Erneut Massenproteste gegen Regierung

4. September 2011, 00:27

Mehr als 450.000 Menschen bei Demonstrationen - Protest gegen hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit

Tel Aviv - Bei den größten Sozialprotesten in der Geschichte Israels haben am Samstag etwa 450.000 Menschen landesweit eine gerechtere Gesellschaftsordnung gefordert. Das waren zwar weniger, als die eine Million Teilnehmer, auf die die Organisatoren gehofft hatten. Aber für das kleine Land mit nur 7,7 Millionen Einwohnern war es dennoch ein beispielloser Erfolg, an dem viele der Teilnehmer gezweifelt hatten.

In Tel Aviv, Jerusalem und zahlreichen anderen Städte des Landes gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße, um ihren Forderungen nach niedrigeren Steuern, besseren Bildungschancen und anderen Änderungen Nachdruck zu verleihen. Es war der bisherige Höhepunkt einer Bewegung, die im Juli mit einem Zeltlager von Studenten begann und inzwischen auch die Mittelschicht erreicht hat.

"Wir sind die neuen Israelis"

"Herr Ministerpräsident, sehen sie uns gut an: Wir sind die neuen Israelis", sagte der Vorsitzende des nationalen Studentenbundes, Itzik Shmueli vor den etwa 300.000 Teilnehmern der größten Einzelkundgebung in Tel Aviv. "Lassen Sie uns in diesem Land leben", forderte der Studentenführer.

Sprecher der Protestbewegung bezeichneten es als Riesenerfolg, dass so viele Menschen dem siebenten Aufruf in Folge zu den Samstagsprotesten gefolgt seien. "Die genauen Zahlen sind ganz egal, die sind sowieso nur für die Medien", sagte ein Demonstrant in Tel Aviv der Nachrichtenagentur dpa. Große Demonstrationen wurden auch aus Jerusalem, Haifa und Afula gemeldet.

Die Atmosphäre bei den Kundgebungen war wie schon an den früheren Wochenenden äußerst friedlich und hatte Volksfestcharakter. In Tel Aviv mischten sich Musikgruppen, Pantomimen und Schauspielergruppen unter die Demonstranten, die mit Tröten, Kochtopfschlagen und Gesängen ihren Forderungen Nachdruck verliehen.

Die Protestbewegung hatte Mitte Juli spontan mit einem Zeltlager aus Ärger über hohe Mieten in Tel Aviv begonnen. Die Bewegung schwoll jedoch von Wochenende zu Wochenende an und breitete sich auch im ganzen Land aus. Inzwischen sind die Forderungen viel umfassender und zum Teil auch unübersichtlicher geworden. Es geht nicht mehr nur um das Wohnungsproblem, sondern auch um die Lebensmittelpreise, die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem und vor allem auch die Steuerlast. Generell wird eine stärker lenkende Rolle des Staates verlangt.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der eine liberale Wirtschaftspolitik betreibt, hatte Anfang August unter dem Eindruck der Massenproteste ein Expertenteam unter Leitung des ehemaligen Vorsitzenden des Nationalen Wirtschaftsrats, Professor Manuel Trajtenberg, eingesetzt. Er kündigte Vorschläge zur Lösung der Krise für Ende September an. Bis dahin wurden vorerst keine weiteren Großdemonstrationen mehr erwartet.

Allerdings hat die Regierung auch erklärt, dass nicht alle Forderungen der Demonstranten erfüllt werden könnten. "Es müssen Prioritäten gesetzt werden", sagte ein Regierungssprecher im Rundfunk. Die Regierung werde den Rahmen des Haushalts nicht sprengen. (APA)

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das haar in der suppe
 
00
Der "Israelische Sommer" - Wutbürger einmal anders

ein netter beitrag hierzu:

http://www.edelman.at/2011/08/d... inmal.html

Kuehlschrank .
 
