AK schlägt Alarm

Immer mehr Kündigungen im Krankenstand

5. September 2011, 11:18
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    foto: apa/dpa/hirschberger

    Immer mehr lassen sich fitspritzen und schleppen sich krank in die Arbeit, warnt die Arbeiterkammer und fordert Maßnahmen gegen Kündigungen im Krankenstand.

Arbeiterkammer ortet immer öfter "massive Verletzung von gesetzlichen Bestimmungen"

"Sicher ist das ein sehr weit verbreitetes Problem in Österreich", sagt Doris Rauscher-Kalod, Leiterin der arbeits- und sozialrechtlichen Abteilung der Arbeiterkammer Niederösterreich, zu derStandard.at. Mit dem "Problem" meint sie Kündigungen während des Krankenstandes. In Zahlen gegossen: Alleine in Niederösterreich haben seit Jahresbeginn 1.300 Arbeitnehmer ihren Job verloren, weil sie krank geworden sind. Das geht aus Statistiken der Arbeiterkammer Niederösterreich hervor. Die Organisation ortet in dem Bereich "massive Verletzungen von gesetzlichen und kollektivvertraglichen Bestimmungen".

Nicht nur in Niederösterreich. Die Anzahl an Kündigungen dürfte in den restlichen Bundesländern ähnlich hoch sein, vermutet Rauscher-Kalod. Rund 400 Beratungen pro Woche würden zeigen, dass das Thema unter den Nägeln brennt.

Kein besonderer Kündigungsschutz

Rein rechtlich gesehen sind Kündigungen in der Zeit des Krankenstandes legitim. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für einen besonderen Schutz. Wird ein Arbeitnehmer gekündigt, dann übernimmt die Krankenkasse - statt dem Arbeitgeber - die Fortzahlung des Krankengeldes. Das sei allerdings um fast die Hälfte geringer, moniert Rauscher-Kalod und bringt das Thema einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses aufs Tapet. Eine Praxis, vor der die Arbeiterkammer warnt. Dienstgeber würden ihre Mitarbeiter dazu drängen, weil sie sich das Krankengeld ersparen wollen. Mit der Aussicht, sie nach Ende des Krankenstandes wieder einzustellen.

Rückdatierte Kündigungen stünden auf der Tagesordung. Zur Kasse gebeten werden die Sozialversicherungen. Solche "Umgehungsgeschäfte", wie sie die Arbeiterkammer bezeichnet, sind rechtlich nicht in Ordnung. "Im Endeffekt zahlen alle dafür, was eigentlich der Dienstgeber leisten sollte." Die Töpfe der Krankenkassen werden ja von den Beiträgen aller Arbeitnehmer gespeist.

Krank in der Arbeit

Das Resultat der Misere seien zunehmend verunsicherte Arbeitnehmer, die entweder ein geringeres Krankengeld erhalten oder sich krank in die Arbeit schleppen. Aus Angst vor Jobverlust. "Das ist einfach eine unwürdige Situation", kritisiert Rauscher-Kalod und fordert zur Gesundung Maßnahmen vom Gesetzgeber. Etwa die Reanimation des Entgeldfortzahlungsfonds, der im Jahr 2000 einem Sparkurs zum Opfer fiel. Vor allem kleinere Firmen, die sich Krankenstände ihrer Mitarbeiter schwerer leisten können, haben davon profitiert. Aus dem Fonds wurden den Firmen die Lohnkosten während des Krankenstandes ersetzt.

Die Arbeiterkammer will die "Problematik" in den nächsten Wochen zum Schwerpunktthema machen. Für eine Lösung muss die Wirtschaftskammer ins Boot geholt werden. Die Zeichen stehen allerdings auf Ablehnung. "Bis jetzt gab es nur eine negative Reaktion." 

Wirtschaftskammer sieht "Panikmache"

Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, weist den Vorstoß der Arbeiterkammer als "unverantwortliche Panikmache ohne seriösen Hintergrund" zurück. Genannte Zahlen seien "nicht durch Daten der Gebietskrankenkasse gedeckt". Werde ein Arbeitnehmer im Krankenstand gekündigt, laufe der Entgeltfortzahlungsanspruch "so lange weiter, bis er gesetzlich ausgeschöpft ist". Der Arbeitgeber erspare sich also nichts.

Lediglich bei einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses entfalle die Entgeltfortzahlungsverpflichtung. "Eine Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds ist für uns kein Thema", so Zwazl. (om/APA, derStandard.at, 5.9.2011)

Kommentar posten
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Chocoholic
00
Sub headline "Arbeiterkammer ortet immer öfter "massive Verletzung von gesetzlichen Bestimmungen"

Im text dann
"Rein rechtlich gesehen sind Kündigungen in der Zeit des Krankenstandes legitim. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für einen besonderen Schutz."

