Wegen Missachtung des Gerichts
Phnom Penh - Das Völkermordtribunal gegen Rote Khmer-Kader in
Kambodscha hat Ermittlungen wegen Gerichtsmissachtung gegen den US-Sender Voice
of America aufgenommen. Hintergrund ist ein vertrauliches Dokument des Gerichts,
aus dem Voice of America zitiert hatte. Außerdem wurde das Dokument in einem
Video gezeigt. Der Sender kritisierte das Vorgehen des Tribunals am Freitag in
einer Stellungnahme als "unvertretbar". Das werde die Berichterstattung über das
Tribunal beeinträchtigen.
Das vertrauliche Dokument waren offenbar mehreren Pressevertretern zugespielt
worden. Es geht dabei um mögliche Ermittlungen gegen weitere drei mutmaßliche
Drahtzieher des Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha zwischen 1975 und 1979. Unter
der Terrorherrschaft kamen bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben. Ankläger
und Ermittlungsrichter des Tribunals streiten darüber, ob Ermittlungen gegen die
drei Verdächtigen stattfinden sollen. Die Ankläger befürworten das. Die Richter
sind dagegen.
Unklar war, wie das Gericht gegen Voice of America vorgehen will. Die
betreffenden Journalisten arbeiten im Büro in Washington.
Das Völkermordtribunal hat bisher einen Vertreter des Regimes verurteilt.
Kaing Guek Eav war Leiter des Foltergefängnisses Toul Sleng. Der Prozess gegen
vier weitere Angeklagte hat mit prozeduralen Anhörungen begonnen. Die richtige
Verhandlung soll Ende des Jahres beginnen. Die vier weisen alle Schuld von
sich. (APA)