In Terlan wurden ein römerzeitliches Gebäude und Gräber mit Beigaben aus dem 4. Jahrhundert freigelegt
Bozen - Im Rahmen von Grabungsarbeiten für ein Haus sind in Terlan im
Südtiroler Etschtal archäologische Funde aus der Römerzeit und dem
Frühmittelalter zutage gekommen. Dabei wurde ein frühchristliches Baptisterium
mit Taufbecken gefunden. Auch Gräber mit Beigaben aus dem 4. Jahrhundert wurden
freigelegt. Der Fundort befinde sich neben der Pfarrkirche Terlan. Die ältesten
Ausgrabungen gingen auf die ersten nachchristlichen Jahrhunderte zurück, teilte
das Land Südtirol in einer Aussendung am Montag mit.
Zu den Funden "zählt ein römerzeitliches Gebäude, das mit einer Hypokaustenanlage -
einer Fußbodenheizung - ausgestattet war", berichtete Leo Andergassen, Direktor
der Landesabteilung Denkmalpflege. Von der Anlage seien noch die kleinen
Pilaster erhalten, zwischen denen die warme Luft zirkulierte. Sie wurden mit
dem 2. Jahrhundert datiert.
Bestattungen
Knapp zwei Jahrhunderte später seien auf dem untersuchten Grundstück
Bestattungen angelegt worden. "Die Gräber enthielten Beigaben - Gegenstände aus
dem Alltagsleben, die dem Toten für seine Reise ins Jenseits mitgegeben wurden",
schilderte die Direktorin des Landesamtes für Bodendenkmäler, Catrin Marzoli.
Zwei Gräber seien jeweils mit einem Gefäß für Speisen und einem weiteren für
Getränke ausgestattet gewesen. Drei der gefundenen Specksteingefäße seien besonders gut
erhalten.
Auch in der Folgezeit, vermutlich im Frühmittelalter vom 5. bis 7.
Jahrhundert, sei das Areal zu Bestattungszwecken aufgesucht worden. Die
sterblichen Überreste habe man in einem in der Zwischenzeit zu einer Ruine
verfallenen römischen Haus gefunden. Am gesamten Grabungsareal konnten laut
Experten Bestattungen nachgewiesen werden.
Baptisterium
Das Baptisterium sei durch ein in den Boden vertieftes Becken und eine
Mörtelmauer im Fundamentbereich erkennbar. In diesem aus römerzeitlichen Ziegeln
und Steinen gefertigten Becken mit den Maßen 160 mal 100 Zentimeter hätten die
Archäologen eine massive Steinplatte aus Ammonitenkalk gefunden.
Dieser stamme aus dem Trentino. "Im Umfeld geborgene Bleireste deuten darauf
hin, dass die Platten versiegelt waren und das Becken daher Wasser aufnehmen
konnte", führte Marzoli aus. (APA)