Debatte

ÖIAG-Reform kommt vielleicht erst 2013

Günther Oswald , 2. September 2011, 18:03
  • Artikelbild
    foto: apa/robert jäger

    Der neue ÖIAG-Chef: Markus Beyrer.

SPÖ und ÖVP haben sich zwar angenähert, eine Einigung könnte es aber auch erst nach der Wahl geben

Wien - Zieht man die offiziellen Aussagen von rot-schwarzen Politikern heran, haben sich die beiden Regierungsparteien in der Frage ÖIAG-Reform zuletzt etwas angenähert. Der Ton ist sachlich, die Extrempositionen - Auflösung der staatlichen Beteiligungsgesellschaft auf der einen Seite, weitere Privatisierungen auf der anderen - wurden aufgegeben.

SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder dachte beispielsweise laut darüber nach, ob nicht die Einbringung des größten heimischen Stromkonzerns Verbund in die ÖIAG Sinn machen könnte. Eine Option sei, dass der Verbund mit der OMV im Auslandsgeschäft kooperiere, hieße es. Ähnliche Überlegungen stellte auch ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner an. SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter wiederum kann sich auch vorstellen, die Bundesimmobiliengesellschaft und die Bundesforste in die ÖIAG zu übertragen.

Ausgemacht ist eine Reform aber noch lange nicht. Im Gegenteil. In der ÖVP mehren sich die Stimmen, diese wichtige machtpolitische Frage bis zu den nächsten Koalitionsverhandlungen aufzuschieben. Sollten sich SPÖ und ÖVP nicht zerstreiten, fände die Nationalratswahl erst 2013 statt.

Eine wirklich einheitliche Linie gibt es dazu aber in der ÖVP noch nicht, ist in politischen Zirkeln zu hören. So haben die Landesparteien keine Freude, eine Debatte über den Verkauf ihrer Energieversorger zu starten.

ÖBB als unlösbares Problem

Die Überlegungen, die hinter dem Auf-Zeit-Spielen stehen, sind aber klar: Bei ÖBB und Asfinag wird man mit der SPÖ kaum auf einen grünen Zweig kommen. Außerdem macht eine ÖIAG-neu für viele ÖVPler keinen Sinn, wenn nicht die Option auf weitere Privatisierungen besteht. Davon will die SPÖ momentan aber nichts wissen.

Und vor allem: Nach der Wahl gibt es möglicherweise neue Mehrheitsverhältnisse. Bevor die Telekom-Krise ausbrach, wurde in Industriekreisen gerne betont, um wie viel stärker der Reformgeist unter Schwarz-Blau war. Der neue ÖIAG-Chef Markus Beyrer möchte sich zu all dem derzeit nicht äußern. Er ist fast ausschließlich mit der Aufarbeitung des Telekom-Skandals beschäftigt.

Von SPÖ-Seite kommt der 46-Jährige, der von 1999 bis 2002 wirtschaftspolitischer Berater des damaligen Kanzlers Wolfgang Schüssel war, zusätzlich unter Druck. Sie fordert von Beyrer ein Reformkonzept ein und möchte, dass sich der ÖIAG-Aufsichtsrat nicht mehr selbst erneuert, sondern vom Kanzleramt bestellt wird. Ein weiterer Punkt, der aus ÖVP-Sicht gegen eine ÖIAG-Reform spricht. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.9.2011)

Kommentar posten
16 Postings
CentralAI
00
Unsere Regierung hat viel geleistet!

Zumindest genasoviel wie die Deutsche.

http://www.youtube.com/watch?v=qjT6XdJoypE

erkelteter tiger
02
alles was man über beyrer wissen muss

kurier: Sie haben sich 2008 als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) von der Telekom um angeblich 21.800 Euro zur Jagd nach Schottland beim Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly einladen lassen. Abgerechnet wurde vermutlich über Hochegger. Finden Sie das sauber?

beyrer: Ich kann mir die Höhe dieser Rechnung nicht erklären und werde das prüfen lassen. Die Telekom hat wie etliche andere Unternehmen zu Jagden eingeladen. Mensdorff-Pouilly hat, wie andere Jagdeigentümer auch, für Firmen Jagden veranstaltet. Wenn ich mich als Generalsekretär eines privaten Vereins von einem Mitgliedsunternehmen einladen lasse, ist das völlig korrekt.

Magnus13
01
Reformkonzept

heißt bei Beyrer "COMPLIANCE" "Externe Task Force".

Gestern bei ZIB bei Lou Lorenz ist er angestanden, wie er nach seiner 21.300 Euro Dienstreise befragt wurde.

academius
100

Privatisierung von OMV, Telekom und Post: sofort!

playdude
02

zum glück hast du nix zu bestimmen

Max Arnstein III.
 
05
Geballte Kompetenz

Beyrer "leitet" die OIAG, ohne je ein Wirtschaftsunternehmen von innen gesehen zu haben - nicht einmal als Ferialpraktikant. Leistungsträger geht es wirklich nicht.

Max Arnstein III.
 
00
Wer platzt früher?

Im Pausbackenwettbewerb liegt Beyrer nur noch ganz knapp hinter Onkel Christian. Wär doch gelacht, wenn er ihn nicht überholen könnte.

J. R.
00

Dieses ständige Umdeuten von Tatsachen löst doch hormonellen Stress aus. Mit Clearalsil ist da nichts mehr zu machen. Also Leben ändern oder ab in die Dermatologische Ambulanz.

onlooker
02
nur leute die sich integer verhalten, sollten an solche

schlüsselposition gelangen, der beyrer war ein teil der jagdgesellschaft, er will jetzt hier umrühren? wie soll das gehen? er geht gegen mendorff vor? der hat in doch zur jagd nach schottland eingeladen, gesprochen wurd nur über die fliegenden hendln, über sonst nichts, der beyrer muss wirklich die leute für trotteln halten, und noch etwas, wenn die interne rev keine richtigen zahlen herausgibt, damit man nicht nach kontrollieren kann, dann gehören diese verbrecher in gefängnis, nicht herumsudern weil die etwas nicht bekannt gegeben haben, deswegen soll der staat den hyänen in die hände fallen? falsch, darum gehören diese unternehmen vom RH geprüft, klaro dass sie diese wollen, aber ein rechtsstaat kann nur durch kontrollen überleben

Befreier von Butter und Eier
02

Das Bild oben erinnert mich an irgend jemanden - Hoffentlich lässt er sich nie einen Oberlippen Bart wachsen.

Bilian
00
Ein strammer Bursche, der Herr Beyrer.

HH99
02
Markus Beyrer möchte sich zu all dem derzeit nicht äußern

Natürlich nicht, gehörte er doch bei der IV selbst zum System.

3ch0
00

vielleicht erst 2013..
vielleicht auch NIE?

Benjamin Klein
03
der Herr Beyrer

wusste die ganze Zeit von den
in den Firmen üblichen Geldflüssen an Lobbyisten und Berater - JA
er wußte von den Methgoden des Anfütterns und der finaziellen "Intervention bei politischen Funktionären und Parteien" - JA

und nun soll der Bock als Gärtner werken und die Mitwisser zur Verantwortung ziehen ????

Zuerst muß Beyrer weg,
dann die mitschuldigen Vorstände in der Telekom wie der Herr Amesreiter und Co.

Und dann kommt der "BAWAG-Prozeß" für die ÖVP als ÖIAG/Telekom-Prozeß
mit Haftstrafen für alle "Elsners" im System-Schüssel !!!!!!!

jeff5
02
einsparen, unnötig.

dient nur zur bonzenversorgung.

locken
01
Hoffentlich die Auflösung des Vereins !

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.