von der Polizei abgehört. Untersucht wird in diesem Zusammenhang auch die Rolle des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, Ehemann der ÖVP-Politikerin Maria Rauch-Kallat.
  • Buwog Im Zentrum der Ermittlungen zur Buwog-Privatisierung steht Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, er wird von der Staatsanwaltschaft auch als Beschuldigter geführt. Grasser soll in das Verfahren zum Verkauf der Bundeswohnungen eingegriffen haben, was der frühere Finanzminister stets zurückwies. Insgesamt flossen beim Verkauf Provisionen in der Höhe von 9,6 Millionen Euro an den Grasser-Freund und ehemaligen FPÖ-Politiker Walter Meischberger ("Wo war mei Leistung?") sowie an den Lobbyisten Peter Hochegger.
  • Telekom Rund um die Telekom gibt es gleich mehrere Skandale, in die verschiedene Regierungsmitglieder von Schwarz-Blau verwickelt sind. Aufs Tapet kamen jüngst angebliche Zahlungen an den früheren Vizekanzler und Infrastrukturminister Hubert Gorbach (erst FPÖ, dann BZÖ). Gorbach hatte als Infrastrukturminister der Telekom über die "Universaldienstverordnung" Leistungsgebühren von Mitbewerbern gesichert. 264.000 Euro sollen über die Firma Valora von Hochegger an Gorbach geflossen sei, angeblich für dessen Sekretärin. 600.000 Euro gingen ohne erkennbaren Grund an die BZÖ-nahe Agentur Schmied. 70.000 gingen über die Valora an Gorbachs Vorgänger Mathias Reichhold.

Massive Ungereimtheiten gibt es um die Vergabe des digitalen Behördenfunks, verantwortlich zeichnete damals Innenminister Ernst Strasser (ÖVP). Statt des ursprünglich beauftragten Konsortiums "mastertalk" kam dann doch "Tetron" um Motorola und Alcatel zum Zug. Die Telekom verdiente mit, da sie die Netz-Infrastruktur mitlieferte. Derzeit ermitteln US-Behörden wegen angeblicher Zahlungen von Motorola auch gegen Mensdorff-Pouilly. Dieser hat ebenso wie Strasser jegliche Unregelmäßigkeiten stets dementiert.

Von der Telekom floss nicht ganz nachvollziehbar auch Geld in den Sport: Der Fußballverein FC Kärnten soll unter Landeshauptmann Jörg Haider bis zu einer halben Million Euro erhalten haben. Der SV Sierning im Heimatort des früheren Vizekanzlers Wilhelm Molterer (ÖVP) soll auf dessen Intervention von der Telekom gesponsert worden sein. Geld gab es aber auch für die Fraktion der Christgewerkschafter, für den SP-Abgeordneten Kurt Gartlehner und für das FPÖ-Parteiblatt Neue Freie Zeitung. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.9.2011)

Kommentar posten
11 Postings
Ravenhorst
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Wozu die Aufregung

DIese ÖVP gibt es eh nicht mehr lange

Gerhard Schwarz6
 
04

DAS stimmt sicher nicht.
Die ÖVP wird es solang geben wie es die Räuberideologie "mehr privat - weniger Staat" gibt.

Bran Van
00

auf die gefahr hin mich zu wiederholen, aber privatisierung an sich ist per se nichts schlechtes. die frage ist immer nur wie wird sie vollzogen ( privatisieren wir sinnvoll oder privatisieren wir, dass wenige viel dadurch bekommen. eine ideologie und charakterfrage an der die schwarz blaune regierung klar gescheitert ist) , denn der wohlfahrtsverlust der monopole kann auch nicht die lösung sein

Feles
01
hmmm

Ich gebs zu, ich bin gegenüber Privatisierung generell skeptisch. Aber überzeugen Sie mich: Was ist durch die Privatisierung von Post & Telekom, ÖMV und Austria Tabak für uns BürgerInnen und für die betroffenen ArbeitnehmerInnen (unterhalb der Managerebene) besser geworden?

Bran Van
11

staatliche monopole zwingen sie einfach dazu preise zu zahlen die über den marktpreisen liegen.
oft erkennbare elemente aufgrund eines fehlenden konkurrenzdrucks sind z.b

nachlassende innovationsfreudigkeit
geringere produktivität
schlechterer service im vergleich zu polypolmärkten
weniger produktvarianten

natürlich gibt es aber auch fälle wo ein monopol durchaus sinnvoll ist.

mein eigentlicher kritikpunkt is ja jener dass die privatisierungen nicht aus oben genannten gründen erfolgen die dem endverbraucher eine verbesserung bringen würden, sondern dazu dienen einigen wenigen die bankkonten zu füllen und da stimme ich meinem vorredner mit dem ausdruck "räuberbande" vollends zu.

runas /user:public\ivan
01
WARUM die anteile an der omv verkaufen????

einem unternehmen das die nächsten 30 jahre fix ein europäischer player sein wird????!!!"!"
einfach die 32% halten und mitverdienen.

Ravenhorst
00
Untersuchungshaft?

Gibt es diese Form der Anhaltung noch? Wenn nicht, wäre es hoch an der Zeit diese wieder einzuführen.

Österreichische Verbrecher Partei !
02
Sehr geehrter Herr innenpolitik redakteur, gebens einfach Ihren JOB auf und wechseln Sie in ein ÖVP Ministerium- Dort gibts mehr Geld und für ÖVP SOKOS werden so miese Ermittlungen / Rechergen gesucht.

KorruptiLobbyist
05
Herr Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Sie haben aus Lust und Laune die Tierschützer gequält! Setzen Sie endlich den § 278 a gegen diese ÖVP - Polit Mafia ein!!

Ich will diesen korrupten Haufen endlich hinter Gitter sehen! Den Paten inklusive!!!

G I B T S D A K E I N E

V E R D U N K E L U N G S G E F A H R ????
G I B T S D A K E I N E
V E R A B R E D U N G S G E F A H R????

Oder sind Sie Mitglied dieser Mafia??

angelo6
03
das sind aber viel zu wenig!

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und natürlich gilt überall die Unschuldsvermutung: Grasser Homepage, Immoskandale um Meinl, Immofinanz & Co., Strasser, Grasser-Geldringelspiel mit Bargeldtransfer für Schwiegermutter, Hypo Alpe Adria ...

athea
02

und was war da mit seibersdorf? das haben sie ja auch fast ruiniert.
und unser konferenzzentrum? die republik hat dabei internationale verträge gebrochen...die uno hat sich nach der privatisierung(ha!)/umfärbung ein eigenes gebaut...(der deal dazu wurde in den 60ern mit einer övpregierung abgeschlossen...1982 von der övp fast verhindert -1.bruch....nach 2000 nochmal verraten---um ihre internationale klasse zu beweisen, nehm ich mal an)

kann sich irgendwer überblick über all diese vorkommnisse machen?

...

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