Hamburg hat ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr durchgesetzt. Während im hohen Norden die Abstinenz regiert, wird in Berlin fleißig gebechert. Durch Verbote lässt sich exzessiver Alkoholkonsum sicherlich nicht lösen - Von Alexandra Schade
In gut zwei Wochen wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die Straßen der Hauptstadt sind über und über mit Wahlplakaten behängt und seit ein paar Tagen sind an den dortigen Laternenpfählen noch ein paar zusätzliche Plakate zu betrachten.
Mehr Bier, unser Lebenselixier
Denkt man sich bei dem Slogan "Sicher über die fünf Prozent" noch nicht viel, wird man bei "Deutschland wird wieder Export-Weltmeister" schon etwas stutzig und spätestens bei "Es muss ein Schluck durch Deutschland gehen" wird klar, dass es sich hierbei nicht um Wahlwerbung handelt. Beim genaueren Hinsehen stellt man dann auch fest, dass auf jedem der Plakate eine Flasche der Sorte "Sternburg" prangt. Und tatsächlich: die Agentur Ogilvy & Mather Berlin steckt hinter dieser etwas anderen Kampagne für die Leipziger Brauerei. Das fällt auf und ist witzig. Zur "Sterni"-Trinkerin wird sie mich wohl trotzdem nicht machen. Das liegt aber vor allem daran, dass ich kein Bier mag.
Das Thema „Alkohol in der Öffentlichkeit" wird ja gerade hitzig diskutiert. Seit dem 1. September gilt ein Alkoholverbot im Hamburger ÖPNV ("öffentlicher Personen Nahverkehr"). Bis Ende des Monats gilt noch eine Übergangsfrist, ab 1. Oktober werden bei Missachtung des Verbots 40 Euro fällig; die HVV (Hamburger Verkehrsbetriebe) setzen 110 zusätzliche Mitarbeiter ein. Im Netz tobt die Debatte darüber heftig. Als nur zwei Beispiele seien hier ein "Zeit"-Artikel und einer im "Freitag" und vor allem die Leserkommentare unter den entsprechenden Artikeln genannt.
Nie wieder Alkohol
Ich persönlich weiß nicht so recht, was ich von einem Alkoholverbot im ÖPNV halten soll. Einerseits gibt es für meine Nase kaum einen ekelhafteren Geruch als den einer Bierfahne und betrunkene Menschen sind mir nicht die angenehmsten Zeitgenossen. Andererseits geht mir das konstante Verboterlassen gehörig auf den Senkel. Warum ist es so in Mode, mit einem Verbot die große Mehrheit Unschuldiger zu gängeln, nur weil es da draußen immer ein paar unverbesserliche Idioten gibt? Seit wann sind wir so misstrauisch und unterstellen unseren Mitmenschen immer erst einmal das Schlimmste?
Von der Durchsetzbarkeit eines solchen Verbotes einmal ganz zu schweigen. Und das tiefer liegende Problem, dass manche Menschen einfach nicht wissen, wann sie Schluss machen sollten mit dem Alkohol, wird dadurch nur verlagert. Betrunkene Menschen sind überall unangenehm, nicht nur in Bus und Bahn. Das ist dann aber zum Glück nicht mehr das Problem des HVV. Was ist eigentlich der nächste Schritt? Braune Papiertüten wie in den USA, Sperrstunden, Prohibition?! (Alexandra Schade, derStandard.at, 2.9.2011)
Autor
Alexandra Schade, The European, ist bei The European als Redakteurin tätig und hält in der Redaktion die Berliner Fahnen hoch, da sie in dieser tollen Stadt groß geworden ist.