Hintergrund

Pro- und Kontrapunkte zur Reichensteuer

5. September 2011, 18:22

DER STANDARD fasst die Vor- und Nachteile der Reichensteuer zusammen

PRO

  • Krisenbewältigung Vermögende hätten von den mit Steuergeld geschnürten Rettungspaketen für die Banken besonders profitiert, sagen die Befürworter. Statt beim Stopfen des Budgetlochs nun den Sozialstaat abzubauen, auf den vor allem Ärmere angewiesen sind, sollten die Profiteure gefälligst einen Beitrag leisten.
  • Leistungsfähigkeit Während der Anteil der Löhne am Volkseinkommen à la longue gesunken ist, erfreuten sich Vermögen über Jahre großer Zuwächse - und auch der Krisenknick dürfte bald kompensiert sein. Zur Finanzierung des Sozialstaats tragen sie dank im internationalen Vergleich geringerer Steuern dennoch wenig bei, meinen die Kritiker, die Hauptlast liege auf den stagnierenden Einkommen der Arbeitnehmer. Von "Leistungsgerechtigkeit" könne deshalb keine Rede sein: Wer etwa reich erbe, rühre keinen Finger und zahle keinen Cent an die Finanz. Ergo: Steuern auf Arbeit runter, Vermögenssteuern rauf!
  • Verteilung Zahlt der Mittelstand die Zeche? Unsinn, sagen die Fans der Reichensteuer. Entgegen aller Propaganda seien Vermögen massiv auf eine Oberschicht konzentriert. Laut Nationalbank besitzt das oberste Zehntel 60 Prozent des Privatvermögens, das reichste Prozent hortet 21 Prozent der Immobilien und 27 Prozent des Geldes. Dieser exklusive Kreis könne ein bissl Solidarität schultern, ohne gleich das Weite suchen zu müssen - zumal Steuerflucht nicht so einfach sei. Wer dem Fiskus entfliehen will, muss schon mit Kind und Kegel umsiedeln, wobei sich Immobilien schwer mitnehmen lassen. Und ob Bratislava als Millionärsdomizil wirklich so attraktiv ist wie Wien?
  • Ökonomische Vernunft Vermögenssteuern seien die konjunkturfreundlichste Variante der Budgetsanierung, weil die Reichen ihr Geld im Gegensatz zu den konsumierenden Massen ohnehin zu einem Gutteil bunkerten. Außerdem werde einer Krisenursache vorgebeugt: Schließlich hätten die enorm gewachsenen Vermögen das Spekulationskasino befeuert.
  • Gleichgewicht Viel Vermögen lege auch viel Macht in wenige Hände, die Demokratie drohe zu erodieren. Die Deklassierten und Chancenlosen würden die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich nicht ewig devot hinnehmen - und, wie in London oder Athen, den Aufstand proben.
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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
dernachbar
00
10.12.2011, 11:44
Spekulationsgeld

Leider verwenden die Reichen ihr Geld nicht zur Investition in Produktionsbetriebe sondern als Spielgeld
im Kapitalismuscasino.

die gelben fuer at
22
der gesamte wohlstand in diesem land liegt in den doch sehr reichlichen vermögen

die produktivität der heimischen wirtschaft reicht lange nicht mehr aus um den ungeheuren wohlstand zu sichern.

einige wenige spezialisierte weltmarktführer und technologie-leader können den derzeitigen wohlstand nicht erwirtschaften. vielmehr braucht es eben genau jene reichen die mit ihren vermögen für investitionen und arbeitsplätze sorgen.

österreich ist mit seiner hochsteuerpolitik schon jetzt unattraktiv, die steuerschlupflöcher (stiftungsrecht) sorgen dafür dass das so wichtige kapital im land gehalten wird.

immer mehr gut verdiener verlassen das land weil die steuerlast untragbar ist.

wie wärs mal mit sparen? bei ver ineffizientesten verwaltung der welt beispielsweise?

benutzer0
04

"Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion."
Quelle Wikipedia

die meisten qualitätszeitungen sind bei Pro/Kontra-Texten immer sehr zurückhaltend, gerade was die meinung des blatts betrifft, wägen die argumente gegeneinander ab und versuchen ein objektives fundament zu schaffen.

das ist hier alles nicht der fall. die blattlinie ist mindestens so deutlich wie die der krone zur wehrpflicht. wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen das ist die kronenzeitung.

Erika Rothen
04
Österreich hat bereits eine der höchsten Steuerquoten weltweit,

dabei Vollbeschäftigung und eine brummende Wirtschaft.

