Alexander Ochs

"Die dreckigste Firma kriegt keine guten Leute"

Interview | 2. September 2011, 17:03
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    foto: andy urban/der standard

    Preisträger Alexander Ochs (Mitte), Christian Plas (li., Denkstatt) und Initiator Josef Mantl.

Alexander Ochs, Experte beim US-Thinktank Worldwatch Institute, hat sich einen Ehrenpreis für besondere Verdienste um Nachhaltigkeit abgeholt

STANDARD: Wir sind sieben Milliarden Menschen, bald brauchen wir drei Planeten - ist die Klima-Krise in ein paar Jahren überhaupt zu verhindern?

Ochs: Ja. Dazu muss aber auf allen politischen Ebenen gehandelt werden. Die Fragestellung, ob wir mehr Top-down-Global-Governance brauchen oder mehr Bottom-up-Eigenverantwortung der Staaten, Kommunen, der Einzelnen, ist ein Schmarrn. Wir brauchen all das.

STANDARD: Was macht Sie da so hoffnungsfroh? Auch wenig ambitionierte Klimaziele werden dauernd verfehlt, der Klimagipfel in Kopenhagen war eher ein Waterloo ...

Ochs: Also erstens bin ich Zweckoptimist, sonst käme ich ja morgens nicht aus dem Bett. Und zweitens: Der Paradigmenwechsel findet mancherorts schon statt. Und zwar nicht auf einem ethischen Gerüst, sondern aus knallharter ökonomischer Notwendigkeit, Firmen werden vom Saulus zum Paulus, weil sie auch unter Druck Green Labelling betreiben, weil Investitionen in Nachhaltigkeit sich rechnen und weil sie als dreckigste Firma keine richtig guten Leute mehr kriegen. Da tut sich sehr viel.

STANDARD: Wo sehen Sie den Paradigmenwechsel auf staatlicher Ebene? Wo ist denn da der Schmerz groß genug?

Ochs: Schauen Sie China an - das ist vom Kohleexporteur zum -importeur geworden. Das begrenzt das Wachstum. In der Regierung dort toben Kämpfe um die Frage, ob man erst reich und dann sauber werden soll oder umgekehrt - es braucht noch ein bisschen Zeit, aber es ist schon da.

STANDARD: Haben wir diese Zeit? Ihren Daten zufolge reden wir von zehn Jahren Spielraum ...

Ochs: Europa muss noch wesentlich ambitionierter agieren und darf seine Führungsrolle nicht davon abhängig machen, ob andere immer gleich mitgehen. Mehr Reduktion von Treibhausgasen durch teurere Zertifikate und steuerliche Anreize, mehr Unterstützung von Alternativenergien und Innovationen beim Transport. Ob Sie es glauben oder nicht, das wird sich auch wirtschaftlich auszahlen.

STANDARD: Das Killerargument ist aber immer die Wettbewerbsfähigkeit.

Ochs: Da muss man sich anschauen, wer aus der jüngsten Krise am besten herausgekommen ist - es sind die Länder, die im Umweltschutz führen und am effizientesten arbeiten. Klar gibt es bei Investitionen Kurz- und Langfristigkeit, und kurzfristig fehlen Gelder woanders. Aber langfristig zahlen sie sich eben aus.

STANDARD: Sie haben auch Literatur und Philosophie studiert - rufen Sie auf individueller Ebene zu Verzicht, zu Konsumstopp auf?

Ochs: Nein, aber ich glaube, dass ein konsumärmeres Leben glücklicher macht. Da halte ich es mit Aristoteles - uns eint das Streben nach Glück. Und noch länger im Stau zu stehen und noch mehr shoppen bringt es uns nicht. Das spüren immer mehr Menschen und handeln mit Spaß danach - Radfahren, gesund essen, einen Garten anlegen ...

STANDARD: Was sind Ihre Erfolgserlebnisse?

Ochs: Ich schaffe es ab und an, Leute von ihrem Ross des Schwarz-Weiß-Denkens zu holen. Ich kann meine Überzeugung mit meinen Studenten diskutieren. Ich habe am Worldwatch Institute die Möglichkeit, für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu publizieren. Und ich provoziere Regierungen dazu, sich rechtfertigen zu müssen, und arbeite mit ihnen an neuen, besseren Strategien. All das macht mich glücklich.

STANDARD: Das klingt nicht total radikal ...

Ochs: Es muss eine Balance geben zwischen den Geboten der Vernunft und den Trieben. Ich bin für den Weg der goldenen Mitte. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.9.2011)

ALEXANDER OCHS (39) leitet den Bereich Klima und Energie beim Worldwatch Institute in Washington, hat vielfach publiziert und nun den Sustainable Future Award der Nachhaltigkeitsinitiative der Hochschulliga für die Vereinten Nationen erhalten.

Link

www.alexanderochs.com

1116er
01
die dreckigste firma

kriegt die leute, denen der dreck auf dem verdienten geld genau wurscht ist.
und solche leute laufen milliardenweise auf diesem planeten herum!

steht das "think" in think-tank für nachdenken?
oder steht es für tagträumen?

meine befürchtung: in diesem fall steht es für rosarote beruhigungspillen verteilen, damit nur ja nichts sich ändere....

powerpack
00
blabla

mit diesem blabla wird die welt leider nicht zu retten sein. wir sind längst an einem punkt angekommen, wo nette absichtserklärungen und die hoffnung alles würde sich von selber schön langsam (aus ökonomischen gründen) selbst regulieren nicht ausreichen. typischer ami-ansatz eben, kein wunder, dass der herr an einem us-institut beschäftigt ist. wo dieser ansatz der "selbstregulierung" hinführt können die guten jetzt gerade live an ihrem zusammenbrechenden wirtschaftssystem miterleben. mit dem ökosystem wird's nicht viel anders werden, wenn die ganz welt weiterhin auf den us-zug setzt.

was es braucht, dass sind radikale konzepte, betreffend den hauptverursacher verkehr/transport/globalisierte wirtschaftsproduktion. sonst wird das nix

Erwin Wolfram
00
...

klingt bissi kurz gegriffen...

Johann Dau
00

War aus Interesse mal auf der Homepage - ganz interessant, aber über einen Satz bin ich gestolpert: "I consult governments" heißt "ich frage Regierungen um Rat" und nicht umgekehrt - wahrscheinlich nicht das, was Sie sagen wollten, Herr Ochs ;) Ansonsten immer weiter so!

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