Prominentensatter Wettbewerb: Verfilmte Theaterstücke liegen am Lido in der Kritikergunst voran
Venedig - Mit einer Lebenswerk-Auszeichnung für den
Hollywood-Schauspieler Al Pacino haben die 68. Filmfestspiele von
Venedig das erste Wochenende glamourös zu Ende gebracht. Bei
angenehmen Temperaturen und flankiert von einem Staraufgebot der
Sonderklasse hinterließen im Rennen um den Goldenen Löwen mit Roman
Polanski, George Clooney und David Cronenberg bisher die großen
Regienamen am meisten Eindruck am Lido.
Aber auch der Österreicher
Michael Glawogger machte im Nebenwettbewerb Orizzonti mit seiner Doku
"Whore's Glory" von sich reden. Glawogger erntete für seinen dokumentarischen Essay über das Leben
von Prostituierten in Thailand, Bangladesch und Mexiko freundlichen
Applaus im voll besetzten Kinosaal, die Kritik schrieb vom "zarten
Gleichgewicht von offenbarender Beharrlichkeit und respektvoller
Zurückhaltung", das der Regisseur zu halten imstande sei. "Whore's
Glory" überhöhe das Dokumentarische konsequent, heißt es weiter, das
Triptychon hat auch Chancen auf eine kleinere Auszeichnung beim
ältesten Filmfestival der Welt.
Ein anderer durfte sich seine Ehrung bereits abholen: Al Pacino,
der außerhalb des Wettbewerbs seine Regiearbeit "Wilde Salome"
vorstellte, wurde für seine die Filmkunst bereichernde Arbeit mit dem
Jaeger-LeCoultre-Preis ausgezeichnet. Bei der Pressekonferenz am
Sonntag sagte der Schauspieler und Regisseur, dass er rückblickend
nichts bereue. "Aber es gibt sehr wohl Dinge, die ich mir wünschte
nicht getan zu haben, viele Dinge, auch außerhalb meines filmischen
Lebens."
Preisverdächtig haben sich unterdessen auch einige Regiegrößen im Wettbewerb präsentiert. Roman Polanski erntete für
"Carnage", seine Adaption von Yasmina Rezas Theaterstück "Der Gott
des Gemetzels", nicht nur viel Gelächter und Applaus, sondern auch
einhellig gute Kritiken, u.a. für sein Darstellerquartett Kate
Winslet, Jodie Foster, John C. Reilly und Christoph Waltz. George
Clooney wurde für seinen spannenden Politthriller "The Ides of
March", basierend auf Beau Willimons Stück "Farragut North", gefeiert
und landete in der vorläufigen Punkteparade der Kritiker auf Rang
zwei.
Den Trend zu verfilmten Theaterstücken vervollständigt David
Cronenbergs zum Teil in Wien gedrehtes Psychoanalyse-Drama "A
Dangerous Method", das auf Christopher Hamptons "The Talking Cure"
beruht und mit Viggo Mortensen, Michael Fassbender und Keira
Knightley in den Hauptrollen eine historische Dreiecksgeschichte
behandelt.
Positive Wertungen erfuhren unterdessen auch Marjane
Satrapis und Vincent Paronnauds "Poulet aux Prunes" (Huhn mit
Pflaumen) und Steve McQueens "Shame", bei "Alpis" von Yorgos
Lanthimos gingen die Meinungen stark auseinander.
Beeindruckend war an den ersten Tagen aber nicht zuletzt die
Stardichte. Von Clooney bis Pacino, von Madonna bis Gwyneth Paltrow,
von Matt Damon bis Steven Soderbergh gaben sich die internationalen
Größen in der Lagunenstadt die Klinke in die Hand. Alle in den
Schatten gestellt hat jedoch Kate Winslet, die nicht nur in "Carnage"
zu sehen war, sondern auch in Soderberghs "Contagion" und in Todd
Haynes Mini-Serie "Mildred Pierce" und dabei unter Beweis stellte,
dass sie aktuell wohl einige der vielseitigsten und besten Aktricen
im internationalen Kino ist. (APA)