Hintergrund

Carsharing: Das Genossenschaftsauto

4. September 2011, 13:38

Autos zu teilen statt zu besitzen ist günstig und umweltschonend – Und hat nicht nur Vorteile

Das eigene Auto ist nach nüchternen Zahlen ein äußerst ineffizientes System: Jeder Pkw in Österreich parkt rund 23 Stunden täglich, ist also 96 Prozent der Zeit Steh-, nicht Fahrzeug. Fixkosten wie Steuern, Versicherung, Stellplatz, Pickerl oder Wertverlust fallen natürlich auch dann an. Und die schlucken acht von zehn ins Auto investierte Euro.

Laut Daten des ÖAMTC ist jeder Pkw in Österreich im Schnitt 13.500 Kilometer pro Jahr unterwegs. Schon unter 12.000 Kilometer würde günstiger aussteigen, wer seinen Wagen verkauft und eine Carsharing-Mitgliedschaft beantragt. So rechnet es zumindest der Verkehrsclub VCÖ vor. 

Das Potenzial für Carsharing, die gemeinschaftliche Nutzung von verschiedenen Fahrzeugen über einen Serviceanbieter, scheint also vorhanden. Es auszuschöpfen könnte direkt auf Kosten der rund 4,4 Millionen Kraftfahrzeuge gehen, die derzeit in Österreich zugelassen sind. Darauf deuten auch demografische Daten hin. In Deutschland etwa sank die Zahl der 18- bis 29-jährigen Autobesitzer zwischen 2000 und 2010 um mehr als ein Drittel. Gleichzeitig ergab eine Auswertung von Nutzerzahlen, dass 60 Prozent der deutschen Carsharing-Mitglieder zwischen 18 und 35 Jahren alt sind.

Ein teilöffentliches Verkehrsmittel

Anders als früher ist das Auto für viele junge, urbane Menschen nicht mehr das erste Statussymbol. Als Prestigeobjekte gelten ihnen heute weithin digitale Gadgets, der Pkw ist oft nur mehr ein nüchternes Instrument zur Fortbewegung. Auf sie ist Carsharing als eine Art teilöffentliches Verkehrsmittel zugeschnitten. Die Zielgruppe wohnt in Ballungsräumen, ist nur gelegentlich und für kurze Zeiträume auf einen Pkw angewiesen. Und sie begreift das Auto nicht mehr als Teil eines persönlichen Raums, sondern neben öffentlichem Nah- und Fernverkehr sowie Fahrrad als Baustein einer "kombinierten Mobilität".

Viele würden Carsharing auch als Alternative zum Zweitwagen nutzen, erklärt eine Mitarbeiterin von Denzel, "aber wer wie Pendler tagein tagaus auf das Auto angewiesen ist, für den ist es wahrscheinlich nicht das Richtige." Aus der Zielgruppe würden auch Bewohner ländlicher Gebiete fallen, da die Standorte dort wegen der geringen Auslastung meist nicht rentabel seien.

Von den Vorteilen …

Die Vorteile des Konzepts Carsharing sind offensichtlich: Um Reparaturen und Services kümmert sich der Anbieter, ebenso um Steuer- oder Versicherungsangelegenheiten. Die Reservierung ist 24 Stunden am Tag online oder telefonisch möglich und nach der Nutzung entfallen Parkplatzsuche und Parktickets, da jedes Auto seinen festen Stellplatz hat. Die automobilen Fixkosten reduzieren sich somit auf die Carsharing-Jahresgebühr. Der Monopolist Denzel Mobility Carsharing verrechnet dafür derzeit regulär 60 Euro (ermäßigt ab 29 Euro). Hinzu kommt ein Nutzungstarif, der je nach Tageszeit, Streckenlänge und Fahrzeugklasse variiert (40 Cent bis 4 Euro pro Stunde plus 25 bis 86 Cent pro Kilometer).

Zudem genießt Carsharing den Ruf eines ökologisch nachhaltigen Konzepts: Die Nutzer würden weniger sinnlose Kilometer herunterspulen – etwa für Kürzeststrecken –, weil das eigene Auto nicht mehr verlockend vor der Haustüre wartet. Dadurch würden laut Berechnungen von Denzel derzeit "nachweislich 55.000 Liter Treibstoff und 1.500 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart." Um dieses umweltbewusste Image zu fördern, setzten Anbieter weltweit verstärkt auf Elektroautos. In Österreich sind derzeit drei Exemplare am Wiener Westbahnhof entlehnbar, ab Herbst sollen es zehn sein.

