Im ersten Halbjahr ist die Wirtschaft noch gewachsen, nun könnten am Konjunkturhimmel relativ rasch Wolken aufziehen
Alpbach - Obwohl sich die Konjunktur in Österreich im
heurigen zweiten Halbjahr schon eintrübt, wird die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) ihre BIP-Prognose für 2011 nicht nach unten
revidieren, wohl aber für 2012.
Seit der Juni-Prognose erwartete die OeNB für Österreich ein
reales BIP-Wachstum von 3,2 Prozent für heuer und von 2,3 Prozent für
2012.
Im ersten Halbjahr 2011 war die Wirtschaft noch stark gewachsen,
in der zweiten Jahreshälfte ist hingegen nur mehr ein schwaches
Wachstum in Sicht.
Eine weitere Eintrübung könne relativ rasch gehen, sagte OeNB-Chef
Ewald Nowotny am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz in
Alpbach. "Wir gehen davon aus, dass unsere Prognose für heuer von
rund 3 Prozent halten wird", sagte Nowotny - allerdings ebenfalls
vorsichtig. Eine Abwärtsrevision für 2012 hat er aus heutiger Sicht
aber dezidiert nicht mehr ausgeschlossen.
Niedrigere Inflation erwartet
"Wir glauben, dass wir für Österreich und Deutschland für 2011
noch keinen Wachstumseinbruch haben, aber wir befürchten sehr stark,
dass es für 2012 doch zu einer deutlichen Erschwernis kommen kann",
sagte Nowotny.
Bei der Inflation in Österreich - die zuletzt besonders stark
gestiegen ist - erwartet der OeNB-Chef für nächstes Jahr deutlich
niedrigere Inflationsraten, die sich zwischen 2 und 2,2 Prozent
bewegen sollten.
Die vergleichsweise noch gute Wirtschaftsentwicklung im heurigen
Jahr sollte positiv auf die heimische Budgetentwicklung wirken, wo
die OeNB die Defizitgrenze von 3 Prozent schon nächstes Jahr
erwartet. Heuer sollen es 3,3 Prozent Defizit sein. Selbst bei dieser
vergleichsweise günstigen Entwicklung dürfe aber der
Budgetkonsolidierungspfad nicht verlassen werden. Österreichs
Triple-A-Rating sei zwar in keiner Weise gefährdet, aber es gelte
diese Qualifikation ständig zu verteidigen, meint man in der OeNB. (APA)