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Das übliche zionistische Gejeiere

Nach zwei Absätzen in denen "schneckerl" sich darüber beschwert, dass irgendeine Strohpuppe glaubt, sämtliche Israelis würden wie orthodoxe Juden ausschauen, habe ich den Text nur mehr überflogen. Was ich noch mitbekommen habe war, dass der arabische Frühling gescheitert ist und wie toll nicht stattdessen DIESE Proteste sind.

Aaron Speiber hat sich dazu noch nicht geäußert?

pago1
514
die sollen weniger bomben schmeißen

dann haben sie mehr geld

Timagoras
 
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"die sollen weniger bomben schmeißen dann haben sie mehr geld"

.
ich glaub', Sie haben da was verwechselt.
hier geht's nämlich gar nicht um die Palästinenser.

Mr. Karnickel
01
Weil hier im Forum immer wieder die Frage aufkommt, wieso es sowas in Österreich nicht gibt

Die Antwort ist ganz einfach. Man muss sich nur die Bevölkerungspyramiden der beiden Länder ansehen: Die Pyramide Israels kann man nämlich noch als eine Pyramide bezeichnen (http://tinyurl.com/3pxvtcf). Die israelische Gesellschaft verjüngt sich kontinuierlich, was bedeutet, dass die Jugend eine nicht unterschätzende Macht darstellt, die sich auch auf die politische Landschaft auswirken wird.
Wenn ich mir die Bevölkerungspyramide v. Ö ansehe wird mir hingegen Angst und Bang (http://tinyurl.com/3d5mlxj) - schließlich ist davon auszugehen, dass sich unsere populistische Politik nach jenem, in der Grafik ersichtlichen "Bauch", der 45-60jährigen richten wird, deren Pension in den nächsten Jahrzehnten von den wenigen Jungen bezahlt werden muss.

meresi
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schon mal nachgedacht ob vielleicht an der gehirnqualität

liegen kann ?? vielleicht sind wir österreicher einfach zu blöd dazu..hmm

Kubi80
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zu blöd nicht

wir lassen uns nur von den medien das hirn waschen.
karriere ist bei uns gefragt, buckeln und rackern, sowohl mann als auch frau. dafür gibt es 1 x im jahr einen schönen urlaub, eine grosse wohnung und ein tolles auto. kinder sind eher schon ein modeaccessoir, das man möglichst schnell ablegen soll (krippe) um weiter im hamsterrad zu strampeln.

die israelis (sowie viele teile der nahostregion) haben noch werte, für die man uns, wenn wir sie offen aussprechen würden, sofort verteufeln würde.

Pele_2008
10
Nein, es liegt nicht an der Gehirnqualität.

Es liegt ganz einfach daran, dass sich ein israeli für sein schwer erarbeitetes Geld viel weniger leisten kann, als ein Österreicher. Wenn sie bei uns einmal ihr gesamtes Monatsgehalt nur mehr für die Miete auf den Tisch legen müssen, wird es bei uns auch so aussehen.

Mr. Karnickel
00
Hier der Link zur israelischen Grafik:

http://4.bp.blogspot.com/-sk9ANMfH... l+2010.png

Der elegante Herr von nebenan
 
167

Von Israel lernen heißt Demokratie lernen. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in Israel die erste ernstzunehmende, seriöse Demonstration gegen neoliberale Wirtschaftspolitik stattfindet. In den nichtjüdischen Ländern schafften es die jeweiligen Regime durch geschickte und verklausulierte Propaganda die Wirtschaftskrise als "von den amerikanischen Banken" verusacht darzustellen. Diese bewußt an antisemitische Stereotypen anknüpfende Darstellung (7 Plagen in der Bibel, Pestseuchen etc..) wurde gewählt um von der eigenen Schuld abzulenken. Von linken wie rechten Regierungen (Schröder: "Heuschreckenkapitalismus"). Eine solche Hetze kann in Israel naturgemäß nicht greifen, weshalb die Regierung selbst verantwortlich gemacht wird.

das liebe urmili
23
rEVOLution!

