Wien-Floridsdorf

Wer's findet, dem gehört's nicht gleich

Sandra Eigner, 2. September 2011, 06:56
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    Hier im Logistik-Center in Floridsdorf findet auch der Altwarenverkauf statt.

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    Zu kaufen gibt es sehr viel Kindergartenausstattung.

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    Regenschirme gingen im verregneten Juli gut.

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    Zum Verkauf gelangen auch alte Bürosessel aus den Magistratsabteilungen.

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    Die meisten Gegenstände werden in den öffentlichen Verkehrsmitteln verloren.

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    Die Preise für die Fundsachen sind moderat.

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    Nicht mehr zu verkaufende Dinge werden entsorgt.

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    Im Lager stehen regalweise Putzmittel und Klopapier.

45.000 Gegenstände landen jährlich beim Fundservice der Stadt Wien - Was keiner vermisst, kommt ins Logistik-Center mit Second-Hand-Laden

Von außen sieht das Logistik-Center genauso unscheinbar aus, wie viele andere Firmengebäude im Industriegebiet zwischen Großfeldsiedlung und den Gleisen der Nordbahn. Doch drinnen befindet sich ein ganz besonderer Second-Hand-Laden, der Altwarenverkauf der MA 54. Jedes Jahr landen 45.000 Fundgegenstände beim Fundservice der Stadt Wien. Über die Hälfte davon wird nie wieder abgeholt und gelangt im Logistik-Center zum Verkauf.

Fahrräder, Turnsackerl und Handys

Durch ein rotes Tor gelangt man vom Hof in eine große Halle. Hier findet man nicht mehr benötigte Einrichtungsgegenstände aus den Dienststellen, aber auch Wühltische und Vitrinen mit nicht abgeholten Fundgegenständen vom Fundservice der Stadt Wien. 

"Am häufigsten bekommen wir Fahrräder, Kinderwägen, Regenschirme, übrigens einer der beliebtesten Verlustgegenstände, Gehstöcke, Taschen, Turnsackerl, Sportschuhe und Sportmaterialien, Fotoapparate, Handys, Krücken", zählt der Leiter des Logistik-Centers, Leopold Harrich, sein unfreiwilliges Sortiment auf. 

Es gibt es auch jede Menge Jacken, sogar ein DVD-Player und eine Play-Station sind dabei. Diese Dinge kann man käuflich erwerben, zu einem Spottpreis. Regenschirme gibt es um einen Euro, Fahrräder kosten zwischen 35 und 100 Euro. 

Weiter Weg der Fundsachen

Doch bis die Fundsachen bei Harrich im Logistik-Center ankommen, ist es ein weiter Weg. 2003 übernahm die Stadt das Fundservice von der Polizei. Zunächst wurde es zentral abgewickelt, nun sind die Bezirksämter dafür zuständig.

Findet jemand etwas, kann er es entweder direkt im Amt oder in einer der 20 Fundboxen abgeben. Am öftesten würden Geldbörsen, Schlüssel und "überraschenderweise Kfz-Kennzeichen" abgegeben werden, schildert der Leiter des Zentralen Fundservice, Andreas Prikoszovich.

Ungefähr ein Monat bleiben die gefundenen Dinge in den Ämtern. Gibt es Hinweise auf den Besitzer, wird dieser kontaktiert, meldet sich niemand, kommen die Sachen in ein Lager in den dritten Wiener Gemeindebezirk. Etwa 40 Prozent der verlorenen Dinge werden wieder abgeholt, der Rest kommt nach einem weiteren Jahr nach Floridsdorf zum Altwarenverkauf. Außer der Finder oder die Finderin hat einen Eigentumsanspruch gestellt.

Gebiss gefunden

Die meisten Sachen werden in den öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden. Die Verkehrsbetriebe liefern täglich an das Zentrale Fundservice. Auch in Postkästen landen immer wieder Fundgegenstände. Einig sind sich Harrich und Prikoszovich über den skurrilsten Gegenstand, der jemals den Weg in ihre Hallen fand: ein vollelektrischer Rollstuhl, der vor einem Lokal gefunden wurde. "Da fragt man sich dann schon, was da wohl passiert ist", sagt Andreas Prikoszovisch, "ein Wunder vielleicht?"

Auch Gebisse werden immer wieder gefunden und nie abgeholt. Die werden allerdings nicht mehr zum Altwarenverkauf angeboten.

Zwischen Putzmittel und Kindergartentischen

Tatsächlich mache der Altwarenverkauf nur einen kleinen Teil der Aufgaben des Logistik-Centers aus, sagt dessen Leiter Leopold Harrich. Bereits im Hof stapeln sich alte Kindergartenmöbel, sogar kleine Holzdreiräder, wie man sie aus der eigenen Kindergartenzeit kennt, stehen herum. In der Luft liegt der Geruch von Sägespänen.

"In erster Linie dient das Logistik-Center als Lager für Artikel, die wir an Schulen, Kindergärten und die Magistratsabteilungen liefern", erklärt Harrich. Er weist den Weg in eine Lagerhalle, in der sich in Regalreihe an Regalreihe Putzmittel, Seife und Klopapier türmen. Auch eine Tischlerei und eine Schlosserei gibt es im Gebäude. Hier wird Ausstattung für Kindergärten und Schulen hergestellt. Nichts für Schnäppchenjäger also.

