Schwieriges Terrain

"Sie sind gekündigt"

7. September 2011, 11:33
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    foto: s. hofschlaeger / www.pixelio.de

    Unangenehme Aufgabe

    Foto: S. Hofschlaeger/www.pixelio.de

Kündigungsgespräche sind ein Tabuthema - Wie es geht und was auf sie zukommt, wissen die wenigsten Führungskräfte

Im Film "Up in the Air" fliegt George Clooney als Ryan Bingham, um die Welt um die Mitarbeiter verschiedenster Firmen zu feuern. Die Unternehmensvertreter wollen die schlechten Nachrichten nicht selbst überbringen und beauftragen daher Binghams Firma mit dem Prozedere. Eine Art von Lösung für eine unangenehme Aufgabe.

Mitarbeiter kündigen gehört naturgemäß auch im realen Arbeitsalltag nicht zu den Lieblingsaufgaben in Führungsjobs: "Trennungen sind ein Tabuthema", weiß Walter Reisenzein. Seine Beratungsfirma DBM hat Personalchefs von 600 Unternehmen in Österreich befragt, wie sie damit umgehen. Die Hauptstrategie laut der Studie ist Learning by Doing. Nur 18 Prozent der Firmen schulen Führungskräfte für solche Gespräche.

Hohe Fehlerquote

Freitagnachmittag, vor dem Urlaub oder beim Mittagessen - alles unpassende Situationen für eine Kündigung. Das sensible Terrain ist fehleranfällig. Reisenzein hat selbst erlebt, dass ein Konzernmanager in London einen Mitarbeiter in Griechenland per Telefon kündigte. Ein Fauxpas, genauso wie der Nachrichtenweg per Mail. "Die Betroffenen sind nicht nur über die Kündigung erschüttert, sondern mehr über das Wie", weiß der Berater. Als Konsequenz wollte der besagte Gekündigte dem ehemaligen Arbeitgeber schaden. Gestohlene Daten, Arbeitsgericht, schlechte Nachrede, das alles sei ihm schon untergekommen.

Wie erleben Gekündige solche Gespräche?

Wie sich Gekündigte fühlen, beschreibt Andreas Nentwich, der zwanzig Jahre als Führungskraft für die Markenartikelindustrie gearbeitet hat und Geschäftsführer eines internationalen Konzerns war, in seinem Buch "Rausfliegen mit Erfolg". Er reflektiert darin die Ergebnisse zahlreicher Tiefen-Interviews mit Betroffenen. Die ersten gedanklichen Reaktionen reichen von blankem Unverständnis, innerem Kampf, nackter Angst bis hin zum eher seltenen Gefühl der Freiheit. Grundsätzlich unterscheide man vier Reaktionstypen auf Kündigungen, meint Reisenzein: den Beherrschten, den Aggressiven, den Geschockten und den Verhandler.

Professionelle Vorgangsweise bei Trennungsgesprächen

Für Überbringer der schlechten Nachricht gibt es einige einfache Regeln. "Der Vorgesetzte soll vor allem gut vorbereitet sein, schnell zum Punkt kommen, über das Ausstiegspaket und über weitere Gesprächstermine informieren, sowie Zeit für Reaktionen und Fragen lassen", rät Reisenzein. Betroffene möchten lieber mit dem direkten Vorgesetzten sprechen, der Raum sollte von außen nicht einsehbar und störungsfrei sein. Nach spätesten drei Sätzen sollte klar sein, dass das Gespräch ein Kündigungsgespräch ist: keine Möglichkeitsform, keine komplizierten Erklärungen, kein Small Talk zum Einstieg. Für Details sollte ein zweiter Gesprächstermin einige Tage später vereinbart werden.

Hilfreich kann in manchen Fällen auch das externe Angebot einer Outplacement Beratung sein: Das scheidende Unternehmen finanziert dem Gekündigten eine gewisse Zeit lang einen professionellen Berater, der bei der Jobsuche zur Hand geht. Der Vorteil für den ehemaligen Arbeitgeber ist, den Imageverlust in Grenzen zu halten. Der Gekündigte auf der anderen Seite ist weniger gefährdet in ein Loch zu fallen. Allerdings kostet so ein Service auch einige tausend Euro. Ob mit oder ohne Outplacement - geht es ums Menschliche - hilft im Zweifelsfall auch ein Sprichwort auf die Sprünge: Man trifft sich im Leben immer zweimal. (mat, derStandard.at, 7.9.2011)

Vier Reaktionen Gekündigter und die Konsequenzen

Der Beherrschte

Zeigt keine äußeren Anzeichen der Betroffenheit. Der Vorgesetzte weiß nicht ob die Botschaft überhaupt angekommen ist. Dieser Typus kann auch ein Verdränger sein. Reisenzein: "Es ist schon vorgekommen, dass solche Typen wieder zur Arbeit gekommen sind, als wäre nichts gewesen."

