Kurzarbeit im Werk Kronach - Konzernchef Seidl: Marktschwäche trifft ganze Branche
Der deutsche TV-Gerätehersteller Loewe will
nach Millionen-Verlusten das Geschäft mit neuen Premium-Geräten
ankurbeln. Bei den Verbrauchern punkten will das Kronacher
Unternehmen mit kompletten Unterhaltungssystemen mit
Audio-Integration sowie einer bequemen Integration von Internet und
Fernsehen. Preisnachlässe oder eine Verlagerung der Produktion aus
Deutschland seien für Loewe kein Thema, betonte Konzernchef Oliver
Seidl auf der IFA in Berlin am Donnerstag.
Kurzarbeit
Seit dem Frühjahr gibt es in dem Kronacher Werk Kurzarbeit.
"Nach
der IFA werden wir je nachdem, ob das Geschäft anspringt, die
Kurzarbeit beenden oder verlängern." "Wir sind in eine deutliche Marktschwäche hineingekommen, die
auch
die gesamte Branche trifft", erklärte Seidl den Verlust von 7,7
Millionen Euro im ersten Halbjahr 2011. Als spezialisierter
Hersteller von TV-Geräten sei Loewe besonders stark getroffen worden.
"Wir sind aber zuversichtlich, dass das Geschäft in der
Weihnachtssaison wieder anspringt", sagte der Loewe-Chef. "Das klare
Ziel ist, mit dem Weihnachtsgeschäft und der Fußball-EM 2012 wieder
mehr Umsatz und ein besseres Ergebnis zu erzielen."
Kein Strategie-Wechsel
Loewe will dabei trotz der heftigen Preiskämpfe in der Branche
an
der langjährigen Oberklasse-Strategie festhalten. "Wir sind überzeugt
davon, dass es in jeder Branche ein Premium-Segment gibt, bei dem die
Menschen bereit sind, mehr Geld für etwas Besonderes auszugeben",
betonte Seidl. Und das sei der Markt, den Loewe bedienen wolle. Auch
durch Preiskämpfe und Rabattaktionen sei das Marktsegment der teuren
Geräte nicht kleiner geworden: "Es ist die Mitte, die schrumpft".
Einbindung von
Smarpthones und Tablets
Loewe will sich auch mit einer intelligenten Einbindung von
Smarpthones und Tablets, der Verknüpfung von Geräten in verschiedenen
Räumen hervorheben, sowie der Möglichkeit, Design-Elemente selbst zu
bestimmen. Um mehr Fernseher zu verkaufen, nimmt Loewe jetzt auch
verstärkt Käufer von Zweit- und Dritt-Geräten ins Visier - aber ohne
das Premium-Image der Marke zu verwässern, betonte Seidl. "Die
Bildschirme sind vielleicht kleiner, aber die Geräte, die wir dort
anbieten, sind absolut top ausgestattet."
Vorerst keine Expansion nach China
Eine Expansion nach China - in den aktuell am stärksten
wachsenden
Markt für TV-Geräte - stehe vorerst nicht auf der Tagesordnung: "Wir
sehen in Europa noch hervorragende Wachstumschancen, mittelfristig
müssen wir darüber nachdenken, wie wir in die Wachstumsregionen
dieser Welt kommen." Deutschland als Produktions-Standort stehe nicht zur
Disposition.
"Wir wollen nur aus Deutschland heraus produzieren", sagte Seidl. Man
habe hier gut ausgebildete und loyale Mitarbeiter, für viele Kunden
sei "Made in Germany" zudem ein Kaufargument. Loewe habe auch
festgestellt, dass eine Verlagerung der Produktion nach Asien keine
gravierenden finanziellen Vorteile bringen würde. Der Kostenanteil
der direkten Löhne liege bei rund 5 Prozent - "da könnten wir keine
großen Einsparungen erzielen". (APA)