Alkoholverbot in Hamburg - "Ich seh' den Sternihimmel"

Gastkommentar | 2. September 2011, 10:24

Hamburg hat ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr durchgesetzt. Während im hohen Norden die Abstinenz regiert, wird in Berlin fleißig gebechert. Durch Verbote lässt sich exzessiver Alkoholkonsum sicherlich nicht lösen - Von Alexandra Schade

In gut zwei Wochen wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die Straßen der Hauptstadt sind über und über mit Wahlplakaten behängt und seit ein paar Tagen sind an den dortigen Laternenpfählen noch ein paar zusätzliche Plakate zu betrachten.

Mehr Bier, unser Lebenselixier

Denkt man sich bei dem Slogan "Sicher über die fünf Prozent" noch nicht viel, wird man bei "Deutschland wird wieder Export-Weltmeister" schon etwas stutzig und spätestens bei "Es muss ein Schluck durch Deutschland gehen" wird klar, dass es sich hierbei nicht um Wahlwerbung handelt. Beim genaueren Hinsehen stellt man dann auch fest, dass auf jedem der Plakate eine Flasche der Sorte "Sternburg" prangt. Und tatsächlich: die Agentur Ogilvy & Mather Berlin steckt hinter dieser etwas anderen Kampagne für die Leipziger Brauerei. Das fällt auf und ist witzig. Zur "Sterni"-Trinkerin wird sie mich wohl trotzdem nicht machen. Das liegt aber vor allem daran, dass ich kein Bier mag.

Das Thema „Alkohol in der Öffentlichkeit" wird ja gerade hitzig diskutiert. Seit dem 1. September gilt ein Alkoholverbot im Hamburger ÖPNV ("öffentlicher Personen Nahverkehr"). Bis Ende des Monats gilt noch eine Übergangsfrist, ab 1. Oktober werden bei Missachtung des Verbots 40 Euro fällig; die HVV (Hamburger Verkehrsbetriebe) setzen 110 zusätzliche Mitarbeiter ein. Im Netz tobt die Debatte darüber heftig. Als nur zwei Beispiele seien hier ein "Zeit"-Artikel und einer im "Freitag" und vor allem die Leserkommentare unter den entsprechenden Artikeln genannt.

Nie wieder Alkohol

Ich persönlich weiß nicht so recht, was ich von einem Alkoholverbot im ÖPNV halten soll. Einerseits gibt es für meine Nase kaum einen ekelhafteren Geruch als den einer Bierfahne und betrunkene Menschen sind mir nicht die angenehmsten Zeitgenossen. Andererseits geht mir das konstante Verboterlassen gehörig auf den Senkel. Warum ist es so in Mode, mit einem Verbot die große Mehrheit Unschuldiger zu gängeln, nur weil es da draußen immer ein paar unverbesserliche Idioten gibt? Seit wann sind wir so misstrauisch und unterstellen unseren Mitmenschen immer erst einmal das Schlimmste?

Von der Durchsetzbarkeit eines solchen Verbotes einmal ganz zu schweigen. Und das tiefer liegende Problem, dass manche Menschen einfach nicht wissen, wann sie Schluss machen sollten mit dem Alkohol, wird dadurch nur verlagert. Betrunkene Menschen sind überall unangenehm, nicht nur in Bus und Bahn. Das ist dann aber zum Glück nicht mehr das Problem des HVV. Was ist eigentlich der nächste Schritt? Braune Papiertüten wie in den USA, Sperrstunden, Prohibition?! (Alexandra Schade, derStandard.at, 2.9.2011)

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Alexandra Schade, The European, ist bei The European als Redakteurin tätig und hält in der Redaktion die Berliner Fahnen hoch, da sie in dieser tollen Stadt groß geworden ist.

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"Betrunkene Menschen sind überall unangenehm, nicht nur in Bus und Bahn".

Einspruch: Bei mir erregen manche, durchaus nüchterne Menschen mehr Brechreiz als so mancher, sympathisch und im Rahmen Betrunkener.

die wodkaflasche gefüllt mit leitungswasser hat mehr stil im öffentl. verkehr.

Hamburg - "Ich seh' den Sternihimmel"

In Hamburg liegt das am Wetter.
Schöne Stadt, wenn ein Dach drüber wäre.