Die Steuereinnahmen sprudeln wie das legendäre Füllhorn in gewaltigen Summen.

Dennoch ist die riesige Geldsumme, welche die hiesigen Steuerzahler in dieses Loch ohne Boden namens österreichischer Fiskus/Verwaltung pausenlos einzahlen, bei Weitem zu wenig, weil alles verludert, verplempert, verkorrumpiert, verschlampt wird.

Und wenn die Donau statt Wassers pures Gold führen würde, und dieses umweglos in den österr. Staatssäckel spülen würde: es wäre zu wenig, weil es in dieser Verbrecherrepublik IMMER zu wenig wäre!

Änderungen im Steuersystem bringen nichts. Nur eine vollumfängliche Vertreibung der handelnden Kleptokratie könnte den Staatssäckel sanieren.

MAXIMA
02
... die Demokratie drohe zu erodieren ...

... allein Faymann und Co bedrohen die Demokratie, sie schüren Neid und säen Zwietracht. Niemand hätte etwas gegen eine "Vermögenssteuer" oder ähnliches, wenn diese zum Schuldenabbau bestimmt und befristet wäre. Viel wichtiger wäre die Transparenzdatenbank für alle, Private wie Kammern, Vereine, Parteienfinanzierung usw. Einsparungspotential wäre Auflösung der Bundesländer, der div. Krankenkassen alle Arbeitnehmer im ASVG-System einbringen, dort ist Handlungsbedarf, nicht im Aufbürden neuer Steuern.

Klugscheisser, der 3.
07
Man muss die Perspektive wechseln

Zum einen ist die Grenze mit "die oberen 10 %" schlau gewählt. Das sind ja so rund um die 400.000 Erwerbstätige.
Klar, die zahlen die Zeche bei 50% Steuersatz.
Die obersten 3% (also eher die Kontostandsbeobachter) zahlen aber gemessen an ihren Einnahmen fast keine Steuern mehr.

Polens Politik hat sich dank eines überraschenden Flugzeugabsturzes durchaus zum positiven gewendet. Alte Seilschaften sind zwar nicht verschwunden, aber z.T. drastisch geschwächt.
Ich denke diese Reinwaschung kann man fast jedem Staat nur empfehlen.

Weniger radikal ausgedrückt:

Wenn sich hier was ändern soll, müssen ein paar 100 Köpfe weg. Sie müssen ja nicht rollen, aber weg müssen sie. Punkt.

Hugo Wiesinger
27
Verschwendung wird also belohnt.

wer spart hat was, dem wird's weggenommen.
Wer nicht spart hat nicht's und bekommt's dann vom Staat.
Warum nich teinfach Klartext reden, dan versteht der Bürger das auch.

LichtAmEndeDesTunnels?
51
Klartext reden, ich stimme ihnen bei

Ihr Posting ist nämlich alles andere wie Klartext. Hier wird von Vermögen gesprochen, dass sich nicht in einem normalen Leben ansparen lässt.

Es geht um Vermögen, dass entweder über Generationen bereits existiert und vermehrt wird (wie auch immer über zwei Weltkriege und vielleicht auf Kosten anderer) oder durch nicht nachvollziehbare Geschäfte - im Sinne von Leistung/Arbeit und Bezahlung - angehäuft wurde.

Nennen sie mir einen Fall, wo ein sehr vermögender Mensch, egal in welchen Land, durch 'echte' Leistung das Geld verdient hat.

Was ich nicht zu Leistung zähle:
Unwissenheit anderer ausnützen/Falschinformation
Produkte weit über den Erstellungskosten verkaufen (unverschämte Gewinne/vielleicht Wucher)

das möchte ich versteuert wissen!

Norrin Radd
01
Beispiele?

Didi Mateschitz
Frank Stronach
Arnold Schwarzenegger
Bill Gates
Larry Page und Sergei Brin
Marc Zuckerberg

Das sind nur ein paar Beispiele von Selfmade-Millionären und -milliardären, die mir jetzt ad hoc eingefallen sind.

Und bevor jetzt wieder das Blabla mit "keine echte Leistung" kommt: Ein Frank Stronach ist mit 200 Dollar in Kanada angekommen und hat in einer kleinen Garage und alleine begonnen, seine Firma aufzubauen - teilweise mit 16-Stunden-Schichten.

