Völkermordtribunal ermittelt gegen US-Radiosender

2. September 2011, 18:03

Wegen Missachtung des Gerichts

Phnom Penh - Das Völkermordtribunal gegen Rote Khmer-Kader in Kambodscha hat Ermittlungen wegen Gerichtsmissachtung gegen den US-Sender Voice of America aufgenommen. Hintergrund ist ein vertrauliches Dokument des Gerichts, aus dem Voice of America zitiert hatte. Außerdem wurde das Dokument in einem Video gezeigt. Der Sender kritisierte das Vorgehen des Tribunals am Freitag in einer Stellungnahme als "unvertretbar". Das werde die Berichterstattung über das Tribunal beeinträchtigen.

Das vertrauliche Dokument waren offenbar mehreren Pressevertretern zugespielt worden. Es geht dabei um mögliche Ermittlungen gegen weitere drei mutmaßliche Drahtzieher des Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha zwischen 1975 und 1979. Unter der Terrorherrschaft kamen bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben. Ankläger und Ermittlungsrichter des Tribunals streiten darüber, ob Ermittlungen gegen die drei Verdächtigen stattfinden sollen. Die Ankläger befürworten das. Die Richter sind dagegen.

Unklar war, wie das Gericht gegen Voice of America vorgehen will. Die betreffenden Journalisten arbeiten im Büro in Washington.

Das Völkermordtribunal hat bisher einen Vertreter des Regimes verurteilt. Kaing Guek Eav war Leiter des Foltergefängnisses Toul Sleng. Der Prozess gegen vier weitere Angeklagte hat mit prozeduralen Anhörungen begonnen. Die richtige Verhandlung soll Ende des Jahres beginnen. Die vier weisen alle Schuld von sich. (APA)

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