Nur 40 Prozent im freien Verkauf: Ermittlungen wegen Verdachts der Untreue
Bayreuth/Hof - Die umstrittene Ticketvergabe für die
weltberühmten Bayreuther Festspiele ist jetzt ein Fall für die
Justiz. "Es liegen zwei Strafanzeigen vor, die die Kartenvergabe
rügen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft
Hof a.d. Saale, Gerhard Schmitt, am Freitag. Daher habe seine Behörde
Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet, bestätigte
Schmitt einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".
"Die Anzeigen nehmen Bezug auf einen Bericht des
Bundesrechnungshofes", erläuterte Schmitt. Die Behörde
hatte bemängelt, dass nur rund 40 Prozent der knapp 58.000 Karten für
die jährlich 30 Vorstellungen in den freien Verkauf gelangten. Die
Anzeigen stammen von Privatpersonen aus Deutschland, "aber nicht aus
der Region".
Noch richten sich die Ermittlungen gegen Unbekannt. Doch das
dürfte sich schon bald ändern, auch wenn der Oberstaatsanwalt die
Zielrichtung der Ermittlungen vorerst nicht konkretisieren wollte. Zu den Ermittlungen war von den Festspielen
zunächst keine Auskunft zu erhalten. Der Betrieb auf dem "Grünen
Hügel" der Richard-Wagner-Stadt hat Ferien.
Mäzene verlangen Kartenkontingent
Der Bundesrechnungshof hatte im Sommer die Kartenvergabe in einem
Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages massiv gerügt. So
gelangten bei Premieren nur 16 Prozent der Tickets in den freien
Handel. Der Rest werde entweder als Freikarten oder als feste
Kontingente an Sponsoren und Prominente aus Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft vergeben. Dies sei "mit den Förderzielen nicht
vereinbar", heißt es in dem Bericht der Rechnungsprüfer. Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte daraufhin, er
nehme die Kritik sehr ernst. Er schloss Korrekturen am bisherigen
Verfahren nicht aus. Bund, Freistaat Bayern, Bezirk Oberfranken, die
Stadt und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth beteiligen sich
jährlich mit Millionenbeträgen am Defizit der Festspiele.
Bei den Mäzenen - sie bekommen rund ein Viertel der Karten zum
regulären Preis - stieß die Kritik der Rechnungsprüfer nach
Bekanntwerden hingegen auf Unverständnis. Freunde-Chef Georg von
Waldenfels erinnerte daran, dass die Mäzene mit mehr als drei
Millionen Euro pro Jahr mehr Geld für die Festspiele zur Verfügung
stellten als Bund oder Land Bayern.
Rückendeckung kam vom Vorsitzenden des Verwaltungsrates der
Festspiele, Toni Schmid. Der Spitzenbeamte im bayerischen
Kunstministerium warnte davor, das Kartenkontingent der Mäzene zu
beschneiden. "Der Bundesrechnungshof kann nicht verlangen, dass wir
die Kuh schlachten, deren Milch wir brauchen." Auch die
Festspielleitung selbst wies die Kritik zurück. Aus dem Bericht dürfe
nicht geschlossen werden, dass ein Großteil der Tickets verschenkt
wird, sagte ihr Sprecher Peter Emmerich. Festspielchefin Katharina
Wagner kündigte dennoch eine Überprüfung an. (APA)