Zum Altwarenverkauf kommen jährlich rund 4.500 KundInnen. Fast alle Fundsachen finden einen Käufer oder eine Käuferin, was übrig bleibt wird endgültig entsorgt. Mittlerweile seien sie schon ziemlich leer geräumt, sagt Leopold Harrich. "Aber die nächste Lieferung vom Zentralen Fundservice in der Landstraße kommt ja schon sehr bald." (Sandra Eigner, derStandard.at, 2.9.2011)

Altwarenverkauf im Logistik-Center der MA 54
Mo - Fr 8.00 bis 13.30, Do 8.00 bis 18.00
21., Oswald-Redlich-Straße 9

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
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David Böhm
02

Ich hab vorigen Freitag meine Schlüssel verloren, aber ein ehrlicher Finder hat sie abgegeben, danke, und ich wollte Finderlohn bezahlen, aber die Dame beim fundamt meinte die Schlüssel wären anonym abgegeben worden! Trotzdem bin ich froh das ich nicht gleich ein neues schloss gekauft habe!!

rollie63
00

falls ich etwas finde, der besitzer meldet sich nicht, dann geht das fundstück doch nach einiger zeit in meinen besitz. ist da der verkauf nicht rechtswidrig?

frank franki
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Nicht wenn Sie nicht den Eigentumsanspruch stellen. Den meisten Krempl dort wird aber wahrscheinlich ohnehin niemand wollen...

rollie63
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thx

Renegade Hardware Ltd.
52

Neben den Bürosesseln ist sicher noch ein Haufen mit angstaubte Beamten von der letzten Reform.

Ulrike Reiter
03
Ziemlich viele ehrliche Finder

Ich war einmal in einem Leben in einem Fundbüro, weil ich eine Armbanduhr verloren hatte. Zunächst hat mich erstaunt, dass ich der einzige Suchende war, während mindesten zehn Leute da waren, die etwas abgeben wollten. So verblüfft es mich, dass in Wien 40 Prozent der Sachen wieder zu ihrem Besitzer gelangen.

Die unglaubliche Menge an Dingen, die dort zu sehen waren, hat mich ebenfalls überwältigt. Auf Nachfrage habe ich erfahren, dass das nur die Ausbeute von einem Monat war (das war das Fundbüro einer Kleinstadt).

Seitdem ist das Vertrauen in meine Mitmenschen beachtlich gewachsen, obwohl ich meine Uhr nicht zurückbekommen habe.

RiseUp!
231
widerlich...

...wie die stadt wien gefundene gegenstände an wahrscheinlich bedürftige menschen verhökert!

Der Onkel mit dem Speiseeis
03

ich nominiere sie nach für das dümmste posting der 35. kalenderwoche.

Radium
03

würde man die Sachen verschenken, kämen die Leute in Scharen um sich das Zeug mitzunehmen obwohl sie es eh nicht brauchen, es landen dann im Müll. Deshalb verlangt man halt ein bisschen was dafür.

Emil Sacklinger
 
06

... ihnen wär's lieber, auf die deponie damit?

(für bedürftige und andere mitbürger ist's ein schnäppchen - ein kleiner grund zur freude)

Der Mann
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ähm

warum nicht 50 cent für alles - das wäre ok

alles andere ist durchaus als widerlich zu bezeichnen.

KM56
01
25.9.2011, 23:05
Die Aufbewahrung =Lager und das Personal kosten schließlich auch Geld

Das ist eine rein kaufmännische Entscheidung und völlig richtig, Geld dafür zu verlangen. Sonst müßte der Steuerzahler für die Kosten aufkommen. Die Stadt Wien macht's richtig!

Thomas Eugene
04

dann landet es am flohmarkt am naschmarkt und nacher auf der deponie. nicht unbedingt eine lösung.

"MEIKA!" - macht das Würstchen
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Bild 6

Wie kann man einen regal-"verbau" verlieren?

In den Öffis? :P

Befreier von Butter und Eier
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Also ich sags glei, die Geldbörseln habe alle i verlurn!
Wann kann ich's holen.

Emil Sacklinger
 
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... wann immer sie wollen.

(allerdings ohne inhalt)

Dr. Schnittlauch
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paradox: der vergessene regenschirm sieht aber mitgenommen aus....

keywords
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wie kann es sein, dass man bei einem handy den besitzer nicht ausfindig macht?

wenn der nicht im telefonbuch steht - und die telefonnummer der simkarte ist ja wohl eruierbar - ists eine gmahte wiesn, in anderen fällen könnte man "mama" oder "schatzerl" anrufen und fragen, von wem man mama sei. wem das zuwenig ist, kann ja immer noch eine beschreibung des telefons fordern von der angeblich besitzenden person.

Amish Bob
 
03
Die SIM Karten ...

... sind sogar bei dem Anbieter registriert, der sie ausgegeben hat. Mit dem Namen der Person, die die Rechnung zahlt. Sollte also echt kein Problem sein den Besitzer ausfindig zu machen, und wird meines Wissens nach auch vom Fundservice so gemacht. Warum es trotzdem Handys ohne Besitzer gibt, wäre interessant zu erfahren. Werden ja nicht alle anonyme prepaid sein, oder?

kiloi
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Vielleicht weil

die Sim entfernt wurde.
dann gibt es nur noch die IMEI des handys und die wird nicht von allen betreibern langfristig gespeichert.

Amish Bob
 
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Warum sollte man die SIM ...

... entfernen, bevor man das Handy verliert?

großwolfi
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Passt!

Wie schön, dass gefundene Gegenstände in der Redlich-Straße enden...

lupus816
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ich sch... mich an - die dreiräder gibts immer noch

hab glaubt die sind schon vor ewigkeiten aufn schrott gewandert. gott was hängen da erinnerungen an die 80er dran... ;-)

Lectrice
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Ich habe in den 60ern exakt dasselbe gehabt ;-).

eilis
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wir haben ewig lang gesucht,dass wir so eins bekommen,hat die mörderkohle gekostet,war aber praktisch unzerstörbar und hat 2 kleine rallyefahrer überlebt :)

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