Unterschriftenaktion

Offener Brief an Google zu "Pseudonymität"

5. September 2011, 15:16
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    Einer der ersten Unterzeichner war Web-Pionier Sascha Lobo.

Initiatoren hoffen auf Änderungen der Nutzungsbestimmungen von Google+

In einem offenen Brief richten sich VertreterInnen der digitalen Gesellschaft an Google und sprechen sich darin für eine Änderung der Namenspolitik bei Google+ aus. Unterstützt von knapp 30 Unterzeichnern, darunter Dorothee Bär (CSU), Konstantin von Notz (Grüne), Sascha Lobo, oder IT-Blogger Peter Glaser hat der Unternehmer Christoph Kappes das Schreiben organisiert. Der Brief wurde im Netz veröffentlicht und stößt bei vielen Nutzern auf große Zustimmung.

Common Name Policy

Generell spricht das soziale Netzwerk Google+ die Nutzer an, beginnt der Brief mit einem positiven Feedback. Kritisiert werden die Nutzungsbestimmungen, wonach Mitglieder ihren "vollen Namen, mit dem sie normalerweise von Freunden, Familie und Kollegen angesprochen werden" nutzen müssen. Gemäß der sogenannten Common Name Policy sind Namen, unter denen die Person allgemein bekannt ist, erlaubt. Ein Künstlername oder Pseudonym, der wenigen Personen bekannt ist, ist nicht erlaubt. Dazu zählen Pseudonyme, die die Identität des Nutzers nicht verraten.

Schwache Argumente

Zum Gesprächsniveau sowie zum guten Ton des "Sich-Vorstellens" trage diese Regelung wohl bei, räumen die Initiatoren der Aktion bei. Die Echtheit des Namens sei nichtsdestotrotz schwierig zu belegen. Auch die Verhinderung von Spam erscheint als wenig überzeugend, da Spammer ebenfalls mit glaubwürdigem Namen zur Tat schreiten würden. Alles in allem seien die "Argumente bei weitem zu schwach für eine derart schwerwiegende Begrenzung in der Nutzung".

"Technisch nicht möglich?"

Weiter heißt es im Schreiben: "Wir begrüßen es sehr, dass es schon lange für ein Google-Konto unter Ziff. 2 Ihrer Nutzungsbestimmungen heißt: 'Die Nutzung der Dienste ist auch unter einem Pseudonym möglich.' Wir würden uns daher auch wünschen, dass Sie dieselbe Regelung für Google Plus gelten lassen. Zudem ist auch die Rechtslage in Deutschland zu beachten. § 13 Absatz 6 TMG lautet: 'Der Dienstanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.' Unsere Frage ist: Ist Ihnen die Bereitstellung mit pseudonymer Nutzung technisch nicht möglich oder nicht zumutbar?"

Sich an Entscheidung halten

Der Internetkonzern wird aufgerufen, die Entscheidung des TMG zu respektieren: Nämlich, dass "die Nutzung eines solchen Dienstes grundsätzlich nicht an die Verwendung des echten Namens und auch nicht an einen Rufnamen gekoppelt sein soll, sondern pseudonym zu ermöglichen ist."

Standpunkt weitergeben

Adressiert wurde der Brief an Philip Schindler, Vice President von Google UK in Nord- und Zentral-Europa, der die Argumente der Unterzeichner an den Mutterkonzern weitergeben möge. "Pseudonymität" stelle zwar keine Alltagsrelevanz für alle Nutzer dar, biete aber Schutzfunktionen für Menschen, die nicht öffentlich sein wollen - aus beruflichen Gründen beispielsweise. "Wir glauben zudem, dass in der weiteren konzeptionellen Entwicklung des Netzes auch und gerade der Schutz von Minderheiten und politisch Andersdenkenden, die sich nicht so frei wie wir artikulieren können, als maßgeblich herausstellen wird", so ist im Brief weiter zu lesen. Wenn demokratische Gesellschaften den Schutz von Minderheiten als ihren Kern definiert haben, dann sollte das Internet nicht dahinter zurückfallen.

Vorteile für Bürger

Die Verfasser versuchen in ihrem Schreiben zu überzeugen, welche Vorteile für die Bürger durch einen frei wählbaren Nutzernamen entstehen. Missbrauch durch Mobbing sei auch durch andere Kommunikationsmittel wie E-Mail oder Telefon nicht verhindert werden. Daraus ergibt sich: "Insbesondere Soziale Netzwerke sollten hier nicht hinter herkömmliche Kommunikationsmittel zurückfallen, wenn es keine zwingenden Gründe gibt: Wo jeder selbst entscheidet, wen er liest, ist auch die Reichweite von Missbrauch beschränkt."