Gerhard Hofegger
00
11.12.2011, 10:11

Viel mehr sind`s aber nicht. Und die, welche sie aufzählten sind typischen Fälle für Hollywood-den Billa Chef haben`s noch vergessen. Also bitte, das es natürlich auch einige gibt die`s mit viel Glück geschafft haben bestreitet doch keiner, doch der großteil der heute Vermögenden hat sein Geld nicht wirklich durch ehrliche Arbeit verdient (unehrlich ist auch die Ausbeutung von Menschen mit den heutigen Gehältern). Das höhren natürlich die sogenannten Arbeitgeber nicht gerne. Wo sie doch so sozial sind und dem Mopp Jobs geben. Die Wahrheit ist doch eher ohne Personal könnten auch sie ihre Aufträge nicht erledigen und somit auch das eigene Vermögen nicht steigern.

cba
11

meine behauptung: vermögen von mehreren millionen euro aufwärts werden größtenteils weder erspart noch erarbeitet, sondern im wesentlichen geerbt oder ergaunert.
und: das ergaunerte wird üblicherweise wesentlich heftiger verteidigt als das erarbeitete, deshalb ist es für die politik auch einfacher, sich das geld vom sogenannten mittelstand zu holen.

Weltfremd ?
00
Und was spricht dann gegen eine Erbschaftssteuer

bzw. eine Betrugsverfolgung, da gabe es beispielsweise auch den Beitrag der Schwarzarbeiter einzufordern. Die Argumente sind unagemessen, weil sie generalisieren. Steuer auf Vermögen zu fordern, das nicht vom dem Individuum bereits versteuert wurde, ist berechtigt alles andere betrachte ich genauso als Betrug am Steuerzaher.

Der Geist der Ahnung
 
04
Zitat <vermögen von mehreren millionen euro aufwärts werden […] im wesentlichen geerbt oder ergaunert>

Ja, klar – das Credo des gemeinen Standard-Posters: 'Wers zu einem (kleinen) Vermögen gebracht hat (oder auch nur zu einem größeren als dem meinen), der muss ein Glückspilz oder ein Gauner sein!'

Sie werdens nicht glauben: Es gibt auch Fälle, in denen Gründer oder Erben kleiner und kleinster Unternehmen diese mit innovativen Produkten, gutem Marketing, hohem persönlichen Einsatz und wirtschaftlichem Geschick sehr erfolgreich führen, ein beachtliches Wachstum (auch ihres privaten Vermögens) erzielen und irgendwann die oa Grenze überschreiten (und wenn noch nicht sie selber, dann ihre Erben, die das Unternehmen weiterführen).

=> 'Solche Lumpen! Nehmts ihnen was weg, aber schnell!'

cba
00

sie werde es ebenfalls nicht glauben: ich kenne einige leute, die sich ihr kleines vermögen in wertschöpfenden unternehmen erarbeitet haben, und mein mittelprächtiges einkommen stammt aus wertschöpfender, selbständiger arbeit mit entsprechendem einsatz. nur: weder die genannten noch ich kommen dadurch zu mehreren millionen euro, dazu sind wir anscheinend zu dumm (früher sagte man dazu: zu ehrlich).

Der Geist der Ahnung
 
00
Da kann ich jetzt eigentlich nur eines sagen: q.e.d.

Speziell für Sie aber noch eine Präzisierung zu meinem vorherigen Post: 'Wers im Gegensatz zu mir und meinen Bekannten zu einem Vermögen gebracht hat, der muss ein Gauner sein!'

Gez. – einer, der ebenfalls kein Millionär ist, allerwahrscheinlichst auch nie einer sein wird und den dennoch der Neid nicht dazu treibt, alle 'Reichen' der Unehrlichkeit und Gaunerei zu bezichtigen.

Klugscheisser, der 3.
00
If you wanna play with the folks on the hill, you must learn to smile while you kill!

Es gibt viele Rechnungen zu diesem Thema.
Ein Multi-Millionenvermögen lässt sich nicht durch Arbeit verdienen. Nur durch Erben, Ausbeutung, Betrug, Raub, Unterschlagung, Wucher. Oder einer Rendite deutlich über 10%, womit wir wieder beim Wucher wären...
Trotzdem sehen viele Leute in den "Wohlhabenden" immer noch ehrenwerte Leute und buckeln vor ihnen. Dabei werden sie kontinuierlich von diesen Leuten beklaut. Lustig, der Mensch.

Erisian Liberation Front
13
meine behauptung: vermögen von mehreren millionen euro aufwärts werden größtenteils weder erspart noch erarbeitet,

Man merkt, daß Sie keine Ahnung haben.
Ein Großteil der vorhandenen Vermögen in Österreich ist in erster generation, das ist die aktuelle Generation, entstanden.
Durch harte Arbeit.
Und nur für den Fall, daß Sie das nicht wissen, es gibt auch andere Jobs als den am Fließband.

