Neue Probleme

Ökonomen fordern großen Haircut für Athen

2. September 2011, 17:30

Bisheriger Schuldenschnitt zu wenig - Fekter: Österreichs Budgetlage bleibt "schlecht"

Alpbach - Die möglichen Auswege aus der Euro-Schuldenkrise standen im Mittelpunkt der Finanzmarktgespräche in Alpbach, die am Freitag zu Ende gingen. Die deutschen Top-Ökonomen Lars Feld, einer der Wirtschaftsweisen, und Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, betonten, dass die Griechenland-Schulden bereits umstrukturiert worden sind, aber der "Haircut" von etwa 20 Prozent nicht groß genug gewesen sei. Ohne einen weiteren Schuldenschnitt blieben alle Hilfspakete für Griechenland wenig glaubwürdig.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny warnte hingegen davor, zu viel Hoffnung in Umschuldungen zu setzen. Es gebe keinen leichten Weg aus der Krise, der Druck auf die Länder, ihre Hausaufgaben zu machen, müsse aufrechterhalten bleiben. Selbst bei einer erfolgreichen Budgetsanierung werde es fünf bis zehn Jahre brauchen, bis sich Griechenland wieder normal an den Finanzmärkten finanzieren könne, sagte OeNB-Vizechef Wolfgang Duchatczek.

Österreichs Budgetposition sei nur im Vergleich zu den meisten Eurostaaten zufriedenstellend, glaubt Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). "Wir stehen besser da als alle anderen, aber dieses Besser ist immer noch schlecht", sagte sie. Das Budgetdefizit sollte 2012 auf rund drei Prozent sinken, was zwar fast Maastricht-konform sei, aber immer noch einen Anstieg der Staatsschulden bedeute. Diese würden erst ab 2015 sinken.

Trotz seines stabilen AAA-Ratings sei Österreichs Schuldenquote von 72 Prozent zu nahe an der 80-Prozent-Schwelle, ab der die Wissenschaft von Gefahr spricht. Anders als in Staaten mit niedrigeren Abgabenquoten seien Steuererhöhungen zum Schuldenabbau unmöglich. Dennoch will Fekter den eingeschlagenen Konsolidierungskurs nicht verschärfen, um das Wachstum nicht zu gefährden. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.9.2011)

carbonara
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Haircut wird nicht reichen...

...Notschlachtung wäre angemessener.

mekki
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Fekter will die falsche Fährte legen

"Anders als in Staaten mit niedrigeren Abgabenquoten seien Steuererhöhungen zum Schuldenabbau unmöglich."
Mag sein, dass es in Österreich hohe Lohnsteuern gibt.
Aber in Bezug auf Vermögenssteuern ist diese Aussage schlichtweg falsch.
Siehe Grafik Vermögenssteuer im Ländervergleich:
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 92,00.html

Totaler Durchblicksstrudel
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Ja, aber die gesamte Steuerquote ist schon am Limit. So könnten durch vermögenbezogenen Steuern nur andere Steuern, am besten die auf Arbeit gesenkt werden. Also ändert sich damit an der Ausgangslage nix. Nur hat man, den politischen Willen voraus gesetzt, genug Einsparungspotential. Alleine eine Verwaltungs- und Pensionsreform könnte einige Mrd. im Jahr bringen. Die Privatisierung der ÖBB vielleicht nochmal zumindest eine Mrd.. Also es ginge schon etwas ;)

Anton D.
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Wenn Fekter das so gesagt hat, war sie verdammt ehrlich.

Sie rechnet den "offiziellen" Schulden offenbar auch jene der ASFINAG und der ÖBB zu. Abzuwarten bleibt, was sie bei Nachschüssen für das konkursreife Griechenland tun wird.

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