Grüne

"Kinderbetreuung darf nicht mit Kindergarten enden"

7. September 2011, 10:00
  • Artikelbild
    foto: die grünen

    Unzufrieden mit Schmied-Plänen: Harald Walser.

Grüne orten signifikantes Gefälle zwischen Kindergarten und Volksschule bei Nachmittagsbetreuung

Wien - Die Grünen rüffeln Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wegen ihrer Pläne für die Nachmittagsbetreuung in Schulen. Ab dem Eintritt in die Volksschule seien die Betreuungsplätze akute Mangelware, sagt Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Er möchte zwar nicht kleinreden, dass Schmied die Betreuung ausbauen will, vermisst aber ein pädagogisches Umdenken der Ministerin.

Auch Grünen-Familiensprecherin Daniela Musiol meint: "Kinderbetreuung darf nicht mit dem Kindergarten enden. Auch Volksschüler brauchen ein Mittagessen, Betreuung und Hilfe bei den Hausaufgaben." Die Qualität der Betreuung müsse durch gut ausgebildete Pädagogen und Erzieher sichergestellt werden. Neue Freizeitpädagogen, die in nur zwei Semestern zu Aufpassern ausgebildet werden, würden nicht genügen.

Ganztagsschule: Normalität statt Stigma

Hier sieht auch Walser den entscheidenden Punkt: "Was Schmied ankündigt, geht in die falsche Richtung, weil die Nachmittage in der Schule ausschließlich Betreuungscharakter bekommen sollen", sagt er zu derStandard.at. Walser will vielmehr echte ganztägige Schulen "mit verschränktem Unterricht". Denn: "So wie es Schmied plant, schaut die Nachmittagsbetreuung wie eine Bestrafung für die Kinder aus. Begüterte Kinder dürfen nach Hause, die anderen müssen bleiben. Das führt zu einer Stigmatisierung der Kinder."

Schmied hat am Freitag ihre Pläne wiederholt, die Nachmittagsbetreuung für Schulkinder auszubauen. Bis 2015 soll es an jeder zweiten Schule ein solches Angebot geben und die derzeitige Anzahl von 105.000 Betreuungsplätzen auf auf 210.000 - inklusive Hortplätze - verdoppelt werden. Die Bundesregierung stellt dafür bis 2014 jedes Jahr 80 Millionen Euro zur Verfügung. Walser findet die Pläne aber finanziell und pädagogisch ungenügend.

Generell orten die Grünen ein starkes Gefälle zwischen Kindergarten und Volksschule. 2010 besuchten fast alle österreichischen Fünfjährigen einen Kindergarten, die Betreuungsquote liegt bei den Drei- bis Fünfjährigen bei 91 Prozent. Das ändere sich ab der Volksschule, sagt Walser: Nur 15.000 der 83.000 Erstklassler in Österreich hätten einen Platz in einem Hort. Nur rund 16 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen verbrächten ihre Nachmittage in einer Betreuungseinrichtung.

Grüne fordern Verhandlungen von Schmied

Auf die Frage von derStandard.at, ob so viele Eltern ihre Kinder am Nachmittag überhaupt in der Schule sehen wollen, sagt Walser: "So wie es derzeit läuft, ist die Nachfrage noch nicht dort, wo sie sein müsste. Wir wollen eine echte Ganztagsschule. Nur dort findet ein kindgerechter Tagesablauf mit Lern- und Erholungsphasen statt." Mit einem sinnvollen pädagogischen Konzept würde die Ganztagsschule viel mehr Anklang bei den Eltern finden. Walser sagt außerdem, Schmied laufe die Zeit davon. "Sie muss jetzt zusätzliche Mittel für ganztägige Schulen beim Finanzministerium ausverhandeln. Sonst ist das Budget bis weit in die nächste Legislaturperiode festgeschrieben." (kap, derStandard.at, 5.9.2011)

Kommentar posten
18 Postings
manchmal hast du pech...
01
Der Walser war mein Direktor

Herr Walser war fast die gesamte Zeit meiner schulischen Laufbahn am BG Reberggasse mein Direktor.
Er war zwar immer sehr freundlich sowie professionell, jedoch ging er sehr, sehr selten auf die Wünsche und Forderungen der Schüler ein. Subjektiv gesehen hätte er sich mehr um seine eigene Schule kümmern können anstatt in die Politik zu gehen. Das Klima des Schulalltags wurde dort weitgehend von der Willkür einzelner verbitterter Lehrer bestimmt.

Erwin Wolfram
00

nicht boese sein, aber ein kind, dass in oesterreich zur schule geht, das tut sich wohl niemand an...

LL MM
111

Weil Kinder, die zur Nachmittagsbetreuung müssen, laut Walser "stigmatisiert" sind, müssen alle in Ganztagsschulen?

Warum fordert er nicht gleich Schuluniformen? Oder Einheitsautos und -wohnungen für Eltern?

Abgesehen davon, könnte sich auch ein Wenigverdiener stigmatisiert vorkommen und daher fordern, dass Walser gleich wenig verdient wie er.

K. K. Lacke
71
hast a bessere Idee die das Problem löst?

ich warte gespannt auf deine super-intelligenten Vorschläge...

sag', warum bist du eigentlich kein/e PolitikerIn, wo du doch alles besser weisst und kannst? ich frag nur aus Interesse...

verinus
00

welches problem?