Der Aggressive

Schreit, weint, ist mitunter sogar handgreiflich. Der Vorgesetzte kann sich persönlich angegriffen fühlen, beteuert die Firma habe über die Kündigung entschieden nicht er selbst. Reisenzein: "Hier ist es hilfreich im Raum nebenan jemanden zu haben, für den Fall, dass es zu Handgreiflichkeiten kommt."

Der Geschockte

Erstarrt, wird bleich, weint vielleicht. Der Vorgesetzte fühlt sich schuldig, beginnt zu beschönigen.

Der Verhandler

Erkannte schon im Vorfeld, dass es zur Kündigung kommen wird. Ist der Vorgesetzte nicht gut vorbereitet, verliert er möglicherweise die Gesprächsführung. Die Gefahr: er macht nicht durchführbare Zugeständnisse. Reisenzein: "Laut deutschen Studien dauert es rund eineinhalb Jahre ehe es zur Kündigungsentscheidung kommt."

Link

Nachlese: Kündigung mit finanzierter Ausquartierung

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 83
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LCMSMS2
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Also bei Contipark ...

... wurde ich per Brief gekündigt. Ich habe mich den ganzen Tag schon gewundert, wieso der Garagenleiter so komisch drauf ist. Er wusste natürlich noch nicht, ob ich den Brief schon erhalten hatte - ging mir später auf.

Feiges Pack.

Roter Baron
20
>über das Ausstiegspaket und über weitere Gesprächstermine informieren<

verars*he bis zur tür hinaus.

was soll dieser artikel ?????
sollen wir jetz mitleid mit den karrieregeilis haben ??
das ist doch nicht euer ernst !!!!!
wir alle wissen, wie leitungsfunktionen besetzt werden, niemand kommt da zum kind, wie die jungfrau.

roter baron

RS69
 
01

"Wir alle wissen" ist meist die EInleitung für Behauptungen ohne Grundlage.

Was stört Sie? Kündigungen passieren, Kündigungen sind unangenehm - und trotzdem macht das Wie einen riesigen Unterschied.

living reef
00
5. reaktion

der betroffene setzt sich ins auto und beendet die fahrt "aus ungeklärter ursache" an einem tunnelportal, baum oder zug....

RS69
 
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Deswegen fürt man solche Gespräche besser nicht gerade kurz bevor die Mitarbeiter heimgehen.

flavius76
08

-> nur zur Erzänzung:

SO sieht die perfekte Arbeitnehmer-Kündigung aus:

http://www.youtube.com/watch?v=2c4U7vG_Kzc

;-)

mikesh713
 
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13.9.2011, 19:04

auch Edward Norton zeigt uns in Fight Club, wie man standesgemaess kuendigt.

flavius76
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"Ergänzung" sollte das natürlich heißen...

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04

Mir fehlt in der auflistung "Der ein Wurzerl auf den Tisch leger".

Post(er)
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und der Bestecher, der mit 10.000 versucht, sich den Arbeitsplatz zu finanzieren um nicht arbeitslos zu werden. Gibts den auch? Oder nur im Management?

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oder der schuldbewusste der das gehalt der vergangenen jahre zurückzahlt?

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oder der schuldbewusste der das gehalt der vergangenen jahre zurückzahlt?

DD1981
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Fehlt da nicht irgendwie der Hinweis einen Zeugen bei der Kündigung dabei zu haben?

Corello
 
00
"Zeugen"

Warum? Nach dem Gespräch folgt's ja eh noch schriftlich & evt. eingeschrieben.

RS69
 
20

Vorsicht: Das Gespräch ist allein für sich rechtsgültig.

Wenn Sie dann anschliessend was schreiben, kann di eGegenseite behaupten, es wurde was ganz anderes gesagt. Oder er geht mal in Krankenstand - das kostet Sie dann bis zur nächsten fristgerechten Kündigung.

sawi48
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@RS

Er kann aber auch während des Krankenstands gekündigt werden.

