Deutlich mehr psychisch und neurologisch Kranke als angenommen

Laut Autoren weltweit erste Studie, die ein nahezu vollständiges Spektrum von psychischen und neurologischen Störungen umfasst

Psychische Störungen sind in Europa zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden. Dies ist ein Hauptergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die von dem Dresdner Psychologen Hans-Ulrich Wittchen geleitet und vom European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) und dem European Brain Council (EBC) vorgestellt wurde. Die Autoren stellen zudem dramatische Missstände in der Versorgung fest. Weniger als ein Drittel aller Betroffenen wird überhaupt behandelt, zumeist nicht im Einklang mit fachlichen Richtlinien. Rechnet man die neurologischen Erkrankungen noch dazu, ist das "wahre" Ausmaß der gesellschaftlichen Belastung noch deutlich höher, schreiben sie in einer Aussendung.

Große Studie

Die Studienergebnisse (veröffentlicht in European Neuropsychopharmacology) basieren auf einer über drei Jahre durchgeführten Studie und beziehen sich auf alle 27 EU Staaten sowie Schweiz, Island und Norwegen mit einer Gesamt-Einwohnerzahl von 514 Millionen Menschen. Es wurden mehr als 100 unterschiedliche psychische und neurologische Krankheitsbilder berücksichtigt. Damit ist dies die weltweit erste Studie, die ein nahezu vollständiges Spektrum von psychischen und neurologischen Störungen umfasst. Die Studie liefert erstmals ein realistisches Bild zur Häufigkeit und Belastung psychischer Störungen für alle europäischen Länder sowie für Europa als Ganzes.

Die wichtigsten Hauptergebnisse

  • Jährlich leiden 38,2 Prozent aller Einwohner der EU (164,8 Millionen Menschen) unter einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung.
  • Psychische Störungen sind in allen Altersstufen ähnlich häufig und selbst unter Kindern und jungen Erwachsenen weit verbreitet.
  • Die häufigsten Erkrankungsformen sind Angststörungen (14,0 Prozent der Gesamtbevölkerung), Schlafstörungen (7,0 Prozent), unipolare Depressionen (6,9 Prozent), psychosomatische Erkrankungen (6,3 Prozent), Alkohol- und Drogenabhängigkeit (> vier Prozent), Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen), und Demenzen (ein Prozent bei 60-65 Jährigen bis 30 Prozent bei Personen über 85 Jahren).
  • Häufigkeit und Rangreihe der psychischen Störungen sind mit Ausnahme von Suchterkrankungen in allen Ländern ähnlich.
  • Im Vergleich zu 2005 ergeben sich keine Hinweise auf eine Zu- oder Abnahme der Häufigkeit psychischer Störungen. Eine Ausnahme bildet, aufgrund der angestiegenen Lebenserwartung, eine Zunahme der Demenzerkrankungen. Ein in verschiedenen EU-Ländern häufig wahrgenommener Anstieg ist nicht auf eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit, sondern auf verändertes Hilfesuch- und Therapieverhalten der betroffenen Patienten bzw. der behandelnden Einrichtungen zurückzuführen.
  • Auch hinsichtlich der extrem niedrigen Behandlungsraten psychischer Störungen hat sich im Vergleich zu 2005 keine Veränderung gezeigt. Höchstens ein Drittel aller Betroffenen in der EU erhalten irgendeine Form professioneller Aufmerksamkeit oder eine Therapie.
  • Die Behandlung startet meist erst Jahre nach Krankheitsbeginn und entspricht oft nicht den minimalen Anforderungen an eine adäquate Therapie.
  • Zusätzlich zu den 38 Prozent der Einwohner, die an psychischen Störungen leiden, sind weitere Millionen Menschen in der EU von neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson oder Multipler Sklerose betroffen.
  • Insgesamt ist die gesellschaftliche Belastung durch psychische Störungen - gemessen durch den Indikator "disability-adjusted life years (DALYs)" der Weltgesundheitsorganisation - bei weitem größer als die durch irgendeine andere Krankheitsgruppe (Krebs, Herzerkrankungen etc). Die Studie legt erstmals spezifisch für die EU entsprechende Zahlen vor und zeigt, dass psychische Störungen für 26,6 Prozent der gesellschaftlichen Gesamtbelastung durch Krankheiten in der EU verantwortlich sind.
  • Die vier am stärksten belastenden Erkrankungen sind dabei: Depression, Demenzen, Alkoholabhängigkeit und Schlaganfall.

