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Gemischte Bilanz von Parteien und NGOs

1. September 2011, 15:02

Verbesserungen und weiter ungelöster Probleme

Wien - Eine gemischte Bilanz haben am Donnerstag sowohl Parteien als auch NGOs nach einem Jahr Bedarfsorientierter Mindestsicherung gezogen.

Die Armutskonferenz kritisierte, dass von einer österreichweit einheitlichen Sozialhilfe nach wie vor nicht die Rede sein könne. Es habe weiterhin jedes Bundesland "seine eigene Mindestsicherung". Die Höhe, die der Mindestpension entspricht, reiche nicht aus, wenn man Miete und Energiekosten abzieht, bleibe zum Leben nur mehr ganz wenig übrig. Positiv findet die Armutskonferenz, dass alle Bezieher der Mindestsicherung jetzt auch krankenversichert sind. Ein Wermutstropfen dabei sei allerdings, dass sich viele die Selbstbehalte für Heilbehelfe nicht leisten könnten.

Landau: Zu lange Wartezeiten

Für den Wiener Caritasdirektor Michael Landau war die Einführung der Mindestsicherung "ein erster wichtiger und sinnvoller Schritt, um Österreich ein Stück armutsfester zu machen." Gleichzeitig sieht Landau im Praxistest neben Verbesserungen aber auch Verschlechterungen und ungelöste Probleme. So komme es im Vollzug auf den Ämtern zu langen Bearbeitungszeiten. "Wartezeiten bis zu drei Monaten sind keine Seltenheit."

Martin Gleitsmann, der Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer, sieht bei der Mindestsicherung noch nicht alle Hausaufgaben erfüllt. Neben der Geldleistung müsse nun die Aktivierung der Bezieher klar im Vordergrund stehen, um die Bezieher stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sonst helfe die Mindestsicherung weder den Beziehern noch den ohnehin leeren Sozialhilfekassen. Zudem plädiert der Wirtschaftskammer-Experte für eine stärkere Einbeziehung der Länder und Gemeinden.

Öllinger: "Mindestsicherung ist reformbedürftig"

Positiv fiel die Bilanz der ÖVP aus, die vor der Einführung noch skeptisch gewesen war. Sozialsprecher August Wöginger bezeichnet die Mindestsicherung als "wichtige Hilfe für jene, die wirklich Hilfe benötigen. Diese finanzielle Unterstützung ist aber keine Hängematte, sondern ein Sprungbrett für das Erwerbsleben". Für Wöginger ist die Mindestsicherung nicht nur "ein Instrument zur Armutsbekämpfung", sondern auch eine "wichtige und notwendige Vereinfachung und Vereinheitlichung im österreichischen Sozialsystem".

Das sehen die Grünen ganz anders. Für Sozialsprecher Karl Öllinger ist ein Jahr Mindestsicherung "leider kein Grund zu feiern. Sie war schon von Beginn an nur eine Minisicherung. In der Praxis ist sie leider auch ein Papiertiger. Wer auf Minisicherung angewiesen ist, kriegt unter unzumutbaren Schikanen nur drei Viertel dessen, was in Österreich als Armutsgefährdungsschwelle gilt", kritisierte Öllinger. Für ihn ist die Mindestsicherung dringend reformbedürftig. "Denn derzeit ist sie leider kein Trampolin, sondern ein in Cosa-Nostra-Manier angelegter Betonpatschen. Menschen in Notlagen werden in die Tiefen der Armut versenkt und dort festgehalten."

FPÖ: Fehlende Kontrolle

Auch FPÖ-Vizeparteichef Norbert Hofer bemängelt, dass die Mindestsicherung oft zu einer Verschlechterung für die Betroffenen geführt habe, weil die Bundesländer unterschiedlich vorgehen. Er kritisierte, dass fehlende Kontrolle zu Missbrauch führe und bekräftigte die FPÖ-Forderung, die Mindestsicherung nur für Inländer auszuzahlen. An Drittstaatsangehörige sollte die Auszahlung überhaupt eingestellt werden, an EU-Bürger sollte sie nur dann ausgezahlt werden, wenn mit deren Herkunftsländern Abkommen über die Ermittlung von Vermögenswerten bestehen.

