Gesundheit

Dorner will sich nicht mit Elga anfreunden

2. September 2011, 18:28
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    foto: standard/urban

Weder die Elektronische Gesundheitsakte noch die E-Medikation wollen die Ärzte in ihrer derzeitigen Form, ein Pilotprojekt ist beinahe zum Stillstand gekommen - Eine neue Verhandlungsrunde soll Lösungen bringen

Wien - Walter Dorner sagt, er hatte über den Sommer Zeit zum Nachdenken - unter anderem über die Elektronische Gesundheitsakte (Elga). Und das Ergebnis, zu dem der Präsident der Ärztekammer (ÄK) gekommen ist, ist nicht überraschend: Dorner lehnt Elga rundweg ab, da für ihn eine ganze Reihe von rechtlichen Fragen ungeklärt ist: "Es ist nicht genügend recherchiert worden, und juristische Fehler wurden bisher nicht ausgebessert."

So will die ÄK, dass die Teilnahme an Elga freiwillig ist; derzeit ist eine Opt-out-Lösung vorgesehen, ein Patient muss also nachträglich kundtun, welche Daten er nicht elektronisch dokumentiert haben will. Schon im Frühjahr kam - wie berichtet - der Verfassungsjurist Heinz Mayer in einem von der ÄK beauftragten Gutachten zu dem Schluss, die Opt-out-Lösung habe eine "erhebliche Einschränkung des Grundrechtschutzes" zur Folge.

Auch die "Blanko-Verordnungsermächtigung" geht Dorner gegen den Strich, sprich: Der Gesundheitsminister soll bestimmen können, wer auf Elga zugreifen kann. Für die Ärzte widerspricht das dem Grundsatz des Datenschutzes. Bleibt noch die Kostenfrage: Die 30 Millionen Euro Einführungskosten hält Dorner für deutlich zu niedrig gegriffen; laut ÄK-Rechnung betragen die Investitionskosten mehr als 100 Millionen Euro, und auf jede Ordination kämen aufgrund des administrativen Aufwands zwei Arbeitswochen mehr pro Jahr zu.

Zum bereits laufenden Pilotprojekt E-Medikation soll es übernächste Woche ein Gespräch zwischen Ärzten, Hauptverband und Gesundheitsminister Alois Stöger (SP) geben. Die Kammer hatte den teilnehmenden Ärzten empfohlen, die elektronische Dokumentation der Medikamentenverschreibung zu stoppen, nachdem rechtliche Ungereimtheiten aufgetaucht waren. Der Hauptverband wurde vom Bundesvergabeamt zu 24.000 Euro Geldbuße verurteilt, weil die Software nicht ordnungsgemäß ausgeschrieben worden war; die Ärzte orten weitere Ungereimtheiten und wollen die EU-Kommission mit dem Thema befassen.

Laut Kammer wird die E-Medikation in Wien derzeit nur in der Hälfte der ursprünglich 25 teilnehmenden Praxen angewandt, teils wegen des empfohlenen Teilnahmestopps, teils wegen mangelnden Patienteninteresses. Von einem Aus für das Pilotprojekt könne man aber keinesfalls sprechen, heißt es seitens des Gesundheitsministeriums, wo man es begrüßt, dass sich die Ärztekammer wieder an den Verhandlungstisch setzen will. (Andrea Heigl, STANDARD-Printausgabe, 3./4.2011)

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politint
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ELGA

Dieser Akt hebt das Ärztegeheimnis auf. Es kann niemand garantieren, daß auch dieses System gehackt wird und die Informationen öffentlich werden. Außerdem fehlt mir absolut das Grundvertrauen, daß Versicherungen und sogar div. Ressorts mit den verknüpften Informationen fair umgehen.

