Ende einer Gynäkologin

29. Mai 2003, 18:41
posten

28./29.5.2003 - Ein Anruf bei ProSieben ergab: Die Sendung der Fernsehgynäkologin Dr. Verena Breitenbach, werktags um 16 Uhr, wurde abgesetzt - wegen schlechter Quoten

Es war, muss man sagen, absehbar. Nicht weil etwa die Zuschauer irgendwann genug haben könnten von immer gleichen Themen, die höchstens von der Busenvergrößerung bis zum schmerzhaften Geschlechtsverkehr reichen mögen. Vielmehr, weil Dr. Breitenbach begann, sich genau von diesen Themen zu lösen und mehr zur Streitschlichterin für alle Lebenslagen wurde.

Dabei hätte die Ärztin zweifellos das Zeug dazu gehabt. Vor kurzem erschien ihr Buch "Woman - Body & Soul". Beim Blättern im Nachschlagewerk - wir bleiben beim Kapitel "Was Sie schon immer wissen wollten" hängen - wird schnell klar, dass Alice Schwarzer noch jede Menge Arbeit vor sich hat. "Mein Freund steht wahnsinnig auf Strapse, ich finde die Dinger einfach unpraktisch." Breitenbach: "Wie wär's als Alternative dazu mit halterlosen Strümpfen?" Oder: "Ich habe beim Sex manchmal Vergewaltigungsfantasien. Bin ich pervers?" Breitenbach: "Nein, solche Fantasien haben viele Frauen." Und dann noch: "Im Urlaub habe ich eine wahnsinnig sympathische Frau kennen gelernt. (...) ich halte mich eigentlich für heterosexuell. Was soll ich tun?" - "Auch in der Liebe gibt es nicht nur schwarz oder nur weiß."

Hätte sich die Gynäkologin an dieses Konzept gehalten, wäre wohl nichts schief gegangen. In diesem Fall hieß es leider: Kein Sex, keine Quote. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 28./29.5.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.