45.000 Gegenstände landen jährlich beim Fundservice der Stadt Wien - Was keiner vermisst, kommt ins Logistik-Center mit Second-Hand-Laden
Von außen sieht das Logistik-Center genauso unscheinbar aus, wie viele andere Firmengebäude im Industriegebiet zwischen Großfeldsiedlung und den Gleisen der Nordbahn. Doch drinnen befindet sich ein ganz besonderer Second-Hand-Laden, der Altwarenverkauf der MA 54. Jedes Jahr landen 45.000 Fundgegenstände beim Fundservice der Stadt Wien. Über die Hälfte davon wird nie wieder abgeholt und gelangt im Logistik-Center zum Verkauf.
Fahrräder, Turnsackerl und Handys
Durch ein rotes Tor gelangt man vom Hof in eine große Halle. Hier findet man nicht mehr benötigte Einrichtungsgegenstände aus den Dienststellen, aber auch Wühltische und Vitrinen mit nicht abgeholten Fundgegenständen vom Fundservice der Stadt Wien.
"Am häufigsten bekommen wir Fahrräder, Kinderwägen, Regenschirme, übrigens einer der beliebtesten Verlustgegenstände, Gehstöcke, Taschen, Turnsackerl, Sportschuhe und Sportmaterialien, Fotoapparate, Handys, Krücken", zählt der Leiter des Logistik-Centers, Leopold Harrich, sein unfreiwilliges Sortiment auf.
Es gibt es auch jede Menge Jacken, sogar ein DVD-Player und eine Play-Station sind dabei. Diese Dinge kann man käuflich erwerben, zu einem Spottpreis. Regenschirme gibt es um einen Euro, Fahrräder kosten zwischen 35 und 100 Euro.
Weiter Weg der Fundsachen
Doch bis die Fundsachen bei Harrich im Logistik-Center ankommen, ist es ein weiter Weg. 2003 übernahm die Stadt das Fundservice von der Polizei. Zunächst wurde es zentral abgewickelt, nun sind die Bezirksämter dafür zuständig.
Findet jemand etwas, kann er es entweder direkt im Amt oder in einer der 20 Fundboxen abgeben. Am öftesten würden Geldbörsen, Schlüssel und "überraschenderweise Kfz-Kennzeichen" abgegeben werden, schildert der Leiter des Zentralen Fundservice, Andreas Prikoszovich.
Ungefähr ein Monat bleiben die gefundenen Dinge in den Ämtern. Gibt es Hinweise auf den Besitzer, wird dieser kontaktiert, meldet sich niemand, kommen die Sachen in ein Lager in den dritten Wiener Gemeindebezirk. Etwa 40 Prozent der verlorenen Dinge werden wieder abgeholt, der Rest kommt nach einem weiteren Jahr nach Floridsdorf zum Altwarenverkauf. Außer der Finder oder die Finderin hat einen Eigentumsanspruch gestellt.
Gebiss gefunden
Die meisten Sachen werden in den öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden. Die Verkehrsbetriebe liefern täglich an das Zentrale Fundservice. Auch in Postkästen landen immer wieder Fundgegenstände. Einig sind sich Harrich und Prikoszovich über den skurrilsten Gegenstand, der jemals den Weg in ihre Hallen fand: ein vollelektrischer Rollstuhl, der vor einem Lokal gefunden wurde. "Da fragt man sich dann schon, was da wohl passiert ist", sagt Andreas Prikoszovisch, "ein Wunder vielleicht?"
Auch Gebisse werden immer wieder gefunden und nie abgeholt. Die werden allerdings nicht mehr zum Altwarenverkauf angeboten.
Zwischen Putzmittel und Kindergartentischen
Tatsächlich mache der Altwarenverkauf nur einen kleinen Teil der Aufgaben des Logistik-Centers aus, sagt dessen Leiter Leopold Harrich. Bereits im Hof stapeln sich alte Kindergartenmöbel, sogar kleine Holzdreiräder, wie man sie aus der eigenen Kindergartenzeit kennt, stehen herum. In der Luft liegt der Geruch von Sägespänen.
"In erster Linie dient das Logistik-Center als Lager für Artikel, die wir an Schulen, Kindergärten und die Magistratsabteilungen liefern", erklärt Harrich. Er weist den Weg in eine Lagerhalle, in der sich in Regalreihe an Regalreihe Putzmittel, Seife und Klopapier türmen. Auch eine Tischlerei und eine Schlosserei gibt es im Gebäude. Hier wird Ausstattung für Kindergärten und Schulen hergestellt. Nichts für Schnäppchenjäger also.
Zum Altwarenverkauf kommen jährlich rund 4.500 KundInnen. Fast alle Fundsachen finden einen Käufer oder eine Käuferin, was übrig bleibt wird endgültig entsorgt. Mittlerweile seien sie schon ziemlich leer geräumt, sagt Leopold Harrich. "Aber die nächste Lieferung vom Zentralen Fundservice in der Landstraße kommt ja schon sehr bald." (Sandra Eigner, derStandard.at, 2.9.2011)
Altwarenverkauf im Logistik-Center der MA 54
Mo - Fr 8.00 bis 13.30, Do 8.00 bis 18.00
21., Oswald-Redlich-Straße 9