LL MM
15

Hauen Sie das jetzt jedem um die Ohren, der nicht mit Aussagen von Politikern konform geht?

Da steht Ihnen verdammt viel Arbeit bevor.

Ihrer Argumentation folgend könnten wir das Forum überhaupt schließen, da Ihrer Meinung nach nur Jubelperser geduldet werden sollen.

schauma moi
81
Pro Ganztagsschulen! Pro Nachmittagsbetreuung!

Aufgrund persönlicher Erfahrungen unterstütze ich das Engagement der Grünen und stelle immer wieder fest, dass Personen die sich gegen Horte und Internate aussprechen - im Gegensatz zu mir - nie in einem untergebracht waren.
Vielleicht wurde ihnen in ihrer Kindheit öfter mit dem Satz " Wennst jetzt net brav bist, kummst ins Internat" gedroht?

Denker9
011

Ganztagsschulen und Nachmittagsbetreuung müssen angeboten werden- aber keinesfalls verpflichtend! Es gibt noch immer genügend Kinder, die am Nachmittag diverse Vereine, Musikschulen u.dgl. besuchen wollen. Welche wiener Schule kann z.B. Klavierunterricht oder Klarinettenunterricht anbieten? Wo gibt es Angebote für Ballett?

schauma moi
41

Auch wenn meine Internatsjahre schon ein wenig zurückliegen - viele haben Instrumente gelernt (oft kamen Lehrer extra her), andere waren im Turnverein oder auch Ballett.
Ich stelle wieder einmal fest, dass das weit verbreitete Bild der Ganztagesbetreuung nicht der Realität entspricht.

verinus
00

am besten die kinder gleich nach der geburt in staatliche obhut geben damit sie ganz nach belieben der staatlichen ordnung indoktriniert und erzogen werden und sich beide eltern wieder der sog. "selbstverwirklichung" erwerbsarbeit hingeben können...

schauma moi
10

Kinder teilen das Leben ihrer Eltern und natürlicherweise deren Fokus im Leben. Kinder die in einer Bauernfamilie aufwachsen, führen ein anderes Leben, als Kinder einer Musiker- oder Informatikerfamilie. Die Gemeinschaft mit Kindern aus anderen Familien stellt eine Bereicherung dar und weitet den Horizont aller.

Weiters scheint es notwendig zu erklären, dass bei einem Internat oder einer Nachmittagsbetreuung die Kinder im Vordergrund stehen und das Erziehungspersonal nur die Rahmenbedingungen vorgibt. Die gemeinsam verbrachte Lern- und Freizeit und das gegenseitige Helfen bei Hausaufgaben, habe ich persönlich als motivierend empfunden und hat sicher meine schulischen Leistungen verbessert.

verinus
01

so ises aber auch nicht. das gegenseitige helfen gibts nicht nur im internat, sondern ausserhalb sogar altersstufenübergreifend.

die freizeit kann individuell angepasst werden, ausserdem gibts kinder die mehr ruhe brauchen und lieber mal für sich sind.

man beraubt die kinder um die möglichkeit von ihren eltern individuell betreut zu werden. nivellierung nach unten und gleichschaltung...

kinder im vordergrund... lachhaft wenn man den betreuungsschlüssel ansieht.

4freedom
09
Korrektur zu meinem vorhergehenden Postig!

Herr Walser behauptet

"Nur dort findet ein kindgerechter Tagesablauf mit Lern- und Erholungsphasen statt",

nicht Schmied.

Ein Grüner für die Vorbereitung auf's Hamsterrad durch "professionelle" Konditionierung am besten ab dem dritten Lebensmonat - ganztägig?

Denker9
02

Herr Walser möchte die Integration von Kindern aus sozial schwachen Familien fördern. Diese brauchen natürlich mehr Betreuung und sollten sie auch bekommen- aber nicht eine Verpflichtung für ALLE!

4freedom
013
"Nur dort findet ein kindgerechter Tagesablauf mit Lern- und Erholungsphasen statt"

Welche überheblichkeit spricht aus diesem Statement!

Wie kommt die Frau darauf, dass es keine Eltern gibt, die ihre eigenen Kinder angemessen unterstützen und betreuen? Wie kommt sie darauf, dass alle Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen wollen?

Freizeit - Sport, Hobbies, lesen, Freunde, Ruhe, Natur - nur am Sonntag nach dem Kirchgang??

Nicht alle Kinder werden von ihren Eltern vor den Fernseher gesetzt, damit sie Ruhe haben. Es gibt Eltern, die es sich leisten können und wollen, sich um ihre Kinder zu kümmern und die intelligent genug sind, das zu richtig zu machen.

Nichts gegen die Wahlmöglichkeit für Eltern UND Kinder, die Ganztagesschulen wollen, aber viel dagegen, dass Politiker unterstellen, dass es alle wollen müssen.

Denker9
01

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass durch solche Maßnahmen immer mehr Eltern dazu bewogen werden sollen, ihre Kinder in private Betreuungseinrichtungen zu geben- das kostet dem Staat weniger!

Freigeistin1
07

Völlig richtig!
Wahlmöglichkeit ja, selbstverständlich, aber niemals verpflichtend!

woidviadla
00
Wien

Vor allem sollte sie in Wien mit dem Hort im Volksschulalter nicht mehr aufhören, gratis zu sein...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.