RS69
 
00

"Es kann niemand garantieren"

Nicht nur kann es niemand garantieren - es ist sogar vorgesehen, dass der Minister per einfachem Erlass Zugriff geben darf wem er will (Ohne Einschränkung).

ein arzt
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ELGA

Wenn Sie heute eine Lebens oder Kranken-Versicherung abschliessen wollen, ermächtigen Sie die Versicherung, bei Ihrem Arzt alle Gesundheitsinformationen abfragen zu dürfen. Üblicherweise weiß Ihr Arzt nur, was Sie ihm gesagt haben oder was er selbst behandelt oder veranlasst hat. Mite einer Abfrage bei ELGA weiß Ihre Versicherung dann alles über Ihre Gesundheit oder eben auch Krankheit. Freuen Sie sich drauf!

O5
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Sie wollen uns also einreden dass es gut ist wenn Versicherungen um Informationen beschissen werden?!

ein arzt
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ELGA

Das werden Sie erst dann verstehen, wenn Sie in Ihrer Jugend einmal wegen eines Suchtproblems in Behandlung gewesen sein sollten und dann mit 40 Jahren eine Lebensversicherung für einen Kredit abschliessen wollen. Die Prämie, die Ihnen dann verrechent wird, wünsch ich Ihnen!

Ingrid Goeschl
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Aber wäre es nicht für die Behandlung von Vorteil, auf Knopfdruck sämtliche Daten eines Patienten zur Verfügung zu haben?

suboptimal
 
07
ein einziger epileptischer Anfall

in der Jugend (gar nicht sooo selten) genügt den Versicherungen auch, um Jahre später andere Leistungen zu verweigern (oder am Arbeitsmarkt Probleme zu bekommen). So etwas verschweigt man wirklich besser.

Deus Ex Coquina
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Ich mach als Informatiker keine chirurgischen Eingriffe und Aerzte sollten eben auch nur bei Ihren Themen bleiben.

hot doc
00
nicht alles was hinkt, ist ein vergleich.

die ELGA ist unser thema, und nicht das der informatiker. es geht hier nicht um umsetzbarkeit und datenbankstrukturen (das ist euer thema), sondern um gesundheitspolitik, datenschutz (nein, das ist nicht allein euer thema), versicherungsrelevantes und den eingriff in die sensible arzt-patienten-beziehung. dinge eben, von denen die informatiker keinen blassen schimmer haben.

Günther Russi
00
bin voll bei dir

Schuster bleib bei deinen Leisten

Fisch Suppe
14
Der elektronische Gesundheitsakt...

...soll bzw. wird den gläsernen Patienten schaffen, um künftig Geld zu sparen. Weil nur darum geht's, und um sonst nichts.

Der elektronische Gesundheitsakt wird es auch schwerer machen, sich (z.B. vor Operationen) eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen oder den Arzt zu wechseln.

Mit diesem elektronischen Gesundheitsakt haben die sogenannten "Gesundheitsökonomen" für die Umsetzung ihrer Ideen jedenfalls ein wunderschönes Instrument gefunden.

O5
51

"Mit diesem elektronischen Gesundheitsakt haben die sogenannten 'Gesundheitsökonomen' für die Umsetzung ihrer Ideen jedenfalls ein wunderschönes Instrument gefunden."

Und das ist auch gut so. Meine Interessen als Steuerzahler und Patient werden durch Gesundheitsökonomen nämlich weit eher vertreten als durch Gesundheitsdienstleister. Wirtschaftliches Handeln ist gut, vor allem in einem Bereich in dem bisher viel zu viel verschwendet wurde.

hot doc
02

ich beglückwünsche sie, denn sie waren ganz offensichtlich nie ernstlich krank.

ihre interessen als patient werden durch gesondheitsökonomen eher vertreten als durch gesundheitsdienstleister? na viel spaß, wenn sich später einmal herausstellt, dass ihre behandlung nicht ökonomisch ist.

Nah&Frisch
02
Meine Interessen als Steuerzahler und Patient werden durch Gesundheitsökonomen nämlich weit eher vertreten als durch Gesundheitsdienstleister.

Na dann schauen sie mal nach England ...

