Ratingagenturen im Blickfeld

Eurobonds wären für Standard & Poor's Ramsch

Eric Frey, 4. September 2011, 17:23
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    foto: apa/patrick pleul

    Gemeinsame Eurobonds bieten offenbar keinen Ausweg aus der Schuldenkrise. Die Risiken der vereinbarten Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF sind hingegen viel besser überschaubar.

Das Rating gemeinsamer Eurobonds würde sich nach dem schwächsten Glied richten, sagte ein Vertreter der Ratingagentur Standard &Poor's Alpbach

Das Rating gemeinsamer Eurobonds würde sich nach dem schwächsten Glied richten, sagte ein Vertreter der Ratingagentur Standard &Poor's in Alpbach. Ein besserer Weg sei die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms.

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Alpbach - Aus Sicht der weltgrößten Ratingagentur Standard & Poor's bieten Eurobonds keinen Ausweg aus der Schuldenkrise. Denn S&P würde gemeinsame Staatsanleihen der Eurostaaten mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes bewerten, sagte Moritz Krämer, der Leiter des Länderbereichs Europa, bei der Abschlussdiskussion des Forum Alpbach am Samstag. "Wenn wir einen Eurobond haben, bei dem Deutschland 27 Prozent garantiert, Frankreich 20 und Griechenland zwei Prozent, dann läge das Rating des Eurobonds bei ‚CC‘, was der Kreditwürdigkeit Griechenlands entspricht" , sagte er. "Das Rating würde sich immer nach dem schwächsten Glied richten." Ein solcher Ramsch-Status würde die Papiere für institutionelle Anleger uninteressant machen, die Zinsen wären daher exorbitant hoch.

Krämer bezog sich dabei auf das Modell der deutschen Jumbo-Pfandbriefe, bei denen Bundesländer gemeinsam Schuldverschreibungen emittieren, aber nur für den eigenen Anteil Garantien übernehmen. Übertragen auf die Eurozone würde das bedeuten, dass beim Zahlungsausfall eines einzigen Landes ein Insolvenzfall eintritt. Die Befürworter von Eurobonds behaupten, dass das Rating dieser Papiere dem Durchschnitt aller Länderbonitäten entsprechen würde.

Ob alternative Eurobond-Konstruktionen möglich sind, die diese Erwartung erfüllen, konnte Krämer nicht sagen. Die Ratingagenturen könnten die EU bei diesem Thema auch nicht beraten, weil dies einen Interessenskonflikt bei der späteren Bewertung hervorrufen würde.

Allerdings machte Krämer klar, dass er im schon bestehenden Euro-Rettungsschirm (EFSF), der selbst Anleihen zu sehr niedrigen Zinsen begeben kann, die viel bessere Option für gegenseitige Hilfe im Euroraum sieht. Auch die im Juli vereinbarte Aufstockung des EFSF von 440 Mrd. auf 780 Mrd. Euro hätte wahrscheinlich keine Auswirkungen auf die Bonität der mit der Bestnote AAA bewerteten Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Österreich, sagte Krämer auf Journalistenfragen. Selbst der schlimmste Fall eines Totalausfalls aller vom Fonds verliehenen Gelder würde etwa den Schuldenstand Deutschlands im gleichen Ausmaß erhöhen wie die Rettung der maroden WestLB im vergangenen Jahr. Das waren etwa 100 Milliarden Euro oder sechs Prozent, was der Bonität nicht geschadet hat. Die Gesamtauswirkungen einer solchen Krise ließen sich zwar nicht voraussagen, aber eines sei sicher: "Die größten Risiken für die Bonität schlummern immer noch im nationalen Finanzsystem" , sagte Krämer.

In seinem Vortrag verteidigte Krämer die Rolle der Ratingagenturen. Ratings seien unabhängige Meinungen über die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen, die sich im Nachhinein meist als richtig erweisen. Dass staatliche oder private Akteure diese Ratings zu Entscheidungskriterien bei Veranlagung oder Bankenregulierung machten, sei von den Agenturen gar nicht erwünscht. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
Datum, Uhrzeit:
00
Aber sicher ...