Acht Privat-Pkws ersetzt ein Carsharing-Wagen laut einer Studie aus Deutschland, der Unternehmensberater Frost & Sullivan berechnet sogar ein Verhältnis von eins zu fünfzehn. Die wegfallenden Fahrzeuge könnten somit auch den chronischen Parkplatzmangel in den Innenstädten entschärfen.

… und Nachteilen des geteilten Autos

All die Vorzüge bleiben für manche Carsharer in der praktischen Umsetzung aber auf der Strecke. Es gibt Beschwerden über verdreckte Innenräume, Rauchgeruch und faustgroße Dellen in der Karosserie, weil viele Nutzer den fremden Besitz nicht so wertschätzen würden wie den eigenen. Beim Lokalaugenschein auf Österreichs größtem Stellplatz am Westbahnhof ist davon nicht viel zu bemerken. Einige Wagen haben kleinere Kratzer, die auch bei Privatautos nicht besonders auffallen würden. "Damit habe ich bis jetzt noch keine Probleme gehabt", sagt ein Teilnehmer, während er einen roten Mittelklassewagen per Chip aufschließt.

Verbesserungsvorschläge gibt es dennoch: Die Flexibilität könnte erhöht werden, wenn Autos auch an anderer Stelle als dem Abholort abgegeben werden könnten. Zwar gibt es solche Oneway-Konzepte vereinzelt in anderen Ländern, Denzel denkt eine solche Funktion laut Geschäftsführer Christof Fuchs aber nicht an. Die Rücküberstellung zum Abholort würde den logistischen Aufwand und in der Folge die Kosten sprengen.

Anders als das Privatauto kann ein Carsharing-Wagen auch nicht individuell ausgestattet werden. Kindersitze oder Schneeketten müssen bei Bedarf für jede Fahrt mitgebracht werden. Zudem bemängeln Nutzer, dass das benötigte Vehikel oft nicht parat stehe, wenn es kurzfristig darauf ankomme. Dem hält der deutsche Bundesverband Carsharing (BCS) entgegen: "Die Verfügbarkeit des gewünschten Autos zur gewünschten Zeit liegt bei über 90 Prozent." (Michael Matzenberger, derStandard.at, 7.9.2011)

Bericht
Wiens Carsharing-Offensive hat einen Profiteur

Information
Das System Carsharing ist kein neues. Das erste professionelle Projekt startete mit SEFAGE ("Selbstfahrergenossenschaft") 1948 in der Schweiz. Heute ist Zipcar aus den USA mit einer halben Million Mitglieder und 8.200 Autos der weltweit größte Einzelanbieter. In Deutschland zählen die im Bundesverband Carsharing (BCS) zusammengeschlossenen Unternehmen rund 158.000 Kunden, die sich 4.600 Autos teilen. Das jährliche Wachstum liegt laut eigenen Zahlen bei rund 20 Prozent. In Österreich zählt Denzel derzeit 280 Fahrzeuge für 15.000 Mitglieder. 8.000 davon nutzen 120 Autos in Wien, die Prognosen aus der Unternehmenszentrale gehen von potentiellen 100.000 Mitgliedern in der Bundeshauptstadt aus. Bis 2016 sollen nach einer Studie von Frost & Sullivan weltweit zehn Millionen Menschen in 150.000 Carsharing-Autos unterwegs sein.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
Dr. rer. prol. Futbauer
04
13.9.2011, 13:31
Ich

furze im Auto.
Ich rauche im Auto.
Ich höre im Auto gerne schlechte Musik und lege Wert darauf, daß die CD mit dem gewünschten Titel gleich beim Starten losgeht.
Ich esse im Auto.
Hin und wieder lasse ich mir während der Fahrt auch einen runterhobeln.
Ich biete mein Auto Interessierten hiermit als "Car-Sharing-Objekt" an.

Harry Y.
 