Die Autoren der Studie heben hervor: "Psychische Störungen sind kein seltenes Schicksal einiger Weniger. Das Gehirn als komplexestes Organ des Körpers ist genauso häufig wie der Rest des Körpers von Störungen und Erkrankungen betroffen." Der Studienleiter Professor Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden hebt zwei Forderungen hervor, die helfen sollen, psychischen Störungen als die Schlüssel-Herausforderung für unsere Gesundheitssysteme im 21. Jahrhundert zu bewältigen:

Das immense Ausmaß an Unter-, Fehl- und Mangelversorgung für die meisten psychischen Störungen müsse beseitigt werden. Da viele psychische Störungen früh im Leben beginnen und - unbehandelt - massive negative Langzeiteffekte auf alle Lebensbereiche der Betroffenen haben können, müssen psychische Störungen früher und schneller nach ihrem erstmaligen Auftreten behandelt werden. Man müsse zudem die komplexen Beziehungen der psychischen und neurologischen Erkrankungen untereinander beachten und erforschen. Anfänglich isolierte, relativ unkomplizierte psychische und neurologische Störungen führten unbehandelt oft zu vielfachen sekundären Erkrankungen, die wechselseitige Verstärkungen in der Krankheitsdynamik sowie eine erhebliche Mehrbelastung und massive Komplikation bedeuten. Es brauche Krankheits- und Versorgungsmodelle, die diese Entwicklungspfade über die gesamte Lebensspanne und für alle Erkrankungsgruppen berücksichtigen.

Die Studie wurde im Rahmen des Task Force Projektes des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) und des European Brain Council (EBC) zu "Größenordnung, gesellschaftliche Belastung und Kosten durch psychische und neurologische Erkrankungen in Europa 2010" erstellt. Die Durchführung wurde finanziell unterstützt durch das European College of Neuropsychopharmacology (ECNP), das European Brain Council (EBC) sowie Lundbeck.  (red, derStandard.at)

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Psychiatrische „Störungen“ sind keine medizinischen Krankheiten. Es gibt keine Labortests, Gehirnscans, Röntgenaufnahmen oder Tests zur Bestimmung eines chemischen Ungleichgewichts, die bestätigen können, dass psychische Störungen von einer körperlichen Fehlfunktion herrühren.
Das bedeutet nicht, dass Menschen nicht deprimiert werden oder dass es keine emotionalen oder psychischen Belastungen gibt.
Aber die Psychiatrie hat diese Emotionen und Verhaltensweisen als „Störungen“ UMDEFINIERT, um den UMSATZ von Psychopharmaka anzukurbeln.
Dies ist vielleicht eine brillante Marketingstrategie, aber keine Wissenschaft.
http://de.cchr.org/quick-fac... ction.html

Die 160 Mill. Europäer, die angeblich an einer psychischen Krankheit leiden, sind ein Riesenschwindel. Die Neuropsychiater können den Hals nicht voll bekommen und wollen immer mehr "Beute" machen.
Der Rubel muss rollen. Und je mehr (angeblich) psychisch kranke "Kundschaft", desto besser rollt er nun mal...
Hierzu ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2003, den ich fast schon als "Klassiker" bezeichnen würde. Titel: "Ganz normaler Irrsinn - Wie die Psychiatrie uns alle verrückt macht". Alt, aber wohl aktueller den je. Unbedingt lesen - und staunen!
http://www.spiegel.de/spiegel/s... 45373.html

ARMUTSZEUGNIS für die Arzte!!!
Viele Ärzte neigen in den letzen Jahren dazu auf psychische "Verlegenheitsdiagnosen" (psychosomatische Störungen oder Burn-Out) zurückzugreifen wenn ihnen (wegen Kostendruck von den Krankenkassen?) nicht klar ist, woran der Patient leidet oder weil notwendige Untersuchungen von den KK nicht bewiligt werden. Diese Verlegenheitsdiagnosen helfen zwar dem Arzt aus der „Klemme“, aber am wenigsten seinem Patienten! (solche Praxis hat sich besonders in den letzten Jahren sehr stark entwickelt, deshalb haben wir in Österreich in den letzten 3 Jahren einen solch enormen Zuwachs mit 700.000 an angeblich „psychisch“ Erkrankten). Dafür haben die Krankenkassen plötzlich positive Bilanzen...

