Nach 109 Jahren wieder aufgetaucht: Klimts Seeufer

2. September 2011, 16:15
  • Gustav Klimt
Seeufer mit Birken, 1901,
Öl auf Leinwand, 90 x 90 cm
    vergrößern 900x894
    foto: alfred weidinger

    Gustav Klimt Seeufer mit Birken, 1901, Öl auf Leinwand, 90 x 90 cm

  • Die Infrarot-Aufnahme des Malgrundes  offenbart die Vorzeichnung.
    vergrößern 900x887
    foto: der standard/alfred weidinger

    Die Infrarot-Aufnahme des Malgrundes offenbart die Vorzeichnung.

  •  Klimt malte im August 1901 das "Seeufer mit Birken", ein halbes 
Jahr später war das Gemälde in der Secession zu sehen - im Foto  ganz 
rechts.
    vergrößern 900x542
    foto: weidinger

     Klimt malte im August 1901 das "Seeufer mit Birken", ein halbes Jahr später war das Gemälde in der Secession zu sehen - im Foto  ganz rechts.

Ein Ehepaar aus Holland kaufte 1902 ein Landschaftsgemälde von Gustav Klimt. Keiner wusste um dessen Existenz

Nun tauchte es wieder auf: Klimt-Experte Alfred Weidinger spricht von einer Sensation.

Wien/Amsterdam – Vor vier Jahren, 2007, erschien bei Prestel ein wahrer Prachtband: Gustav Klimt. Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes, herausgegeben von Alfred Weidinger, dem Vizedirektor des Belvedere. In diesem finden sich natürlich zahlreiche Landschaftsbilder, die Klimt gemalt hatte, aber just nicht jenes, das eine Niederländerin bei sich zu Hause hängen hatte.

War das Gemälde, das ein Seeufer mit Birken zeigt, am Ende gar nicht von Klimt? Vorfahren der Dame, das Ehepaar Richard und Klara Koenigs-Bunge, hatten es angeblich 1902 in Düsseldorf aus einer Ausstellung gekauft. Die Dame wollte Gewissheit – und kontaktierte im Mai Weidinger.

Der Klimt-Spezialist machte sich daraufhin auf Spurensuche. Er wurde fündig: Im August 1901 schrieb der Maler aus Litzlberg am Attersee an seine Freundin Marie Zimmermann, dass er "mehrere Landschaften", darunter ein rotes Bauernhaus, eine Baumgruppe im Schatten mit sonnenbeleuchteter Wiese und eben ein Seeufer „in Arbeit“ habe. Doch um eine Expertise abgeben zu können, müsse er, antwortete Weidinger, das Bild sehen bzw. mit seiner selbstkonstruierten Infrarot-Kamera, die den Malgrund sichtbar macht, fotografieren. Danach hörte er zu seinem Bedauern nichts mehr.

Überraschenderweise meldete sich am Mittwoch eine Kunstspedition: Man habe aus Holland ein Bild für ihn. Weidinger öffnete die Kiste und war sogleich, wie er erzählt, bewegt: „Es ist meiner Ansicht nach zwar nur gute Qualität, als Fund aber eine Sensation.“ Die Infrarotaufnahme bestätigte die Vermutung: „Die Vorzeichnung auf der Leinwand ist charakteristisch für Gustav Klimt.“

Zudem fand Weidinger ein Foto von der XIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler, die im Februar/März 1902 in der Secession zu sehen war: Ganz rechts, als Teil eines Triptychons, ist eindeutig das Seeufer-Bild zu erkennen. Warum es von den Fachleuten nicht registriert wurde, hat einen recht simplen Grund: Die Zeitschrift Ver Sacrum illustrierte den Bericht über die Ausstellung zwar mit besagtem Foto, aber man hatte dieses rechts beschnitten.

Weidinger spricht auch noch aus anderen Gründen von einem "besonderen Glücksfall". Erstens, weil er das Gemälde in seinen aktualisierten Klimt-Werkkatalog aufnehmen kann, der heuer bei Random House erscheinen wird. Und zweitens, weil im kommenden Jahr der 150. Geburtstag des Malerfürsten gefeiert wird. Das Jubiläumsjahr läutet das Belvedere am 25. Oktober mit der Eröffnung der von Weidinger kuratierten Schau Gustav Klimt / Josef Hoffmann: Pioniere der Moderne ein.

Zu sehen sein wird u.a. das Porträt Marie Henneberg. Dieses bildete in der Secessions-Ausstellung 1902 das Mittelstück des Triptychons – damals noch im unfertigen Zustand. Weidinger hofft, das Bildnis in der Ausstellung im Unteren Belvedere durch das Seeufer-Bild ergänzen zu können.