Hoffen auf Reaktion

Bereits seit über einem Monat beschäftigt die Debatte um die Nutzungsbestimmungen auf Google+ Nutzer und Öffentlichkeit - der WebStandard berichtete. Abzuwarten ist, ob die Hoffnung der "Pseudonymität"-Verfechter auf eine Reaktion des Unternehmens samt Nennung "rationaler Gründe" im Falle der Beibehaltung der bisherigen Vorgehensweise erfüllt wird. (ez) 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
Perspektiefe
01
Kann irgendjemand intelligent erklären...

... warum der Brief nur an Google geht?

Das Argument § 13 Absatz 6 TMG könnte man genauso Facebook um die Ohren knallen. 1:1. Denn Facebook hat auch einen Klarnamen-Zwang. Den es nicht sehr effizient durchsetzt und soweit für mich beurteilbar wohl nicht mit technischen Mitteln, sondern mit Stasi-Methoden (i.e. Denunziantentum).

Ich bin es leid von Wichtigtuern zu hören, die Google+ baschen, weil sie so Google baschen können. Ernst zu nehmen ist nur und ausschließlich, wer die Klarnamen-Problematik bei beiden Plattformen in gleichem Ausmaß verfolgt und anprangert.

Ben Vassy
00

Nicht sagen diesen unnötigen Sascha Lobo gibts auch noch???

The Gr€€k
02

Personen die man nicht mehr so gerne in Talk Shows sehen will: Sascha Lobo !!!!!!!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
01
Ja, eh!

Und wer kann feststellen, ob das mein richtiger Name ist?
Genau! Wozu also die Aufregung?

Kid Sun
11

erschütternd wie viele google-bettvorleger hier im forum unterwegs sind!

aus einem anderen thread: "mir egal ob google meine emails mitliest, wenigstens bekomme ich dann werbung, die wirklich zu mir passt"

herr lass hirn regnen.

McDaniels
01

Zitat: "...biete aber Schutzfunktionen für Menschen, die nicht öffentlich sein wollen".

Wenn jemand nicht öffentlich sein will, dann bracht er sich ja auch nicht bei G+ anzumelden. :-)

Grundsätzlich ist die Diskussion ja nicht schlecht.

Man sollte es ganz einfach dem User überlassen, mit welchem Namen er sich anmeldet.

Ich finde allerdings, dass es sehr vielen Anwendern bei derlei Socialnetworks ja hauptsächlich um eines geht, um Selbstdarstellung!

Man will gefunden werden, möglichst viele Freunde haben und auch möglichst viele Reaktionen auf seinen "Post" bekommen. Man will also öffentlich sein! Ob mit richtigem Namen oder nicht ist da egal.

Menschen, die nicht öffentlich sein wollen melden sich da nicht an.

schrototo
06
eine unterschriftensammlung für mehr anonymität

ich veranstalte morgen ein wettessen gegen übergewicht, wer ist dabei?

black_caeser
01
Falsch verstanden

Ihre Annahme, alle Unterzeichner dieser Petition möchten selbst von Pseudonymen Gebrauch machen, ist falsch. Ich selbst z.B. habe kein Problem damit, bei G+ unter meinem echten Namen aufzutreten, dennoch unterstütze ich diese Aktion und bin mit der derzeitigen Politik von Google unzufrieden. Und bei vielen meiner Bekannten verhält es sich ähnlich.

Das ist wie beim Widerstand gegen Websperren: Nur, weil man die Zensur ablehnt, heißt das noch lange nicht, dass man die Verbreitung Kinderpornographie unterstützen möchte.

der Bastard, der dich nachhause bringt
00

Übrigens: Warum gibts denn keine täglichen google+ Jubelmeldungen mehr?

Aber mir solls recht sein, auf google+ ist man noch wenigstens unter sich! ;)

Keyser
00

Ich glaube kaum, dass dieser Einwand bei Google durchdringen wird, da mit Pseudonymen eben kein Geld zu machen ist.

Worauf echte Namen und Daten abzielen, sollte doch klar sein - mithin auch, um für das Unternehmen eine profitable Einnahmequelle durch Datenverkauf zu ermöglichen.

Nicht, dass Google es machen würde, doch gibt es im Netz genug Datensammler - die daraus ein dickes Geschäft machen. Und warum soll man es gerade denen einfach machen? ;-)

Flash for Fantasy
00

....ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstielzchen heiss...

Flash for Fantasy
01

...wie wird denn von Google+ sichergestellt, dass ich "Horst Hengstschläger" heisse? Muss man da seinen Pass herzeigen?

