Politologe Filzmaier

"Ein Versuch des Schlussstrichs - mit geringer Erfolgschance"

5. September 2011, 14:57

Schüssel müsse sich den politischen Vorwurf der indirekten Mitschuld gefallen lassen, sagt Politologe Filzmaier

"Es ist ein Versuch des Schlussstrichs und Befreiungsschlags als letzter Dienst für seine Partei, jedoch mit geringer Erfolgschance", so bewertet der Politologe Peter Filzmaier den angekündigten Rücktritt von Wolfgang Schüssel. Man müsse zwischen persönlicher Schuld und politischen Fehlern unterscheiden. Im ersten Bereich gebe es keinerlei Beleg, dass Schüssel in die Telekom-Affäre verwickelt gewesen sei. Aus politischer Sicht müsse sich der Ex-Kanzler und Parteichef den Vorwurf der indirekten Mitschuld jedoch schon gefallen lassen. Der nun vollzogene Schritt werfe schwere Schatten auf dessen Leadership. 

Neupositionierung

Was das nun für die ÖVP bedeutet? Filzmaier: "Spindeleggers Partei kommt nicht vom Fleck." Seit einem Jahr sei bekannt, dass man von Seiten der ÖVP unabhängig von der Personaldebatte eine Programm- und Themenneupositionierung vornehmen sollte. Davon sei jedoch nicht viel zu merken und die Versuche einer Neupositionierung würden immer wieder durch neue Affären überschattet.

"Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich", meint Filzmaier zu Schüssels Argument für die schwarz-blaue Reformregierung, die damals nötig gewesen sei, weil Österreich genauso schlecht dagestanden sei wie Griechenland. Ohne inhaltliche Bewertung seien jedoch durch die kleine Koalition im Vergleich zur großen mehr Reformen möglich gewesen. Bei der Analyse von Schwarz-Blau-Orange sei laut Filzmaier grundsätzlich wichtig zu differenzieren: Während Schüssel 1999/2000 als Dritter nur über diese Option an die Macht kommen konnte, hätte der Bundeskanzler im Jahr 2002 alle Möglichkeiten gehabt, mit einem anderen Regierungspartner weiter zu machen. Die handelnden Personen seien Schüssel schließlich schon bekannt gewesen, er müsse sich deshalb die Frage gefallen lassen, was damals so stark für eine Fortsetzung gesprochen habe.

U-Ausschuss

"Es würde mich wundern, wenn Schüssel nicht als Zeuge vorgeladen wird", sagt Filzmaier zum Untersuchungs-Ausschuss zur Causa Telekom. Ob Schüssel sich mit dem Argument, alle Vorwürfe gegen seine ehemaligen Minister betreffen die Zeit nach deren Ausscheiden, einfach der Verantwortung entziehen kann? "Formalrechtlich ja, es grenzt jedoch an politischer Naivität", so Filzmaier.

Auch nach der Telekom-Affäre ist ein Comeback von Schwarz-Blau theoretisch möglich: "Mehrheiten, die da sind, können auch realisiert werden. Schwieriger als 1999 wäre es auch nicht." Die ÖVP müsse sich im Moment jedoch Sorgen machen, ob sie rechnerisch überhaupt koalitionsfähig sei. (rasch, derStandard.at, 5.9.2011)

 

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Floaschkas
01
"Der nun vollzogene Schritt werfe schwere Schatten auf dessen Leadership." - Leaderhip? wo denn? . . , Ja, er konnte seinen Laden halbwegs zusammenhalten. Ja, er konnte seine Strategien recht weit durchziehen.

Aber Leadership? Was meinen Sie damit? - Von "speed kills" und vom "Marsch durch die Wüste Gobi" quatschen? Sich umgeben mit Ehrgeizlingen und Opportunisten, welche vorwiegend einfach nur eine für den Wählerfang opportune Show abliefern, von denen man die Hälfte in kürzester Zeit auswechseln muss, die andere Hälfte früher oder später durch Verwicklung in Kooruptionsfälle auffliegt.... - oder meinen Sie, dass es Schüssel und seinen "Mitstreitern" gelungen ist, ein ach wie krässliches Bild von der Kreisky Ära zu malen (bis heute: Österreich sei damals dagestanden, wie Griechenland heute - welcher demagogischer Schwachsinn!) - so als ob die Vorgänger-Regierungen nicht Koalitionsregierungen mit Beteiligung der ÖVP gewesen wären....

Station To Station
 
01
In 50 Jahren...

...wird der schmallippige Schweiger - der als Dritter in Opposition ging um Kanzler zu werden - allenfalls als Randnotiz der zweiten Republik im Gedächtnis bleiben. Die jetzt aufhallenden Jubelchöre seien ihm gegönnt, innerlich muss er ein armer, verbitteter Mann sein. Der Zivilgesellschaft wird Schüssel als ein rein opportunistisch agierender charakterloser Egoist im Gedächtnis bleiben, der Macht und Einfluss über die Interessen des Landes stellte. Was fraglos bleiben wird ist der Umstand, dass er die Faschisten und Rechtsestremisten in Regierungsverantwortung hievte und Österreich zur Schande Europas machte.