RS69
 
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Klar - sofern Sie die wirksame Zustellung (!) nachweisen können. Wenn der Mitarbeiter glaubhaft machen kann, dass Ihr Schreiben nie angekommen ist, verschiebt sich die Frist zum nächsten Termin.

Im Endeffekt kann der MA ja nur die paar Tage krank sein, bis die Frist vorbei ist (kann er ja im Vertrag nachlesen), dann gewinnt er bezahlte Zeit bis zur nächsten Kündigungsfrist.

Das heiklere ist aber: Was, wenn er mit einer Aktennotiz kommt, was Sie Alles zugesagt haben? - dann steht's Aussage gegen Aussage. Und möglicherweise haben Sie ja wirklich was schlecht formuliert).

Arbeitsverhältnisse beenden ist nichts, was man zwischen Tür und Angel mal schnell erledigen sollte.

sawi48
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Stimmt !

Corello
 
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sie haben recht.

der Mensch ist schlecht.

RS69
 
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Das gilt für beide Seiten gleich. Und es kommt auch vor, dass durch unklare Kommunikation - ist ja für beide Seiten eine Stress-Situation - jeder ein anderes Ergebnis mitnimmt, und ehrlich glaubt, dass das so vereinbart ist.

Deswegen empfehle ich: Zu zweit reingehen, im ersten Gespräch die Situation klarlegen, und noch nichts unterschreiben bzw unterschreiben lassen (ist auch fairer), und einen Termin eine Woche später vereinbaren, bei dem dann die Details geklärt werden.

Wenn man (bald ehemalige) Mitarbeiter nicht über den Tisch zieht, sind die Chancen auch grösser nicht geklagt zu werden.

Chocoholic
00
15.9.2011, 09:17
zu zweit reingehen... aber auch dem Mitarbeiter die Moeglichkeit geben,

den Betriebsrat oder privat wen mitzunehmen. Denn ansonsten wirds noch kotziger.

RS69
 
00
15.9.2011, 10:33

Ich empfehle meinen Kunden, das erste Gespräch zu zweit mit dem Betroffenen (= zwei LEute + Betroffener) zu führen.

Dann - ohne das irgendwer was unterschreibt - auseinander zu gehen, und einen weiteren Termin in ca einer Woche zu vereinbaren. Und ev. dem Mitarbeiter (hängt von der Person ab) zu sagen: Lassen Sie sich beraten.

Ich bin da altmodisch - ich finde der Mitarbeiter sollte es persönlich erfahren, und nicht durch "bringen's einen Anwalt mit" darauf Aufmerksam gemacht werden, worum's geht. ;-)

RS69
 
00

Wenn Sie was sagen ist es bindend - und was machen Sie, wenn er dann vor dem Arbeitsgericht behauptet, SIe häten ihm dafür dass er unterschreibt 6 Monatsgehälter freiwillige Abfertigung zugesagt? Oder wenn er sagt, SIe hätten ihm gedroht, falls er nicht unterschreibt (Nötigung)? ...

In Ausnahmesituationen - dazu gehören Kündigungen - jemand Zweiten dabei zu haben ist sinnvoll.

SK26
01

einen komplizen für den Arbeitgeber um die Nötigung zu verschleiern? Wenn der Arbeitgeber einen Zeugen hat, steht dem Arbeitnehmer auch ein Zeuge zu (es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Zeuge des Arbeitgebers neutral ist), ohne Zeuge des Arbeitnehmer wird man dem (voreingenommenen) Zeugen des Arbeitnehmer keinen glauben schenken können. Noch dazu ist zu zweit gegen einen eine Nötigung auch noch Glaubwürdiger als einer gegen einen...Wenn mir der mit einem Zeugen gegenüber sitzt würde ich das Gespräch sofort Unterbrechen und meinerseits einen Zeugen hinzuziehen, und zwar meinen Anwalt.

RS69
 
00

"...Wenn mir der mit einem Zeugen gegenüber sitzt würde ich das Gespräch sofort Unterbrechen und meinerseits einen Zeugen hinzuziehen, und zwar meinen Anwalt."

Können's ja ruhig - seriöserweise wir die Kündigung ausgesprochen, die Situatin dargelegt, und dem Gekündigten Zeit gegeben, sich beraten zu lassen, und ein neuer Termin ausgemacht.

Wenn der AN seinen Anwalt mitbringt, ist das nicht nachteilig - dann kann er sich's nachher kaum mehr anders überlegen, und sagen er wurde überrumpelt. Meist lohnt sich's aber nicht - Anwälte sind teuer.

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