Die Studie

hat etwas wesentliches unterschlagen.

nämlich Mensch zu sein. Mensch zu sein in all seinen Erfolgen u.Misserfolgen, in seinen emphatischen Rechtsempfinden, in all seinen zurtiefst menschlichen Regungen von Trauer, Freude, Angst, Verzweiflung ect.ect. das hiese Weiters: Betagt/Behindert bedeutet perse eine Persönlichkeitsstörung ( weil eben physisch auffällig) und weil nicht in das radikal gesellschaftlich Normbild passent. Will sagen: Wenn all das für das ICD-10 Klientel bereits psychische Störung/Erkrankung bedeutet so ist dies ein zukünftig beklemmendes Signal. Individualität, selbsterfahrende charakterbildende Authetizität = Persönlichkeitsstörung.

Jetzt versteh ich endlich wieso so viele Psychologie studieren wollen!

bezaht von der Pharmalobby, oder? Alle sind krank, normal gibts nicht und daher müssen alle Pillen schlucken! Zappelnde Kinder, traurernde Alte, gestresste Mütter, überarbeitete Manager,...

Brauchen alle keine Erholung & Zuwendung (wie früher) sondern eine Pille!

So eine Riesenstudie ?!?

Einen Tag lang U-Bahn/Strassenbahn fahren in Wien hätt gereicht, um das rauszufinden...

Menschen funktionieren nicht wie Maschinen, na und!?

doch erwarten man, bei nichtentsprechen ICD-10

Ja, mit etwas Fantasie findet man dort für jeden eine passende Diagnose ;-)

bravooo

reicht nicht ein blick in die geschichte, um zu sehen, dass "gesundes verhalten" genau so oft oder selten ist, wie dauernde und völlige körperliche perfektion????

Diese Seelenklempner-Lobby-Berichte mit angeschlossenem schwerst "kontrollierten" Forum nerven extrem.
Habts ihr in der Redaktion zufällig einen "Zensomaten" sitzen, der früher mal Psychologie studiert hat?

depressionen mit (un)spezfizierten angststörungen und suicidalität sich kein fall für "seelenklempner" aber vielleicht versteh ich sie nur falsch. die frau von einem freund nun denn 14m waren genug, hintennach habens eine psychische störung diagnostiziert, die dame war nicht so alt 30. na ja die pension zu zahlen hats jüngeren erspart. ich kenn auch noch andere beispiele

wir führen ein sklavendasein ohne sinn und echte lebensfreude.

alles, was das leben lebenswert macht ist durch geld und konsum ersetzt worden, und diese drogen sind leer.

das nun sozusagen indirekt gewordene sklavendasein muss beendet werden oder wir gehen wieder einmal einem massenselbstmord namens krieg entgegen, denn im krieg kommt es vor dem ende manchmal noch wenigstens zu überlebensfreude und lebensintensität, allerdings um den preis unvorstellbarer grausamkeit, aktiv und passiv und noch mehr psychischer verelendung vor dem frühen und furchtbaren tod.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle,

befreiung vom lohnterror, neue selbstverwirklichung nach wahrem interesse und wahrer begabung, berufung statt beruf. das bedeutet eine neue evolutionäre lebensqualität, eine innovation des menschen selbst.

@Santa fe

RE: sollten Sie es wagen ein freibstimmtes Leben jenseits jeglicher gesellschaftl und sozialer Zwänge führen zu wollen ist Ihnen a.) der Neid der Besitzenden sicher und b.) ein Icd-10code nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Also lieber User, bei der "Stange bleiben, nur wenn sie ein burnoutgefährter Workaholic mit 3 Herz infarkten und 2 Gastritis Op, s hinter sich haben ist Ihnen die soziale Anerkennung sicher. Ein benutzte und entsorgte Humanressource eben.

Na bitte, damit ist ja endlich klar, was gegen die allgemeine Zukunftsangst hilft:

eine hübsche Katastrophe, ein anständiger Krieg, eine ordentliche Geldentwertung, Zusammenbruch, Mord und Totschlag.
Keine Lust darauf?
Ja, aber - mehr haben wir bisher nicht gelernt. Das ist das westeuropäische Modell von Aufstieg und Fall!

