Leck bei Wikileaks

Gastkommentar
3. September 2011, 10:22

Transparenz beruht auf Vertrauen. Dieses Vertrauen haben die handelnden Personen hinter Wikileaks verbraucht. Es gehört also doch hinterfragt, in wessen Hände man seine Informationen legt - Von Eberhard Lauth

Mag sein, dass Wikileaks tot ist. Gut möglich, dass letztendlich Julian Assanges Egomanie und Größenwahn dafür verantwortlich sind, wie mancherorts gemutmaßt wird. Und gut möglich, dass die Vorgänge um die Whistleblowing-Plattform und deren Hintermänner (gab's da eigentlich Frauen?) bei historischer Betrachtung irgendwann gerade einmal für eine Fußnote taugen werden: "Wikileaks, im Jahr 2010 oft verwendetes Synonym für Transparenz und Aufklärung, im Jahr 2011 Schauplatz der Nachwehen einer zerbrochenen Männerfreundschaft, danach offline".

Die Strahlkraft ist futsch

Fest steht, dass das Projekt Wikileaks tatsächlich viel von seiner ursprünglichen Strahlkraft eingebüßt hat. Der letzte Akt dieser Entmystifizierung waren die unredigierten Diplomatendepeschen, die nun Informanten auf aller Welt in Gefahr bringen. Ob nun der "Guardian"-Journalist David Leigh die Schuld daran trägt, weil er das Passwort zur Datei mit diesen Depeschen in einem Buch veröffentlicht hatte - so die Wikileaks-Darstellung - oder die Organisation selbst, ist eigentlich nebensächlich. Vielmehr muss man sich fragen, ob nicht von Anfang an zu viel Hoffnung in dieses Projekt projiziert wurde.

Wikileaks war die einfachste Lösung, um sich zu Transparenz zu bekennen. Es gab eine Star-Figur dazu. Weil viele der geleakten Dokumente die globalen Aktivitäten der USA in wenig vorteilhaftem Licht zeigten, passte es einem leicht ins Weltbild. Und die Geschichte von der Kulturrevolution des Hackings als Metaebene dazu war auch schön.

Oder klang die Vorstellung etwa nicht toll, dass mit Wikileaks endlich die absolute Kontrolle der Mächtigen über ihr Herrschaftswissen gebrochen werde? Mehr Demokratie, powered by Internet? Davon darf's gerne ein wenig mehr sein.

Zugegeben, dieser Text ist auch eine Selbstkritik, denn auch ich habe mich von der Person Julian Assange und all dem Brimborium drumherum beeindrucken lassen. Doch die gute Nachricht lautet: Es ist letztendlich egal, ob er ein hoffnungsloser Egomane ist, der über Leichen geht, denn für die Kulturtechnik Transparenz ist es ohnehin besser, wenn keine Selbstdarsteller involviert sind.

Transparenz beruht auf Vertrauen

Transparenz beruht auf Vertrauen und Verantwortung, wie Jörg Wittkewitz auf „Telepolis" schreibt: "Es geht um das Recht der informationellen Selbstbestimmung. Wenn ein Mensch Informationen übermittelt, muss er die Chance haben, die Art und Weise und den Umfang der anschließenden Verarbeitung dieser Daten zu kontrollieren. Im geringsten Fall sollte jeder erfahren können, wer was von ihm oder ihr weiß, um einen Antrag auf Löschung zu initialisieren."

Diese Verantwortung hat Wikileaks nicht übernommen und damit das Vertrauen zerstört, das der Plattform sehr lange entgegengebracht worden ist. Es lässt sich eben doch nicht über die besseren Algorithmen und Verschlüsselungstechniken allein herstellen, sondern auch über den Menschen. Und der handelt - vor allem, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht - eben auch dumm und egoistisch.

Das zeigt, dass immer hinterfragt gehört, in wessen Hände man Informationen legt. Es gibt keine Guten und keine Bösen. Es gibt höchstens mündige Bürger. Solange manche von ihnen weiterhin auf ihr Recht pochen, zu erfahren, was Regierungen mit ihrem Geld, ihren Daten und auch sonst so treiben, hat Wikileaks einen guten Dienst erwiesen. Irgendwer musste das Thema ja in den Mainstream tragen. (Eberhard Lauth, derStandard.at, 3./4.9.2011)

Autor

Eberhard Lauth, The European, arbeitete viele Jahre als freier Autor und in den Chefredaktionen der österreichischen Magazine WIENER und Seitenblicke Magazin. 2009 gründete er das Meinungsmagazin ZiB21. Eberhard Lauth ist Jahrgang 1974 und lebt und arbeitet in Wien.

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So wurde Wikileaks dargestellt - das stimmt. Ob dem wirklich so war oder ist, wissen wir alle nicht. Fakt ist: dass sie sich mit den GROSSEN angelegt haben und zwar mit den WIRKLICH GROSSEN. Soll jeder selbst seine Rückschlüsse ziehen...

Meine Güte, jetzt auch noch eine Verschwörungstheorie aus dem Hut zaubern, um WL/JA noch schönzureden, ist schon seltsam. WL ist/war im Prinzip eine Supersache. Aber es war auch leider bald klar, dass Assange durchdreht und denkt, er sei der neue Weltretter. Wo anfangs noch echt arge Sachen enthüllt wurden, völlig berechtigt, sind später dann halt IRGENDWELCHE Dokumente rausgedroschen worden - Hauptsache geheim, Hauptsache WL ist in den Medien und JA ist der Star. Diese Tagebucheinträge gelangweilter US-Diplomaten waren so brisant wie die Kochrezepte meiner Oma, nur dass damit - wenn überhaupt irgendwas - Schaden angerichtet werden konnte. Und die Fanboys haben gejubelt. Wer wird jetzt noch was an WL liefern?

andererseits muss wikileaks noch jahrzehnte unser vertrauen missbrauchen, damit es auf dem vertrauensniveau der profitjournalisten angekommen ist...

Vor allem: ohne Wikilieaks würde man gar nix erfahren!

Die Journalisten müssen von Informationen leben, insofern ist der Konkurrenzneid verständlich. Nicht verständlich ist, dass alle derart die Ungkenntlichmachung der Informanten fordern. Könnte es sein, dass sie selber diese Informationen sehr wohl haben wollen? Exklusiv, natürlich?

Anscheinend ist nicht leicht zu verkraften, dass nun auch der Konsument und Normalbürger ALLE Informationen kriegen kann, und nicht nur die von "verantwortungsvollen Leuten" redigierten und vorzensurierten

was hast du denn bisher von wikileaks erfahren, was du vorher nicht wusstest?

Wikileaks wurde bisher von Zensoren verwaltet welche die Dokumente durch Schwärzungen redigiert haben.,.

Außerdem wurde von den Zensoren nur selektiv nach deren Kriterien für politische Nützlichkeit veröffentlicht und nicht umfassend alles. Das war eigentlich ein Missbrauch der Idee und eine Abweichung von der vollen Wahrheit.

Die Verantwortung für die eigene Anonymität liegt bei den Informanten und nicht bei Wikileaks.

Wenn jetzt alle Dokumente ohne Schwärzungen und mit Namensnennung der jeweiligen Verfasser zugänglich sind, so ist das doch eindeutig die bessere Wahrheit und Transparenz.

billige

taktik, wikileaks unglaubwürdig scheinen zu lassen.

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