MoltoBene
01
2002 ist der Sch(l)üssel

Im Jahr 2000 kann man es noch als genialen Schazug aus der Not sehen. Damals wie heute war die große Koalition in totale Leichenstarre verfallen und nichts ging mehr. Die einzigen Nutzniesser waren die rechten Populisten (damals haider heute Strache). Am Beginn war auch der Wille zur notwendigen reform durchaus sichtbar, aber nach 2 jahren mit blauer Chaostruppe hätte Schluss sein müssen. Schüssel hatte 2002 als großer Sieger alle Möglichkeiten eine Reformagenda mit einem seriösen Partner umzusetzen. Aber er wählte den scheinbar leichtesten Weg mit einer zerbrochenen partei die im politisch freie Hand lies - und damit seinen Untergang. Hätte er den schwierigeren aber besseren Weg gewählt er wäre heute wahrscheinlich noch Kanzler .

Arbeiter
00
Alles wäre viel besser, hätte die SPÖ ununterbrochen geherrsch!

Österreichische Verbrecher Partei !
05
Herr Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Sie haben aus Lust und Laune die Tierschützer gequält! Setzen Sie endlich den § 278 a gegen diese ÖVP - Polit Mafia ein!!

Es gibt keine Jagdgesellschaft, sondern nur ein gesundes Rechtsempfinden. Und bei der Regierung Schüssel stinkts gewaltig zum Himmel.

Ich will diesen korrupten Haufen endlich hinter Gitter sehen! Den Paten inklusive!!!

G I B T S D A K E I N E

V E R D U N K E L U N G S G E F A H R ????
G I B T S D A K E I N E
V E R A B R E D U N G S G E F A H R????

Oder sind Sie Mitglied dieser Mafia??

Keohane
02
Schwarzblau Anno 2013

und Österreich ist auf dem Weg ein Land wie die Ukraine zu werden.

Hanns Ch.1
02
...friendly fire...

was lange nach einer demonatge des linken politischen lagers durch schüssel ausgesehen hat, entpuppt sich nun als ein dramatisches szenario vor allem für die övp,mit offensichtlichem ruinösem ende,..
dass er nun flüchtet, bevor die schwarze parteizentrale in die luft fliegt, ist verständlich.

fpö/bzö/fpk scheinen allerdings in ihrer dummheit und unverfrorenheit immun , das hat auch schüssel begriffen.

-_-
02
Schüssels Politik war fast ausschließlich gg. die öst. Arbeitnehmer gerichtet

das ASVG Pensionssystem wurde zusammengekürzt und Arbeitnehmerrechte wurde abgebaut (u.a. Postensuchtage bei einvernehmlicher Kündigung)

Schüssel wird daher auf allen Zeiten mein Feind bleiben

mikromalist
 
01
Übriges, seit gestern

heisst er für mich respektvoll Antifilzmaier.

ganzsichernicht
 
00
..."die wahrheit ist eine tochter der zeit".

schubbiduuh.

mal cie
01
Filzmaier

vielen dank für ihre - wieder einmal - hervorragende analysen.

einer der besten gastsprecher im orf!

-malcie

mikromalist
 
012
Gestern in der ORF Diskussion.

Filzmaier habe ich noch nie so brillant gesehen. Und er war ungewoehnlich scharf. Keines der Argumente konnte Khol nur irgendwie entkräften. Er versuchte es mit Dauerreden.
Die ungewoehnliche Schärfe erkläre ich mir damit, dass er weiss: hiel liegen nicht nur ein paar Verfehlungen vor, hier geht es um mfioese Verflechtungen, die hochexplosiv sind und für das Zusammenleben in AT brandgefaehrlich.
Wer sich jetzt zurück zieht und nur-keine-Panik abwiegelt, macht sich mitschuldig, wenn AT in eine madmaxene Gesellschaft driftet.
Nein, so blöd ist Schuessel nicht, dass er nichts gemerkt hat.

p.s. F's Einwand mit der "Jagdgesellschaft" war ein Extra-Bravo wert.

Lord Lurch
00
Die ärgste Aussage Khols beim Runden Tisch war

"ich war ein Zniachtel" - bitte der war Klubobmann und der zweitmächtigste Mann der ÖVP. Unfassbar, wie die sich selbst demontieren.

Felix Schoitl
00

Jetzt muss er sich ja nicht mehr fürchten.

.macphisto.
05
100% Zustimmung. Fand es schade, dass die Diskussions-Runde gestern recht kurz war

Hätte es ganz gerne gesehen, wenn die Khol noch etwas mehr "aufgemacht" hätten, der hatte ja gegen Ende sowieso schon kaum mehr eine Ahnung, wie er alles abwiegeln und wegreden soll.