Ron Paul 2012! :-)

InvisibleFreak23
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END THE FED!

Drago+
10

Für was steht Ron Paul überhaupt? Hier rechts, dort links, da konservativ, dann wieder liberal...

Drago+
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Is there also an argument about Ron Paul or are there only red ratings?

das liebe urmili
00

Ron Paul steht für Freiheit, Frieden und Einschränkung der Macht des Staates. Am ehesten wohl zum umschreiben mit Libertarismus im Geiste von Bastiat, Ludwig von Mises, Hayek und Rothbard.

Einen guten Überblick über das philosophische Grundgerüst bietet www.mises.org.

Ludwig von Mises und sein Nachlass sind aus heutiger Sicht, das worüber Österreich am meisten stolz sein sollte. Stattdessen wird er ingnoriert oder die Lehren verlacht, und wir lassen uns von Medien und Politikern einreden, dass ein großer Gegenspieler Keynes die Lösung für unsere Probleme parat hat. Wohin das führt, sehen wir im Moment live.

Ron Paul hat Mises verstanden und die Lösungen parat.

any helpful?

Andreas Prucha
01

"Libertarismus im Geiste von Bastiat, Ludwig von Mises, Hayek und Rothbard. "

Hmm.. also wohl kaum eine Freiheit die der Bevölkerung zu Gute kommt. Freiheit ist nicht die Abwesenheit von Staatlichem Zwang. So ein Nachtwächterstaat lässt zwar theoretisch jedem die nahezu absolute Freiheit, real aber nur einer sehr kleinen Gruppe - und der dann umso mehr.

Drago+
01

Das ist das Märchen, das uns Neo-Liberale verkaufen wollen: Schafft den Staat bzw. den staatlichen Zwang (Steuern, Sozialleistungen, Schulbildung, medizinische Versorgung etc., sollte alles "frei" und - natürlich - nur gegen Entgelt leistbar sein) ab, und wir leben alle im Paradies. In der Realität würde das bedeuten, dass sich jene, die sich's leisten können, ihren eigenen absolutistischen Privat-Staat schaffen könnten wo alles andere als Liberalismus herrschen würde (oder im welchen Unternehmen gibt es Demokratie?), während die Masse in Anarchie (und kausalmäßig auch in Armut) versinken und von den undemokratischen Privat-Staaten umso mehr abhängig sein wäre.

Drago+
01

Du meinst wahrscheinlich die österreichische Schule.. Ich muss den Liberalen immer erklären, dass es die österreichische Schule anscheinend überall gibt, nur nicht in Österreich.

Andreas Prucha
02

Der geht aber wohl eher in die umgekehrte Richtung des von den Demonstranten gewünschten.

Drago+
11

Während in der jahrzehntelangen Islamistenhochburg Hama in Syrien plötzlich alle zu Demokraten wurden und in Libyen sich auch der bis vor kurzem lokale Al-Kaida-Führer überraschend als demokratischer Nationalheld geoutet hat, sind's in Israel nur fast eine halbe Million, die für soziale Ideen demonstrieren.

Als Demokrat, besonders als Linker, sollte man schon einschätzen können, wo mehr Demokratie vorhanden ist.

notsostandard
56
Rebellionieren ist ansteckenend............

sogar in der welt stabielsten demokratie

Dani B.
52
so viele schreibfehler

in so wenigen worten. das steckt mich echt net an.

Josef Speckbacher
915
Man sollte jetzt dringend Wirtschaftssaktionen und Waffenembargos aussprechen!

ALON AMSELLEM aus tel aviv
20
Zudem wird In dieser Woche eine Filiale eines österreichischen Möbelhauses in Israel eröffnet.

Josef Speckbacher
71
ah - anderer Meinung? Was?!

in Syrien warns aber nur 25000 Demonstranten - und alle Sanktionen waren gerechtfertigt! Oder dürfen wir hier wieder mit zweierlei Mass messen? Das müssten wir uns dann aber wieder schön und gut reden - oder?

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