Sehr professionell, online standard, sehr professionell.

Wolfgang56
00
Nichts Neues,

das wird doch schon die längste Zeit praktiziert. Allerdings gibt es auch einzelne Ausnahmen, da hat ein ÖVPler im Krankenstand eine Firma gegründet, war gestern zu lesen.
Ja, liebe AK, es ist zwar schön wenn ihr das veröffentlicht, allerdings bin ich der Meinung, ihr seid die Vertretung aller Arbeitnehmer, dann tut doch endlich was dagegen, am politischen Einfluß kann es aufgrund eurer Postenbesetzung ja nicht mangeln!

AlBundyFan
 
09
wenn man das nicht will, dann hätte man es halt nicht einführen sollen

bedankt euch bei schwarz-blau die dieses vorgehen überhaupt erst ermöglicht haben mit ihrer gesetzesänderung.

emma48
10
wen wundert es das auf solche methoden zurückgegriffen werden muss...

wenn dem Arbeitgeber ohne Leistung horrende Summen entstehen um einem nicht schaffenden Arbeitnehmer zu Entlohnen.

Der ÖVP, der Partei des Mittelstandes und der Selbstständigen ist es noch nie in den Sinn gekommen an den Lohnnebenkosten zu drehen um diese zu Verringern. Mglw wäre das ein Ansporn das Outsourcing zu beenden und die Bevölkerung zurück zuführen in ein Ordentliches Beschäftigungsverhältnis.

Uupps, die Verleihfirmen wählen doch auch diese "christliche" Partei. Hmm Geschäft abgraben, naaa auf keinen Fall.......

Sambapati
00
"muss"?

das muss man nicht. wenn sie den artiekl lesen, sehen hoffentlich auch sie, dass sich die katze in den schwanz beißt bei ihrer argumentation.
sinn und zweck jeden privaten unternehmens ist gewinn. ihr gedanke würde dann immer greifen bis alle, die zu jung oder zu alt zum arbeiten sind, tot wären als beispiel.

immer dieselbe leier wird herangezogen. sinngehalt: null

DeKa
03
Was solls?

Die Arbeitgeber dürfen doch mittlerweile alles mit uns Arbeitnehmern machen und die Politik unterstützt das noch. Daher ist jeder Unternehmer doch doof, wenn er uns nicht ausnutzt.

Wir sind doch einfach nur noch Lohnsklaven und es wird immer perfider.

Minister der Ökomonie
02

Chef anhusten. Chef anniesen.

Wer aus Angst vor Kündigung krank in die Arbeit geht, sollten den Chef an seinem Vergnügen teilhaben lassen.

Irgendwie kann man ja schlimmstenfalls angerotzte Materialien zukommen lassen, wenn man ihn persönlich nicht erreicht.

anyuser
 
24
nicht alarm schlagen, die AK soll sich villeicht einmal FÜR die arbeitnehmer einsetzen und nicht mit der unternehmermafia packeln

dafanefa
04

Haben Sie den Artikel gelesen?

Tony Almeida
05

Um die Diskussion wieder auf eine etwas sachlichere Ebene zurückzuführen:

Für einen kleinen Betrieb mit 3 oder 4 Mitarbeitern kann ein längerer (!) Krankenstand eines Mitarbeiters zur wirtschaftlichen Belastung werden.

Neben der Fortzahlung des Entgelts für den Erkrankten (einschließlich der Nebenkosten) muss unter Umständen ja auch eine Ersatzkraft angestellt und bezahlt werden.

Wenn sich der Betrieb gerade mal so über Wasser hält, kann so eine Situation schon schwierig werden.

Die eine oder andere Kündigung im Krankenstand sollte auch unter diesem Aspekt gesehen werden.

Nicht immer ist es Bosheit.

die Resi-Tant Evil
27

"... Für einen kleinen Betrieb mit 3 oder 4 Mitarbeitern kann ein längerer (!) Krankenstand eines Mitarbeiters zur wirtschaftlichen Belastung werden. ..."

So what?
Ich kann Ihnen wohl nicht andienen, lesen Sie den ganzen Marx, aber lesen Sie dies: http://de.wikipedia.org/wiki/Mehr... Marxismus)

Wenn ein Mitarbeiter in/mit seiner produktiven Zeit veantwortlich dafür ist, dass die Firma Gewinn erwirtschaftet, bin ich Linksextrem wenn ich mir denke, im Krankheitsfall könnte dies die Firma honorieren, indem sie zur Abwechslung mal für den Mitarbeiter da ist und nicht umgekehrt?
So selbstverständlich akzeptieren wir den menschenverachtenden Zynismus der Betriebswirtschaft, dass nur der Selbstzweck Gewinn zählt, und nicht der Mensch?