F T L
01
charlie sheen?

was sagen schauspieler wie Carlos Irwin Estévez dazu, dass sie sich nicht unter ihren geläufigen namen anmelden dürfen?

Bauchnabelerkundungsassistent
00
vergiss doch mal charlie sheen

was soll denn der gute papst zu dieser situation sagen?!?!

Edmund
20
Herr Lobo

verlangt, dass ich mich auf Google+ nicht nur unter meinem eigenen Namen anmelden darf, sondern auch als Sascha Lobo - ich muss nur sagen, dass Sascha Lobo mein Pseudonym ist. Find ich nett von ihm.

Freut sich der Papst auch, wenn ich mich bei Google+ als Papst anmelde?

Edmund
00
Carlos Irwin Estévez

darf sich als Charlie Sheen anmelden, weil er ja unter dem Namen bekannt ist. Er darf sich aber z.B. nicht als Chalie Chaplin anmelden. Das ist bei anderen Diensten genauso.

madbad
43

Wow Ca.70 Leute . Dieser Typ geht mir sowas von auf die Eier ein Schei** Pank mit Kommunistischen Schulabschluß und von nichts Ahnung.

Edmund
00
Warum?

Was schreibt Facebook in seinen Nutzungsbedingungen?

"Facebook-Nutzer geben ihre tatsächlichen Namen und Daten an [...] Im Folgenden werden einige Verpflichtungen aufgeführt, die du bezüglich der Registrierung und der Wahrung der Sicherheit deines Kontos uns gegenüber eingehst:
1.Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen oder ohne Erlaubnis ein Profil für jemand anderes erstellen."
https://www.facebook.com/terms.php

Warum sollte Google+ eine andere Regelung haben?

Die Initiatoren des offenen Briefes scheinen eine ganz andere Interpretation der Regelung zu haben als Google selbst. Dazu muss man sich nur die Postings der Google+ Produktmanager auf Google+ anschauen.

Edmund
10

In Deutschland ergibt sich aus § 10 II MDStV eine Impressumspflicht, die z.B. auch Blogs betrifft.

Was ist mit Postings auf Google+, die nicht nur einer kleinen Gruppe bereit gestellt werden, sondern "public" sind? Gilt dann die Impressumspflicht? Wenn ja, kann man sich zumindest in Deutschland diese Diskussion sparen.

Meilenstein1
01
hmmmm

celesto
31

wer den nechten namen in einem social network benutzt, ist selber schuld...

bedarf ist keine konstante
00
man ist für alles was man macht, selbst verantwortlich!

aber den implizierten negativen unterton hörend:
warum ist es schlecht in einem sozialen netzwerk seinen echten namen anzugeben?

auf eine schlüssige erklärung bin ich sehr gespannt!

und ps: bitte keine argument wie "du verwendest hier ja auch ein pseudonym"

derKleine
00

ich glaube weniger, dass du eine sinnvolle antwort bekommen wirst.

diese art von menschen schaffen nur den 0815 spruch "blah blah ist selber schuld"
machen sich 0 gedanken darüber und schreibens einfach dahin.

Boris MacFly
22
Den echten Namen

anzugeben ist deshalb schlecht da jeder Firmenchef seine Mitarbeiter googelt und wenn Sie bei einem Thema anderer Meinung sind ist es vielleicht ein Kündigungsgrund. Von einer Bewerbung ganz zu schweigen. Ich habe z.B auf Facebook Kontakte welche bei ihren Fotos jedesmal ein Bier in den Händen halten obwohl es nur zu "gewissen Feiern" ist. Trotzdem würden Sie als Eigentümer einer Firma solche Arbeiter brauchen bei denen es den Anschein hat er würde in der Freizeit nur feiern sonst nichts?? Glaub ich nicht!! Und die User denken oft nicht soweit das, das Internet nichts und zwar absolut nichts vergisst!! Wünsche allen Usern noch einen schönen Abend!!

derKleine
00

wie "bedarf ist keine konstante" schon richtig sagt, kann man alles so einstellen, dass nur die freunde alles lesen können.

weiters muss man ja nicht unbedingt jeden peinlichen mist posten. jemand der arbeit sucht, sollte alt genug sein um das zu verstehen.

weiters kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass ein arbeitgeber jemanden nicht einstellt nur weil er abundan alkohol trinkt. dann dürfte kein einziger jugendlicher arbeit haben (jaja ich weiss stark übertrieben).

ist ja nicht so, dass alle chefs antialkoholiger sind.
aber mich würd mal die meinungen von chefs sehr interessieren und nicht nur die meinungen irgendwelcher möchtegern social media experten.

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