Gegen die bedarfsorientierte Mindestsicherung und für das BZÖ-Modell des Bürgergelds sprach sich BZÖ-Sozialsprecher Sigisbert Dolinschek aus. Ziel müsse sein, eine Hilfe in Notsituation wie vorübergehender Arbeitslosigkeit zu bieten, allerdings nur "Leistung gegen Arbeit." "Wer nicht arbeiten will - etwa durch stundenweise Sozialdienste - dem sollen die Zuwendungen gekürzt werden." (APA)

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10 Postings
KarlH2
00
15.9.2011, 08:31

Alle bekommen eine Inflationsabgeltung. Nur Mindestsicherungsbezieher nicht.

bin_entsetzt
02
Trotz Mindestsicherung

leben noch immer mehr als 1 Million Mensch in Österreich am Rande der Armut. Vorher waren es sogar etwas weniger. Mehr als 1/4 sind Kinder. Ein schöner Zustand in Österreich, auf den wir richtig stolz sein können.

bula sagt
03
leider hat öllinger

vollkommen recht.
leider wegen der dummheit einer einstmals sozial engagierten spö und einer detto christlichsozialen volkspartei.
beim hinterbänkler wöginger aus der ärmelschonerfraktion öaab, der wahrscheinlich nur wegen seines beruflichen werdeganges beim roten kreuz in schärding (betriebsratvorsitzender) zum sozialsprecher aufstieg, kann aufgrund seines statements vermutet werden, dass er schon des öfteren bei seinem bevorzugten wintersport eisstockschiessen ausgerutscht und schwer aufgeschlagen ist.

stretfordender
40

wo hat er recht? Genau wegen solchen Aussagen sind die Grünen noch immer nicht wählbar!
Alles fordern, aber selbst nicht die Initiative ergreifen. Ein Sozialstaat basiert eben auf Leistung und Gegenleistung.
Wer geht denn noch arbeiten, wenn seine Forderung erfüllt wird?
Eine unzumutbare Schikane ist es eher, dass im Erwerbsleben stehende Leute an der Armutsgefährdungsschwelle liegen, aber die sind ja offenbar nicht das Klientel der Grünen.

Harry Y.
 
01
"Wahrlich, ich sage euch: Was ihr dem geringsten meiner Brüder (und Schwestern) getan habt,

das habt ihr auch mir getan." Mt 25:40

Harry Y.
 
00

bzw. angetan

Harry Y.
 
02
Dem "Arbeitsunwilligen"*) werden die Bezüge schon empfindlich gekürzt, du BZÖ-Dodel!!

*) Dies Wort allein ist schon eine derartige Sauerei, dass ich auf jedes weitere Kommentar verzichte - am besten spuckt man nur aus.

Dr. Wolfgang Schüsse1
41

Die bedarfsorientierte Mindestsicherung ist ein Fehlgriff, vielmehr bedarf es eines bedingungslosen Grundeinkommens. http://www.youtube.com/watch?v=XqJjWe1QeUY

Christoph Karl Steininger
02
Die Wortspenden all dieser Politiker beweisen vor allem eins:

Sachpolitik ist von diesen Leuten nicht zu erwarten! Die ideologischen Scheuklappen verhindern einen gangbaren Weg. Sachorientierte Lösungsansätze, die vor allem bei Armutsbekämpfung dringend notwendig wären fehlen gänzlich.
Herausgekommen ist der kleinste gemeinsame Nenner und wiederum 9 unterschieliche Systeme. Föderalismus pur! Die Krönung der Idiotie sind die Rückforderungen sobald sich jemand, mit ach und krach, aus der Notlage befreit hat! Man drängt die Leut mit Gewalt ins Prekariat zurück!
Selbst Bausparverträge müssen aufgelöst werden, bevor man Geldleistung erhält! Reine Schikane!

Aktive Arbeitslose
03
Wie so üblich

werden wieder einmal die Betroffenen übergangen, sonst könnt ja einmal gar die Demokratie in Österreich ausbrechen.

Unser Statement zum heutigen Geburtstag:

1 Jahr Mindestsicherung in Wien: Bombenüberraschungen für Hilfe Suchende!
http://www.aktive-arbeitslose.at/news/2011... ritik.html

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