Herzkrankheiten, die bereits vor der Schwangerschaft bestanden, bleiben ein großes Problem
Paris/Wien - Schwangere mit Herzkrankheiten haben ein etwa hundertfach höheres Sterblichkeitsrisiko als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das ist das Ergebnis eines Registers der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC), das auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Paris vorgestellt wurde. Herzkrankheiten, die bereits vor der Schwangerschaft bestanden, bleiben ein großes Problem, berichten die Studienautoren, Komplikationen sind häufig und in vielen Fällen lebensbedrohend für Mutter und Kind.
Angeborene Herzfehler am häufigsten
Die Daten des ESC-Registers legen nahe, dass die Zahl der gefährdeten Frauen nicht abnimmt, insbesondere weil mehr Frauen als früher im fortgeschrittenen Lebensalter schwanger werden und deshalb bereits ein höheres Risiko für Diabetes und Bluthochdruck haben. Von den insgesamt mehr als 1.300 Frauen (60 Zentren aus 28 Ländern), die in das Register aufgenommen wurden, hatten 869 (rund 60 Prozent) einen angeborenen Herzfehler, 333 ein Herzklappen-Problem, 79 eine Herzmuskelerkrankung und 24 eine Durchblutungsstörung des Herzens (Ischämie).
Studien an Schwangeren kaum durchführbar
"Es gibt auf diesem Gebiet wenig präzise Daten, da klinische Studien, wie sie sonst in der Medizin üblich sind, bei Schwangeren kaum durchführbar sind", sagt Franz Weidinger, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. "Die einzige Möglichkeit, unser Wissen über jene Faktoren zu verbessern, die die Auswirkungen von Behandlungsstrategien bei herzkranken Schwangeren beeinflussen, ist, Daten zu diesem Thema aus der klinischen Praxis zu sammeln", so Weidinger. Gut geführte Register sind unter anderem besonders wichtig für das
systematische Erheben von Fakten und für die Qualitätskontrolle und
-verbesserung.Das europäische Register für Schwangere mit Herzerkrankungen weise hier in die richtige Richtung. Auf diese Weise sollte es künftig möglich werden, das Risiko für diese Frauen - und das ihrer Kinder - besser zu erkennen sowie die bestmöglichen Formen der Behandlung herauszufinden. (red)