Der Logik folgend wären die USA aber schon lange auf Ramsch-Status zu setzen. Da gibt es ja auch ganz besondere Pleitekandidaten unter den 50 Bundesstaaten.

d0cN0
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Das ist doch wohl der größte Blödsinn aller Zeiten...

Eine Eurobond wie er im Artikel beschrieben ist, kann unmöglich ein CC Rating erhalten, wenn nur 2% der emmitierten Summe von Griechenland gedeckt werden. So ein Bond streut doch die Risiken des Zahlungsausfalls über alle beteiligent Nationen. Fast alle Fonds oder gar Dachfonds, machen das genauso. Nach der Selben Logik müsste ein Fond der seine Gelder sehr solide anlegt sofort zum Ramschstatus abgestuft werden wenn auch nur eine riskantere Anlageform in das Portfolio aufgenommen wird, und das nahezu unabhängig vom Tatsächlichen Anteil an der gesamt veranlagten Summe, oder anders gesagt wenn ich fanst mein ganzes Geld auf ein fix verzinstes Sparbuch lege und auch noch ein Rubbellos kaufe ist meine Kreditwürdikeit auf Zocker-Status sinken.

IQ-Test bestanden
11

Geier Sturzflug: "besuchen Sie Europa, so lange es noch steht"

besser als alle Finanzanalysten

takashimaya
20

Müßten dann die USA nicht auch schon pleite sein.
Meines Wissens ist Californien bankrott - und da das ein Staat der USA ist - und das Ganze nach dem schwächsten Mitglied bewertet wird .....

Nicht Sicher
10

um das zu verleichen müsste die EU eine staatenvereinigung sein - was es aber nicht ist.

Wolfgang Bieber
12
Haushaltsdisziplin adé

Euro-Bonds heißen die Finanzinstrumente, die jetzt zur Rettung Griechenlands und des Euro führen sollen. Ökonomisch sind sie unklug, politisch sind sie kurzsichtig. Mit den Bonds werden die ohnehin schon löchrigen Haushaltsregeln komplett aufgeweicht:
http://bit.ly/qs9UPQ

Francesca
10
Die derzeitigen Haushaltsregeln sind ohnehin

nur neoliberale Machwerke unter Ausblendung ökonomischer Zusammenhänge, also wie in den letzten Jahren zu sehen war: fürn Hugo!

the comedian
 
20
rating agenturen

nedamoi ignorieren!

polzinho
01
das hätten die politiker wohl gerne!

rating argenturen = vetreten die interessen der steuerzahler und künftiger generationen.

bzw nicht schlechter als dies die politik in den letzten jahren getan hat. jede verschuldung von über 100% des BIP ist fahrlässig den kommenden generationen gegenüber.

Francesca
20
In welcher traumwelt leben sie, das Rating-Unwesen

dient nur den Spekulanten - auf Kosten der Steuerzahler!

mike sierra
00
Irrtum

Sie vertreten nur ihre eigenen Interessen.

Hätten sie die Interessen der Steuerzahler vertreten, hätten Subprime-Kredite in CDOs niemals AAA bekommen dürfen. Damit haben sie erst die Finanzkrise und die staatlichen Rettungsaktionen verursacht.

polzinho
00

wer in der wirtschaft vertritt bitte nicht die eigenen interessen? nur ist die schnittmenge beim thema staatsverschuldung zwischen den rating agenturen und zukünftigen steuerzahlern höher, als bei aktuellen politikern und zukünftigen steuerzahlern.

und daher sind die rating-agenturen auf einmal so etwas von unangenehm. kritik zum thema subprime und co ist berechtigt, doch einige jahre zu spät. wirkt im moment eher nach schlammschlacht und nebelgranaten.

Reich sein muss sich lohnen!
22
Wir sollten eine Rating-Agentur gründen

und zwar eine, die die Rating-Agenturen "ratet".
Die sich ansieht was diese Rating-Agenturen in den letzten Jahren so geratet haben und darauf hin Bewertungen erstellt, also je nach dem ob die Bewertungen zutreffend waren oder nicht.

Da würde es von S&P wohl nur noch Ramsch-Ratings geben, denn Papiere von G&S die Betriebsintern als "Piece of Crap" bezeichnet wurden bekamen von S&P ja problemlos AAA...

