Wifo-Expertin Schratzenstaller: Entlastung des Faktors Arbeit nur durch höhere Grund-, Benzin-, Tabak- und Alkohol-Steuer möglich
"Wenn man nicht über die Steuern korrigierend einwirkt, wird die Vermögensverteilung immer ungleicher", warnt Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller im Gespräch mit Hans Rauscher. Sie hält eine Umverteilungs-Diskussion zwar für wichtig und unverzichtbar, vom Vermögenssteuer-Vorschlag von Bundeskanzler Werner Faymann erwartet sie jedoch in der Praxis keine signifikante Änderung der Situation. Schratzenstaller befürchtet, dass viele Private ihr Vermögen in das Betriebsvermögen aufnehmen könnten und dass viele Steuerpflichtige auf Grund des Bankgeheimnisses nicht greifbar wären.
Massensteuern
Man müsse die Strukturdefizite im Gesamtzusammenhang diskutieren. Mehr Einnahmen als über eine Vermögenssteuer erwartet sich die Expertin über spezielle vermögensbezogene Steuern wie eine wieder eingeführte Erbschaftssteuer und die Grundsteuer. Wenn man allein bei Letzterer versuchen würde den Verkehrswert zu 90 Prozent zu erfassen, würde man Mehreinnahmen von bis zu 1 Milliarde Euro erzielen können. Um den Faktor Arbeit substanziell zu entlasten, müsste man auch Massensteuern auf Energie, Benzin, Alkohol und Tabak in Betracht ziehen. "Das wäre aus der Sicht der Wirtschaftsforscherin ein sinnvoller Weg", so Schratzenstaller. (rasch, derStandard.at, 2.9.2011)