Andererseits.... selbst bei einer 1-stündigen Diskussion und knallharten Fakten hätte er wohl permanent vom Thema abgelenkt und "die tollen Leistungen der ÖVP" gelobt. "VERGESSEN'S MIR DAS NICHT!!! UND DER SCHÜSSEL WOLFI WAR EIN EHRENMANN! EIN HEILIGER GERADEZU"

*würg* Korruptes Pack.

Titeuf
 
08
Warum das Kabinett Schüssel II wieder schwarz-blau war?

Nun, jener Kommentator welcher die damalige Konstellation als "Schwarze Alleinregierung mit blauer Behinderung" bezeichnete, hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.
Die Unfähigkeit der Blauen war zwar vielleicht im einen oder anderen Fall ein wenig ärgerlich, aber dieser Umstand wurde mehr als aufgewogen dadurch, dass die VP tatsächlich nach Belieben schalten und walten konnte.
Der Preis, nämlich bei der blauen Selbstbedienungsmentalität auch noch die Hühneraugen zuzudrücken (wenn nicht gar selbst mitzunaschen) war ein vergleichsweise geringer.
SP und Grüne hätten hingegen wirklich mitregieren wollen, deshalb wurde auch mit den einen gar nicht und mit den anderen nur pro forma verhandelt.

aidz1
03

stimmt, aber bei spö wäre es auch nur ums mitnaschen gegangen. ich mag zwar die grünen nicht, aber ich hätte mir wirklich eine schwarz-grüne regierung gewünscht. das war der größte fehler der övp. was haben sie sich nur dabei gedacht? ich kann mich ja noch erinnern, dass kohl nach dem erdrutschsieg von einer zukünftigen absoluten mehrheit träumte.

Post-vom-Poster
 
011
Schlussstrich - mit geringer Erfolgschance

hoffentlich!

und: ... einfach der Verantwortung entziehen kann? "Formalrechtlich ja, es grenzt jedoch an politischer Naivität"

Ein machtgieriger Strippenzieher wie der soll mit seinen über 30 Jahren "Praxis" politisch naiv sein???
Für wie blöd hält uns dieses kleine Schüsselchen eigentlich??

"Die ÖVP müsse sich im Moment jedoch Sorgen machen, ob sie rechnerisch überhaupt koalitionsfähig sei."
Diese

Österreichische
Verluderungs
Partei

soll es NIE mehr werden, denn wer immer noch ÖVPFPÖ wählt, doer gar dabei ist, der ...

aidz1
00

nana, reden sie weiter...

HH99
24
alle Vorwürfe gegen seine ehemaligen Minister betreffen die Zeit nach deren Ausscheiden

Komisch, ich wußte gar nicht dass KHG erst nach seiner Kanzlerschaft von Sch. FM gewesen ist. Aber auch das Innenministerium unter Platter, Strasser gehörten wohl auch nicht dazu.Wenn Kohl gestern beim Runden Tisch sagte, es gab ja keine einzige Verurteilung, so ist das der beste Beweis, dass nur mehr Manipuliert wurde.
Das ist mit sicherheit der großte Bärendienst, denn blau schwarz unserem Land angetan hat.

jössas
00
der arme schüssel...

wird jetzt als korruptionskanzler niedergemacht, dabei konnte er ja nix dafür, dass ihm der erwin pröll das überraschungsei strasser vorgesetzt hat.
sucht doch die schuld beim onkel von schüssels nachfolger...

aidz1
01

stimmt. formal kann ja der parteiobmann sein team aussuchen. praktisch muss er mit dem material arbeiten, dass ihm von den landeshauptleuten gegeben wird. und was den koalitonspartner betrifft, kann der bundeskanzler gar nix mitreden.

kritik an seiner leadership ist durchaus berechtigt, aber eines sage ich auch: seine nachfolger haben noch weniger!

apep
02

möglich, dass sich überhaupt keine zweierkoalition mehr ausgeht - also weder schwarz-blau/blau-schwarz, noch das unwahrscheinliche (wenn auch nicht unmögliche!) rot-blau und auch nicht rot-schwarz. bedingung ist, dass es das bzö reinschafft.

was dann? rot-schwarz-blau? unwahrscheinlich. rot-schwarz-grün? rot-grün-orange? rot-schwarz-orange? da müssen die grünen sich entscheiden, die krot mit schwarz oder gar orange fressen oder es kommt schwarz-orange-blau. berlusconische verhältnisse kommen aber sicher, selbst wenn blau-schwarz kommt.

Der Mann in Orange
00

keine sorge, 2013 geht sich dann blau-orange auch schon aus.

starship
 
03
schlechter riecher, herr schüssel???

um nicht gerochen zu haben, wonach der korruptionssumpf stinkt, musste man schon beinahe einen neurologischen defekt voraussetzen.

die blanke ahnungslosigkeit glaubhaft zu machen, mag eine idee sein. die dazu notwendige dummheit wiederum traut wolfgang schüssel eigentlich kaum jemand zu.

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