Mein Grossvater hiess Israel Blank
00
Ein besserer Weg sei die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms.

Fuer wen ists besser?

Am besten, man laesst die Laender fallen,
Banken sollen den verlust schlucken und die Bewoelkerung soll Politiker lynchen, wie die Islander ihren Ministerpraesidenten.

Aus, die Maus
01

vielleicht passts nicht ganz zum Artikel, aber was derzeit in der "ersten Welt" abgeht (Schuldenkrise, Bankenpleiten, Schere arm-reich, prekäre Arbeitsverhältnisse, Derivate-Irrsinn etc.etc): sind das die Vorboten, dass die Party der Baby-Boomer-Generation zu Ende geht ?

...man sehe sich die Alterspyramiden an, das ist wahrlich kein Grund, optimistisch zu sein

Thousand
05
Wunderbar

Wenn s&p eurobonds nach dem schwächsten mitglied bewertet, wird sich zeigen, dass nicht die eurobonds, sondern die bewertung ramsch ist.

Ein schuss ins eigene knie, den ich s&p nur wünschen kann.

Francesca
00
leider ist trotzdem nicht zu erwarten, dass Politik

und Finanzmarktaufsichten die Konsequenzen daraus ziehen.

Bertel Mann
00
S&P wieder voll auf Linie...

Freedom to the people
13
es wird immer klarere: die ratingagenturen sind spieler in einem match usa vs. eu...

es lebe die marktmanipulation!

Johannes Bachberger
00
Schön ...

für alles einen Sündenbock zu haben. Lesen Sie mal http://www.kreditheini.at/2011/03/r... -madelain/

Es sind nicht die Ratingagenturen, die Schulden machen.

liberte
00
Hat der gute Mann einen Anzug getragen ?

Es sollte mittlerweile jedem klar sein , wessen Kind die Ratings sind - Dummheit macht sich eben bezahlt !

lessismore
04

Die Ramschpapiere mit den Hypotheken waren für S&P erste Qualität ... Und um auch das wieder einmal zu erwähnen, es steht ein gewisser Betrugsverdacht im Raum (nicht von mir dorthin gestellt, sondern vom US-Senat).

Freund der Sanktionen
00
Die Ratingagentur kann sich ja richten,

nach wem und wo nach sie will.

Bedauerlich ist nur, daß Politiker sich nach der Ratingangentur richten, man darf diese Leute nie vergessen lassen, von wem sie eigentlich gewählt und ihr Mandat erhalten haben...

sotho talker
 
616
all-in und sehen bitte europäisches parlament übernehmen sie!

aufbau von "vereinigten staaten von europa" mit verfassung und allem. entmachtung der nationalregierungen und stärkung der förderalen struktur unterhalb. bei zentralstaaten wie italien und frankreich gelten die europäischen regionen als modell

löst viele probleme von oberitalien über belgien bis nach spanien. und: die EU hat für mich hinreichend bewiesen sich nicht zu schade dafür zu sein in strukturschwache regionen zu investieren.

die nationalisten werden da zwar schreikrämpfe bekommen, aber sie können ja gerne erklären wie lange sie glauben die einzelstaaten können sich noch gegen die "teile und herrsche" taktik der anderen großen blöcke behaupten.
nationale kleingeisterei können wir uns schlichtweg nicht mehr leisten

Warentester
00

Tja, jetzt steht Ihnen nur noch die blöden Völker im Weg. Drei Möglichkeiten: Austauschen, Abschaffen oder Diktatur.

Und auch ja, der Schweiz z.b: geht's ja sehr gut. Besser als den Staaten als der tollen EU. Ihrer Theorie zur folge müsste die ja schon bald das Niveau eines dritten Weltlandes erreicht haben. Ist ja auch logisch. Kleine, flexible Einheiten sind großen, korrupten Molochen effizienzmäßig überlegen.

Das sie alles einen durch und durch von Lobbyisten korrumpierten Einrichtung, die ansonst nur mit Spesen für nicht gearbeitete Leistung auffällt durchsetzen wollen, rundet das Bild noch ab. Und nein ich bin kein Nationalist. Deswegen lehne Ihren Plan ja ab, der nichts als einen leicht totalitären Supernationalstaat schaffen will.

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