Aber das lernt man wohl nicht in der ideologischen Indoktrination die Sie als Bildung bezeichnen.

cba
00

durch harte arbeit - ja, nur durch wessen hart arbeit ?

fmi
22
Grenze ?

Das Problem ist die Grenze, wer ist reich?
Zuerst wird gesagt, so ab einer Million Euros, dann wird diese immer niedriger bis der Mittelstand betroffen ist.
Ich bin zuerst für eine Solidaritätsabgabe für Politiker.

Fremdschämer
03
Bei so vielen Experten

müsste doch eine Schlüsselformel definierbar sein, welche eine vernünftige Gewichtung aus Vermögen und Einkommen als Basis zur Besteuerung generiert.
Wobei der Fokus auf Vermögen sein sollte, da Einkommen, welches nicht in Vermögen umgewandelt wird, über den Konsum ohnehin satte Steuerleistung bringt (haben Sie schon mal durchgerechnet, welche Abgaben von 1 Euro brutto bei zB. einem Autokauf anfallen? Spannend!). Und bitte: Hört doch endlich mit dem Scheiß auf, über Perlenketten oder den armen Häuslbauer zu reden, ich bin nicht dumm, und viele andere auch nicht!

Weltfremd ?
00
Erst denken, dann schreiben,

oder essen die Vermögenden ihr Kapitalvermögen auf, um der Mehrwertsteuer zu entkommen ? Denken Sie auch einmal daran, dass jemand, der mehr als 60.000 Euro verdient bereits für jeden Euro nur noch 50 Cent bekommt und wenn er diesen konsumiert er auch nur noch 40 Cent zur Verfügung hat.
Diese ungerechtfertigte Argumentation, Vermögenssteuer würde Gerechtigkeit fördern, entspringt, meiner Meinung nach, reinem Populismus. Erst gehört ein gerechtes Steuersystem eingeführt, unbhängig von der Art der Einkünfte, müssten gleich hohe Steuern anfallen.

Shibuya
10
Neue Mittelstandsteuer nein, Reichensteuer ja!

Was wollen wir eigentlich? Dann daraus folgern...
Ene gerechte Gesellschaft. Die sieht fuer mich so aus:
1) Jeder soll von Geburt aus aehnliche Chancen haben
2) Jeder sollte ueber seinen Besitz verfuegen koennen
3) Leistung sollte belohnt werden/ Faulheit nicht

aus 1) folgt eine hohe Schenkungs/Erbschaftssteuer;
1) und 2) beissen sich etwas: Vorschlag: Vermoegen wird ab dem 2ten Erbe stark besteuert.
aus 3) folgt, dass eine Vermoegenssteuer Sinn macht, um die Gesellschaft in Bewegung zu halten, aber auch, dass Sozialhilfe nur das Allernoetigste (Essen+Schlafen) umfassen sollte.

Bei Umsetzung muss man den Mittelstand gar nicht belangen, um ueber 20% des Vermoegens in AT umzuverteilen.

Weltfremd ?
00
Seltsame Folgerungen aus den

formulierten Zielen.
Darin gibt es keinen Grund eine Vermögenssubstanzbesteuerung durchzuführen, das in Punkt 2 formulierte Ziel kann so keinesfalls erreciht werden.

Gerhard Kreuzer1
01
Solche Steuererhöhungen bringen meist weniger (!) Geld in die Kassen. Bei einigem Nachdenken wird der Grund auch völlig klar: Je weniger dem Einzelnen und seiner Familie von legal verdientem Geld bleibt, umso mehr rentiert sich Steuervermeidung.

(etwa indem man Finanztransaktionen wieder wie einst bar abwickelt oder im Ausland stattfinden lässt, etwa wenn Börse-, Banken- und Transaktionssteuern den Weg zur heimischen Bank verteuern); umso mehr wird man auch illegale Steuerflucht-Methoden anwenden (Pfusch, Rechnungsmanipulationen usw.); umso seltener hat man angesichts der zuvor skizzierten Verschwendung Gewissensbisse; und umso öfter wird man die Hände demotiviert in den Schoß legen und Aufträge mit dem Argument ablehnen: „Das interessiert mich nicht, ich habe keine Lust, für die Steuer zu arbeiten“.

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
01
und der Superrentenanspruch

vom Michi, angeblich laut Kurier 5 Mille unter Freunden, wird dann auch als Vermögen deklariert?

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