00
24.9.2011, 04:04

Solange Sie lüften und Ihren Samen nach Erguß auch wegwischen, is' ma des wurscht.

bula sagt
10
habe mich vor kurzem

für car sharing interessiert.
abgesehen von einigen bürokratischen unstimmigkeiten, stören mich der relativ hohe zeitaufwand, die risikoabsicherung gegen unseriöse vornutzer und durch die monopolstellung von denzel bedingte hohe kosten.
daher mehr wettbewerb und noch mehr anreize für jahreskartenbesitzer der wiener linien.

the comedian
 
03
die 18-35 jährigen können sich kein auto mehr leisten!

das steckt in wahrheit dahinter

chelene chirsch
00

die deutsche mittelschicht wird ja auch durch knappe 900 eur/monat charakterisiert - so gesehen kann sich rein rechnerisch eigentlich nur die oberschicht ein auto leisten.

El Bulli
41
Carsharing: Das Genossenschaftsauto

das trifft's exakt. und genau so viel sex wie ein einkauf im konsum hat auch die verwendung eines carsharing-autos.

Raubmordkopierer
00

Dafür sind sie als Mensch mit halbwegs normalen Einkommen mit ihren Auto verheiratet. Mit der Zeit wirds einfach fad und scheiden lassen (aka einen neuen kaufen) kann kostspielig sein.

Carsharing ist dagegen wie die Mitgliedschaft im Swingerclub, jedesmal ein Aufbruch ins Unbekannte.

El Bulli
01

bloß dass das leider, um bei ihrem beispiel zu bleiben, ein swingerclub mit leuter übergewichtigen, alten, strohdummen, schlecht geschminkten und verlebten bulgarinnen ist.

El Bulli
01

bloß dass das leider, um bei ihrem beispiel zu bleiben, ein swingerclub mit leuter übergewichtigen, alten, strohdummen, schlecht geschminkten und verlebten bulgarinnen ist.

Kräuterpfarrer Escobar
02
"Schon unter 12.000 Kilometer würde günstiger aussteigen, wer seinen Wagen verkauft und eine Carsharing-Mitgliedschaft beantragt. So rechnet es zumindest der Verkehrsclub VCÖ vor."

Lieber VCÖ, bitte zeigt mir doch den Link dieser Rechnung. Welches Auto habt ihr denn da für die Rechnung verwendet? Einen Audi A8?

afrayspeed
00

vermutlich. kann mich auch noch gut an eine carsharing-infoveranstaltung im grünen haus mit c. chorherr mitte der 90er erinnern wo dieser meinte: "also gegenüber der anschaffung eines durchschnittlichen neuwagens, zum beispiel fünfer-bmw, hat man beim carsharing schon leichte preisvorteile!" ^^

darfichauchwassagen
41
Nein, danke!

ist nicht für mich, möchte mich einfach in mein Auto das vor der Haustür steht reinsetzen und losstarten. Wen kümmert's da die Umwelt oder ähnlicher Sch...

mike sierra
21
Den Vorteil von Carsharing sehe ich nicht

Wenn es darum geht, ...
... dass das Auto fast nicht parkt -> Taxi
... dass man nur gezielt ein Auto verwendet -> Mietwagen (ist auch günstiger)
... dass man in der Stadt als Einzelperson schnell weiter kommt -> Fahrrad oder Moped

Wenn man jederzeit ein Gefährt kombiniert mit Tranportkapazität will, das nur max. 200 m entfernt steht, bleibt nur der Privat-PKW
(eventuell Moped+Mietwagen)

Dilbert
00

sie haben keine Ahnung

mike sierra
01

"40 Cent bis 4 Euro pro Stunde plus 25 bis 86 Cent pro Kilometer"

Was ist das?
Ein seriöses Preiskonzept oder Gaming Zone?

Erdül the turk
00

hier liegen doch seit eh und je die inner-Gürtel-Poster gemeinsam mit den Nah-an-ubahn-Wohnern (Singles oder Paare) gegen die Randbezirk und WU-Kennzeichen Leute im Clinch.