Zynisch betrachtet ist das Evolution, mit Verstand betrachtet eigentlich Wahnsinn. Zumal bei diesem Modell immer abzusehen ist, wann es das nächste Mal nach unten geht. Na, Eselchen, wie geht's dir auf dem Eis - Wollen wir ein bisschen in den Krieg ziehen?
Als Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommen unterstütze ich Sie aber gerne, halte mich aber an Dahrendorf: "Man kann das Richtige nur erreichen in der Koalition mit anderen, die dasselbe, wenn auch aus falschen Gründen, wollen." :)

dann hackens einmal 3 tage durch mit insgesamt 4 stunden schlaf weils der auftraggeber so will, oder sonst nicht zahlt, vorauszahlungen müssen sie leisten für mitarbeiter zb. und dann erzählens mir wies ihnen geht, besser ein krieg?

es liegt nicht am kapitalismus oder glaubst du, die leibeigenen waren früher besser drauf???

die leibeigenen des feudalismus sind nach einem zwischenspiel als leibeigene des neofeudalismus wieder auferstanden, denn eine kleine minderheit von führenden kräften der finanzindustrie (FI) macht die demokratie zum instrument ihres raubkrieges am sozialstaat und gegen erdölländer. sie wird immer reicher, der rest immer ärmer und - verzweifelter.

deswegen ist vermutlich die lebenserwartung auch heute höher, die arbeitszeiten kürzer, urlaub...

ich sag nicht, man könnte es nicht besser machen, aber der satz "früher wars besser" zeigt einfach nur, dass der sprecher nicht weiß, wies früher war.

aber nur zu: zieh in die holzhütte, ohne strom, ohne fließendes wasser, ohne medizinische versorgung, betreib subsistenzwirtschaft, in einem jahr erzählst uns dann hier, wie tolls damals war:) und bedenken, die lebensbedingungen eines leibeigenen hattest du da noch nicht, du lebst frei.

Wie hoch soll das Grundeinkommen denn sein?

wenn es hinsichtlich der erwähnten neuerfindung des menschen relevant sein soll, muss es - auf österreich bezogen - mindestens doppelt so hoch sein wie die jetzige (entwürdigend bedingungsvolle) mindestsicherung.

die finanzierung ist z.b. durch eine zweckgebundene finanztransaltionssteuer auf alle banken-und börsengeschäfte problemlos durchzuführen.

das BGE kommt letztlich auch der dadurch belasteten FI (finanzindustrie) zugute, denn die allgemeine kaufkraft bricht aufgrund der wachsenden arbeitslosigkeit, der sinkenden reallöhne und der einsparungen bei sozialleistungen bereits dramatisch ein.

Problemlos?

Ich glaube, das ist eher unmöglich. Ich fände es ja eigentlich nicht schlecht, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie die-da-oben sich auf so etwas einlassen könnten. Denn: was springt für die dabei heraus? So denken die doch.

Ich bin aber auch so skeptisch, ein bedingungsloses Grundeinkommen für diese Gesellschaft zu fordern. Prinzipiell bin ich ja dafür. Ich denke aber, dass die, die das in Anspruch nehmen würden, sich es tatsächlich gut gehen ließen. Ich weiß nicht, ob sie die Verantwortung dazu sehen. Ich denke, dieses System würde von sehr, sehr vielen ausgenutzt werden. Machen wir uns da mal nichts vor.

Das bedingungslose Grundeinkommen alleine ist es, meiner Meinung nach, noch nicht. Da fehlt noch was.

najo.

das system bietet nicht für alle arbeit. mit dem grundeinkommen ensteht ein echter arbeitsmarkt. es ist unmöglich dieses system auszunutzen. steht jedem zu - ob er arbeitet - oder nicht. usw. usf.

nicht boese sein, aber wenn in jedem dritten haus ein psychologe ordiniert werden die institutionen wohl auch viele kranke definieren, insbesondere bei dem unbegrenzten abzockpotential. mit lebensqualitaet oder liebe oder fairness kann man naemlich nur im kurs der psychosozialen gesundheit verdienen ... die rolle der psychotherapie war schon immer die die opfer von terror zu entsorgen und gleich unzuberechtigen (bei 10% des einkommens)... gsd konnten unter der regierung schuessel in allen diesen bereichen grosse fortschritte erzielt werden... die kirche und die wirtschaft half mit wo es ging... alle zogen so an einem strang... eine erfolgsgeschichte... forschungs- und wissensleitend... richtungsweisend...

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