Der Favorit einigte sich mit dem Vorstand: Er wird Direktor des Leopold Museums
Wien - In der Vorstandssitzung der Stiftung Leopold am Montagnachmittag fiel endlich die Entscheidung: Tobias Natter, bis März Direktor des Vorarlberger Landesmuseums in Bregenz, wird neuer Direktor des Leopold Museums. Er folgt Rudolf Leopold nach, der am 29. Juni 2010 starb.
Eine entsprechende Meldung der APA wollte man im Museum zunächst nicht bestätigen, da die Sitzung noch andauerte. Man sprach aber von einer 99-prozentigen Wahrscheinlichkeit. Natter, ein international anerkannter Experte vor allem für die Wiener Kunst um 1900, wird heute, Dienstag, um 11 Uhr bei einem Pressegespräch im Leopold Museum präsentiert werden.
Tobias Natter, geboren am 26. Mai 1961 in Dornbirn, studierte an den Universitäten Innsbruck, München und Wien. Die Betriebswirtschaftslehre schloss er mit dem ersten Studienabschnitt ab, in Kunstgeschichte und Geschichte promovierte er 1988 mit der Dissertation Icones rectorum. Werden und Eigenart der Rektorengalerie an der Universität Wien. Nach drei Jahren im Historischen Museum der Stadt Wien (nun Wien Museum) war er 15 Jahre an der Österreichischen Galerie Belvedere tätig, zuletzt als Chefkurator. Für das damals neu gegründete Jüdische Museum der Stadt Wien konzipierte er als Gastkurator kunsthistorische Ausstellungen.
2001 und 2002 war er Mitarbeiter der Neuen Galerie in New York, deren erste Wechselausstellung er realisierte. Von 2006 an leitete Natter das Vorarlberger Landesmuseum, dessen Neubau und Neukonzeption er museologisch verantwortete. Ende November 2010 gab er bekannt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern werde. Er gestand ein, Wien zu vermissen: Er würde gerne zurückkehren. Zudem übte er Kritik an der Struktur der Bregenzer Kulturhäuserbetriebsgesellschaft.
Schon damals unkte man, dass er der neue Direktor des Leopold Museums werden würde. Gerüchten zu Folge soll ihm der Direktorsposten von Elisabeth Leopold angeboten worden sein. Die energische Witwe nach Rudolf Leopold ist Vorstandsmitglied auf Lebenszeit. Ihre Vorgangsweise, den Direktor direkt zu bestellen, wurde aber nicht vom gesamten Vorstand gutgeheißen: Man entschloss sich schließlich, den Posten auszuschreiben.
Es gab 32 Bewerbungen, Natter blieb aber Favorit - und man trat mit ihm in Verhandlungen. Seine Gehaltsforderungen sollen, hieß es, zu hoch gewesen zu sein. Doch die Option, ans Belvedere zurückzukehren - Natter war nur karenziert -, lief kürzlich aus. (trenk, DER STANDARD - Printausgabe, 6. September 2011)