Für die ersten ist das Auto meistens böse, für die anderen gut.

bernie_nh
 
01

Mag sein, dass Carsharing in einer Millionenstadt wie Wien zum Teil Sinn macht, aber ich denke, dass in jeder anderen (=kleineren) Stadt in Österreich - und in ländlichen Gegenden sowieso - dieses Konzept nicht sehr zielführend ist. Ich kann selbst nur für Innsbruck sprechen, wer nur in der Stadt unterwegs ist, braucht hier ohnehin kein Auto (endlose Staus aufgrund von Baustellen, und zu Fuß ist man oft schneller als mit Auto oder Bus). Wenn man z.B. Möbel vom Ikea oder Kika nach Hause bringen muss, kann man dort zum etwa gleichen Preis einen Lieferwagen mieten, und wenn man weiter oder länger weg fährt (Wochenende, Urlaub) ist man mit einem Mietwagen besser - weil flexibler und günstiger - dran.

gebt den stevia frei
10

Kaufen Sie ihre Möbels nur bei Ikea oder Kika werden sich die KMUs aber gar nicht freuen.

Warum wollen Sie nicht die kleinen Geschäfte unterstützen?

bernie_nh
 
00

tut zwar eigentlich nichts zum thema, aber trotzdem: welches kleine geschäft hat denn bitte möbel (die auch leistbar sind)? und abgesehen davon, so oft kaufe ich eh keine möbel (alle paar jahre beim wohnungswechsel vielleicht), da kann ich im notfall auch ein buchbinder-auto mieten.

mike meyers
00

Ich brauch in Wien auch kein Auto, aber wenn ich 10km ausserhalb von zB. Innsbruck einen Termin habe, fahre ich erst mit dem Zug und steige am Bahnhof ins CarSharing-Auto um.

level2k7
 
01

Elektroauto, Carsharing, etc. - die Mobilitätskonzepte der Zukunft konzentrieren sich auf die Kurzstrecke im städtischen Bereich oder Fahrten zwischen Zentrum und städtische Peripherie - dort wo das Angebot am öffentlichen Verkehr sowieso ausreichend ist oder Alternativen, wie Fahrrad, Roller, etc. möglich sind. Für Fahrten mit Kindern oder Ausflüge/Familienbesuche am Wochenende oder Urlaubsfahrten sind diese Konzepte aber untauglich: Meist nur Kleinwagen (zu guten Preisen) im Angebot, Teure Mietwagen & Carsharing bei mittleren Strecken (Tagespauschale oder viele kurzfristige Kilometer), erheblicher Mehraufwand die Fahrzeuge abzuholen & zurückzugeben, etc...

Abdul Alhazred
10

Vor allem Elektroautos sind in der Stadt eine gute Idee, da Autos da eh oft im Stau oder vor einer roten Ampel stehen. Elektroautos brauchen keinen Leerlauf, sie sind einfach ausgeschalten, wenn das Auto steht.

Bei langen Strecken im Land wird meistens durchgefahren, vielleicht noch mit Tempomat. Benzin wird da nicht fürs Stehen verschwendet.

brand
00

Nutze Car-Sharing in Wien hin und wieder. Und finde das Konzept grundsätzlich super.

Der größte Nachteil allerdings ist, dass es beim derzeitigen Preis nur wenige Fälle gibt, wo Car-Sharing sinnvoll ist.
- Für relativ kurze Wege (Regal vom Möbelhaus holen, Konzertbesuch etwas ausserhalb von Wien) ist das Taxi billiger und komfortabler.
- Für einen Wochenend-Ausflug ist ein Mietauto wesentlich günstiger und besser

Preisgünstig ist es also nur, wenn man nicht zu weit oder zu lange unterwegs ist und man kaum Stehzeiten mit dem Auto hat.

Dass das Car-Sharing Auto stark verbeult oder nicht verfügbar ist, ist mir bis dato aber nur sehr selten passiert.

Erdül the turk
00

Es hängt halt davon ab wer es wie verwendet: Eine Mutter mit Klein(st)kind im Außenbezirk geht keine 15 Minuten Fussweg zum Carsharing, damit sie zum Kinderarzt fahren kann.

Und nein, die Öffis in Wien sind keine Lösung, wenn Fahrzeit mit Öffi ist 45 Minuten, und mit Auto 15 Minuten.

Als Student habe ich es aber gerne verwendet. Man hat sich halt jede Autofahrt 2x überlegt.

viet
12
Verlogene 15 min sind oft länger als

ehrliche 45 min.

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