O5
41

Die Ärzte sind IMMER "skeptisch" wenn sie einen Finger rühren müssen. ALLES "verursacht Mehrkosten", für ALLES muss es irgendwie zusätzliche Kohle geben. Die Ärztekammer ist ein Blutsauger ohnegleichen.

Shaman141
 
02
...

diese mumie dorner ist sowieso ein desaster - und es würde genug fähige leute in der 2. reihe geben - nur will diesen sch.... job keiner machen. und dann bleibt halt nur das alteisen übrig! dorner sollte sich und seinen standesgenossen einen gefallen tun und sich in die pensi verabschieden! und irgendjemand muss die ÄK ins 21. jhdt führen!

Hubertus5
01
Gegen alles Neue

Die Ärzte waren auch gegen die E-Card und heute kann man sich die Zeit mit Krankenscheinen nicht mehr vorstellen.

Dies ist eine bezahlte Anzeige.
01
die ärztekämmerer sind sowieso gegen alles

dorner hat ja so seine lieblingsthemen: handys abschaffen, radfahrer chippen und eben prinzipiell gegen alles sein.

bluebeard's 8th wife.
00
na, zum glück hat der dorner jetzt wieder ein thema, das ihm auch zusteht.

da kann er ja jetzt aufhören, verkehrspolitik machen zu wollen.

(nota bene: wie lang ertragen die ärzte den eigentlich noch als spitzenfunktionär?)

Jack Flash
24
nur einmal zum nachdenken .....

in GB wurde ein gleichartiges projekt mit ein paar mrd. euro kosten zu grabe getragen, in österreich ist das projekt transparenzdatenbank bis jetzt vollkommen gescheitert und nicht einmal die benzinpreis datenbank funktioniert .... haben wir noch nicht genug für sinnlose und hirnlose projekte ausgegeben? (eurofighter, bankenrettung, selbstbedienungsladen für vorsorgende politiker etc.)

moejoe187
00

na klar funkt der spritpreisrechner...

noexist
 
00

Das wäre doch ein sinnvolles EU-Projekt ein generisches Datenbankframework zu schaffen, das Sicherhheitsanforderungen und hohe Transaktionsrate befriedigt und das für Bürgerdaten und Daten der öffentlichen Haushalte verwendet wird.

ein.leser
03

JA genau .... ich seh sie schon, die 'gebildeten' Akteure. EU-Gelder abzocken und vollkommen realitätsfremde Konzepte entwickeln. Das Ergebnis nennt sich dann IHE, HL7-V3, oder - um ein Elga-nahes Beispiel zu nennen 'Fallakte' (in Deutschland).

IMO muss zuerst der rechtliche Rahmen geschaffen werden - allerdings OHNE bestehende Bürger/Patientenrechte einzuschränken.

Die Idee mit dem EU-Projekt ist löblich, aber sinnlos. Da wird nur Geld verbrannt um 'Verbildeten Wissenschaftlern' die Teilnahme an Kongressen, etc. zu finanzieren.

Es gibt genug existierende Lösungen/Ansätze, welche innerhalb kürzester Zeit einsetzbar wären ... Voraussetzung sind Schaffung des rechtlichen Rahmens bzw. Sicherstellung der lfd. Finanzierung.

RS69
 
01

Gerade der EU zu vertrauen, dass sie Daten ihrer Bürger schützt, ist wieder besseres Wissen.

bedingungsloses grundeinkommen
35
ich meine, daß hier sehr viel Positives gerade verbockt wird.

Jeder, der als Patient zum praktischen Arzt oder Facharzt geht, hat in der Regel das Gefühl, daß nur das einzelne Symptom, die einzelne Erkrankung behandelt wird, und daß die komplexen Zusammenhänge nicht beachtet werden.
Mit einem einzigen Gesundheitsakt wäre endlich eine ganzheitliche Betrachtung und Problembehandlung möglich. Schade, daß es so schwierig zu sein scheint, endlich einmal den Patienten in den Focus der Überlegungen zu setzen.

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