Ex-Spitzenpolitiker Palikot bringt "Bürgerplattform" im Wahlkampf in Bedrängnis
Warschau - Die rechtsliberale polnische Regierungspartei
"Bürgerplattform" (PO) gerät im Wahlkampf durch Enthüllungen ihres ehemaligen
Spitzenpolitikers Janusz Palikot in Bedrängnis. Palikot bezeichnet darin nicht
nur Ministerpräsident Donald Tusk (PO) als "kleinen Tyrannen", er legt auch die
PR-Arbeit der Partei offen. Eine Reaktion der Partei gibt es bisher nicht.
Tusk und die PO-Strategen hätten "eine Obsession", so der Politiker: die
Aufmerksamkeit der Journalisten von den Problemen des Landes abzulenken und auf
Ersatzthemen zu steuern. Viele namhafte Redakteure, etwa beim privaten
Fernsehsender TVN, seien darauf wiederholt hereingefallen, so Palikot. "Die
Medien schlucken praktisch alles", schreibt der Politiker im Buch "Die Kulissen
der Plattform", das auf einem langen Interview einer Journalistin beruht. Die
Zeitung "Polska" druckte am Freitag im Voraus einige Passagen.
"Kleiner Tyrann"
Ebenso ungünstig für die PO ist das Psychogramm, das Palikot von Tusk
zeichnet. Der Regierungschef verhalte sich oft wie ein "kleiner Tyrann", sei
impulsiv und werde seinen engsten Mitarbeitern gegenüber mitunter vulgär. "In
seinem Verhalten drückt sich seine Rücksichtslosigkeit, seine kontrollierte
Aggressivität aus", so Palikot. Tusk verkörpere eine "Mischung aus Nihilismus
und Zynismus". Als Beispiel nennt Palikot eine Szene aus Tusks Büro: Der
Regierungschef schoss einen Fußball immer wieder auf eine Zimmerpflanze, die
noch von seinem Vorvorgänger Leszek Miller stammte - übergeben mit der
dringenden Bitte, sich um sie zu kümmern.
Palikot, der als Vertreter des linken PO-Flügels galt, trat im vergangenen
Jahr aus der Partei aus. Nach provokanten Auftritten in der Öffentlichkeit war
er parteiintern wiederholt abgemahnt worden. Er tritt bei der Parlamentswahl am
9. Oktober mit seiner eigenen Formation "Unterstützungsbewegung Janusz Palikot"
an. Wichtigster Programmpunkt ist der Kampf gegen den Einfluss der katholischen
Kirche auf Politik und Gesellschaft. Eine jüngste Umfrage des Instituts GfK
Polonia zeigt, dass seine Bewegung derzeit mit etwa zwei Prozent der
Wählerstimmen rechnen könnte. (APA)