Ich seh das Problem viel mehr im Bier(/Alkohol)-Konsum allgemein. Bier gehört ja bei uns quasi immer und überall dazu. Das wurde aber vor ner Weile ohnehin schon ausgiebig diskutiert...

na,

da setze ich mich wohl in die nesseln: mit der dose/flasche in der hand unterwegs ist mir erstmals in deutschland unangenehm aufgefallen und gefällt mir hier nicht besser, zumal sich das häuft. habe verständnis für ein verbot eingschränkt auf den bus-/bahnbereich. rauchverbot dort ist jedenfalls ein segen.

also ich seh einen unterschied zwischen alkoholverbot und rauchverbot. passivrauchen schädigt, ein passivtrinken gibt es hingegen nicht. von mir aus kann man stark alkoholisierte leute eines verkehrsmittels verweisen. aber wo das problem sein soll, wenn wer mit einer dose bier in die u-bahn einsteigt, seh ich nicht unbedingt.

alkohol in den öffis ist ein steigender trend. jetzt noch nicht sehr unangenehm, in ein paar jahren kann das bild ein anderes sein, abfallprobleme, unbehagen und sicherheitsrisiken wegen aggressivität+gewaltbereitschaft steigen. liberalität wird gerne anhand von permissivität gesehen, einschränkungen gleich als reaktionär. das sehe ich nicht so. bevorzuge einen sicheren öffentlichen raum. es geht um ein zeitfenster von ca. 35 mn, das ist zumutbar, solange kann man alkohol schon entbehren. deswegen ist man nicht gleich beim horrorszenario amerika (eines der gewaltreichsten staaten trotz alkoholverbot in der öffentlichkeit).

nochmals: für mich ist nicht der entscheidende punkt, ob jemand alkohol in der bim konsumiert, sondern ob er/sie durch betrunkenheit andere leute stört.

ja, das verstehe ich schon. und bei mir beginnt das unbehagen schon früher, denn: liberalität heißt nicht, dass man sich gehen lassen kann/soll. rücksichtsloses handytelefonieren (nerviges läuten), laute musik, sex in der u-bahn, alkohol und sogar essen sind verzichtbar, den anderen zuliebe.
einmal hat in der U6 jemand 10 mn lang ununterbrochen laut! gegähnt, das war so ä t z e n d! ist das vielleicht ok? habe dann was gesagt, die gähnerei war, schwupps, v o r b e i. nein, die öffis sind kein wohnzimmer.
zeitunglesen finde ich jedoch ok (= selbstironischer zusatz).

Alkoholverbot in der Öffentlichkeit...und in Lokalen....dann haben wir die totale Sicherheit....

Solang er nur damit einsteigt gibt's ja kein Problem. Wenn besagte Person dann aber anfängt rumzutorkeln, zu stänkern oder den Boden vollzuschütten, dann wirds nervig.

Inwiefern wird mit dem Verbot "die große Mehrheit Unschuldiger" gegängelt?

Das Verbot schränkt doch nur die in ihrem Tun ein, die dagegen verstoßen wollen - und damit wären sie keine "Unschuldigen" mehr.

Wer keinen Alk in der Straßenbahn trinken will, wird von dem Verbot in keiner Weise berührt, bestenfalls bemerkt er dessen positive Effekte.

da spricht das

Gesetz :)

“öffentlicher personennahverkehr“

vulgo swingerclub ;oP

derart verkommene autoritäre gesellschaften haben nichts besseres verdient als zerschlagen zu werden. es lebe der aufstand.

In Berlin ist mir sehr aufgefallen dass ab ca. 16.00 Uhr sehr viele Leute mit einem Bierchen in der Hand unterwegs sind. Egal ob Anzutragende Banker oder ein Bauarbeiter: raus aus der Arbeit, rein in einen der zahllosen Kioske (-Später-) und ein Becks tanken.
Schafft irgendwie eine entspannte, angeheiterte Stimmung in den Straßen...

Ist in Wien nicht viel anders

Wo vor ein paar Jahren noch nur "die ärgsten" mit der 0,5er-Dose herumspaziert sind, ist es jetzt auch der Anzugträger oder das nette Mädchen von nebenan.

Ein rechtes Urteil darüber habe ich mir selbst auch noch nicht bilden können. "Entspannt" wirkt es aber nicht immer unbedingt.

Ich sag nur Häupl....

der muß ja nicht in allem ein vorbild darstellen

finde ich auch, alles in "angemessenem" maße eben.

sympathischer artikel

wider den verbotswahn!

Die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken ist ein absolut schützenswertes Gut!

Ganz Österreich wird nur noch so zusammengehalten!

'betrunkene nicht mehr das problem des hvv'

wieso, fahren durfen sie ja weiterhin besoffen!

Verbote sind angebracht, wo Menschen banalste Massstäbe verloren haben!

*
Ist die Dame noch bei Sinnen!?
Wer zum Teufel muss in der Bim Schnaps und Bier trinken?
Wir sollten ein Minimum an Benehmen an den Tag legen, v.a. dort wo viele Menschen auf engen Raum zusammen leben.
Hat die Oma/Opa, Mutti/Vati der Dame das nicht beigebracht?

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