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Expeditionsteilnehmer der Payer-Weyprecht-Expedition sitzen im Packeis fest. Noch immer ranken sich Heldenmythen um die kläglich gescheiterte Forschungsreise.

Offiziere und Forscher der Novara-Weltumseglung. Der hehre Dienst an der Wissenschaft kaschierte koloniale Ambitionen, so der Autor Stefan Müller.

Sie streiften durch Afrika, fuhren Richtung Nordpol, setzten über den Atlantik und tilgten weiße Flecken von der Landkarte. Wohlan, für Wissenschaft und Vaterland! Von diesem verklärenden Impetus sind die meisten populären Bücher über jene Forscher und Entdecker des 18. und 19. Jahrhunderts durchsetzt, die sich im Dienste der Donaumonarchie zu fremden Gestaden aufmachten.
Eine patriotisch gefärbte Geschichtsschreibung, die der Journalist und Historiker Stefan Müller in seinem soeben erschienen Band mit dem Titel In die weite Welt hinaus einer Überprüfung unterzieht. Nach Jahrzehnten der Verherrlichung sei es an der Zeit, so der Autor, den eindimensionalen Blick auf die Leistungen der Forscher ihrer Majestät zu erweitern. Die Heldensaga von Aufbruch, Abenteuer und glorreicher Rückkehr habe ausgedient, so Müller. Stattdessen rückt er auf 160 Seiten die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Hintergründe der Entdeckungs- und Forschungsreisen in den Mittelpunkt.
Botanik und Bereicherung
Im Gegensatz zu den Spaniern, Portugiesen oder Engländern zählte die Habsburger-Monarchie nicht zu den großen Forscher- und Entdeckernationen. Für jene, die auszogen, waren die Grenzen zwischen Forschung und Bereicherung - ganz wie bei den großen Vorbildern - jedoch fließend. So brach der Botaniker und Chemiker Nikolaus Joseph von Jacquin, einer der ersten Forscher der Habsburger, im Jahr 1754 nicht allein mit einem wissenschaftlichen Auftrag Richtung Westindien auf. Das Ziel der Mission war vor allem, blühende Exotika und rare Pflanzensorten für den Kaiser zu erbeuten. Ein Prestige-Erfolg, nicht mehr.
Im Wettlauf um die Entdeckung (und Ausbeutung) ferner Regionen war man in jener Zeit schon längst ins Hintertreffen geraten. Das Haus Habsburg kam bestenfalls über den Umweg der spanischen Linie an neue, sagenhafte Forschungsobjekte heran, die so aus Amerika nach Europa drangen. Alle Versuche, Österreich als Seemacht zu etablieren oder zumindest ein paar Kolonien zu gründen, scheiterten an innenpolitischer Zaghaftigkeit und außenpolitischen Zwängen. Immerhin füllten große Sammelreisen - im Gefolge Leopoldines nach Brasilien oder Maximilians nach Mexiko - die Naturalienkabinette in Wien.
Mythos Novara
Die Weltumseglung der "Novara" in den Jahren 1857 bis 1859 gilt indes bis heute als Vorlage für die Mär von der friedlichen kaiserlich-königlichen Forschungsreise. Unverdrossen wird die Fahrt als Großtat der Wissenschaft gefeiert. Tatsächlich aber waren die Forscher an Bord nur ein Vorwand, um die kolonialen und wirtschaftlichen Ambitionen der Reise zu kaschieren, die schließlich sang- und klanglos verpufften. Auch die Nordpolarfahrt zwischen 1872 und 1874 scheiterte: die Entdeckung von Franz-Joseph-Land war bloßer Zufall. Erst als er vor den Trümmern seiner Ideen stand, gab Expeditionsleiter Carl Weyprecht den Anstoß für die moderne Polarforschung auf Basis internationaler Kooperationen.
Im "Wettlauf um Afrika" spielte die Donaumonarchie bekanntlich eine untergeordnete Rolle. Gleichwohl, so weist der Autor nach, stellten sich immer wieder österreichische Wissenschafter und Gelehrte in den Dienst expansionswütiger Kolonialmächte. So auch der Afrika-Forscher Oscar Baumann. Der Teilnehmer der österreichisch-ungarischen Kongoexpedition (1885-1887) half tatkräftig dabei mit, für das Deutsche Reich den Osten des Kontinents zu kolonialisieren. Immerhin waren die Fahrten der "Pola" ins östliche Mittelmeer in den Jahren 1890 bis 1898 rein wissenschaftlich motiviert und brachten wertvolle Ergebnisse.
Kämpfen statt forschen
Abseits dieser Prestige-Erfolge spielten wissenschaftliche Forschung, Entdeckergeist bloß eine nachrangige Rolle - so lautet das nüchterne Fazit des Autors. Die K.u.K-Kriegsmarine war zum Kämpfen, nicht zum Forschen da, auch wenn sich oft Wissenschaftler an Bord befanden. Nicht jeder Entdecker sei ein Kraftlackel der Wissenschaft gewesen, schreibt Müller. Und Österreich kein Land, das bloß den braven Dienst am Fortschritt im Sinn hatte. (ssc, derStandard.at, 4.9.2011)
Stefan Müller:
In die weite Welt hinaus: Die tollkühnen Expeditionen der Österreicher.
Metro Verlag Wien. 160 Seiten.
Preis: EUR 19,90
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Typisch für Österreicher. 1778 werden die Inseln zur österreichischen Kronkolonie. 70 jahre lang die Welt im Ungewissen lassen ob jetzt territoriale Ansprüche gestellt werden. Dann die Novara hinsegeln lassen. Ein paar Ösis gehen spazieren um schnell wieder zu verschwinden. Bis 2006 anlässlich der Tsunamikatastrophe sich ein Journalist an dieses stolze Kolonialmachtkapitel erinnert.
Konkret war es so, dass dort 1778 sechs Kolonisten zurückgelassen wurden, mit Pferden, Büffel, allerhand Gerät.. Das Schiff fuhr wieder, und Josef II. hat das Kolonialgeschäft für "verworren" erklärt und die Pläne fallen gelassen. Die Leute der "Kronkolonie" sind sprichwörtlich vergammelt.. 1784 sind die Dänen dahergekommen und haben noch zwei Österreicher lebend geborgen. Die rot-weiß-rote Flagge haben sie schnell eingeholt. Wenig überraschend.... ;-) Wirklich glorreich!!!
ist das schon aufgearbeitet, in der Öffentlichkeit weniger. Wer immer nur chronistisch-annalistisch erzählt, klammert politische Fragen aus.
Nach 1945 zum Beispiel ist Österreich in Afrika dahergekommen und hat gemeint, wir sind neutral, hatten mit der ganzen Unterdrückung gar nix zu tun, mit uns könnt ihr Handel treiben. Stimmt eben nicht ganz. Spannend in jedem Fall...
Ja so ist das nunmal. Nehmen wir zum Beispiel dir Raketentechnik im III. Reich später USA und UDSSR. Zwar wollten die Pioniere große ziviele, friedliche Zwecke verfolgen, aber damit war keine Regierung zu gewinnen. Wenn aber ein militärischer oder machtpolitischer Zweck dahintersteckt sind die Kosten zweitrangig.
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