Am liebsten würde er natürlich das gesamte Triptychon – alle drei Bilder wurden von Hoffmann gerahmt – zeigen. Aber das linke Landschaftsgemälde ist nach wie vor verschollen. Hat Klimt, was öfter vorkam, es übermalt? Oder hat er die Malschicht abgekratzt? Oder hängt es irgendwo? Weidinger wäre für Hinweise dankbar.  (Thomas Trenkler  / DER STANDARD, Printausgabe, 3./4. 9. 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 159
1 2 3 4
ist toll

Das Bild

ich hätte es jedenfalls gerne, dann wäre ich reich

Die Farbkompositionen sind herrlich, auch wenn es ein "schlechtes" Bild sein sollte

Kein schlechtes ...

nur eben kein wirklich gutes :)

Ich glaub das sind einfach nuancen die hier ansgesprochen werden ...

Da muß ich dir recht geben. Die Bildkomposition ist schlecht, die Farben fad und trotzdem wirklichkeitsfremd. Insgesamt ein schlechtes Bild, dessen Wert einzig auf dem Namen des vermeintlichen Urhebers beruht. Aber so ist es nun mal in der Kunst.

Nicht alles Gold ,was glaenzt mit dem Namen Klimt

Das Gemaelde ist langweilig. Vielleicht ein Boot auf dem See, oder eine Dame steht bei den Birken wird das Bild lebendiger machen.

Jeder Wien-Tourist kann dir sofort sagen was hier fehlt: Natürlich der Kuß! :)

Immer lustig, wie Leuten die bestimmte Werke fad oder grauslich finden, vorgehalten wird, sie hätten keine Kunstverständnis.

Hätte jemand anderes dieses Bild gemalt, wäre es wahrscheinlich "konservativer Kitsch", aber so ist es magisch, zurückhaltend, in der Einfachheit beeindruckend usw. usf.

lächerlich

schon probiert die vollautomatische

online Bildexpertise? >>http://tinyurl.com/Kunstexperte

...und den soziokulturellen Kontext des Künstlers und seiner Zeit müssen wir auch noch bla bla bla quasi als Antithese zum Stil des bla bla bla.

Experte

Na ja, irgendwie tragisch, dass die eigentliche Klimt-Expertin Fr. Bisanz-Prakken von der Albertina nicht gefragt wurde.

Wozu teure Experten beauftragen? Es gibt bereits den virtuellen online Kunstexperten:

http://tinyurl.com/Kunstexperte

na na, ist da etwa kollegialer Neid am Werk?

Ähm???

Welcher Eigentümer schickt allen Ernstes ohne klärende Vorabgespräche, Leihvertrag, Versicherungsvertrag etc. ein vermutlich doch nicht ganz billiges Gemälde unagekündigt einem persönlichen Unbekannten ein Bild ???

Klingt in der Form recht unglaubwürdig, die Geschichte ...

Doch in Wien gibt es auch solche Leute, nur die kann man an einer Hand abzählen und sind keine Unbekannten, auch wenn gerade der betreffende Empfänger, wie in diesem Fall laut Standard-Artikel Herr Weidinger, vielleicht auch ein Unbekannter ist.

Se non è vero, è ben trovato!

vielleicht ist auch dabei was von Klimt, mal schaun
http://tinyurl.com/roetel

Das mit der Niederländerin ist aber ein Märchen. Das Bild hing wo anders.

"Meine 10 jährige Nichte bringt das auch zusammen. "

.
glaub ich nicht.

und schon gar nicht vor 110 jahren.

Die Resal von der Alm wird's gewesen sein ? Oder vielleicht doch die etwas modernere Konservenfabrikantin ?

Woran genau besteht den jetzt das Besondere an diesen Bild. Wenns nicht von Klimt wäre würde mit Sicherheit jeder sagen was er sich denkt. Das Bild ist a Schmarrn, bisserl eine Wiese ein blauen See und 2 Birken. Meine 10 jährige Nichte bringt das auch zusammen.
Gerade im Bereich der Skulpturen und der Maler verstehe ich nicht warum Menschen etwas Schön finden wenn's in Wirklichkeit schirch wie der Zins ist.

Bitte

Bitte, lassen Sie Ihre Nichte eine Variation dieses Bildes malen und stellen Sie es ins Internet!

Also mir gefällt das Bild schon. Aber irgendwie haben sie auch recht. Die Putzfrau vom Picasso wäre auch reich geworden, wenn sie den Mistkübel-Inhalt hätte mitgehen lassen.

Es gibt auch keinen Grund warum Diamanten ein Heidengeld kosten oder warum Gold so viel wert sein soll.
Aber anscheinend gibt es für alles einen Markt.

??

Die besonderen physikalischen Eigenschaften machen die sehr wertvoll. Ohne zB das Gold in den Schaltkreisen Ihres Computers und Ihres Routers könnten Sie hier nicht posten.

Wenn Gold rein als Rohstoff genutzt werden würde könnte man das behaupten.
Dann gibt es noch Schmuckgold und Gold als Wertanlage bzw. Währungsreserve. Diese Bereiche überwiegen gegenüber der Industriellen Anwendung bei weitem.
Ich kaufe z.B. keinen Schmuck weil ich ihn für unnötig befinde.
Dafür kaufe ich jedes Jahr Kunst im Wert von mehreren Hunderttausend Euro.

Natürlich habe ich auch ein Gold Depot und freue mich über die Hause. Der Wert wird aber bestimmt nicht durch die Industrie bestimmt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 159
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.