Chocoholic
10
Richtig. Der Job ist der Aufbewahrungshort für die

Ewigen Kinder.

Hubert Ungeist
 
10
Wenns gerade mal so läuft..

dann erwirtschaften sich die Mitarbeiter udn der Chef halt gerade mal Ihr Einkommen.

Woraus soll denn dann Ihre Solidarität bezahlt werden?

dafanefa
03
Gerade dafür

gab es ja den Entgeltfortzahlungsfond.
Diese wurde ja offensichtlich als eine der ersten Großtaten der blau-schwarzen Gaunerregierung abgeschafft.

Montgomery McFerryn
00

Niemand der noch etwas denken kann nimmt den Artikel eins zu eins so hin wie er da steht.
Und kein vernünftiger Chef in einem normalen Unternehmen kündigt einfach einen Arbeiter um sich die Arbeit zu machen einen neuen anzulernen. Aber schwarze Schafe wirds halt auch genug geben.

Nosal
14
Die AK "ortet"

Ja leider kann die AK nicht mehr tun, als sowas zu "orten". Ich wurde vor vier Jahren ebenfalls von meinem damaligen Arbeitgeber nach einem schweren Unfall (3 Wochen Krankenhaus, 3 OPs, 3 Monate ans Bett gefesselt) im Krankenstand aus "wirtschaftlichen Gründen" gekündigt. Im selben Jahr wurden noch zwei Kollegen nach Unfall und im Krankenstand gekündigt. Auf der AK sagte man mir damals nur, der Arbeitgeber hat die besseren gesetzlichen Rahmenbedingungen. Der gekündigte Arbeitnehmer kann nichts dagegen unternehmen.

grauekatze
09
mein gott, wie ich sie immer liebe, diese helden der arbeit

ja, schniefschneuz, geht eh, hatschpuuurootz, ich leide so gerne für die firma, seht alle her...
riesenblödsinn, bringen tu das keinem was, ausser dem hausarzt, der dann die ganze abteilung, die angesteckt wurde versorgen kann.
man sollte solche leute abmahnen und gegebenenfalls zwangstherapieren, ein solcher geltungsdrang mit gemeingefährlichem umweltschaden gibts nämlich so schnell nicht noch mal!

isai
01
Wie macht das ein verunfallter / verletzter Arbeitnehmer ...

... oder ein an Krebs Erkrankter, der leider auch über längeren Zeitraum (inkl. Therapien) etc. arbeitsunfähig ist, den Chef und die Mitarbeiter aber nicht anstecken kann?
Wegen Schnupfen bleibt wirklich nicht jeder zu Hause - und gerade in kleineren Betrieben liegts nicht unbedingt am Geltungsdrang sondern evtl. auch an kollegialem Verhalten, dass man nicht wg jeder Kleinigkeit in den Krankenstand "flüchtet".

RS69
 
01

so Kollegial ist es auch wieder nicht, alle anzustecken.

isai
00
Klar - wenn's was wirklich Ernstes ist, durch das man angesteckt werden könnte,

dann würd ich's auch nicht als kollegial bezeichnen.

Kommt auch darauf an, mit wievielen Mitarbeitern man ständig zu tun hat. Vor allem jeder selbst auch ein wenig zur Steigerung der Abwehrkräfte beitragen, damit man eben nicht so leicht angesteckt wird.

RS69
 
01

Mir ist es lieber, wenn sich Leute auskurieren - die seltnesten Situationen machen Probleme, wenn man mal ein paar Tage nicht kommt.

Ich finde es besser, mal zuhause zu sein und wieder frisch und energiegeladen zu kommen und was weiter zu bringen, als halb krank und wenig produktiv im Büro herum zu hängen und das auskurieren raus zu zögern.

green machine
01

wenn sie das jetzt noch den firmen mitteilen ist alles gut. solche leute gehen eher aus lauter angst vor dem jobverlust arbeiten als anzugeben...

Mirstetta Toni
01

es kann aber auch passieren, dass ein kranker arbeitnehmen aus reiner angst in die firma geht. das hat nix mit heldentum zu tun.

per verser
011

das sind die selbstregulierenden kräfte des freien marktes: wer nicht funktioniert, krepiert. und die politik der övp seit schüssel hat die bonzenfreunderl ermutigt, es so weit als möglich zu treiben.

schnuddeldiwuddeldi
02
Ein Hoch

der Sklaverei !

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